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Harald Britze: Beratung und Aufsicht

Cover Harald Britze: Beratung und Aufsicht. Das Tätigkeitsprofil der Heimaufsicht in stationären Einrichtungen der Erziehungshilfe vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Wirkung. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2015. 512 Seiten. ISBN 978-3-7815-2054-7. 36,00 EUR.
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Thema

Das Buch beschreibt sehr ausführlich den aktuellen Stand der Heimaufsicht im stationären Bereich der Erziehungshilfen, um daran ein Forschungsprojekte zu knüpfen, welches wichtige Erkenntnisse zur Weiterentwicklung und Qualifizierung von heimaufsichtlichen Handeln entwickelt.

Autor

Harald Britze, geboren 1969, begann seine berufliche Tätigkeit als Dipl. Sozialpädagoge (FH) in der Heimerziehung und später in weiteren Hilfen zur Erziehung. Nach Studien der Sozialbetriebswirtschaft und des Managements sozialer Organisationen war er im Referat für Jugendpolitik/ Jugendhilfe des Bayerischen Sozialministeriums tätig. Heute leitet er das Team „Hilfen zur Erziehung – Zentrale Adoptionsstelle“ in ZBFS – Bayerisches Landesjugendamt. Hier befasst er sich u.a. intensiv mit der Entwicklung fachlicher Empfehlungen und Konzepten zur Steuerung erzieherischer Hilfen durch das Jugendamt.

Entstehungshintergrund

Britze führt an, dass es zwar vereinzelt Fachaufsätze zum Thema der Heimaufsicht in der stationären Kinder und Jugendhilfe gibt, jedoch wenige Forschungsergebnisse im wissenschaftlichen Bereich. Nicht zuletzt besteht hier ein vermehrtes Interesse aufgrund der gewaltigen Kosten der Heimerziehung. Eine Weiterentwicklung des Handelns aller an der Erziehungshilfe beteiligten Personen kann laut Britze jedoch nur gelingen, wenn die Auswirkungen pädagogischer Handlungen wissenschaftlich überprüft werden.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in den theoretischen Teil von Kapitel 1-7 und in den empirischen Teil von Kapitel 8-11. Im theoretischen Teil wird der aktuelle Forschungsstand zur Heimaufsicht aufgezeigt. Britze bedient sich hierzu einer sehr ausführlichen Analyse der Fachliteratur. Er schließt diesen Teil mit den sich aus dem vorangegangen ergebenden offenen Fragen zum Thema Heimaufsicht mit dem Ausblick auf das Forschungsprojekt im zweiten Teil. Dieser beschäftigt sich sehr umfangreich mit den Methoden der Forschung, deren Aufbau und Durchführung. Die ebenfalls sehr ausführlich beschriebene Auswertung der Daten bietet fundierte Erkenntnisse, um heimaufsichtliches Handeln objektivierbar zu machen und somit eine Weiterentwicklung gewährleisten zu können.

Inhalt

In Kapitel 2 beschäftigt sich der Autor mit der Definition der Begrifflichkeiten. Der Fokus liegt auf dem Begriff der Nachhaltigkeit. Britze beschreibt die Notwendigkeit der Erfassung der einzelnen Parameter für heimaufsichtliches Handeln. Er beruft sich zunächst auf die Grundlagen der Nachhaltigkeit im allgemeinen Kontext der Kinder- und Jugendhilfe im stationären Bereich. Dazu werden die Grundbegriffe „Einrichtung, Heimerziehung und Heimaufsicht“ definiert, um dann auf den Begriff der Nachhaltigkeit näher einzugehen. Eine Möglichkeit der Überprüfung der Nachhaltigkeit bietet der Hilfeplan, in dem Ziele formuliert und in bestimmten Abständen überprüft werden.

Britze bedient sich der Definition von Mittnacht (2010; S.48) der den Begriff der Nachhaltigkeit als „langandauernde und wirksame Entscheidungen aus dem Handlungsfeld der Heimaufsicht“ verwendet. (S.39) Aus seiner Sicht ist ein Nachweis der Wirksamkeit unabdingbar, um eine Weiterentwicklung und nicht zuletzt die Nutzung öffentlicher Mittel gewährleisten zu können.

