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Kai Born, Harlich H. Stavemann: Kognitive Verhaltenstherapie

Cover Kai Born, Harlich H. Stavemann: Kognitive Verhaltenstherapie. Modelle, Werkzeuge und Disputationen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 16 Seiten. ISBN 978-3-621-28262-8. 89,00 EUR.

DVD Video. Beltz Video-Learning.
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Thema

In Ergänzungzu den im gleichen Verlag erschienenen Büchern zum Thema „Kognitive Verhaltenstherapie“ (KVT) von Harlich H. Stavemann stellen die Autoren zwei DVDs zur Verfügung, in denen „Modelle, Werkzeuge und Disputationen“ zur gleichen psychotherapeutischen Methode als Lehrmaterial vorgestellt werden. Sie bieten hiermit Bild- und Tonmaterial an, welches die strukturierte Vorgehensweise der Kognitiven VT verdeutlichen. Die hierbei benutzten Arbeitsblätter können über die Homepage des Verlages abgerufen werden.

Autoren

  • Dr. Kai Born ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und leitet das Institut für Integrative VT Hessen und ist auch als niedergelassener Psychotherapeut tätig.
  • Dr. Harlich H. Stavemann ist Diplom Psychologe, niedergelassener Psychotherapeut und leitet das Institut für Integrative VT in Hamburg.

Verschiedene Mitarbeiter sind auch als Darsteller in den Videos aktiv- siehe hierzu das beiliegende booklet.

Entstehungshintergrund

Die Autoren möchten mit dem vorliegenden Bildmaterial die Theorie der KVT und deren Umsetzung anschaulich machen – dies entspricht ihrem pädagogischen Tätigkeitsfeld in den o.g. Instituten. Dort machen sie die Erfahrung, dass die Umsetzung der Theorie in die Praxis unter Nutzung von Arbeitsblättern und Hausaufgaben auf Seiten der auszubildenden Therapeuten gelernt und trainiert werden müssen- die vorliegenden DVDs bieten hier Anschauungsmaterial.

Aufbau und Inhalt

Wie schon angedeutet ergänzen die vorliegenden DVDs als Anschauungsmaterial reichlich vorhandene Literatur zum Thema KVT.

Es sind zunächst vier Hauptthemen die vermittelt werden:

  1. Die ABC- Einführung -5 Module
  2. Selbstanalyse von Emotionen (SAE) – 5 Module
  3. Disputationen und Sokratischer Dialog – 6 Module
  4. Ergebnisse der Klärungsphase – 2 Module

Diese Module werden von erfahrenen TherapeutInnen und durch von Ausbildungsteilnehmer/ TherapeutInnen gespielten Klienten bei verschiedenen angenommenen Problemstellungen demonstriert.

DVD 1 stellt die Arbeit mit dem ABC- Schema und der Selbstanalyse von Emotionen (SAE) vor. Wesentlich erscheint den Autoren, das übend-edukative Vorgehen schrittweise unter Einsatz der Arbeitsblätter zu demonstrieren – sie legen dabei weniger Wert auf therapeutische Interaktionen wie sie in der Praxis stattfinden, sondern auf das methodische Vorgehen selbst, sodass der auszubildenden Betrachter sozusagen „lege artis“ geschult werden kann und Modelle für eigenes späteres therapeutisches Agieren bekommt.

  • So wird im 1. Modul (Gefühle und 5 Erlebensbereiche) dargelegt, was im Kontext der vorgestellten KVT Gefühle sind und wie diese definiert werden können und sich differenzieren lassen in Gefühle, Körpergefühle, Körperreaktionen, Denken und Handeln. Schließlich ist ja das erklärte Ziel, den Klienten später in die Lage zu versetzen, an Gefühlen unter denen erleidet, Veränderungen vorzunehmen.
  • Folgerichtig schließt sich im 3. Modul die Darlegung eines Genesemodells für Gefühle an mit dem Ziel, das oft implizite Klientenmodell zur Bedingtheit von Gefühlen gezielt in Frage zu stellen und „zu ersetzen“ durch eine Modell, welches Gefühle letztlich als kognitiv vermittelt betrachtet und hierüber Veränderungsmöglichkeiten eröffnet.
  • In der SAE geht es schließlich darum, anhand konkreter Emotionen und deren ABC- Hintergrund dysfunktionale kognitive Grundannahmen des Patienten herauszuarbeiten und auch diese veränderbar werden zu lassen. Im Modul 9 wird dies am Klientenproblem „Ärger“ exemplifiziert und dargelegt, durch welche Grundannahmen diese Emotion eigentlich verstärkt wird und wo entsprechend dem Modell Unterbrechungsmöglichkeiten für Verschlimmerungs-Kreise der Erregung bestehen.

