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Christa D. Schäfer: Die partizipative Schule

Cover Christa D. Schäfer: Die partizipative Schule. Mit innovativen Konzepten zur demokratischen Schulkultur. Carl Link (Kronach) 2015. 189 Seiten. ISBN 978-3-556-06559-4. 34,90 EUR.
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Thema

Dieses Buch befasst sich mit der Frage, wie eine Schule Partizipation fördern kann, um zu einem Ort demokratischer Teilhabe und damit auch zu einem Ort demokratischer Bildung zu werden.

Autorin

Dr. Christa D. Schäfer ist ausgebildete Sozialmanagerin. Seit 2001 arbeitet sie freiberuflich im Spannungsfeld zwischen Pädagogik und Mediation. Als Mediatorin und Mediations-Ausbilderin ist sie in der Konfliktprävention, -intervention und -forschung tätig. Als Pädagogin arbeitet sie im Buddy e.V.-Programm deutschlandweit und mit unterschiedlichen Zielgruppen und Fachkräften sowie im Denkzeit-Training. Als freie Supervisorin, systemische Beraterin, Trainerin, Referentin und Coach arbeitet Christa Schäfer mit Einzelpersonen, Teams und Gruppen, für verschiedene Institutionen und in unterschiedlichen Settings.

Entstehungshintergrund

Die Autorin ist als Studienrätin mit der Schulkultur und den Abläufen in Schulen bestens vertraut. Sie hat in dieser Zeit Instrumente und Methoden zur Partizipation selbst erprobt. Durch ihre Weiterbildungen hat sie ein umfangreiches Know-how erworben und dieses im Zuge ihres Trainerdaseins durch zahlreiche Projekte in Schulen vermittelt und bereits etablieren können. Mit diesem Buch zeigt die Autorin auf, wie durch innovative Konzepte im Rahmen der Partizipation Möglichkeiten geschaffen werden können, eine demokratische Schule aufzubauen und weiter zu entwickeln.

Aufbau und Inhalt

Das Werk ist in fünf Kapitel gegliedert.

1. Einleitung. Einleitend konkretisiert die Autorin Schäfer ihre persönliche Motivation und die Fragestellungen des zu behandelnden Themas. Schäfer bietet die Möglichkeit, Formen der Umsetzung demokratischer Schulkultur und Schulentwicklung mit seinen Hintergründen, Zielen und Perspektiven vertiefend kennen zu lernen. Dazu gehören sowohl Bildungs- und Erziehungsansätze, die Inhalte über die Demokratie vermitteln oder demokratische Verhaltensweisen einüben sollen als auch Versuche, die Strukturen der Schule demokratisch so zu gestalten, dass eine Umgestaltung des schulischen Lernens möglich wird.

2. Grundlagen der partizipativen Schulentwicklung. Im zweiten Kapitel beschreibt Schäfer drei Wege Pädagogischer Schulentwicklung und benennt hierbei die Personale Entwicklung, die Unterrichtsentwicklung und die Organisationsentwicklung, die einerseits interdependent wirken und andererseits den Schulen durch die unterschiedlichen Entwicklungsschwerpunkte die Möglichkeit offerieren, ihre Schulentwicklung nach individuellen Entwicklungsbedürfnissen auszurichten, um demokratische Strukturen zu implementieren. Schäfer greift den Begriff Partizipation auf und benennt dabei Organisationsformen der Beteiligung und umschreibt Partizipation als eine Möglichkeit zur Entwicklung von Fertigkeiten und Kompetenzen. Schäfer geht auf die Kompetenzvielfalt ein, beschreibt Möglichkeiten ihres Erwerbs und erörtert, dass das schulische Lernen durch den Kompetenzerwerb von Partizipation gefördert wird. Es werden Umsetzungsformen und die unterschiedlichen Ebenen und Möglichkeiten der Beteiligung beschrieben und auf die Aspekte des demokratischen Vorgehens eingegangen. Schäfer geht auf die Bedeutung der „Demokratiepädagogik“ und der „Demokratiekompetenz“ ein und greift in diesem Zusammenhang die besondere Herausforderung für die Schulleitung auf. Dabei kommen Schulleitungen zu Wort, die sich auf den Weg zu einer demokratischen Schule gemacht haben und Aspekte benannt haben, die für sie herausfordernd waren.

3. Partizipative Schulentwicklung praktisch umgesetzt. Nach dem theoretischen Input benennt Schäfer wesentliche Faktoren für die praktische Umsetzung von Partizipation in Schulen. Sie beschreibt wie und mit welchen Methoden eine Anerkennungs- und Wertschätzungskultur in Schulen gefördert werden kann und wie wichtig die Stärkung von sowohl der individuellen als auch der kollektiven Selbstwirksamkeitserwartung in diesen Zusammenhängen ist. Als weiteren Faktor benennt sie die Kommunikation und das Konfliktmanagement. Schäfer beschreibt die wesentlichen Grundlagen der Kommunikation und Möglichkeiten eines konstruktiven Umgang mit Konflikten sowie die Vorzüge einer gewinnbringenden Feedbackkultur und Verantwortungsübernahme in Schulen. Schäfer stellt kooperative und projektbezogene Lernformen vor. Strukturmöglichkeiten und Gremien für die „tägliche“ Arbeit werden beschrieben und zahlreiches methodisches Handwerkszeug angeboten. Desweiteren geht Schäfer auf Veränderungsmöglichkeiten der Elternarbeit, Steuergruppen und im Kontext dessen auf Großgruppenmethoden ein.

