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Ursula Leuthold: Kindesschutz­verfahren in den USA und in der Schweiz

Cover Ursula Leuthold: Kindesschutzverfahren in den USA und in der Schweiz. Ein Ländervergleich zur Untersuchung der Effekte von Kindesschutzverfahren auf resiliente Bewältigungsmuster von Kindern und Familien. Edition Soziothek (Bern) 2015. 88 Seiten. ISBN 978-3-03796-530-6.

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Thema

In ihrer in der Edition Soziothek veröffentlichten Master-Thesis geht die Autorin der Frage nach, welche Effekte Kindesschutzverfahren auf resiliente Bewältigungsmuster von Kindern und Familien haben. Ausgangspunkt und Methode für die Suche nach Rationalitäten im Verfahren bildet der Ländervergleich Schweiz – USA. (vgl. abstract)

Autorin

Ursula Leuthold hat die vorliegende Publikation als Studentin des Kooperationsstudienganges Master of Science in Sozialer Arbeit der Fachhochschulen Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich verfasst. Die Autorin ist Sozialarbeiterin mit mehrjähriger Erfahrung im Bereich Kindesschutz.

Entstehungshintergrund

Beim vorliegenden E-Book handelt es sich um eine Master-Thesis des Kooperationsstudiengangs Master of Sience in Sozialer Arbeit der Fachhochschulen Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich. In der Schriftenreihe Master-Thesen des Kooperationsstudienganges Master of Science in Sozialer Arbeit der Fachhochschulen Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich werden Master-Thesen publiziert, die mit dem Prädikat „sehr gut“ oder „hervorragend“ beurteilt und von der Studienleitung zur Publikation empfohlen wurden.

Die Idee für die vorliegende Master-Thesis entstand 2013 während einer Reise von Studierenden und Dozierenden der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft, Abteilung Soziale Arbeit, nach Dayton, Ohio an die Wright State University. Zweck der Reise war ein zweiwöchiger Kurs zum Thema „Comparative Social Welfare: US an Switzerland“: (S. 1)

Aufbau und Inhalt

Die vorliegende Master-Thesis ist, nach einer kurzen Einleitung (Kapitel 1) in acht weitere Kapitel sowie ein Literaturverzeichnis und einen Anhang unterteilt.

Im Kapitel 2 Ausgangslage und Herleitung der Problem- und Fragestellung befasst sich die Autorin zuerst mit der Kinder- und Jugendhilfe und dem zivilrechtlichen Kindesschutz in der Schweiz (Unterkapitel 2.1 und 2.2). Im darauffolgenden Unterkapitel 2.3 wird kurz der Kindesschutz in den USA dargestellt. Dabei geht die Autorin insbesondere auf die zwei Legislativen „The Child Abuse Prevention and Treatment Act (CAPTA)“ und „The Adoption and Safe Families Act (ASFA)“ ein. Auf Grundlage der Darstellung der Kindesschutzsysteme in der Schweiz und der USA und ihren Überlegungen leitet die Autorin dann die zentrale Fragestellung (Unterkapitel 2.4) ab: „Welche Effekte haben Kindesschutzverfahren auf resiliente Bewältigungsmuster von Kindern und Familien?“ (S. 7). Im Unterkapitel 2.5 formuliert die Autorin die Zielsetzungen der Arbeit detailliert und erläutert den Aufbau.

Eine Übersicht über den aktuellen Stand des Diskurses im Feld der Kinder- und Jugendhilfe stellt den Schwerpunkt des Kapitels 3 Stand der Forschung dar. Dabei bezieht sich die Autorin im Unterkapitel 3. unter anderem, auf zwei Publikationen aus Nordamerika:

  1. Freymond & Cameron (2006): Towards positive systems of child and family welfare: International comparisons of child protection, family service, and community caring systems. Toronto: University of Toronto Press
  2. Gilbert (1997): Combatting child abuse. International perspectives and trends. New York: Oxford University Press

Im Unterkapitel 3.2 werden die Kindesschutzsysteme der Schweiz und der USA miteinander verglichen. Nachfolgend thematisiert die Autorin den aktuellen Diskurs im Feld des Kinderschutzes (Unterkapitel 3.3) und formuliert die zentralen Fragestellungen in Bezug zum fachlichen Diskurs. Zudem geht die Autorin erneut auf das Ziel ihrer Master-Thesis ein: „Die vorliegende Arbeit ist ein Versuch, einen Beitrag zu leisten zum besseren Verständnis von Kinderschutz als ein normatives und rechtlich kodifiziertes Postulat.“ (S. 14)

