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Gerhard Niedermair (Hrsg.): Informelles Lernen

Cover Gerhard Niedermair (Hrsg.): Informelles Lernen. Annäherungen - Problemlagen - Forschungsbefunde. Trauner Verlag (Linz) 2015. 436 Seiten. ISBN 978-3-99033-403-4. 47,00 EUR.

Schriftenreihe für Berufs- und Betriebspädagogik, Bd. 9.
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Thema und Entstehungshintergrund

Der Herausgeberband „Informelles Lernen. Annäherungen – Problemlagen – Forschungsbefunde“ gibt einen Einblick in den aktuellen akademischen Diskurs zu einem Thema, das in der Europäischen Union seit Jahren auf der Agenda steht, über das in weiten Teilen dennoch Uneinigkeit in der wissenschaftlichen Community besteht. Sowohl konzeptionelle als auch praxisnahe Beiträge fanden Eingang in den Band, an dem sich über 40 Autorinnen und Autoren (im Folgenden aus Gründen der besseren Lesbarkeit zu „Autoren“ verkürzt) beteiligten – darunter einige der renommiertesten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen Forschungsumfeld dieses Themas.

Aufbau

Das vorliegende Werk unterteilt sich in fünf Abschnitte, wobei jeder Abschnitt aus mehreren Beiträgen verschiedener Autoren zum jeweilig übergeordneten Thema besteht.

Zu 1: (Lerntheoretische) Reflexionen und kritisch-konstruktive Einwände

Rolf Dobischat und Robert Schurgatz gehen in ihrem Beitrag „Informelles Lernen: Chancen und Risiken im Kontext von Beschäftigung und Bildung“ zunächst auf die Begriffsgeschichte des informellen Lernens – insbesondere aus bildungspolitischer Sicht – ein, um sich dem Begriff anschließend definitorisch zu nähern. Dabei werden fast ausschließlich deutschsprachige Autoren genannt. Als Fazit wird geschlossen, dass eine einheitliche Definition des informellen Lernens auch in naher Zukunft kaum zu finden sein wird. Zudem werden empirische Befunde aus dem „Adult Education Survey“ dargestellt.

Bernd Dewe und Daniel Straß nähern sich im Beitrag „Informelles Lernen – Konturen einer opaken Lernform“ dem Thema Lernen zunächst sowohl aus anthropologischer, philosophischer als auch neurowissenschaftlicher Perspektive. Auf dieser Basis gehen sie auf die Erwachsenenbildung im Lichte der „neuen Medien“ ein und betrachten kritisch die Trias aus Selbstbestimmung, Selbststeuerung und Selbstorganisation, wobei sie Selbststeuerung als den Terminus bezeichnen, der sich „mehrheitlich durchgesetzt“ (S. 57) habe. Anhand der Typologie von Watkins und Marsick (1992) stellen sie darüber hinaus die Bedeutung der bewussten Reflexion für das informelle Lernen heraus und schließen mit der weiterhin von der Forschung zu beachtenden Frage: „Wie kann eine zu den lebensweltlichen Bezügen komplementäre Stützung von Intentionalität und Reflexivität bei erwachsenen Lernern/Lernerinnen gewährleistet werden?“ (S.60)

Julian Giese und Jürgen Wittpoth betrachten mit dem Beitrag „Lernen im doxischen Schlaf?“ die Bedingungen und Reichweiten informellen Lernens. Zunächst wird die politische Überlegung beschrieben, diejenigen durch informelles Lernen zu fördern, die an formeller Weiterbildung nicht teilnehmen. Nach Vorstellung eines Überblicks empirischer Ergebnisse kommen die Autoren jedoch zu dem Schluss, dass dies in der Praxis nicht funktioniert. Daran anschließend werden die Möglichkeiten und Grenzen informellen Lernens aus wissenssoziologischer Sicht beleuchtet; u. a. werden Themen wie „Lernen in der ‚natürlichen Einstellung‘“ (S.72) und die Kontingenzabwehr auch durch Daten aus qualitativen Interviews untermauert.

In seinem Beitrag „Informelles Lernen und seine Anerkennung als formales Instrument der gesellschaftlichen Reproduktion“ geht Udo Hagedorn auf das informelle Lernen aus ökonomischer Sicht ein und nutzt dabei das Instrument der Marktanalyse. Er beschreibt Bildung und informelles Lernen als Gut auf dem Ausbildungsmarkt und setzt sich mit der Anerkennung dieses Guts und dessen Bedeutung im Bildungssystem auseinander.