Im Folgenden beschreibt Britze mögliche Handlungsprinzipien in der stationären Kinder und Jugendarbeit, die eine Nachhaltigkeit begünstigen. Im Vordergrund steht die Partizipation und Beteiligung in Einrichtungen der Erziehungshilfe. Dabei zielt Britze auf verschiedene Ebenen ab. Zunächst führ er die unterschiedlichen Angebote der Kinder- und Jugendhilfe und das Pro und Kontra von öffentlichen bzw. freien Trägern auf. Er mahnt eine Mitarbeit der Träger im Jugendhilfeausschuss an und stellt heraus, dass gelingende Jugendhilfemaßnahmen auch von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den freien und öffentlichen Trägern begünstigt werden. Als nächstes macht er deutlich, dass die Partizipation des Hilfeempfängers unabdingbar ist. Die dritte zu berücksichtigende Ebene ist die der Mitarbeiter.

Die Heimaufsicht hat die Aufgabe dafür Sorge zu tragen, dass partizipative Strukturen in den Erziehungseinrichtungen sichergestellt werden. Dies ist seit Januar 2012 gesetzlich in §45 SGB VIII verankert.

Britze entwickelt eine tabellarische Aufstellung, die eine Messbarkeit der Partizipation auf den unterschiedlichen Ebenen ermöglicht. Des Weiteren plädiert er für eine Transparenz der Leistungen, um die Notwendigkeit der Heimerziehung deutlich zu machen. Aufgabe der Heimaufsicht ist es, möglichst ökonomische und effiziente Angebote zu generieren.

Kapitel 3 erläutert die historische Entwicklung der Heimerziehung und der Heimaufsicht. Dies ist wichtig, um das aktuelle heimaufsichtliche Handeln zu verstehen. Britze beschreibt die Entwicklung der Wohlfahrt und Sozialgesetzgebung, des Sozialstaates, der Heimerziehung und der Jugendfürsorge. Erstmals 1922 wurde der Schutz von Kindern und Jugendlichen gesetzlich geregelt. Vorher gab es um die Jahrhundertwende lediglich Vormundschaften für Waisenkinder in Heimen. Es gab keine pädagogischen Fachkräfte und die Kinder wurden lediglich verwahrt.

Die sich erst im 20. Jahrhundert entwickelnde Heimaufsicht war stark geprägt von den jeweiligen politischen Entwicklungen des Kaiserreichs zur Weimarer Republik, dem dritten Reich und der Nachkriegszeit. Erst in den 1970ger Jahren gab es eine Demokratisierung in den Heimen, die einen partnerschaftlichen Führungsstil mit sich brachte. Eine tiefgreifende Reform der Kinder und Jugendhilfe brachte der §1666 BGB der 1990ger Jahre. Die Jugendhilfe wurde nicht länger als Kontrollinstanz, sondern vielmehr als Dienstleistung verstanden, die einen breit gefächerten Leistungskatalog anbot. Damit einhergehend wird Heimerziehung nicht mehr als familienersetzend, sondern als familienergänzend verstanden. Nichts desto trotz gab es immer wieder große Kritikpunkte an Wesen der Heimerziehung. Hierzu führt Britze den von Schrapper zitierten 5. Jugendbericht (1979) an, in dem die Heimerziehung stark kritisiert wurde (vgl. Schrapper 2009; S.153)

Insgesamt hat sich die Heimerziehung und Heimaufsicht in den letzten 20 Jahren deutlich weiterentwickelt. Dabei spielt gerade im stationären Bereich die gesellschaftspolitische Entwicklung eine entscheidende Rolle. Unter diesem Gesichtspunkt unterliegt Heimerziehung und Heimaufsicht einem ständigen Wandel und kann nicht als etwas Statisches verstanden werden.

In Kapitel 4 trifft Britze eine Unterscheidung zwischen Bayern und den anderen Bundesländern, was er später in seinem Forschungsprojekt ebenfalls so handhaben wird, da die behördliche Organisation in Bayern anders organisiert ist. Die Heimaufsicht ist nämlich nicht den jeweiligen Landesjugendämtern untergestellt, sondern der Regierung. Britze möchte im weiteren Verlauf eruieren, ob das evtl. Folgen für die Wahrnehmung der Aufgaben als Heimaufsicht hat.

Der Abschlussbericht einer vom Bayerischen Innenministerium in Auftrag gegebenen Organisationsuntersuchung bewertet die Heimaufsicht in Bayern sehr positiv. Insbesondere die unterschiedlichen Herangehensweisen der jeweiligen Landesjugendämter in den anderen Bundesländern erschweren eine gelingende Kooperation. Heimaufsichtliches Handeln bekommt insofern einen hohen Stellenwert, als dass die unterschiedlichen Interessenlagen der am Hilfeprozess beteiligten Institutionen noch nicht optimal zielführend zusammenarbeiten.

