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Benedikt Sturzenhecker, Moritz Schwerthelm: Gesellschaftliches Engagement von Benachteiligten fördern – Band 2

Cover Benedikt Sturzenhecker, Moritz Schwerthelm: Gesellschaftliches Engagement von Benachteiligten fördern – Band 2 : Methodische Anregungen und Praxisbeispiele für die Offene Kinder- und Jugendarbeit. Verlag Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) 2015. 352 Seiten. ISBN 978-3-86793-636-1. 25,00 EUR.
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Thema und Entstehungshintergrund

Kindern und Jugendlichen mit sozialer Benachteiligung wird immer wieder unterstellt, dass diese kaum Interesse zur Übernahme von Verantwortung und gesellschaftlichem Engagement haben. Als Gegenposition könnte dagegengehalten werden, dass Kinder und Jugendliche sehr wohl dazu bereit sind und die gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen wesentlich eher davon abhängt, ob Kinder und Jugendliche ausreichend frei zugängliche und niederschwellige Räume und Gelegenheiten finden, in welchen sie eigene Themen und Interessen entdecken, äußern und aushandeln können. Ein spezifischer Ort, an welchem Kinder und Jugendliche genau dies erproben können, sind Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit hat einen gesetzlichen Auftrag jungen Menschen vielfältige Gelegenheiten zu eröffnen, welche Kinder und Jugendliche zur Selbstbestimmung befähigen, zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement anregen. Doch wie lässt sich dieser Auftrag in der Alltagspraxispraxis Offener Kinder- und Jugendarbeit ganz konkret umsetzen? Und aus welchen Gründen ist dies von ganz zentraler Bedeutung?

Die Publikation „Gesellschaftliches Engagement von Benachteiligten fördern“ knüpft an diesen Fragen an. Sie stellt die Ergebnisse eines von 2012 bis 2013 durchgeführten Modellprojekts „Gesellschaftliches Engagement Benachteiligter in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit fördern“ (GEBe) des Projekts „jungbewegt – Dein Einsatz zählt“ der Bertelsmann Stiftung vor. Dieses Modellprojekt unter der wissenschaftlichen Leitung von Benedikt Sturzenhecker verfolgte u.a. das Ziel, zeitgemäße und praxistaugliche Konzepte zu entwickeln, die Fachpersonen aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sowohl theoretischen Begründungszusammenhängen und Argumentationsgrundlagen als auch ganz konkrete Handlungsweisen und Methoden für die Alltagspraxis zur Verfügung stellen, damit die Selbstbestimmung und die Entwicklung gesellschaftlichen Engagements von Kindern und Jugendlichen gezielt gefördert werden können.

Auf der Grundlage dieses Teilprojektes entstand eine zweibändige Publikation. Der in diesem Beitrag rezensierte Band 2 knüpft an den ersten Band des Autors an, in welchem konzeptionell-theoretische Grundlagen und Begründungskontexte zur Förderung der Entwicklung von Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Engagement junger Menschen im Handlungsfeld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aufgezeigt werden (vgl. URL: www.socialnet.de/rezensionen/19601.php).

Herausgeber, Autorinnen und Autoren

Herausgeber der zweibändigen Publikation, in welchen die Ergebnisse des Projekts aufgearbeitet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden ist Benedikt Sturzenhecker. Benedikt Sturzenhecker, Dr. phil., Dipl.-Päd., ist Professor für Sozialpädagogik und außerschulische Bildung an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg. Seine Arbeits- und Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Offene Kinder- und Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit, Demokratiebildung in der Kinder- und Jugendhilfe, ästhetische Bildung in der Jugendarbeit sowie Eltern-Kind-Zentren. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen in diesen Themenfeldern. Mitherausgeber des zweiten Bandes ist Moritz Schwerthelm, M.A. Erziehungs- und Bildungswissenschaft, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich „Sozialpädagogik / ausserschulische Kinder- und Jugendbildung“ an der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg. Zu den weiteren Mitautorinnen und Mitautoren gehören Nicole Degenhardt (Dipl.-Päd., Spiel- und Theaterpädagogin) und Heike Schlottau (Dipl-Soz., Lehrerin).