Währenddessen stellen Christoph Fischer und Christian Harteis im Beitrag „Die Bedeutung subjektiver Sichtweisen für die Implementierung betrieblicher Lernkultur“ die Organisations- und Lernkultur in den Mittelpunkt. Über die Definition des Kulturbegriffs nähern sie sich dem Terminus ‚Lernkultur‘ als Ausschnitt aus dem Konzept der Organisationskultur an. Insbesondere die Wahrnehmung dieser Kultur durch die Mitarbeiter und die Folgen daraus werden beleuchtet, ebenso wird ein strukturierter Überblick über den Forschungsstand gegeben.

Nina Carstensen und Christiane Hof setzen sich kritisch mit dem theoretischen Konzept des informellen Lernens auseinander. In ihrem Beitrag „Das Konzept des informellen Lernens auf dem Prüfstand“ gehen sie auf die definitorische Unschärfe des Begriffs ein und stellen empirische Ergebnisse zu Lernformen und Rahmenbedingungen vor. Sie konstatieren schließlich, dass „die Unterscheidung von Lernformen, wie sie sich im bildungspolitischen Diskurs um das lebenslange Lernen etabliert hatte […] einer empirischen Überprüfung kaum standhält.“ (S.134).

Zu 2: Entwicklung von spezifischen Kompetenzen und Ressourcen durch informelles Lernen

Der Beitrag „Kompetenzen für nachhaltiges Wirtschaften und informelles Lernen in betriebswirtschaftlich-kaufmännischen Berufen“ von Andreas Fischer, Susan Seeber, Christian Michaelis und Joyce Müller-Harms befasst sich mit dem informellen Lernen als Prädiktor zur Erklärung von unternehmerisch nachhaltigem Handeln. Nachdem u. a. kaufmännische Nachhaltigkeitskompetenz definiert worden ist, wird die Entwicklung eines Testinstruments auf Basis von zuvor durchgeführten qualitativen Inhaltsanalysen beschrieben. Schließlich werden die Ergebnisse des Fragebogeneinsatzes bei einer Stichprobe von Auszubildenden grafisch und tabellarisch dargestellt und Anregungen für die weitere Forschung gegeben.

Mit dem Thema „Der Stellenwert des informellen Lernens im Kontext der ‚Beruflichen Bildung für nachhaltige Entwicklung‘ (BBnE)“ betrachten die Autoren Thomas Vollmer, Werner Kuhlmeier und Burkhard Vollmers die nachhaltige Gestaltungskompetenz, die für sie sowohl Einflüsse des formalen, nonformalen sowie informellen Lernens aufweist. Anhand der Kompetenzkategorien der OECD veranschaulichen sie die Teilkompetenzen der nachhaltigen Gestaltungskompetenz und zeigen diverse Kategorien zur Verortung der darauf bezogenen Lernprozessförderung auf. Abschließend werden Möglichkeiten und Grenzen des Konzepts diskutiert.

Bernhard Schmidt-Hertha und Anika Klein präsentieren im Beitrag „Informelle Auseinandersetzung mit digitalen Medien in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens“ die Aneignung von Medienkompetenz bei älteren Erwerbstätigen am Beispiel des Projektes IGEL-Media. Zunächst stellen sie dabei allgemein die Aneignung von Medien und Mediensozialisation vergleichend über mehrere Nutzergenerationen vor und widmen sich dann bezogen auf das Projekt dem informellen Lernen im Rahmen von Problemlöse- und Aneignungsprozessen in Bezug auf die Computernutzung. Beispielzitate der befragten Projektteilnehmenden sorgen für eine anschauliche Beschreibung der Projektpraxis.

Der Beitrag „Stress im Beruf: zur Rolle informeller Lernprozesse“ von Christian Dormann und Bart Van de Ven behandelt die Bedeutung des informellen Lernens in Bezug auf die Bewältigung beruflicher Belastungen. Dabei stellen die Autoren zunächst einen Überblick der stresserklärenden Modelle sowie der Copingstrategien auf. Anschließend werden die Lernformen formales, beiläufiges sowie informelles Lernen jeweils in Bezug auf das Lernen der Stressbewältigung vorgestellt. Verbunden mit dem informellen Lernen werden Beispiele für die Lernmechanismen der Konditionierung sowie des Modelllernens gegeben und Informationsquellen sowie Verlaufsformen des informellen Lernens zur Stressbewältigung aufgezeigt.