Im Folgenden macht der Autor anhand von Beispielen anderer Europäischer Länder deutlich, dass es keine einheitliche Regelung für heimaufsichtliche Aufgaben gibt, allerdings durch das Zusammenwachsen der Länder eine Annäherung stattfindet. Dabei betont Britze, dass sowohl ein Vergleich mit den Herangehensweisen im Ausland, als auch der Blick auf andere Aufsichtssysteme hilfreich ist, um das eigenen System zu modifizieren.

Insgesamt scheint die Heimaufsicht der stationären Erziehungshilfeeinrichtungen deutlich weiterentwickelt zu sein, als in anderen Bereichen.

Kapitel 5 beleuchtet den Balanceakt zwischen Kontrolle und Beratung in der Heimaufsicht und geht näher auf dieses Spannungsfeld ein, dem die moderne Heimaufsicht unterliegt.

Zum besseren Verständnis beschreibt der Autor zunächst die Entwicklung von der reinen Aufsichtsinstanz hin zu dem heute bekannten Beratungs- und Unterstützungsansatz. Britze appelliert an die einzelnen Bundesländer, dass es einheitliche heimaufsichtliche Standards länderübergreifend geben muss. Dies lässt sich aufgrund der Verwaltungshoheit jedoch so nur schwer gewährleisten. Deshalb muss ein Konzept entwickelt werden, das die unterschiedlichen Ausführungsbestimmungen der einzelnen Bundesländer berücksichtigt und unter diesem Hintergrund einen möglichst großen Konsens erzeugt. Dabei ist es wichtig, dass Beratung und Kontrolle derart miteinander verwoben sind, dass sie keinen Widerspruch darstellen. Britze beschreibt 3 Unterscheidungen, die die Einordnung der Aufgabenwahrnehmung der Heimaufsicht nach §34, SGB VIII auf den Punkt bringen (S.228):

  • Der Auftrag der Durchführung einer örtlichen Prüfung gemäß §46, SGB VIII ist zunächst wertneutral einzustufen
  • Nachhaltige Arbeitsweisen sind diejenigen, welche präventiv den Träger unterstützen, beraten, fördern, anregen und gemeinsam mit dem Träger auf dialogischer Basis planen.
  • Der Nachhaltigkeit nicht entsprechende Arbeitsweisen liegen in ausschließlich reaktiven, aufsichtlichen Handlungen der Heimaufsicht.

In Kapitel 6 geht Britze näher auf die stationären Einrichtungen der Erziehungshilfe in Bezug auf heimaufsichtliches Handeln ein und erarbeitet so eine Konzeption für die Heimaufsicht. Er beschreibt 8 Ebenen, die zum Schutz von Kindern und Jugendlichen handlungsweisend sind. Das Jugendamt hat die Funktion das Kindeswohl sicher zu stellen zum Einen als Schutzauftrag und zum Anderen im Rahmen der Hilfeplanung. Des Weiteren trägt es Mitverantwortung bei der Aufgabenerfüllung der Heimaufsicht. Die Eltern bzw. Personensorgeberechtigten haben ebenfalls einen Schutzauftrag. Zwei weiter Ebenen bedienen die Mitarbeiter der Einrichtungen durch die Wahrnehmung ihrer Aufsichtspflicht und des vorzuhaltenden Beschwerdesystems durch den Träger. Die siebte Ebene beinhaltet die Stärkung der Klienten und die achte Ebene die institutionell wirkende Heimaufsicht.

Im Folgenden beschreibt der Autor sehr ausführlich die Bedingungen zur Erteilung einer Betriebserlaubnis. Er sieht hier eine große Chance der bundesweiten Vereinheitlichung durch die Anwendung spezieller Software. Ebenso fordert er überprüfbare Qualitätsstandards und Rahmenvorgaben für die Heimaufsicht im stationären Bereich. Nur so kann ein wissenschaftlich abgesicherter Standard länderübergreifend sichergestellt werden.