Aufbau und Inhalt

Die Publikation gliedert sich in folgende drei Kapitel:

  1. Einleitung
  2. Arbeitsprinzipien und Methoden der Förderung gesellschaftlichen Engagements in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
  3. Erweiterung - Praktische Anregungen aus anderen Projekten

In der Einleitung (Kapitel A) stellen die Autoren Sturzenhecker und Schwerthelm den Entstehungskontext und die Zielsetzung des Teilprojekts GEBe vor. In weiteren Unterkapiteln nimmt Schwerthelm eine Beschreibung der beteiligten Kinder und Jugendlichen aus den sieben im Teilprojekt involvierten Einrichtungen Offener Kinder- und Jugendarbeit vor. Portraitiert werden auch die am Projekt beteiligten Einrichtungen Offener Kinder- und Jugendarbeit mit ihren jeweiligen Zielsetzungen und -gruppen und den Erfahrungen der beteiligten Fachpersonen im Projekt.

Im Hauptteil der Publikation (Kapitel B) beschreibt Sturzenhecker zentrale Arbeitsprinzipien und Methoden der Förderung gesellschaftlichen Engagements in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. In einem ersten Unterkapitel wird zunächst ein kurzer Rückbezug zu Band 1 (vgl. URL: www.socialnet.de/rezensionen/19601.php) hergestellt, indem erläutert wird, wie und warum gesellschaftliches Engagement in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit gefördert werden kann. Dabei werden zentrale konzeptionelle Kernaufgaben der Förderung gesellschaftlichen demokratischen Engagements benachteiligter Kinder und Jugendlicher in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit beschrieben und durch konkrete Praxiseispiele aus dem Projekt GEBe ergänzt. Anschließend stellt Sturzenhecker zwei zentrale „methodische Wege“ zur Förderung gesellschaftlichen Engagements von Kindern und Jugendlichen im Alltag der Offenen Kinder- und Jugendarbeit vor.

Der „erste methodische Weg“ hat zumZiel Anliegen und Themen von Kindern und Jugendlichen aufzugreifen und schrittweise zu bearbeiten und umfasst die folgenden vier aufeinander aufbauenden methodischen Schritte: Im ersten Schritt „Beobachten“ werden Übungen und Instrumente vorgestellt, welche Fachpersonen dabei unterstützen das „Beobachten“ von Kindern und Jugendlichen im Alltag einzuüben – verbunden mit dem Ziel, Themen und Möglichkeiten gesellschaftlichen Engagements von Kindern und Jugendlichen wahrzunehmen und zu reflektieren. Dazu gehören u.a. Übungen, die dabei helfen können, typische Alltagsäußerungen Jugendlicher, beispielsweise aus dem Bereich der „Fäkalsprache“, nicht sofort negativ zu interpretieren, sondern diese positiv umzudeuten und diese Ausdrücke als „direkte, emotional engagierte und volkstümliche Ausdrucksweise“ Jugendlicher zu verstehen. Die Qualität einer solchen Beobachtung sieht Sturzenhecker darin, dass derartige Alltagssituationen als Ausgangsmaterial für fachliche Reflexionen dienen und helfen den Gehalt gesellschaftsrelevanter Themen und Handlungsweisen von Kindern und Jugendlichen besser zu erkennen. Im zweiten Schritt „Auswertung“ werden verschiedene Übungen vorgestellt, welche Fachpersonen dabei unterstützen auf Grundlage der im ersten Schritt vollzogenen Beobachtungen und Neuinterpretationen, versteckte Bedürfnisse und Themen von Kindern und Jugendlichen zu entdecken. Auf diese Weise wird es möglich, Selbstbildungspotentiale von Kindern und Jugendlichen in den Fokus zu nehmen und konstruktiv aufzugreifen. Der dritte Schritt beinhaltet eine „dialogische Klärung“, bei der es darum geht, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen die zuvor nur aus Sicht der pädagogischen Expertinnen und Experten eruierten gesellschaftsrelevanten Inhalte in einer Aushandlung mit den Kindern oder Jugendlichen zu bringen, um mit ihnen zu prüfen ob und wie diese Themen sie tatsächlich betreffen und motivieren. Nur wenn die Kinder und Jugendlichen die von den Fachpersonen heraus interpretierten Themen bestätigen bzw. variieren können und sollen sie gemeinsam weiter bearbeitet werden. Wie diese dialogischen Aushandlungsprozesse im direkten Kontakt mit Kindern und Jugendlichen gestaltet werden können, wird anhand weiterer verschiedener Übungen vorgestellt. So stellt Sturzenhecker ein Repertoire an Methoden und Instrumenten wie z.B. ein regelgeleitetes Feedback oder mediale Inszenierungsmöglichkeiten vor. Der „erste methodische Weg“ schließt mit einem vierten Schritt „ein Projekt gesellschaftlichen Engagements gestalten“ und weiterführenden Hinweisen und Beispielen ab, in denen dargestellt wird, wie Fachpersonen Kinder und Jugendliche dabei unterstützen können, sich selbst sowie ihre Anliegen und ihre gesellschaftsrelevanten Themen in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen und zu positionieren.

