Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet Logo

Bas Kast: Und plötzlich macht es KLICK! (Kreativität)

Rezensiert von Elisabeth Vanderheiden, 22.01.2016

Cover Bas Kast: Und plötzlich macht es KLICK! (Kreativität) ISBN 978-3-10-038304-4

Bas Kast: Und plötzlich macht es KLICK! Das Handwerk der Kreativität oder wie die guten Ideen in den Kopf kommen. S. Fischer Verlag (Frankfurt am Main) 2015. 264 Seiten. ISBN 978-3-10-038304-4. 19,99 EUR.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Thema

Bas Kast widmet sich in seinem Buch dem Thema Kreativität, in dem er den aktuellenStand der Wissenschaft und wichtige neue Erkenntnisse insbesondere aus kognitiver Psychologie und Hirnforschung reflektiert und – soweit möglich – auch selbst ausprobiert und ausgewertet.

Autor

Bas Kast hat Psychologie und Biologie studiert und ist – mehrfach ausgezeichneter – Wissenschaftsautor.

Aufbau und ausgewählte Inhalte

Das Buch ist in fünf Kapitel unterteilt:

Beispiel für eine Aufzählung

  1. Das Ungewohnte beflügelt die Phantasie
  2. Mit der Entspannung kommen die Ideen
  3. Über die lebenslange Lust an der Neugier
  4. Von der Gruppe zum kreativen Team
  5. Wie Sie Ihre eigene kreative Nische entdecken.

Beispielhaft soll hier das Kapitel 2 „Mit der Entspannung kommen die Ideen“ genauer beleuchtet werden.

Zunächst berichtet Kast von einem Besuch in einem Besuch im Medizinischen Forschungszentrum der Universität Leiden. Ein Vorher-Nachher-Test machen deutlich, worum es geht, nämlich zu zeigen, dass verschärfte Konzentration beim Problemlösen durchaus hinderlich sein kann und durch das Einlassen auf einen bestimmten Flow-Effekt signifikant erhöht werden kann. Illustriert wird das am Beispiel einer Meditationstechnik namens „breathfulness“, vergleichbar mit einer Tiefenentspannung.

Dem zugrunde liegen Erkenntnisse der Leidener Forschungsgruppe, die zeigen, dass entspannende, aufmerksamkeitsweitende Aktivitäten, wie z. B. bestimmte Meditationstechniken, den Blick weiten. Entspannung kann also zu einer Steigerung von Kreativität führen, gerade in Kombination und im Wechsel mit Hochkonzentrationsphasen und einem hohen Durchhaltevermögen. Ähnliches hatten ja auch die grundlegenden Forschungsarbeiten dazu vor einigen Jahrzehnten von Mihaly Csikszentmihalyi ergeben. Dies illustriert er im Folgenden an einer weiteren Wahrnehmungsübung. Im Anschluß daran wird erläutert, welche Wirkung Alkohol in diesem Zusammenhang hat. Wissenschaftlich auseinandergesetzt hat sich mit diesem Zusammenhang ein Forschungsteam in Chicago.

Generell scheinen einige wissenschaftliche Hinweise darauf hinzudeuten, dass „wer sich weniger konzentriert und mehr entspannt, seine Chancen auf eine originelle Einsicht erhöht“ (82). Dies scheint auch eine amerikanische Studie zu belegen, die nachweist, dass Menschen anscheinend dann besonders kreativ sind, wenn sie sich in ihrem jeweiligen biologischen Tagestief befinden, also relativ unkonzentriert sind.

Zur Illustration und Vertiefung führt Kast eine weitere – diesmal kanadische – Studie an, in der die „Macht der Farben“ in diesem Zusammenhang untersucht wird. Am Beispiel von Harry Potter-Autorin Joanne K Rowling veranschaulicht er den Effekt von Tagträumen für den Kreativprozess, der darin besteht, dass sich bestimmte Hirnareale erst dann aktivieren, wenn „wir abschalten“ (89). Er führt weiter aus: „ Diese Erkenntnis gehört zu den maßgeblichen Entdeckungen der Hirnforschung der letzten Jahre…Mittlerweile interessieren sich Wissenschaftler nicht nur dafür, was unser Gehirn während der Arbeit an einer gewissen Aufgabe tut, sondern in zunehmendem Maße auch für das, was nach getaner Arbeit in unserem Kopf geschieht.“ (90), auch als „Default Mode Network“ bezeichnet.