4. Partizipativ leiten. Die Rolle der Schulleitung hält Schäfer im Zuge einer gelingenden Umsetzung von Schulentwicklungsprozessen für elementar. Sie greift die Kompetenzbereiche auf und beschreibt fünf Methoden des Leaderships, Möglichkeiten und Auswirkungen unterschiedlicher Führungsstile und benennt die Vorzüge des partizipativen Führungsstils.

5. Projektmanagement in einer partizipativen Schule. Im letzten Kapitel werden die Bedeutung von Audit und Demokratie-Audit definiert und auf der Basis von schulischen Qualitätsbereichen acht Qualitätsfelder des Demokratie-Audits zitiert und anschließend die Vorgehensweise erläutert und die Umsetzung, vom Aktionsplan zur Projektorganisation bis hin zur Stärken-Schwäche-Analyse benannt.

Diskussion

Da Demokratie eine Lebensform ist, brauchen wir ein effektives und vor allem aktives Eintreten für demokratisches Denken und Handeln in den Schulen. Von Schulentwicklung wird vielerorts gesprochen. Dieses Buch bietet die Chance, sich aktiv als Schule, die einen wesentlichen Teil der Lebenswelt von Kindern und Pädagogen ausmacht, auf den Weg zu einer demokratischen Schulkultur zu begeben. Dem Leser werden neben zahlreicher weiterführender Literatur diverse online- Materialien in Word zur Verfügung gestellt, die das Umsetzen der entsprechenden Aufgaben und Themen enorm erleichtern und daher als ausgesprochen praxisrelevant beurteilt werden.

Alle enthaltenen Beiträge können partiell gelesen werden, wenn der Leser an einem speziellen Inhalt besonders interessiert ist. Die Verweise auf die online-Materialien und vertiefende Literatur nach dem Kapitel oder entsprechenden Unterpunkt sind dabei hilfreich und wecken die Neugier auf Einzelheiten.

Mit einem sympathisch flüssigen Schreibstil führt Schäfer in die Thematik ein und weist dabei auf die Grundvoraussetzung einer Auseinandersetzung von Partizipation hin. Methodisch-didaktische Aspekte begleiten den Leser/ die Leserin fortlaufend durch den (Lese-) Prozess des Buches, sodass einem nicht nur ein Eindruck einer demokratischen Schulkultur vermittelt wird, sondern diese Prozesse auch vorstellbar und somit lebendig werden. Diese Form der Transparenz lädt dazu ein, Optionen für die eigene Schule zu entwickeln, eingeschlossen mit der Frage, welche Hürden es zu nehmen gäbe.

In der Auseinandersetzung mit der Frage, wer an Schulentwicklungsprozessen zu beteiligen sei, hätte ich mir die Implementierung der Erzieher an Schulen gewünscht, die meiner Ansicht nach einen wesentlichen Beitrag in Grundschulen leisten und in Schulentwicklungsprozesse unbedingt verstärkt und vor allem wertschätzend eingebunden werden sollten. Schule hat eine wichtige Funktion beim Erwerb eines entsprechenden „demokratischen Habitus“. Eine Verankerung demokratischer Werte in den Köpfen und Herzen der Menschen hat nur dann eine Chance, wenn alle als ein Teil dieses Systems beteiligt werden und allen Beteiligten Gelegenheiten zur Entwicklung demokratischer Handlungskompetenzen geboten werden.

Fazit

Das Buch ist ein herausragender Beitrag, den Alltag von Lehrkräften zu erleichtern und sollte in jeder Schule verfügbar sein. Die beschriebenen Instrumente und Methoden sind sehr verständlich formuliert und durch Grafiken unterlegt. Eine perfekte Ergänzung stellen die online-Materialien dar, die zum Download bereitgestellt werden. Durch sie können die im Buch beschriebenen Handlungsanregungen zielgerichtet und erfolgreich umgesetzt werden.


Rezensentin
Marianne Kleiner-Wuttke
Pädagogin, Autorin, Referentin und Trainerin
Homepage kleiner-wuttke.jimdo.com
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Zitiervorschlag
Marianne Kleiner-Wuttke. Rezension vom 28.10.2015 zu: Christa D. Schäfer: Die partizipative Schule. Mit innovativen Konzepten zur demokratischen Schulkultur. Carl Link (Kronach) 2015. ISBN 978-3-556-06559-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19600.php, Datum des Zugriffs 17.01.2019.


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