Der „zweite methodische Weg“, den Sturzenhecker aufzeigt, beinhaltet Übungen und Instrumente, mit denen die Fachpersonen selbst Themen und Arbeitsweisen der Selbstbildung und des gesellschaftlichen Engagements in den Alltag der Offenen Kinder- und Jugendarbeit einbringen können. Dabei wird aufgezeigt, welche Voraussetzungen und Bedingungen in einem solchen Prozess zu berücksichtigen sind, damit dies in demokratischer Weise gelingen kann. In den Themenbereich der Selbstbildung und des gesellschaftlichen Engagements gehören Themen wie z.B. Raum, Essen, Kleidung, Gesundheit, Sicherheit, Erziehung, Sexualität, Politik etc. Nach Sturzenhecker können diese Themen gesellschaftlichen Engagements auf Grundlage aktueller Forschungsbefunde (z.B. Ergebnisse der SINUS-Studie), gesellschaftlicher Debatten (z.B. Gewalt, Rassismus, Sexismus), aus eigenen Biographien der Fachpersonen (z.B. Werdegang, Hobbies) oder aufgrund pädagogischer Argumente und Konzepte definiert werden. Auf der Grundlage dieses Themenangebots leitet Sturzenhecker verschiedene zu bewältigende Aufgaben ab und entwickelt dazu jeweils mögliche Formen und Orte der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen (z.B. Mahlzeiten gemeinsam planen und zubereiten oder Räume mitgestalten und sich dafür einsetzen). Der Unterschied zum methodischen Weg 1 besteht also besonders darin, dass bei Weg 2 die Fachkräfte die Themen aus ihrer pädagogischen Perspektive vorgegeben und sie nicht zunächst aus Beobachtung und Interpretation des Handelns der Kinder und Jugendlichen ableiten.

In beiden methodischen Wegen werden dabei bereits bestehende Formen des Engagements von Kindern und Jugendlichen aktiv miteinbezogen. Dabei werden auch Bezugspunkte zum kommunalen Umfeld von Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aufgezeigt, in dem das Engagement von Kindern und Jugendlichen für diese selbst und für die Öffentlichkeit gesellschaftlich erfahrbar werden kann – verbunden mit dem Ziel demokratische Mitwirkungs- und Entscheidungsprozesse eröffnen zu können.

Das letzte Unterkapitel des Kapitels B umfasst eine von Schwerthelm zusammengestellte Sammlung beispielhafter Arbeitsmaterialien und konkreter Instrumente,welche aufzeigen, wie im Projekt GEBe gesellschaftliches Engagement konkret gefördert wurde. Diese verschiedenen Arbeitsmaterialien und Instrumente knüpfen an den zuvor vorgestellten „methodischen Wegen“ an, indem z.B. aufgezeigt wird, wie gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen Themen gesucht und gefunden wurden oder wie die Fachkräfte Aushandlungsprozesse zu Bedürfnislagen und Themen in Gang bringen können. Zur Veranschaulichung wurden die unterschiedlichen Instrumente (z.B. Erstellen einer Wandzeitung, Durchführung einer Schimpfwortbefragung, Entwicklung eines Wörterbuchs der Beleidigungen) anhand von im Projekt GEBe gesammelten Alltagssituationen exemplarisch und detailliert vorgestellt.

Im letzten Kapitel der Publikation (Kapitel C) werden Erkenntnisse und praktische Anregungen aus zwei anderen Projekten vorgestellt.Diese wurden bereits im Rahmen anderer Publikationen veröffentlicht, lieferten jedoch für die Entwicklung und Durchführung des Projekts GEBe praktische Anregungen.

