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Uwe Reineck, Mirja Anderl: Mythos Change. Verändern verändern

Cover Uwe Reineck, Mirja Anderl: Mythos Change. Verändern verändern. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 235 Seiten. ISBN 978-3-407-36558-3. 39,95 EUR.
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Herausgeberin und Herausgeber

Reineck Uwe ist Diplom-Psychologe, seit 1991 Coach, Ausbilder von Trainern und Beratern sowie Unternehmenskulturschaffender. Mitbegründer der MAICONSULTING Managementberatung und Akademie in Heidelberg

Anderl Mirja ist Juristin und Geschäftsführerein, seit 2007 Organisationsberaterin, Coach und Trainerin. Mitgestalterin der MAICONSULTING Managementberatung und Akademie in Heidelberg

Thema und Zielsetzung

Die Autoren schreiben das Buch aus der Verdrossenheit gegenüber Change-Prozessen, da sie ihrer Meinung nach nicht oder nur schlecht funktionieren. Was bleibt ist die Betroffenheit der Beteiligten: „Aus der Begleitung ist Changismus geworden, der noch Glück hat, wenn er sich nur lächerlich macht.“ Ein hohes Maß an Frustration der Autoren wird im Vorwort offenbar. Eine psychologisierende Herangehensweise führt zu einer phänomenologischen Analyse der gegenwärtigen Situation vieler Change-Prozesse und führt – methodisch nicht nachvollziehbar und mit der eigenen Praxis begründet – zur grundsätzlichen Kritik der gegenwärtigen Praxis mit dem Versuch, einen positiven Entwurf zu kreieren, den sie Passagement nennen.

Aufbau und ausgewählte Inhalte

Das in drei Abschnitte gegliederte Werk bringt im ersten Abschnitt wird seitens der Autoren der Versuch unternommen, mit Change-Geschichten, Geschichtssplittern des Managements von den 1920er-Jahren bis zu weiteren Splittern des modernen Managements die Zeitgeister in Organisationen auf 60 Seiten darzustellen.

Im zweiten Abschnitt wird der Versuch unternommen, den das Change Management weiterführenden Entwurf des Passagements vorzustellen. Dabei geht es von der Definition und den Prinzipien des Passagements über die Archäologie der Veränderungsruinen zur Dekonstruktion von Kommunikation

Im dritten Abschnitt werden Trends beschrieben, die von außen auf die Unternehmen zukommen werden: „vielleicht als neue Zeitgeister, vielleicht als Gefolge der digitalen Revolution“. Mit etwas Abstand gesehen werden hier Themen angesprochen, die theoretisch durchaus einordenbar wären, wie der Trend zum vernetzten Unternehmen. Der Kulturwandel wie ihn schon Doppler/Lauterburg oder Hammer/Champy beschrieben haben geht – ob als Zeitgeist oder Weiterentwicklung von Unternehmen gesehen – kontinuierlich weiter. Dass es für manche Unternehmen auf Grund der komplexen Anforderungen schwierig wird, ist nachvollziehbar. Dass es dazu neue Konzepte im Change Management braucht ist jedenfalls nachvollziehbar.

Hervorzuheben wären:

  • Im ersten Abschnitt die Geschichten rund um Change: Change-Geschichte zum langen Marsch der Blumenkinder, Change enttäuscht, Illussionen, Helfer, Blüten. Ein weiterer Scherpunkt ist die Geschichte, die mit 1920 und dem Auftritt der Psychologen beginnt, dann kam Peter Drucker ab den 50er Jahren, seit 1980 haben wir es mit der gelben Gefahr und den strahlenden Sternen zu tun.
  • Im zweiten Abschnitt treten die Zeitgeister in Form von Differenzierung, Ästhetisierung, Psychologismus und Amerikanismus auf. Das klingt sehr nach dem Aufruf zu mehr Aktionismus. Richtigerweise braucht es in Europa einen Bezug zur Vergangenheit. Es brauchte aber auch die Zeit japanische Modelle auf Amerika zu übertragen und dann auf Europa zu adaptieren. Dieses Verständnis könnte ausgeprägter sein.
  • Im dritten Abschnitt räumen die Autoren recht plakativ auch mit Illusionen zum Change Management auf: Hoffentlich ist alles besser (1), wenn alle an einem Strang ziehen (2) und wenn es doch eine gute Führung gäbe (3). Einen Blick kann man auch auf die Musterbrecher richten. Sie reichen u.a. vom Führungsstil über alle moderieren bis zur radikalen Reduktion von Besprechungen und Freiräumen für Innovationen.

Fazit

Am Anfang gibt es auf der linken Seite etwas unauffällig den Hinweis auf Icons, die zu Beispielen, Literaturtipps, Infos und Methoden führen. Im Anhang unterstützt ein Methodenverzeichnis den suchenden Leser. Es ist durchaus interessant, welche Sichtweisen man zur Entwicklung in Richtung einer Netzwerkorganisation entwickeln kann.


Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
Studiengang Sozial- und Verwaltungsmanagement (SVM). Masterstudiengang Services of General Interest (SGI). Koordinator des Studiengangs Sozialmanagement. FH OÖ-Studienbetriebs GmbH, Campus Linz
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 06.10.2015 zu: Uwe Reineck, Mirja Anderl: Mythos Change. Verändern verändern. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. ISBN 978-3-407-36558-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19605.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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