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Gerd F. Kamiske: Handbuch QM-Methoden

Cover Gerd F. Kamiske: Handbuch QM-Methoden. Die richtige Methode auswählen und erfolgreich umsetzen. Hanser Verlag (München) 2015. 963 Seiten. ISBN 978-3-446-44388-4. 179,99 EUR.

+ CD-ROM. Systemvoraussetzungen der CD-ROM-Beil.: Windows 2000, Windows XP, Windows Vista, Windows 7 oder höher, Prozessor: Pentium 4 (oder Equivalent, 120 MHz) oder höher, 32 MB RAM oder höher, 1024-x-768-Display mit 16 Bit oder höher.
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Autor und Herausgeber

Kamiske Gerd F. – ehemals Leiter der Qualitätssicherung bei VW in Wolfsburg und Gründer der Qualitätswissenschaft an der TU Berlin verbindet Praxis und Wissenschaft. Unter seiner Leitung vermitteln ausgewiesene Experten rund um die Methoden und Werkzeuge des Qualitätsmanagements nicht nur einen Werkzeugkasten zum Qualitätsmanagement, sondern auch die dazu notwendige Unternehmenskultur.

Thema und Zielsetzung

Der Titel des Buches ist etwas irreführend, zumal der sehr umfangreiche Inhalt nicht nur auf die Methoden und Werkzeuge rekurriert, sondern auch die notwendige Veränderung der Unternehmenskultur unter den Aspekten des Erreichens und Erhaltens von Qualitätsstandards anspricht. Nach einer ausführlichen, durchaus lesenswerten Einführung in das Thema QM wird bei allen Methoden auf Grundlagen, Nutzen und Umsetzung genau hingeschaut. Praktische Arbeitshilfen werden auch in elektronischer Form mitgeliefert. Das Buch fokussiert insbesondere auf den Produktionsbereich, lässt sich aber auch in weiten Strecken auf Dienstleistungen umlegen.

Aufbau

Das Buch mit 963 Seiten ist in zwei umfangreiche Teile gegliedert: Methoden und Werkzeuge.

Beide Teile werden nachfolgend dargestellt und stellen für den Leser eine neue Form von „Pocket Power“ dar, indem sowohl die Hintergründe aus der Theorie als auch praktische Beispiele recht übersichtlich dargestellt werden.

Zum ersten Teil – Methoden

Zunächst zu den Methoden des Qualitätsmanagements im ersten Teil des Kompendiums: Das erste Kapitel beginnt mit dem TQM (Total Quality Management). Es ist Aufgabe der Führungskräfte als Vorbild voranzugehen, sich um die Entwicklung der MitarbeiterInnen zu kümmern und auch die Lieferanten einzubeziehen und mit ihren Fähigkeiten zu nutzen. Die strategische Ausrichtung auf der Basis von Werten wird ebenso thematisiert wie das Setzen von Zielen, die Anwendung von Kaizen bis hin zum internen Kunden-Lieferanten-Verständnis – für viele Betriebe ein radikales Umdenken. Daran anschließend werden noch das Lean Management als Basis für das Qualitätsmanagement, das Benchmarking als Form der ständigen Weiterentwicklung von Qualität und das Qualitätscontrolling im Sinne von Qualitätssicherung vorgestellt.

Die nächsten Kapitel sind der Qualitätsplanung, dem Advanced Product Quality Planning und dem Total Productive Management gewidmet. Dabei fällt es nicht schwer Parallelen zu Dienstleistungen zu finden, zumal der Ansatzpunkt hier die sog. produktnahen Dienstleistungen sind. Zusätzlich geht es im Kano-Modell als Planungsinstrument darum, die Basisanforderungen des Produktes oder einer Dienstleistung zu definieren, ebenso die Leistungsanforderungen sowie die Begeisterungsforderungen. Damit lassen sich die Kundenanforderungen identifizieren, strukturiert darstellen und klar bewerten. In weiterer Folge geht es um die Einbindung möglichst aller Teilnehmer entlang des Erstellungsprozesses ausgehend vom Produkt, der Herstellung und Beschaffung bis hin zur Risikoprävention. Weiter geht´s zu den Verbesserungspotenzialen im Zusammenspiel von Mensch, Anlage (oder Dienstleistung) und Arbeitsumfeld. Beseitigung von Hauptproblemen, die autonome Instandhaltung sowie die Instandhaltungsprävention spielen in der Produktion eine wesentliche Rolle, wobei ein Umlegen auf Dienstleistungen gefragt ist und naheliegt. Daran – die Logik der Aneinanderreihung von den Kapiteln ist nicht immer logisch nachvollziehbar – schließen sich Kapitel zum KVP, dem Lean Management sowie dem Kanban an. Damit lassen sich auch bei sozialen Dienstleistungen zahlreiche sichtbare Projekterfolge mit Zielrichtung von gleichzeitig mehr Kundennutzen und geringeren Kosten feiern. Zum Abschluss des ersten Teiles gehen die Autoren gut gerafft und strukturiert auf die relevanten Punkte des Projektmanagements ein. Knappe 10 Seiten sind dem Change Management gewidmet. Daran schließen sich ein Kapitel zur Balanced Scorecard, eine Leitlinie zur Problemlösung auf Basis von Six Sigma und Fallbeispiele an. Den Abschluss des ersten Buchteils bilden Kapitel zum Qualitätsaudit, dem Layered Process Audit und dem EFQM-Modell mit Anleitung zur Selbstbewertung. Ein lösungsorientiertes und somit selektives Lesen ist dem Leser angesichts des Umfangs anzuraten.