In Kapitel 7 bietet Britze verschiedene Möglichkeiten an, heimaufsichtliches Handeln zu gestalten. Um eine Messbarkeit zu gewährleisten wird das Aufgabenspektrum heimaufsichtlichen Handelns in einzelne Arbeitsschritte zerlegt. Gemessen wird (S.273):

  • Die Umsetzung heimaufsichtlicher Vorgaben anhand des Ausprägungsgrades der jeweiligen Kennzeichen in den Einrichtungen und beim Träger
    • Im Rahmen des Betriebserlaubnisverfahrens oder der Einrichtungsprüfung
    • Im Rahmen der Umsetzung der Partizipation
  • Die heimaufsichtlichen Tätigkeitsmerkmale

    • In der Ausübung des heimaufsichtlichen Handlungsrahmens (z.B. Partizipation)
    • Für die persönliche und berufliche Eignung
  • Die Wirkungen der eigenen Tätigkeiten anhand eines Vergleiches des laufenden Einrichtungsbetriebes mit den Vorgaben der Betriebserlaubnis anhand des Zielerreichungsgrades und möglicher Einsparpotenziale

Anschießend fasst er die noch nicht hinreichenden Forschungsfragen zusammen und schließt so den theoretischen Teil seiner Ausarbeitung.

Die acht noch offenen Themenkomplexe sind (S.289):

  1. Auswirkungen der Behördenansiedlungen
  2. Auswirkungen nachhaltigen Handelns der Heimaufsicht
  3. Lernen aus internationalen Erfahrungen
  4. Heimaufsicht als Qualitätsentwicklungsinstanz
  5. Sicherstellung einer ausreichenden Personalkapazität
  6. Bundesweite Abstimmungsprozesse der Heimaufsicht
  7. Aufgabenstellung zwischen Beratung und Aufsicht
  8. Neuer Name für Heimaufsicht

Mit Kapitel 8 beginnt der empirische Teil des Buches. Zunächst beschreibt Britze die Voraussetzungen für eine gelungene Forschung und kommt zu dem Schluss, dass in der empirischen Sozialforschung immer eine Mischung aus quantitativen und qualitativen Methoden zu guten Erkenntnissen führt. Im Folgenden stellt er die Vor- und Nachteile beider Methoden gegenüber. In seiner Forschungsarbeit entscheidet er sich nach Prüfung der unterschiedlichen vorgestellten Methoden für ein quantitatives Verfahren mit explorativen Bestandteilen. Britze wird als Erstes die bayerische Verwaltung, die für die Heimaufsicht zuständig ist, befragen, um dann eine Befragung bei den entsprechenden Verwaltungsbehörden der anderen Bundesländer zu initiieren. Dabei ist der Forschungsgegenstand das nachhaltige Handeln der Heimaufsichtsbehörden in den stationären Einrichtungen der Erziehungshilfe. Die Forschungsfragen werden in zwei Themenblöcke zusammengefasst, aus denen sich zwei Hypothesen bilden lassen.

  1. „Nachhaltige Arbeitsweisen der Heimaufsicht und eine Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für die Heimaufsicht im Wirkungsfeld der stationären Einrichtungen der Erziehungshilfe können dazu beitragen, das Tätigkeitsfeld der Heimaufsicht zu qualifizieren.“ (S.305)
  2. „Das Tätigkeitsfeld der Heimaufsicht in den stationären Einrichtungen der Erziehungshilfe kann zukünftig qualifiziert werden, wenn die Rahmenbedingungen heimaufsichtlichen Handelns weiterentwickelt werden.“ (S.305)

Zur genaueren Überprüfbarkeit werden Unterhypothesen gebildet. Anhand dieser Voraussetzungen wird der Forschungsaufbau im weiteren Verlauf dargestellt.

Kapitel 9 befasst sich mit der Auswertung der im Forschungsprojekt gewonnenen Daten. Hierzu werden die Antworten der Fragebögen in unterschiedlichen abgrenzenden Teilschritten miteinander verglichen. Dabei stellt Britze die Ergebnisse der bayerischen Verwaltung denen der vier Landesjugendämtern, die sich an der Umfrage beteiligt haben gegenüber. Der Autor konstatiert, dass der Fragebogen rückwirkend hilfreich war um zu erfahren, wie die aktuellen Vorstellungen heimaufsichtlicher Aufgabenstellungen sind und darüber hinaus mögliche Weiterentwicklungsoptionen zu erkennen. Er geht davon aus, die noch offenen Fragen beantworten zu können. Trotz der etwas kleineren Stichprobe von nur 4 Bundesländern hält er auch hier die Antworten für aussagekräftig, da es kaum Abweichungen innerhalb der Umfrageergebnisse gab.