Im 4. Kapitel Differenzen der Kindesschutzverfahren als Bezugsrahmen des Vergleichs, welches in sieben Unterkapitel unterteilt ist, werden konkret die Unterschiede der Kindesschutzverfahren in der Schweiz und in den USA anhand der Eintrittsschwellen zur Eröffnung eines Kindeschutzverfahrens, der Legitimierung der Interventionen in das Familiensystem, den Merkmalen und/oder Faktoren des Fallverlaufs, dargestellt. Weiter wird vergleichend auf die Grundsätze der Orientierung an den gesetzlichen Massnahmen und das Verständnis betreffend Zusammenarbeit der verschiedenen Akteuren eingegangen. Abschliessend zeigt die Autorin auf, welche Verfahrensdynamik sich hinsichtlich der Endpunkte des Kindesschutzverfahrens entwickelt und thematisiert die unterschiedlichen „vorherrschenden und kulturell besetzten Idealvorstellungen über Familie und Kinder (…)“ (S. 18)

Das 5. Kapitel Die Resilienzkonzeption als innerer Bezugsrahmen ist in insgesamt drei Unterkapitel unterteilt:

  1. Resilienzkonzeptionen
  2. Anforderungen an eine Resilienztheorie
  3. Resiliente Bewältigungsmuster von Kindern und Familien

Die Entwicklung des Resilienzbegriffs und verschiedene Resilienzkonzeptionen werden dargestellt. Dabei bezieht sich die Autorin auf den aktuellen Forschungsstand und auf empirische Grundlagen.

Im 6. Kapitel Methodisches Vorgehen wird das von der Autorin gewählte methodische Vorgehen detailliert erläutert. In den drei Unterkapiteln wird das Forschungsdesign, das Vorgehen bei der Datenerhebung und der Datenauswertung dargestellt. Im vierten Unterkapitel unterzieht die Autorin das gewählte methodische Vorgehen einer kritischen Reflexion.

Das 7. Kapitel dient der Darstellung der Ergebnisse. „Der Aufbau (des Kapitels) folgt der hergeleiteten Dimensionierung der Differenzen zwischen den Verfahren in der Schweiz und den USA:“ (S. 37)

Kapitel 8 mit dem Titel Diskussion dient der Autorin zur Bewertung der herausgearbeiteten Verfahrenslogiken mit Bezug auf resiliente Bewältigungsmuster von Kindern und Familien. Im zweiten Unterkapitel beantwortet die Autorin ihre eingangs gestellte Fragestellung.

Das abschliessende 9. Kapitel Schlussfolgerungen „ist der Reflexion der erarbeiten Ergebnisse hinsichtlich des fachlichen Diskurses sowie der Problem- und Fragestellung gewidmet.“ (S. 52) Die Autorin betrachtet darin ihre in der Diskussion postulierten Hypothesen im Lichte des aktuellen Fachdiskurses und im Zusammenhang mit den Erkenntnissen aus der internationalen Resilienz- und Kinderschutzforschung (vgl. S. 52)

Im dem dem umfangreichen Literaturverzeichnis folgenden Anhang sind

  • die Interviewanfrage USA
  • der Interviewleitfaden Schweiz
  • der Interviewleitfaden USA
  • die Datenauswertung in Tabellen und
  • die Erklärung der Verfasserin

zu finden.

Diskussion und Fazit

Die vorliegende Master-Thesis ist im Rahmen des Kooperationsstudienganges Master of Sience in Sozialer Arbeit der Fachhochschulen Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich entstanden. Untersucht werden die Kindesschutzverfahren in der Schweiz und der USA und deren Effekte auf resiliente Bewältigungsmuster von Kindern und Familien. „Der Ländervergleich Schweiz – USA ist Ausgangspunkt und Methode für die Suche nach Rationalitäten im Verfahren.“ (abstract) Zur Datenerhebung führte die Autorin Interviews mit Expertinnen der Sozialen Dienste der Stadt Zürich und des Montgomery County Children´s Services in Dayton, Ohio. Die theoretische Grundlage bildet eine „Resilienztheorie, die mit dem Gegenstand Sozialer Arbeit und den Grunddimensionen der Analyse sozialer Probleme gerecht wird.“ (abstract)

Der Ländervergleich Schweiz – USA ist sehr interessant. Der große Verdienst der vorliegenden Master-Thesis ist es, dass die Kindesschutzverfahren in Bezug zu resilienten Bewältigungsmuster von Kindern und Familien untersucht werden. Die Ausführungen und Erläuterungen zu den Resilienzkonzeptionen sind sehr wertvoll.

Insgesamt ein sehr spannender und für den fachlichen Diskurs sehr wertvoller Diskussionsbeitrag. Das Ziel, einen Beitrag zum besseren Verständnis von Kindesschutz als ein normatives und rechtliches Postulat zu leisten, wird erfüllt.


Rezensent
Armin Eberli
Dozent, HF Agogis, Zürich
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Zitiervorschlag
Armin Eberli. Rezension vom 31.03.2016 zu: Ursula Leuthold: Kindesschutzverfahren in den USA und in der Schweiz. Ein Ländervergleich zur Untersuchung der Effekte von Kindesschutzverfahren auf resiliente Bewältigungsmuster von Kindern und Familien. Edition Soziothek (Bern) 2015. ISBN 978-3-03796-530-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19716.php, Datum des Zugriffs 15.09.2019.


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ISSN 2190-9245

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