Carola Iller stellt in ihrem Beitrag „Informelles Lernen am Arbeitsplatz und in der Freizeit“ empirische Befunde aus dem „Programme for the International Assessment of Adults Competencies“ (PIAAC) vor. Zunächst wird dafür der theoretische Hintergrund des Lernens dargestellt, u. a. bezogen auf Lernanlässe, Formen der Lernaktivitäten und Lernpotentiale. Daran anknüpfend wird der Aufbau des PIAAC beschrieben und die Ergebnisse zu den Leseanforderungen, Rechenanforderungen sowie zum Problemlösen im Kontext von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) präsentiert. Die Autorin resümiert, dass „wer regelmäßig und intensiv Anforderungen in Lesen, Rechnen oder im Umgang mit IKT erfüllt, […] höhere Kompetenzniveaus“ erreiche.

Zu 3: Gestaltung von Lehr-Lern-Arrangements und Kompetenzentwicklungsprozessen

In ihrem Beitrag „Betriebspädagogische Arbeits- und Lernkonzepte unter Bedingungen subjektivierter Arbeit“ gibt Gabriele Molzberger einen Überblick über Konzepte subjektivierter Arbeit und unterscheidet dabei subjektivierendes Arbeitshandeln, reflexive Handlungskompetenz sowie arbeitsintegrierte Kompetenzentwicklung in heterogenen Lernkonstellationen. Einleitend geht sie dabei zunächst auf den Begriff der Subjektivierung ein und beschreibt die uneinheitlichen Definitionsversuche des Begriffs „informelles Lernen“. Außerdem stellt sie demgegenüber das klarer definierte Erfahrungswissen. Als Fazit steht eine kritische Auseinandersetzung mit den möglichen Konflikten im Rahmen von Bildungsprozessen zwischen betrieblichen Optimierungsbestrebungen sowie den Bedürfnissen der Person (Stichwort: „Vernutzung“, S. 246).

Matthias Conrad, Stefan Wiest und Stephan Schumann gehen in ihrem Beitrag „Webbasiertes informelles Lernen im Wirtschaftsunterricht“ auf die Bedeutung des webbasierten Lernens als Form des informellen Lernens ein und beschreiben die Merkmale und Rahmenbedingungen dieser Lernform. Anschließend stellen sie in einer Typologie die Verhaltens- und Einstellungsakzeptanz der Nutzung webbasierten Lernens vor und untermauern diese durch die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung. Eine wichtige Rolle dabei spielt das Technologieakzeptanzmodell von Davis (1986).

Mit ihrem Beitrag „Mind the Gap: Boundary-Crossing an den Übergängen von informellem und formalem Lernen in der beruflichen Bildung“ beleuchten die Autoren Carmela Aprea, Alberto Cattaneo und Viviana Sappa die Möglichkeiten der Verschränkung von informeller und formaler Bildung, die in der Literatur als sinnvoll und besonders unterstützend beschrieben werden. Der zugrunde liegende „Boundary-Crossing-Ansatz“ wird zunächst beschrieben und auf die Lernkontexte Schule und Betrieb sowie die Übergänge zwischen diesen beiden bezogen. Die Verknüpfung des Lernens an dieser Schnittstelle wird mit Hilfe eines empirischen Beispiels aus dem Verbund „Leading House ‚Dual T‘“ illustriert.

Zu 4: Informelles Lernen von ausgewählten Berufsgruppen in bestimmten Domänen

Einen biografieanalytischen Ansatz zur Erfassung des informellen Lernens stellen Dietmar Frommberger und Erika Gericke im Beitrag „Lernergebnisse informeller Lernprozesse von Kfz-Mechatronikern im internationalen Vergleich“ vor. Dabei gehen sie eingangs auf die Bedeutung und Definition von Lernergebnissen und Lernprozessen ein, um daraufhin einen internationalen Überblick über Methoden zur Erfassung der Lernergebnisse bei Kfz-Mechatronikern zu geben. Intensiv wird dann die Methode der Biografieanalyse beschrieben und deren Einsatz anhand von beispielhaften Ergebnissen aus der praktischen Umsetzung demonstriert (z. B. informelles Lernen als Voraussetzung für die Bewältigung beruflicher Herausforderungen).

