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Herbert Schubert (Hrsg.): Sozialmanagement

Rezensiert von Prof. Dr. Michael Schmidt, 10.03.2002

Cover Herbert Schubert (Hrsg.): Sozialmanagement ISBN 978-3-8100-3278-2

Herbert Schubert (Hrsg.): Sozialmanagement. Zwischen Wirtschaftlichkeit und fachlichen Zielen. Leske + Budrich (Leverkusen) 2001. 182 Seiten. ISBN 978-3-8100-3278-2. 12,90 EUR.

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Einführung in das Thema

Gesetzliche Veränderungen, zunehmender Wettbewerb und erhöhte Qualitätsanforderungen tangieren alle Bereiche sozialer Arbeit. Die Steuerung sozialer Organisationen erfordert ein professionelles Management, das den veränderten Rahmenbedingungen gerecht wird und sicherstellt, dass die Arbeit effektiv und effizient realisiert wird. Es stellt sich die Frage, wie ein Management für soziale Organisationen aussehen muss, das ermöglicht, soziales Engagement und professionelles fachliches Handeln in einen konstruktiven Dialog mit unternehmerischem Bewusstsein einzubinden. Sowohl Fort- und Weiterbildungsanbieter als auch Hochschulen setzen sich nachhaltig mit der Frage auseinander, wie zukünftigen Führungskräften von sozialwirtschaftlichen Unternehmen eine adäquate Managementkompetenz vermittelt werden kann.

Hintergründe für die Entstehung des Buches

In der Fachwelt wird häufig eine Unverträglichkeit zwischen managerialem Denken (im Kontext wirtschaftlicher Effizienz) und professioneller Handlungskompetenz (im Sinne sozialethischen Handelns) postuliert. Der Herausgeber des Buches, Dr.phil. Dr.rer.hort.habil. Herbert Schubert, der als Professor für Soziologie und Sozialmanagement am Fachbereich Sozialpädagogik der Fachhochschule Köln sowie als Privatdozent am Fachbereich Landschaftsarchitektur und Umweltentwicklung der Universität Hannover lehrt, unternimmt den Versuch, diese scheinbare Unverträglichkeit aufzuklären. Durch Beiträge verschiedener Autoren soll vermittelt werden, dass die Implementation von Managementansätzen schrittweise zu einer Verbesserung der Angebote und Dienstleistungen sozialer Organisationen führt. Voraussetzung dazu ist u.a., dass die Instrumente eines Managements für soziale Organisationen emanzipatorischen Charakter haben und wirtschaftliche Aspekte nicht zu Lasten der fachlichen Standards priorisiert werden. Die Textbeiträge bilden einen durch die Fachhochschule Köln initiierten Theorie-Praxis-Dialogs ab.

Aufbau und Inhalte des Buches

Das vorliegende Buch ist in 11 Kapitel untergliedert:

1. Sozialmanagement zwischen Wirtschaftlichkeit und fachlichen Zielen - Einführung

2. Handlungsspielräume des Neuen Steuerungsmodells – Zusammenhänge der aktuellen Diskussion

3. Steuerung sozialpädagogischer Dienstleistungen – Entzauberung des Managementbegriffs

4. Sozialmanagement aus der Frauenperspektive – Förderung von weiblichem Führungsnachwuchs

5. Vom schwierigen Verhältnis zwischen der sozialen Arbeit und dem (Sozial-)Marketing

6. Qualitätsmanagement in der Jugendhilfe

7. Stärkung der pädagogischen Arbeit durch Controlling

8. Kostenrechnung als Emanzipationsinstrument in der sozialpädagogischen Arbeit

9. Design eines neuen Kompetenzprofils – Entwicklung der Potenziale durch Personalmanagement

10.Managementkompetenzen in der sozialen Arbeit – Was verlangt die Praxis ?

11.Sozialmanagement im grundständigen Studium der sozialen Arbeit – Ein Interview mit Wolf Rainer Wendt und Horst Kowalewski

Im ersten Kapitel führt Schubert in die Thematik ein. Fachkräfte im Bereich sozialer Arbeit sind zukünftig aufgefordert, sowohl der ökonomischen als auch der sozialpädagogischen Seite der Arbeit gerecht zu werden. Dabei darf die notwendige Berücksichtigung effizienter Aspekte nicht zu Lasten fachlicher Effektivität interpretiert werden. Es stellt sich die Frage, mit welchen Managementinstrumenten sozialpädagogische Handlungskonzepte – trotz knapper Ressourcen – fachlich hinreichend und bedarfsgerecht realisiert werden können. Studierende der Sozialarbeit/Sozialpädagogik müssen im Rahmen ihrer Ausbildung auf diese Aufgaben vorbereitet werden.

Im zweiten Kapitel werden Ansätze des Neuen Steuerungsmodells im Kontext einer Modernisierung der sozialen Dienstleistungsproduktion von öffentlichen Verwaltungen und Wohlfahrtsverbänden von Klaus Hofemann beschrieben. Hofemann analysiert die Übertragung wettbewerblicher Steuerungselemente sowie Aspekte von Marktrationalität kritisch und vertritt die Ansicht, dass die Handlungsoptionen sozialer Arbeit nur zu sichern seien, wenn fachliche Standards zum Maßstab ihrer ökonomischen Einbettung würden.

Im dritten Kapitel setzt sich Herbert Schubert mit dem Managementbegriff auseinander. Er führt aus, dass technokratisch geführte Arbeitsabläufe im Sinne tayloristischer Organisationssteuerung eine Modernisierung sozialer Arbeit verhindern und plädiert für eine funktionale Steuerungskaskade über alle Instanzen hinweg.