Zum zweiten Teil – Werkzeuge

Im zweiten Teil des Buches startet der Themenbogen beim systematischen Lösen von Problemen mit der sehr mächtigen 8D-Methode, die in 8 Schritten vom Team bilden und Problem beschreiben bis zu Vorbeugungsmaßnahmen und dem Abschluss des Problemlösungsprozesse geht. Anwendung findet die Methode am häufigsten bei Kundenreklamationen verbunden mit Sofortmaßnahmen. Anschließend wird aus dem Kaizen das 5S-Methode vorgestellt, mit der Ordnung, Sauberkeit, Standardisierung und Disziplin in einen Arbeitsbereich integriert werden können. Die Grundlage für ganzheitliche QM-Konzepte. Die 7W-Fragen, die Q7-Qualitätswerkzeuge sowie die M7-Managementwerkzeuge sind in den nächsten Kapiteln zu finden. Die Fehlermöglichkeits- und einflussanalyse (FMEA) und die Fehlerbaumanalyse sind weitere systematische Instrumente zur Fehlersuche und des Erarbeitens von Lösungen. Poka Yoke als vorwiegend technische Möglichkeit zur Fehlervermeidung lässt sich auch in einen Prozess integrieren. Spannender wird es dann für Dienstleister wenn es um die Qualitätsplanung geht. Mit dem Quality Function Deployment (QFD) wird versucht, die Wünsche des Kunden bzw. die Erfordernisse des Marktes mit den Zeit-, Kosten- und Qualitätszielen in Einklang zu bringen. Dies betrifft die Qualität beginnend beim Produkt, der Konstruktion, dem Prozess und bis zur Produktion. Dies natürlich abteilungsübergreifend. Auch für Dienstleistungen wird ein Simulieren oder Ausprobieren von Dienstleistungen immer wichtiger, weshalb das Kapitel „Design of Experiments (DoE)“ auch für Dienstleistungen adaptiert werden könnte. Etwas weniger statistisch würde man bei Dienstleistungen eher auf kleine Verbesserungen im Prozess und seinem Layout fokussieren. Für große Stückzahlen wird dann sowohl bei Prozessen als auch bei Dienstleistungen eine statistische Prozessregelung interessant.

Diskussion und Fazit

Das vorliegende Buch ist schlicht umfassend für den Produktionsbereich. Das gesammelte Wissen wird in beeindruckender Form übersichtlich dargestellt. Auch wenn Dienstleistungen nicht immer angesprochen werden, so ist das Buch auch ein Nachschlagewerk für Qualitätsinteressierte vom Studenten über den interessierten Sachbearbeiter, die Führungskraft und den Berater in der Sozialwirtschaft. Die Erkenntnisse des Prozess- und Qualitätsmanagements sind umfassend dargestellt und zum Nachschlagen gut aufbereitet. Interessant ist insbesondere der erste Teil für eine tiefergehende Einführung in das Qualitätsmanagement von der strukturierten Problemlösung bis hin zur ständigen Verbesserung im operativen Bereich einerseits und dem Changemanagement inclusive Projektmanagement auf der anderen Seite. Dies alles auch unter dem übergreifenden Aspekt der Balanced Scorecard. Die Inhalte sind weitgehend auch auf soziale Dienstleistungen übertragbar, müssen aber um die Besonderheiten von (sozialen) Dienstleistungen ergänzt werden.

Speziell der Teil um das TQM erscheint als Basislektüre für Führungskräfte aus der Sozialwirtschaft ebenso geeignet, wie der Kontinuierliche Verbesserungsprozess und das Lean Management. Gerade hier tun sich eine Reihe von Anwendungsmöglichkeiten in der Gestaltung der Prozessqualität bei Unterstützungsprozessen bei sozialen Dienstleistern auf. Hier ist eine Umlegung auf jeden Fall sinnvoll und eröffnet auch ein neues „Sparpotential“ im Bereich der Sozialwirtschaft.

Eine Reihe von Selbstbewertungssystemen auch in der Sozialwirtschaft basieren auf dem EFQM-Modell, das in diesem Buch auf etwa 25 Seiten gut beschrieben ist. Die in der Sozialwirtschaft gewachsenen Prozesse mit all ihren oft beklagten Unzulänglichkeiten sind ein weiter Anwendungsbereich für die Qualitäts- und Managementwerkzeuge. Angesichts des steigenden Budgetdrucks bietet damit dieses Buch durch die Darstellung einer Vielzahl von Qualitätswerkzeugen dem Leser zahlreiche Möglichkeiten zur Anwendung auch in der Sozialwirtschaft.

Es bietet sich natürlich für den Suchenden auch die Alternative, mit einer Reihe von Büchern das Thema Qualitätsmanagement abzudecken. Unter diesem Aspekt erscheint der Umfang im Verhältnis zum Preis durchaus gerechtfertigt. Ein Zusammensuchen von Literatur erübrigt sich – vom Aspekt der Dienstleistungen abgesehen. Pocket Power könnte so eine neue Definition erhalten.


Rezensent
Prof. Dr. Paul Brandl
Studiengang Sozial- und Verwaltungsmanagement (SVM). Masterstudiengang Services of General Interest (SGI). Koordinator des Studiengangs Sozialmanagement. FH OÖ-Studienbetriebs GmbH, Campus Linz
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 04.12.2015 zu: Gerd F. Kamiske: Handbuch QM-Methoden. Die richtige Methode auswählen und erfolgreich umsetzen. Hanser Verlag (München) 2015. ISBN 978-3-446-44388-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19639.php, Datum des Zugriffs 21.08.2019.


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