Tim Unger und Iva Kocaman stellen in ihrem Beitrag „Bildung, Biografie und Beratungsdienstleistung – Empirische Befunde zur Relevanz des biografischen Lernens von Beratenden in Dienstleistungsberufen“ eine „differenzierte Analyse des Zusammenhangs zwischen Biografie, Bildung und Beratungsdienstleitungen“ (S. 313) an. Nach einer Erläuterung des theoretischen Zusammenhangs zwischen Biografie und Bildung in den heutigen Gesellschaften stellen sie Indizien dar, die eine nur geringe Relevanz des biografischen Lernens in Bezug auf bestimmte Dienstleitungsbereiche nahelegen. So komme es oft vor, dass „eine formelle berufliche Qualifikation erworben [wurde], die jedoch kaum zur Bewältigung der Handlungsprobleme im Alltag genutzt werden kann“ (S. 302). Drei Fallstudien aus dem Bereich des biografischen Lernens in sog. Migrantinnenselbstorganisationen werden präsentiert und deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede resümiert.

Zu 5: Identifizierung, Bewertung und Anerkennung informell erworbener Kompetenzen

In ihrem Beitrag „The ‚German Case‘: Warum Qualifikationsrahmen in Deutschland nicht zu einer lernergebnisbasierten Erfassung informell erworbener Kompetenzen beigetragen haben und wie es doch gehen könnte“ beantworten Bernd Gössling und Peter Sloane ebenjene im Beitragstitel genannte Fragen. Als theoretische Basis werden zunächst grundlegende Begriffe wie beispielsweise „lebenslanges Lernen“, „Formalitätsgrad des Lernens“ sowie „implizites und explizites Lernen“ erläutert und in einem Modell zur Kompetenzerfassung schematisch dargestellt. Diverse Formen zur Erfassung informell und non-formal erworbener Kompetenzen sowie Zugänge der Kompetenzmessung werden tabellarisch dargestellt. Anschließend wird die Entwicklungsgeschichte und Methodik des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) dargelegt und Möglichkeiten der Weiterentwicklung des DQR skizziert.

Der DQR ist auch Thema im Beitrag „Verborgene Kompetenzen, ungenutzte Ressourcen“ von Janika Grunau und Thomas Bals. Hierin werden Möglichkeiten zur „Identifizierung und Zertifizierung informellen Lernens im Kontext des [DQR] für lebenslanges Lernen“ vorgestellt. Eingangs geben die Autoren einen Überblick zur Struktur und Relevanz des informellen Lernens und identifizieren die Erfahrungsfelder „Familie und Herkunft“, „Freizeit“ sowie „Beruf“ auf Basis der qualitativen Ergebnisse von Gruppendiskussionen aus einem Forschungsprojekt von Bals und Sloane (2011). Daran anknüpfend wird der DQR inklusive des zugrunde liegenden Kompetenzverständnisses beschrieben und Hinweise zur Identifizierung und Zertifizierung informellen Lernens mithilfe dieses Instrumentes dargelegt.

Gerhard Niedermair und Werner Mair zeigen in ihrem Beitrag „Das Kompetenzportrait zur Erfassung informell erworbener Kompetenzen“ hingegen eine alternative Form der Kompetenzmessung auf: Das Kompetenzportrait. Von der Ausgangslage über das narrative Interview als Grundlage sowie dessen Auswertungen stellen sie die Entwicklungsschritte des Instrumentes dar und stellen den Nutzen für verschiedene Zielgruppen heraus. Zudem werden die drei Phasen der Kompetenzerfassung mit dem Portrait ausführlich präsentiert: Phase 1 umfasst den Einstieg, Phase 2 die Durchführung, Gesprächsauswertung sowie Erstellung des Kompetenzportraits, Phase 3 den Transfer der Ergebnisse. Als weiterer Schwerpunkt des Beitrags wird der Einsatz und die Bedeutung des Kompetenzportraits am Beispiel des Berufsförderungsinstituts Oberösterreich beschrieben.