Im nächsten Schritt setzt Britze in Kapitel 10 die Antworten von Bayern in einen Vergleich zu den anderen Landesjugendämtern, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus zu arbeiten. Dazu werden die Fragebögen weiter ausgewertet, allerdings werden die Antworten nun generalisiert, paraphrasiert und reduziert, was auch zu ersten Interpretationen führt.

In der am Ende von Kapitel 10 stehenden Zusammenfassung der Auswertungen stellt Britze fest, dass es insgesamt keine offenkundigen Unterschiede zwischen den beiden Untersuchungsgruppen gibt. Jedoch sind einige Abweichungen festzustellen, die einer Vertiefung bedürfen. Nach einer Aufführung der einzelnen Punkte kommt er zu der Erkenntnis, dass objektivierbare Bewertungskriterien hilfreich wären, um heimaufsichtliches Handeln in der Praxis weiterentwickeln zu können, damit insbesondere Berufseinsteiger mehr Handlungssicherheit erlangen.

Kapitel 11 schließlich bietet eine Auswertung der Ergebnisse mit möglichen Konsequenzen und dem Appell eines weiteren Forschungsbedarfs. Britze setzt hierzu die Ergebnisse der Befragung in Bezug mit den zu Anfang formulierten Forschungshypothesen. Dabei bearbeitet er zunächst die beiden Unterhypothesen, um dann zu einer Gesamtaussage zu gelangen. Ausführlich arbeitet er die zu Beginn formulierten Themenkomplexe in Bezug auf die Forschungsergebnisse ab. Aus den gewonnen Erkenntnissen ergeben sich Empfehlungen für das zukünftige Handeln der Heimaufsicht. Bedarf an Weiterentwicklung hin zu einer einheitlichen Handhabung sieht der Autor in folgenden Bereichen:

  • Grundlagen eines individuellen Rechtsanspruchs auf (Heim-) Erziehung,
  • Beachtung des Wunsch- und Wahlrechts, der Beteiligungs- und Partizipationsaufgaben,
  • Aktive Wahrnehmung des individuellen Schutzauftrags durch alle Beteiligten,
  • Steuerung der Einzelfallhilfe durch Hilfeplanung,
  • Struktureller Schutz von Kindern und Jugendlichen Einrichtungen,
  • Weiterentwicklung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität vor dem Hintergrund der Finanzierungsmodalitäten,
  • Laufende Qualitätssicherung und -entwicklung,
  • Regelmäßige überörtliche Jugendhilfeplanung und
  • Übernahme der Verantwortlichkeit für die Aufgaben durch den überörtlichen Jugendhilfeträger.

Diskussion

Das Buch bearbeitet sehr ausführlich die derzeit vorhandene Literatur zum Thema der Heimaufsicht in stationären Einrichtungen der Erziehungshilfe und führt hierbei konsequent zur Notwendigkeit der im zweiten Teil folgenden Forschungsarbeit. Dabei gibt es in jedem Kapitel mehrere Zusammenfassungen, die für das Verständnis durchweg hilfreich sind und die doch zum Teil sehr komplexen Ausführungen gut auf den Punkt bringen.

Die Einleitung stellt eine hilfreiche Hinführung zum Thema dar. Britze macht deutlich, dass es bisher kaum wissenschaftlich belegte Ergebnisse gibt, die heimaufsichtliches Handeln in der stationären Kinder- und Jugendhilfe bearbeiten. Insbesondere aufgrund der hohen Kosten der Heimerziehung müsste das Interesse hier wesentlich größer sein. Ziel ist es, einen wissenschaftlich überprüfbaren Standard zu entwickeln, der in allen Bundesländern Anwendung findet. Nur so kann heimaufsichtliches Handeln aller an der Erziehungshilfe beteiligten Fachkräfte weiterentwickelt werden. Aus eigener Erfahrung ist mir bekannt, dass Heimaufsicht immer noch eher den Gesetzen der Willkür folgt. Einzelne Personen legen Maßstäbe fest, die sich meistens aus vorangegangenen Situationen ergeben. Dabei spielt oft das Thema Sicherheit eine Rolle. Gerade die Fokussierung auf die nachhaltige Wirkung bietet meines Erachtens eine Chance, Arbeitsabläufe für die Zukunft weniger Zeitaufwendig zu gestalten. Das setzt allerdings eine kooperierende Zusammenarbeit der verschiedenen Instanzen, die an der Heimaufsicht beteiligt sind, voraus. Dementsprechend ist es folgerichtig, dass Britze den beratend- unterstützenden Anteilen im heimaufsichtlichen Handeln eine große Bedeutung beimisst. Eine reine Kontrollinstanz kann dazu führen, dass vermeintliche Fehler vertuscht werden. Entsprechend am Hilfeprozess beteiligte Personen könnten mehr Interesse darauf verwenden, positiv dazustehen und das eigentliche Thema aus dem Blick verlieren. Eine partizipierende und partnerschaftliche Herangehensweise weiß das zu verhindern. Natürlich bleibt die Sicherstellung des Schutzes der Kinder und Jugendlichen eine wesentliche Aufgabe der Heimaufsicht. Fas muss aber nicht im Widerspruch stehrn. Britze beschreibt sehr anschaulich in einer eigenen Aufstellung in Anlehnung an Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter 2009; S.8f. (S.65-67) die vielen unterschiedlichen Formen, in denen im Rahmen der Heimerziehung eine Beteiligung in Frage kommt. Dabei macht er sehr konkrete Vorschläge, die zu einer unmittelbaren Umsetzung einladen.