DVD 2 beschäftigt sich mit der Darlegung und Darstellung von Interventionen im Rahmen von „Disputationen und Sokratischem Dialog“ und „Ergebnissen der Klärungsphase“.

Über wen oder was habe ich im Leben Kontrolle- über mich selbst (Modul 11) oder/ und über andere (Modul 12), worin besteht der emotionswirksame Unterschied zwischen Tatsachen und Meinungen (Modul 13) und was haben meine Gefühle und mein Verhalten mit meinen (oft impliziten) Wertvorstellungen über/vom Menschen zu tun (Module 14 und 15) sowie: Was hat dies mit Zu- und Abneigung zu tun? (Modul 16) - dies sind hier die Themen. Anschließend folgen noch zwei Module, die die Ausarbeitungen und Interkationen mit dem Klienten abschließen sollen: Alte und potentiell selbstschädigende Annahmen werden den neu erarbeiteten gegenüber gestellt, um sich von den alten zu emanzipieren (diese aber nicht zu vergessen!), und neue zu praktizieren.

Bei beiden DVDs ist die An- und Abschaltung eines unterlegten erklärenden Textes möglich, was die Anwendbarkeit in Aus- und Fortbildungssettings erweitert.

Den DVDs liegt zudem ein Booklet bei, in dem Erläuterungen gegeben werden einerseits zur Methode, andererseits zu den einzelnen Modulen, deren Autoren und Mitarbeiter.

Diskussion

Zur Vermeidung von Missverständnissen sei zunächst darauf hingewiesen, dass es sich hier nicht um Videomaterial zum Erlernen der KVT handelt – hierzu ist die grundlegende Auseinandersetzung mit (nicht nur) der KVT zwingend notwendig. Dies erscheint wichtig, damit die gespielten Sequenzen nicht als 1:1 Vorlage für die Praxis betrachtet werden. Es geht den Autoren (hoffentlich!) darum, bestimmte im Sinne der KVT wichtige therapeutische „Werkzeuge“ anschaulich zu machen und nicht um reale Therapie-Interaktionen mit „echten“ Klienten „vorzuführen“. Solche sind wesentlich komplexer und bedürfen mehr erkennbare Arbeit am Rapport, die Berücksichtigung von kognitiv- mentalen Unterschiedenen beim Klientel und letztlich eine breitere Methodenkompetenz, als dies die vorliegenden Materialien abbilden und abbilden können.

Für Novizen im psychotherapeutischen Ausbildungskontexten erscheint das Material nur unter gleichzeitiger Supervision geeignet und bedarf zudem neben Selbststudium oder/ und kollegialer Supervision der Überprüfung eigener Beziehungs-Kompetenzen.

Genau hier liegt eine Schwierigkeit, die sich aus den „gespielten“ Situationen ergibt – können diese über reine Technik hinausgehenden Erkenntnis- und Fähigkeitsgewinn bringen, wenn die Distanz des Beobachters so groß ist, wie am heimischen Abspielgerät? Sind „Life-Übungen“ im Kollegenkreis nicht deutlich authentischer, insbesondere wenn hier „echte“ Klienten unter Berücksichtigung von Persönlichkeitsrechten zur Mitarbeit bereits sind? Nun kann gesagt werden, dass das eine das andere nicht ausschließt- dennoch sei von übertriebenen Erwartungen an erhellende Momente bei der Betrachtung der DVDs gewarnt – wo aber eigene Praxis außerhalb von Supervision angeregt sein will, kann das vorliegende Material durchaus Impulse geben.

Fazit

Die beiden DVDs bieten eine Veranschaulichung von KVT- Arbeit und deren technischer Umsetzung unter Nutzung reichlicher Arbeitsblätter. Die DVDs lassen sich als Materialien zur Selbstreflexion eigener Praxis und als Start- oder Nachhilfe in Supervisions-Kollegs einsetzen, soweit auf eine Grundausbildung in (nicht nur) Verhaltenstherapie zurückgegriffen werden kann.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 21.03.2016 zu: Kai Born, Harlich H. Stavemann: Kognitive Verhaltenstherapie. Modelle, Werkzeuge und Disputationen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. ISBN 978-3-621-28262-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19684.php, Datum des Zugriffs 15.11.2019.


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