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Alexander Gregory, Torsten Schmotz (Hrsg.): Fundraising-Praxis vor Ort

Cover Alexander Gregory, Torsten Schmotz (Hrsg.): Fundraising-Praxis vor Ort. Methoden, Beispiele, Ideen, Tipps und Adressen zur Finanzierung von regionalen Vereinen, Projekten und gemeinnützigen Einrichtungen in ganz Deutschland. AG SPAK Bücher (Neu Ulm) 2015. 534 Seiten. ISBN 978-3-940865-89-2. D: 39,00 EUR, A: 37,50 EUR, CH: 46,00 sFr.
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Thema

Für manche soziale Organisationen sind die aus dem Fundraising erwirtschafteten Ressourcen lediglich ein kleines Additiv zur herkömmlichen Finanzierung durch Zuwendungen oder Einzelleistungsentgelte, andere Institutionen aus dem Wohlfahrtsbereich finanzieren dagegen einen Großteil ihrer Arbeit oder gar alles über solche sog. „Drittmittel“. Manche Verantwortliche im sozialen Sektor sind aber auch gar nicht über die beachtliche Bandbreite an Möglichkeiten zur alternativen Mittelbeschaffung informiert.

Entstehungshintergrund

Alexander Gregory und Torsten Schmotz legen im Auftrag des Evangelischen Bildungswerks München, des Instituts für Beratung und Projektentwicklung, der Paritätischen Geldberatung sowie von VIS a VIS Beratung – Konzepte – Projekte ein „Anleitungs- und Nachschlagebuch“ für die Fundraising-Praxis vor. Es soll ein komprimierter Überblick über Methoden, Instrumente und Strategien des Einwerbens von Drittmitteln gegeben werden. Diese Publikation ist eine Weiterentwicklung der Vorgängerausgaben, die sich auf Fundraising in Süddeutschland, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland bezogen haben. 28 Autorinnen und Autoren haben an der neuen Publikation mitgewirkt.

Herausgeber

  • Alexander Gregory ist juristischer Assessor, Politologe und Erwachsenenbildner. Er war Geschäftsführer eines Verbandes von Bildungseinrichtungen, ist Trainer und Berater für soziale und andere Organisationen, aber auch als Aktivist in Bürgerinitiativen tätig.
  • Torsten Schmotz ist Diplom-Kaufmann mit langjähriger Erfahrung unter anderem im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Finanzierung. Er ist Inhaber der Agentur Förderlotse und Dozent an verschiedenen Hochschulen.

Aufbau und Inhalte

Die Publikation enthält fünf Teile sowie einen Anhang.

Teil 1 kann als einleitender Abschnitt verstanden werden und umreißt die Fundamente des Fundraisings. Geschrieben wurde dieser Teil von Dieter Schöffmann, Torsten Schmotz und Tina Keeling. Vermittelt werden hier die zentralen Grundlagen der erfolgreichen Drittmittelbeschaffung. Schwerpunkte sind dabei das Fundraising als Beziehungsarbeit, die Schritte zum Fundraising-Plan, die wesentlichen Elemente einer entsprechenden Öffentlichkeitsarbeit sowie die Finanzierungsmöglichkeiten bzw. Fundraising-Bausteine im Überblick. Eine wesentliche Botschaft ist unter anderem, dass jede Organisation planvoll und strukturiert vorgehen sollte und hinter den Aktivitäten ihres Fundraisings vollumfänglich stehen muss, wenn sie effektiv sein will.

Unter dem Motto „Spenden, Sponsoring und mehr – Klein anfangen, um schnell zu wachsen“ werden in Teil 2 verschiedene Strategien und Instrumente dargelegt, um Privatpersonen, Unternehmen und Medien für die Arbeit zu gewinnen. Im Abschnitt zu den Spendeninstrumenten „vor der Haustür“ werden basale Aktivitäten vermittelt, dazu zählen unter anderem Mitgliedsbeiträge, die Gründung eines Förderkreises und Spendenbriefe. In einem Abschnitt zu speziellen Instrumenten des Fundraisings werden darüber hinausgehend Möglichkeiten vorgestellt, die für fortgeschrittene Organisationen infrage kommen. Dazu zählen beispielsweise die Gewinnung von Großspenden oder auch Erbschaften (Nachlassermarketing). Verfasst wurden die Abschnitte dieses umfangreicheren Teils von Alexander Gregory, Peter Lindlacher, Sieglinde Ruf, Kerstin Hemme, Regina Glatt, Kai Fischer, Gabi Klein, Dieter Schöffmann und Alexander Länge. Dieser Teil kann als ein Herzstück der vorliegenden Publikation angesehen werden, enthält er doch einen breiten und mit guten Praxisbeispielen versehenen Fundus an Quellen und Möglichkeiten des Zugangs für ganz verschiedene Formen von gemeinnützigen Organisationen.