Sein Hinweis, aufmerksam die Entwicklung des heimaufsichtlichen Handelns in anderen Staaten zu verfolgen macht aufgrund des zunehmenden Zusammenwachsens Europas Sinn. Allerdings sollte zunächst die Vereinheitlichung der Arbeitsweisen der Heimaufsichten von den unterschiedlichen Landesjungendämtern in den Blick genommen werden. Auch hier spielt der Begriff der Transparenz und Partizipation eine zentrale Rolle. Eine bundesweite Kooperation sollte im Interesse aller Länder sein. Britze macht aber auch deutlich, dass sie aufgrund der bundesrechtlich geregelten landesweiten Organisationshoheit nur um eine freiwillige Zusammenführung handeln kann.

Im zweiten Teil stellt der Autor eine sehr ausführliche und umfassende Forschungsarbeit vor. Anhand der vielen Graphiken ermöglicht er dem Leser eine nahezu lückenlose Verfolgung der einzelnen Schritte. Im Grunde lässt sich die Arbeit fast schon als beispielhaftes Lehrbuch zur empirischen Sozialforschung nutzen. Kleinschrittig beschreibt Britze die Wahl der Forschungsmethoden, nicht ohne vorher einige zu beleuchten und ihr Für und Wider abzuwägen. Nachdem er die Forschungsfragen systematisiert hat, lässt er den Leser an dem Prozess der Hypothesenbildung und der Entwicklung des Fragebogens teilhaben. Während der Beschreibung der Durchführung gibt er einen Einblick in das doch etwas prekäre Vorhaben ein Forschungsprojekt mit Behörden durchzuführen und bietet entsprechend die Idee einer Auflösung der bestehenden Ängste und Befürchtungen an.

Ähnlich den Ausführungen über den Forschungsaufbau bzw. die Durchführung bleibt auch die Datenauswertung lückenlos ausführlich und wird durch Graphiken veranschaulicht. Durch seine Empfehlungen am Ende des Buches regt Britze zum Nachdenken an und nicht zuletzt das Aufdecken eines weiteren Forschungsbedarfes lässt hoffen, dass diesem in der Vergangenheit wissenschaftlich doch sehr vernachlässigtem Feld in der Zukunft mehr Beachtung geschenkt wird.

Fazit

Ein sehr umfangreiches Werk über die Entwicklung der Heimaufsicht weg von einer reinen Kontrollinstanz hin zu einer partnerschaftlichen Beratungs- und Unterstützungsleistung inklusive einer zu diesem Thema längst überfälligen sehr gelungenen Forschungsarbeit.

Summary

A very comprehensive work on the development of supervising home away from a pure control authority to a partnership-based consulting and support service including a very successful research work on this topic.


Rezensentin
M.Sc. Angelika Alieff-Sliepen
Sozialpädagogin / Sozialarbeiterin Supervisorin (M.Sc.) (DGSv.) Invisio. Praxis für systemische Beratung, Supervision und Coaching, Münster
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Zitiervorschlag
Angelika Alieff-Sliepen. Rezension vom 04.01.2017 zu: Harald Britze: Beratung und Aufsicht. Das Tätigkeitsprofil der Heimaufsicht in stationären Einrichtungen der Erziehungshilfe vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Wirkung. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2015. ISBN 978-3-7815-2054-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19646.php, Datum des Zugriffs 20.08.2017.


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