Im ersten Beitrag in Kapitel C berichten die Autoren Röhrig und Sturzenhecker über ein Praxisprojekt mit dem Titel „Bildung auf dem KLO. Ein Playing-Arts-Projekt in einem evangelischen Jugendhaus“. Anhand dieses Projekts zeigen die Autoren exemplarisch auf, wie Handeln von Kindern und Jugendlichen im Alltag der Offenen Kinder. und Jugendarbeit von Fachpersonen konstruktiv aufgegriffen werden kann. Das Projekt zeigt auf, wie lohnenswert es sein kann provozierende und zunächst abwegig erscheinende Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen auf potentielle Selbstbildungsthemen hin zu prüfen und zu bearbeiten. Exemplarisch zeigen die Autoren auf, wie ästhetische Methoden dieses Prozess unterstützen können und wie Gelegenheiten geschaffen werden, in denen es Kindern und Jugendlichen gelingt eigene Positionen, Inhalte und Interessen medial zum Ausdruck zu bringen und Formen der Selbstbildung und Aneignung im Alltag erleben zu können.

Im zweiten Beitrag mit dem Titel „‚Wir haben was zu sagen‘ – Jugendliche diskutieren mit Verantwortlichen“ berichtet Schlottau über die Bildungsarbeit mit benachteiligten Jugendlichen in einem Ausbildungsvorbereitungsjahr. Im Zentrum steht dabei, dass Jugendliche Gelegenheiten erhalten, ihre eigenen Vorstellungen von einem guten Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft zu entwickeln und zu formulieren. Die Autorin zeigt dabei auf, wie Jugendliche ihre Vorstellungen und Themen in unterschiedliche Öffentlichkeiten einbringen und mit Vertreterinnen und Vertretern aus für sie gesellschaftlich bedeutsamen Institutionen wie der Polizei und der Presse diskutieren können – mit dem Ergebnis, dass alle Beteiligten im Projekt einen wichtigen Beitrag für das demokratische Zusammenleben leisteten.

Diskussion

Die zweibändige Publikation ist vom Leitgedanken getragen, dass es benachteiligten Kindern und Jugendlichen nicht an Formen der Selbstbestimmung und am Willen zur gesellschaftlichen Mitverantwortung und sozialen Engagement fehlt. Vielmehr wird von einem Mangel adäquater Orte und Gelegenheiten für Kinder und Jugendliche ausgegangen, an welchen sie Formen der Selbstbestimmung, gesellschaftliche Mitverantwortung und soziales Engagement entlang für sie relevanten Themen entwickeln und erproben können.

Im hier rezensierten zweiten Band zeigen die Autorinnen und Autoren verschiedene konkrete methodische Zugänge auf, die Fachpersonen schrittweise dazu anleiten, typische und wiederkehrende Alltagssituationen in Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit kritisch zu reflektieren. Gleichzeitig lassen sich damit neue Sicht- und Deutungsweisen mit Blick auf das Alltagshandeln von Kindern und Jugendliche in Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit eröffnen. Auf diese Weise erweitert sich nicht nur das Handlungsrepertoire und -spektrum der Fachpersonen, es kann darüber hinaus gezielt ein selbstbestimmtes und gesellschaftliches Wirken von Kindern und Jugendlichen gefördert werden.

Für die Heranführung an die „methodischen Wege“ beschreibt Sturzenhecker für jeden Schritt in einem einleitenden Teil, auf Grundlage von Literatur zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit und zu verschiedenen Bezugswissenschaften (Soziologie, Psychologie, etc.), zentrale Grundprämissen und Begründungen, die für das Handeln der Fachpersonen relevant sind. Aufbauend auf diesen Ausführungen stellt der Autor für jeden einzelnen Schritt eine Auswahl an „Übungen“ vor. Die Beschreibung der einzelnen Übungen beinhalten neben der Benennung der Zielsetzungen auch Kurzdarstellungen relevanter theoretischer Hintergründe sowie Erläuterungen, in welcher Weise die Übung auch das gesellschaftliche Engagement von Kindern und Jugendlichen fördern kann. Des Weiteren wird das methodische Vorgehen schrittweise und mithilfe konkreter Alltagsbeispiele aus der Praxis beschrieben. Die Beschreibung der Übungen schließen jeweils mit weiterführenden Hinweisen und Möglichkeiten für die Weiterbearbeitung. Durch diesen strukturellen Aufbau der Publikation gelingt es dem Autor, die einzelnen methodischen Schritte und Übungen nachvollziehbar und vor allem begründet darzustellen und deren jeweiligen Wert für die Alltagspraxis sichtbar zu machen und daran anknüpfend praktische Hinweise und Anregungen für die Umsetzung zu formulieren.

Die beiden Texte des Kapitels C unterstützen die lesende Person Prozesse der Entwicklung von Selbstbestimmung, gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialen Engagements von Kindern und Jugendlichen anhand zweier Praxisprojekte exemplarisch nachzuvollziehen und die im Prozess erzielten Wirkungen erfassen zu können.