Das vierte Kapitel dient einer Beschreibung des Sozialmanagements aus der Frauenperspektive. Brigitte Dorst vermittelt Ergebnisse der Frauenforschung, nach denen der von Frauen praktizierte, weibliche Führungsstil in besonderer Weise für Führungsaufgaben im modernen Management geeignet erscheint, um technokratische Steuerungsmodelle zu überwinden.

Michael Urselmann plädiert im fünften Kapitel für die Implementation von Marketingansätzen als Faktor sozialpädagogischer Fachlichkeit. Soziale Arbeit ist demnach aufgefordert, ideologischen Ballast abzuwerfen und sich einem modernen Marketingverständnis zu öffnen, um ihre Fachlichkeit auch unter ökonomischem Anpassungsdruck zu sichern.

Im sechsten Kapitel beschreibt Klemens Konermann am Beispiel der Jugendhilfe den Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems. Er relativiert dabei die Sinnhaftigkeit eines primär rational-technokratischen Managementverständnisses zu Gunsten eines soziokratischen Ansatzes unter Berücksichtigung personaler Beziehungsprozesse. Ein allgemeines Wesensmerkmal des modernen Sozialmanagements besteht seiner Ansicht nach in der Ausbalancierung von Menschen- und Sachorientierung.

Klaus-Dieter Pruss beschreibt im siebten Kapitel Planungs-, Berichts- und Steuerungsaufgaben des Controlling. Am Beispiel der Jugendhilfe führt Pruss aus, dass Controlling, durch eine sinnvolle Vernetzung wirtschaftlicher Kriterien und pädagogischer Aspekte, zu einem nutzbringenden Instrument sozialer Arbeit werden kann.

Im achten Kapitel beschreibt Hans J. Nicolini am Beispiel der Jugendhilfe Möglichkeiten einer sinnvollen Implementation von Kostenrechnung. Nicolini verdeutlicht, dass Kostenrechnung als Instrument des Sozialmanagements die Entscheidungsfreiräume sozialpädagogischer Arbeit verbessert und nicht zwangsläufig zu einer Monetarisierung sozialer Arbeit auf Kosten pädagogischer Effektivität führt.

Dorothea Bösebeck-Hoffmann beschreibt im neunten Kapitel Möglichkeiten einer konstruktiven Vernetzung von klassischen Ansätzen der Sozialarbeit mit modernen Managementtheorien. Sie betont dabei professionelles Personalmanagement und organisationales Lernen als wesentliche Voraussetzungen zur systematischen und dauerhaften Entwicklung des Kompetenzpotenzials sozialpädagogischer Fachkräfte.

Im Kapitel zehn und elf entwickeln Sandra Nüß und Herbert Schubert ein Curriculum zur Ausbildung von Sozialmanagern. Sie haben dazu u.a. eine Analyse von 200 Stellenanzeigen sowie eine umfassende Befragung von Führungskräften durchgeführt. Nüß/Schubert unterscheiden dabei zwischen verschiedenen Ebenen der Sozialwirtschaft (Makro-, Meso- und Mikroebene) und unmittelbaren Handlungsebenen des eigentlichen Sozialmanagements.

Tauglichkeit für potentielle LeserInnen

  • Für LeserInnen die sich über Sozialmanagement/Sozialwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Effizienz und Effektivität informieren möchten, bietet das Buch interessante und fundierte Anregungen. Die Ausführungen der verschiedenen Autoren sensibilisieren für die Thematik und regen zu konstruktiv-kritischen Diskussionen an.
  • Als Handbuch oder Grundlagenwerk ist das Buch nur bedingt geeignet, da die verschiedenen Themenbereiche zwar kritisch diskutiert, jedoch inhaltlich nicht in ihrer Komplexität beschrieben werden. Dies wäre jedoch in einem Buch mit 182 Seiten schwerlich möglich und war offensichtlich auch nicht die Absicht des Herausgebers und der Autoren.
  • Fazit

    Das vorliegende Buch überzeugt qualitativ durch den Theorie-Praxis-Dialog der verschiedenen Autoren sowie durch fundierte Hinweise zu Inhalten einer Managementausbildung für Führungskräfte im Bereich sozialer Dienste. Dies wird z.B. durch das im letzten Kapitel mit Rainer Wendt und Horst Kowalewski geführte Interview deutlich. Während Wendt als Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Sozialarbeit berufspolitische Aspekte fokussiert, vertritt Kowalewski als Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmanagement/Sozialwirtschaft an Hochschulen die wissenschaftlichen Perspektiven.

    Das vorgelegte Buch ist auf Grund der dialektischen Auseinandersetzung mit der Thematik sowie der umfangreichen Anregungen der Autoren sowohl für Lehrkräfte als auch für Leitungskräfte im Bereich sozialer Arbeit sehr empfehlenswert. Es sei abschließend noch erwähnt, das dieses Buch gute Qualität zu einem fairen Preis von 12.90 € bietet, was besonders für Studierende mit einem begrenzten finanziellen Budget von Interesse sein dürfte.

    Rezension von
    Prof. Dr. Michael Schmidt
    Diplom Pädagoge, Diplom Sozialpädagoge, TQM-Assessor DGQ, Coach (FH), Professor für Management und Organisation Sozialer Arbeit an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden sowie Dozent an der Steinbeis Hochschule Berlin Leadership and Competencies
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    Es gibt 12 Rezensionen von Michael Schmidt.

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    Zitiervorschlag
    Michael Schmidt. Rezension vom 10.03.2002 zu: Herbert Schubert (Hrsg.): Sozialmanagement. Zwischen Wirtschaftlichkeit und fachlichen Zielen. Leske + Budrich (Leverkusen) 2001. ISBN 978-3-8100-3278-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/197.php, Datum des Zugriffs 14.07.2024.


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