Teil 3 steht unter der Überschrift „Antragsmittel – Die Fördertöpfe sind gut gefüllt“ und befasst sich mit der gezielten Einwerbung von Fördermitteln, den „Antragsmitteln vor der Haustür“ sowie weiteren wichtigen Quellen. Die durchwegs instruktiven Beiträge in diesem Teil sind geschrieben von Dieter Harant, Thorsten Schmotz, Claudia Lamprecht, Heike Chr. Davidson, Alexander Gregory, Christoph Boldbrügge, Heike Kraak-Tichy, Renata Kavelj, Peter Lindlacher und Kai Fischer. Unter anderem werden in diesem Teil ein Überblick über den Markt der Antragsmittel und eine Übersicht über die Schrittfolge von der Konzeption bis zur Umsetzung gegeben. Genauer betrachtet werden des weiteren lokale und regionale Fördermöglichkeiten der öffentlichen Hand, Förder- und Spendenfonds, Lotterie-und Wettmittel, die kirchliche Förderung, die Förderung durch Sozialversicherungen, aber auch Förderpreise und entsprechende Wettbewerbe. Schließlich werden auch die Potenziale von Förderclubs, von Vermittlungsbörsen für Sachspenden und der Nutzen von Bürgschaften und Darlehen abgehandelt. Im Rahmen der Antragsmittel „für Fortgeschrittene“ geht es ausführlicher um die Landes- und Bundesförderung, um EU-Mittel, Stiftungen, Investoren und Crowdfunding.

Teil 4 wurde überschrieben mit „Organisatorisches – Sich die Arbeit leichter machen“. Die Abschnitte befassen sich mit den notwendigen Personal-, Sach- und Finanzressourcen, mit der Auswahl von und der Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern, der professionellen und rechtssicheren Verwaltung von Zuwendungen und Kontakten sowie mit ethischen Fragen im Sinne von Spenderschutz und Spendenaufsicht. Autorinnen und Autoren sind Alexander Gregory, Oliver Viest, Thorsten Schmotz, Dieter Schöffmann und Heike Chr. Davidson. Zu entnehmen ist diesen informativen Beiträgen unter anderem, dass erfolgreiches Fundraising ressourcenbezogen, aber auch in struktureller Hinsicht eine Reihe von gezielten Investitionen notwendig macht. Darüber hinaus werden Mindestanforderungen an Datenbanken sowie deren Rechtssicherheit klar formuliert. Im Zusammenhang mit dem rechtlichen Umfeld werden Haftungsfragen, Fragen des Datenschutzes und des Urheberschutzes ebenso behandelt wie steuerliche Angelegenheiten.

Teil 5 ist bestimmt von „Fundraising in bestimmten Branchen“. Im Zentrum stehen neben dem Schul- und Hochschulwesen der Gesundheitsbereich, der Kultur- und Kirchensektor sowie Museen und die politische Bildung. AutorInnen sind Wolfgang Meyer, Frank Frieß, Birgit Stumpf, Ralf Püpke, Heike Chr. Davidson, Marcella v. Uthmann und Daniel Kraft. Die Beiträge dieses abschließenden Teils zeigen, dass einzelne Sektoren der gemeinnützigen Arbeit durchaus Besonderheiten aufweisen, die für das erfolgreiche Fundraising bedeutsam sein können. So müssen beispielsweise für Schulen und Hochschulen die Absolventinnen und Absolventen als wichtige Zielgruppe in die Aktivitäten einbezogen werden.

Der Anhang enthält ein Verzeichnis von Checklisten, ein Verzeichnis der Praxisbeispiele, Angaben zur Literatur, zu Datenbanken und Diskussionsforen, darüber hinaus Informationen zu den Herausgebern, Autorinnen und Autoren sowie ein Stichwortverzeichnis.

Diskussion

Die vorliegende Publikation sucht im Hinblick auf eine umfassende Darstellung der Möglichkeiten des Fundraisings im deutschsprachigen Raum ihres gleichen. Praktisch alle relevanten Bereiche der Beschaffung von Drittmitteln werden in diesem Handbuch beschrieben. Der Markt für finanzielle Ressourcen jenseits von staatlichen Geldern ist hart umkämpft. Nicht jeder Anfrage kann von Sponsoren, Spendern und anderen Förderern entsprochen werden. Die Tipps zur Gewinnung von entsprechenden Geldern sind auf einem aktuellen Stand, die vielen Beispiele sind hilfreich bei der Rezeption der verschiedenen Ansätze.

Es erscheint uns wichtig zu betonen, dass neben den diversen Quellen des Fundraisings auch die für gemeinnützige Organisationen notwendigen organisatorischen wie personellen Vorbereitungen und Investitionen gut beschrieben werden. Fundraising kann letztlich nur erfolgreich und nachhaltig realisiert werden, wenn dies vor dem Hintergrund einer guten Öffentlichkeitsarbeit und eines guten Rufes geschieht.

Fazit

Über herkömmliche Ratgeber geht dieser Band auch deswegen hinaus, weil er nicht nur beim klassischen Spenden und Sponsoring stehen bleibt, sondern sich nahezu dem kompletten Repertoire bis hin zur EU-Förderung widmet und Aspekten wie Sachspenden, Gewinnung von Freiwilligen/Ehrenamtlichen sowie anderen Formen von Zuwendungen in gebührender Ausführlichkeit widmet. Das umfangreiche Register führt dazu, dass der Band auch als Nachschlagewerk genutzt werden kann. Diese Publikation ist empfehlenswert für alle engagierten und verantwortlichen Personen im gemeinnützigen Bereich, welche sich für erfolgreiche Wege der Mittelbeschaffung interessieren.


Rezensent
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 07.04.2016 zu: Alexander Gregory, Torsten Schmotz (Hrsg.): Fundraising-Praxis vor Ort. Methoden, Beispiele, Ideen, Tipps und Adressen zur Finanzierung von regionalen Vereinen, Projekten und gemeinnützigen Einrichtungen in ganz Deutschland. AG SPAK Bücher (Neu Ulm) 2015. ISBN 978-3-940865-89-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19706.php, Datum des Zugriffs 24.11.2017.


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