Fazit

Die Publikation des zweiten Bandes „Gesellschaftliches Engagement von Benachteiligten“ bietet Fachpersonen aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ein breites Repertoire an methodischen Anregungen und konkreten Übungsinstrumenten, die dazu beitragen die Entwicklung von Selbstbestimmung, gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialen Engagements von Kindern und Jugendlichen im Alltag systematisch zu fördern. Berufsanfängerinnen und -fänger als auch langjährig tätige Fachpersonen, die in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit oder in angrenzenden Handlungsfeldern der außerschulischen Bildung oder der Kinder- und Jugendhilfe tätig sind, finden eine fachlich fundierte und zugleich äußerst praxisnahe Anleitung zur Weiterentwicklung der eigenen Alltagspraxis. Die verständlichen und klar strukturierten Übungen laden die Lesenden zum Auszuprobieren und Experimentieren in der Praxis und anschließenden fachlichen Diskussionen ein. Eilige Lesende finden in Kurzzusammenfassungen („short cuts“) knappe, pointierte Erläuterungen zu den unterschiedlichen Methoden, zur vertiefenden Lektüre finden sich jedoch auch Texte mit weiterreichenden Ausführungen und Begründungen („extended versions“). Die Publikation leistet insgesamt ein wertvollen Beitrag das eigene Handeln hinsichtlich der Förderung der Entwicklung von Selbstbestimmung, gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialen Engagements von Kindern und Jugendlichen im Alltag bewusster wahrzunehmen, zu reflektieren, dialogischer auszugestalten und die Themen und das Engagement von Kindern und Jugendlichen gezielter in die Öffentlichkeit zu tragen.

Diese Publikation ergänzt die im ersten Band „Gesellschaftliches Engagement von Benachteiligten“ dargestellten Grundlagen optimal und enthält eine differenzierte methodische Anleitung, die zeigt, wie man Offene Kinder- und Jugendarbeit im Alltag konkret macht. Ein solch detailliertes Instrumentarium, welches seine Methoden und Instrumente genau aus den fachlichen und gesetzlichen Zielsetzungen der Jugendarbeit ableitet, lag bisher nicht vor. Obschon im Buch die Hauptzielgruppe der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, die Benachteiligten thematisiert wird, kann das Buch doch auch als generelle Handlungsorientierung für dieses Praxisfeld gelesen werden. Das, was die konzeptionellen Ansätze der Offenen Jugendarbeit als Bildung und politische Bildung schon länger gefordert hatten, wird hier operationalisiert. Praxis methodisch so genau anleiten zu wollen, ist sicherlich ein Wagnis, sind doch die einzelnen Zielgruppen und Jugendhäuser sehr verschieden und gestalten sich pädagogische Prozesse unwägbar. Dennoch liegt der Verdienst des Bandes darin, methodische Vorgehensweisen vorzuschlagen und damit Fachpersonen anzuregen, bei den (politischen) Bildungsthemen von Kindern und Jugendlichen anzusetzen, methodisch zu experimentieren und bewusster zu reflektieren. Die Methoden wurden in einem Modellprojekt erprobt und die Arbeit damit konnte zeigen, welche intensiven demokratisch-gesellschaftlichen Bildungsprozesse ausgehend von dem Alltagshandeln der Kinder und Jugendlichen entfaltet werden können. So verwundert es nicht, dass die am Modellprojekt beteiligten Fachkräfte von einer deutlichen Revitalisierung ihrer Berufsmotivation berichteten. Das Buch macht also Mut und Lust die Praxis der Offenen Kinder- und Jugendarbeit weiter zu wagen und zu entwickeln.


Rezensent
Manuel Fuchs
M.A. Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz
Homepage www.fhnw.ch/sozialearbeit
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Rezensentin
Julia Gerodetti
M.A. Soziale Arbeit, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz, www.fhnw.ch.
Homepage www.fhnw.ch
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Zitiervorschlag
Manuel Fuchs/Julia Gerodetti. Rezension vom 21.12.2015 zu: Benedikt Sturzenhecker, Moritz Schwerthelm: Gesellschaftliches Engagement von Benachteiligten fördern – Band 2 : Methodische Anregungen und Praxisbeispiele für die Offene Kinder- und Jugendarbeit. Verlag Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) 2015. ISBN 978-3-86793-636-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19602.php, Datum des Zugriffs 24.03.2019.


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