In seinem Beitrag „Validierung informellen und nicht formalen Lernens in der Berufsbildung – neue Wege der Anerkennung beruflicher Bildung“ gibt Peter Dehnbostel einen Über- und Ausblick zu Gegenwart und Zukunft der beiden genannten Lernformen in der beruflichen (Weiter-)Bildung. Ein zentrales Anliegen ist ihm dabei die Verschränkung der Lernformen, die über Arbeits- und Lerninfrastruktur verbunden sein können. Neben einem Überblick zu Möglichkeiten der Anrechnung informell erworbener Kompetenzen sowie der idealtypischen Merkmale der Kompetenzfeststellung wird im Beitrag Einblick in die europäische Diskussion zur Kompetenzanerkennung gegeben. Hierbei stehen der europäische Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen und das fünfstufige europäische Validierungsmodell (Information, Identifizierung, Dokumentation, Beurteilung, Zertifizierung) im Fokus.

Silvia Annen, Katrin Gutschow und Gesa Münchhausen fokussieren in ihrem Beitrag „Reichweiten, Grenzen und perspektivische Übergänge zwischen Verfahren zur Anerkennung informellen und nonformalen Lernens“ ebenfalls die Lernformen „informell“ und „nicht-/nonformal“. Nach Schilderung des bildungspolitischen Hintergrunds beschäftigen sie sich mit diversen Möglichkeiten, informell erworbene Kompetenzen anzuerkennen und somit vergleichbarer werden zu lassen. Dabei stellen die Autoren zunächst Verfahren zur Kompetenzfeststellung und -bilanzierung wie beispielsweise den ProfilPASS vor und beleuchten die Anerkennung in Bezug auf verschiedene Lernkontexte wie die Berufsausbildung, Fortbildung und Hochschulbildung (ANKOM-Initiative). Abschließend werden Potentiale und Limitationen einer einheitlichen Anerkennung diskutiert.

Diskussion und Fazit

Das vorliegende Werk „Informelles Lernen. Annäherungen – Problemlagen – Forschungsbefunde“ wird seinem Namen gerecht. Eine Annäherung an das wissenschaftlich noch immer unscharf definierte Konzept des informellen Lernens erfolgt gleich in mehreren Beiträgen. Kritische Anmerkungen und Positionierungen zur Gegenwart und Zukunft des Konstrukts werden thematisiert und Lösungsvorschläge zu den Herausforderungen im praktischen Umgang mit dieser Lernform gegeben – sei es bei der Verortung des informellen Lernens in der Weiterbildung, bei der Entwicklung von Kompetenzerfassungsinstrumenten oder bei der Anerkennung von informellen und non-formalen Kompetenzen.

Die Gliederung in fünf Abschnitte gibt dem Werk eine übersichtliche Struktur, auch wenn manche Abschnitte (beispielsweise Abschnitt II „Entwicklung von spezifischen Kompetenzen und Ressourcen durch informelles Lernen“) thematisch durchaus heterogen aufgebaut sind. Durch die fundierten Beiträge bedeutender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Gebiet der informellen (Weiter-)Bildung erfüllt der Herausgeberband seinen Anspruch großer Forschungsnähe, was durch die Einbindung der Ergebnisse empirischer Studien unterstrichen wird. Gleichzeitig ist durch diverse Beispiele, Fallstudien und Projektvorstellungen ein hoher Praxisbezug gegeben.

Allgemeinverständlich geschrieben, bietet das Werk nicht nur für die wissenschaftliche Community, sondern auch für Anwender, Studierende und anderweitig am Zukunftsthema „Informelles Lernen“ Interessierte aufschlussreiche Einblicke.

Anzumerken ist lediglich, dass in den Einleitungsabschnitten diverser Kapitel einige Redundanzen bezüglich der thematischen Einführung zu formalem, non-formalem und informellem Lernen und zu der unscharfen konzeptionellen Abgrenzung und Definition dieser Termini auftreten. Dies dürfte jedoch vor allem Lesenden auffallen, die das gesamte Werk rezipieren – allen, die ausschließlich einzelne Kapitel lesen, sollte dies entgegenkommen.

Insgesamt gesehen ist der Herausgeberband weder eine reine Praxisanleitung zum Umgang mit informellem Lernen, noch eine Aneinanderreihung von wissenschaftlichen Studien, sondern eine gelungene Mischung aus Forschungstiefe und Anwendungsnähe.


Rezension von
Julian Decius
Wirtschaftspsychologe
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Zitiervorschlag
Julian Decius. Rezension vom 09.02.2016 zu: Gerhard Niedermair (Hrsg.): Informelles Lernen. Annäherungen - Problemlagen - Forschungsbefunde. Trauner Verlag (Linz) 2015. ISBN 978-3-99033-403-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19665.php, Datum des Zugriffs 26.02.2020.


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ISSN 2190-9245

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