Mit der Frage, in wie weit dies tatsächlich mess- und nachweisbar ist, beschäftigt sich u. a. eine Forschungsgruppe in Nijmwegen, die aktuell erforscht, ob sich durch regelmäßiges Tagträumen und kreatives Denken ausgeprägtere und aktivere Offline-Netzwerk-Strukturen im Gehirn nachweisen lassen. Ähnliches untersuchte auch ein Forschungsteam an der University of California und kam zu dem Ergebnis kamen, dass Situationen, die zum Tagträumen verführen, das kreative Denken tatsächlich anregen (94). Am besten funktioniert dies wohl bei Themen oder Problemen, die uns „im Innersten umtreiben“ (97). Dass es dabei nicht allein um das „süße Nichtstun“ geht, sondern sich die Produktivität von Entspannung vor allem dann zeigt, wenn sie mit diszipliniertes Arbeitsprozessen kombiniert wird. Dies schildert er am Beispiel einiger prominenter Kreativer, z. B. am Beispiel von Haruki Murikami, Thomas Mann, Charles Dickens oder Pjotr Iljitsch Tschaikowski.

Weitere interessante Ergebnisse fördert Kast in seinen Recherchen zutage, so referiert er eine weiter US-amerikanische Studie, die bereits in den Siebziger Jahren herausarbeitete, dass bei besonders kreativen Menschen anscheinend besondere Aktivitäten in einem bestimmten Frequenzbereich des Gehirns konstatiert werden dürfen, dem Bereich zwischen 8 und 12 Hertz, der auch als Alpha-Aktivität bezeichnet wird (102). Was dies faktisch bedeutet, ist noch weitesgehend unerforscht, Indizien deuten allerdings darauf hin, dass sie mit einen möglichen „Leerlauf-Zustand“ des Gehirns einhergehen könnte (103), worauf auch weitere aktuelle Studien hinweisen, die Kast zu Rate zieht und anschaulich darstellt.

Am Ende des ausgewählten Kapitels widmet sich Kast dem Thema Ritalin zu. Anerkennend, dass ADHS eine ernsthafte behandlungsbedürftige Erkrankung ist, spricht sich der Autor dennoch kritisch dagegen aus, bei „normalen“ Konzentrationsschwächen zu Ritalin zu greifen und so möglicherweise in die Gefahr zu geraten, bestimmte „Facetten kindlicher Kreativität“ (113) wegzutherapieren, denn „gewisse Formen des Tagträumens in der Kindheit könnten sogar eine Vorstufe kreativer Höchstleistungen im Erwachsenenalter“ darstellen.

Fazit

Kast ist ein sehr informatives und inspirierendes, zugleich auch unterhaltsames Buch gelungen. Es führt – gut belegt mit klassischen und aktuellen Literaturrecherchen und -angaben – vor allem in die neurobiologischen und psychologischen Forschungsergebnisse zur Kreativitätsforschung ein. Das komplexe Thema wird anschaulich und dennoch solide vermittelt. Auch recht oder hoch komplexe Studien kann er für die Leser*innen anschaulich und lebensnah herunterbrechen und auch Nebentöne zu Gehör zu bringen. Zahlreiche Übungen laden zum Erforschen und Optimieren des eigenen kreativen Potentials ein. Empfehlenswert!

Rezension von
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
Mailformular

Es gibt 184 Rezensionen von Elisabeth Vanderheiden.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 22.01.2016 zu: Bas Kast: Und plötzlich macht es KLICK! Das Handwerk der Kreativität oder wie die guten Ideen in den Kopf kommen. S. Fischer Verlag (Frankfurt am Main) 2015. ISBN 978-3-10-038304-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19653.php, Datum des Zugriffs 19.05.2024.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht