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Elina Marmer, Papa Sow (Hrsg.): Wie Rassismus aus Schulbüchern spricht

Cover Elina Marmer, Papa Sow (Hrsg.): Wie Rassismus aus Schulbüchern spricht. Kritische Auseinandersetzung mit »Afrika«-Bildern und Schwarz-Weiß-Konstruktionen in der Schule – Ursachen, Auswirkungen und Handlungsansätze für die pädagogische Praxis. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. 320 Seiten. ISBN 978-3-7799-3323-6. D: 34,95 EUR, A: 35,90 EUR, CH: 45,90 sFr.
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„Rassismus ist allgegenwärtig“,

und zwar „in Sprache, Politik, Alltag, Ökonomie, Werbung, Medien, Sport, Musik, Internet, Theater, Literatur, am Arbeitsplatz wie am Postschalter, in Bewerbungsverfahren wie in Gesetzestexten, in den klassischen Texten der Philosophie wie in der aktuellen Historiographie, in der Medienforschung wie im Naturschutz…“, das stellt die Professorin für englische Literaturwissenschaft, anglophone Literaturen und „Weissseinsforscherin“ von der Universität Bayreuth, Susan Arndt in ihrem Büchlein „Rassismus: Die 101 wichtigsten Fragen“ fest (www.socialnet.de/rezensionen/14286.php). Zwar haben sich die gängigen, kolonialen Einstellungen, wie sie der honorable Missionar, Direktor des Instituts für Lautforschung und o. Professor von der Universität Berlin, Direktor des Internationalen Afrika-Instituts London, Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Dietrich Westermann (1875 – 1956) in seinem Beitrag „Der afrikanische Mensch und die europäische Kolonisation" (1939) überzeugt und unwidersprochen zum besten gab – „Das Geschick des Afrikaners ist für alle absehbare Zeit mit dem des Europäers aufs engste verbunden, ja es ist von ihm abhängig, er ist der Schüler und Arbeitnehmer, wir die Lehrer und Arbeitgeber, aber auch: wir sind die Herren und er der Untergebene“ – in der heutigen Zeit geändert; jedoch neokoloniale, rassistische und auf Höherwertigkeitsvorstellungen beruhende Auffassungen sind nicht Vergangenheit (María do Mar Castro Varela / Nikita Dhawan, Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung, 2015, www.socialnet.de/rezensionen/18809.php; vgl. dazu auch: Jos Schnurer, 20.12.2013, www.socialnet.de/materialien/171.php). „Es ist ja nur ein Kinderspiel“ und „Das meine ich doch nicht so!“, das sind oft die Einwände, wenn rassistische Einstellungen im Alltagsleben attestiert werden (vgl. dazu auch: Wulf Schmidt-Wulffen, Die „Zehn kleinen Negerlein". Zur Geschichte der Rassendiskriminierung im Kinderbuch, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10156.php).

Entstehungshintergrund und Herausgeberteam

Rassistisches Gedankengut ist in der Mitte der deutschen Gesellschaft verwurzelt, und es wird unreflektiert mit der Thematik umgegangen, darauf verweisen die Hamburger Rassismus- und Migrationsforscherin Elina Marmer und der Bonner Humangeograph und Soziologe vom Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung, Papa Sow, fest. Die Belege für diese Feststellung entnehmen die Herausgeber einerseits den Ergebnissen des von 2012 – 2013 an der Universität Hamburg durchgeführten Forschungsvorhabens „Image of Africa in Education“ (IMAFREDU), zum anderen den besorgniserregenden, gesellschaftlichen Entwicklungen der Zunahme von rechtspopulistischen und rassistischen Tendenzen, bei denen die zunehmende Migration und Zuwanderung von Menschen aus anderen Ländern und Kontinenten als Bedrohung der eigenen, nationalen (und europäischen) Identität ausgewiesen wird. Mit Blick auf die institutionalisierten Bildungs- und Erziehungsprozesse in der Familie, den Kitas und der Schule kommen die Autorinnen und Autoren des Sammelbandes zu dem Ergebnis, dass rassistische Vorstellungen nur einem Weltbild entspringen können, das Menschen, Gesellschaften und Regionen nach rassistischen Kriterien auf- oder abwertet: Rassismen liegen also weder in den Genen, noch werden sie in die Wiege gelegt; vielmehr werden Fremden- (Menschen-)feindlichkeit und rassistische Einstellungen gelernt! Es sind die empirisch nachlesbaren und aufweisbaren Belege, wie sie z. B. in offiziell genehmigten Schulbüchern vorzufinden sind.

Aufbau und Inhalt

Neben dem Hamburger AutorInnen-Kollektiv „AG Rassismuskritischer Leitfaden“ beteiligen sich 13 Autorinnen und Autoren am Sammelband „Wie Rassismus aus Schulbüchern spricht“.

Das Buch wird in drei Kapitel gegliedert:

  1. Im ersten Teil werden die theoretischen Aspekte von Rassismus und Bildung reflektiert;
  2. im zweiten werden empirische Ergebnisse von Schulbuchanalysen vorgestellt;
  3. und im dritten Teil geht es um Fragen der Lehreraus- und -fortbildung, der Curriculum-, Lehrplanentwicklung und Schulbuchproduktion.

Das Herausgeberteam Elina Marmer und Papa Sow setzen sich in ihrem Beitrag „Rassismus, Kolonialität und Bildung“ mit den Wirklichkeiten von Rassismen sowohl auf der Makro-, als auch der Mikroebene auseinander, indem sie nach den Ursachen und Wirkungen : „Das hegemoniale westliche Wissen dominiert Bildungs- und Medieninhalte, unsere Vorstellungen von Zivilisation, Entwicklung, Schönheit, Normalität, ja von Menschlichkeit und der Welt“ fragen.

Der Berliner Politikwissenschaftler und politischer Bildner Daniel Bendix diskutiert „Afrikabilder in Deutschland aus postkolonialer Perspektive“, indem er in historischen Texten, in der wissenschaftlichen und allgemeinen Literatur und aus Szenen und Ereignissen des alltäglichen gesellschaftlichen Lebens der Menschen Stereotypenbildungen und Vorurteile aufzeigt: „Es ist unabdingbar, das Deutschlandbild oder Europabild zu thematisieren, wenn man eine Veränderung des Afrikabildes erreichen möchte“.

Papa Sow bezieht sich mit seinem Text „Zwischen den Zeilen lesen“ auf den westlichen Diskurs über Entwicklungszusammenarbeit und Kooperation mit Afrika“. Die Kritik an den „postkolonialen“ Motiven der „Entwicklungshilfe“ der so genannten entwickelten Länder, wie sie bereits 1978 mit dem aufreizenden Buchtitel „Schnee für Afrika“ (Bruno Bandulet) für Aufmerksamkeit sorgte, weist nach wie vor eine „Doppelzüngigkeit“ auf, der mit dem frisierten Begriff „Entwicklungszusammenarbeit“ nur allzu durchschaubar deutlich wird: „Der paternalistische Charakter der Zusammenarbeit führt dazu, dass die Mehrzahl der afrikanischen Staaten für die Wünsche Europas arbeitet“.

Die Frankfurter Politikwissenschaftlerin und Pädagogin Laura Digoh und die Sozialwissenschaftlerin von der Lüneburger Leuphana-Universität, Nadine Golly, treten mit ihrem Beitrag „Kritisches Weißsein als reflexive und analytische Praxis zur Professionalisierung im Bildungsbereich“ für ein kritisches Weißsein-Bewusstsein ein, indem sie auf (Alltags- und „selbstverständliche“) Formen von kultureller Dominanz in den verschiedenen Lebens- und Lernlagen im pädagogischen Alltag verweisen und einen Perspektivenwechsel fordern: „Kritisches Weißsein ist Teil eines gesellschaftlichen Wandlungsprozesses von Umverteilung symbolischer und politischer Macht“.

Der Text „Die psychische Form der Macht – Oder: Wie Rassismuserfahrungen und ‚Afrika‘ – Bilder wirken und Subjekte bilden“ wird als Interview abgedruckt, das Elina Marmer mit der Psychologin und Sozialwissenschaftlerin von der Hochschule Landshut, Astride Velho, führte. Sie verweist auf die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit „Alltagsrassismus erfahren. Prozesse der Subjektbildung – Potentiale der Transformation“ und plädiert für eine rassismuskritische und generell machtkritische Haltung, die sich offensiv und radikal gegen herrschende Machtverhältnisse wendet, aber gleichzeitig die enorme Bedeutung der eigenen Involvierung in allgegenwärtige rassistische und andere Macht- und Ordnungsprinzipien zum Ausgangspunkt des Denkens und Handelns macht.

Die Lüneburger Pädagogin Danae Christodoulou analysiert und kritisiert den Begriff „Migrationshintergrund“. Anhand von Beispielen aus der Alltagspraxis und wissenschaftlichen Studien zeigt sie die Problematik der Begriffsverwendung auf und verdeutlicht die Auswirkungen auf Identitätsbildung und Integrationsentwicklung. Die Frage nach alternativen Benennungen beantwortet die Autorin nicht mit einem anderen Begriff; vielmehr fordert sie auf, im dialogischen Diskurs um Migration, Fremdheit und Anderssein auf die Bezeichnung von Menschen als solche mit „Migrationshintergrund“ zu verzichten und dafür auf individualisierte „Selbstbenennungen“ zu setzen.

Auch die Informationen über „Schulbuchproduktion und Diskursverschiebung“ werden von Elina Marmer in einem Interview mit der beim Braunschweiger Georg-Eckert-Institut – Leibniz Institut für internationale Schulbuchforschung tätigen Erziehungs- und Kulturwissenschaftlerin Felicitas Macgilchrist geliefert. Sie beschreibt das System der (deutschen) Schulbuch- (Medien-)Verlage und verweist darauf, dass bei der Schulbuchproduktion und -genehmigung in starkem Maße die jeweils in den einzelnen Bundesländern vorherrschenden „offiziellen“ politischen Meinungen berücksichtigt werden (müssen); ebenso nehmen Einfluss die demokratischen Verbände und gesellschaftlichen Organisationen. Deutlich dabei wird, dass es in Deutschland bisher keine unabhängige, wissenschaftliche Einrichtung gibt, die etwa rassistische Inhalte in Lehrbüchern beanstandet und dafür sorgt, dass sie erst nicht in die Schulbücher gelangen!

Den zweiten Teil führen Elina Marmer, Papa Sow und der Kasselaner Politikwissenschaftler Aram Ziai mit dem Beitrag „Der ‚versteckte‘ Rassismus – ‚Afrika‘ im Schulbuch“ ein. Sie stellen die wichtigsten Schulbuchanalysen vor und verweisen auf deren Aussagen und Defizite bei der Benennung von Inhalten mit rassistischen Tendenzen. Die Schulbuchkritik bleibt jedoch nicht bei der Analyse von negativen Beispielen stehen, sondern macht am Beispiel einer Geschichtsbuchanalyse deutlich, dass es nicht ausreicht, einzelne Passagen herauszugreifen, sondern eine Grundhaltung zu kritisieren, die nicht explizit benannt wird, sondern sich durch die Gesamtheit der Auswahl von Inhalten, Perspektiven, Texten, Quellen, Bildern und Aufgaben… äußert: „Weiße Menschen werden beschrieben als entwickelt, zivilisiert, rational und als aktive Akteure in Deutschland und der Welt, ob in der Geschichte oder in der Gegenwart. Schwarze Menschen werden in den Büchern zu den ‚Anderen‘, nicht zugehörig, fremd und exotisch, unterlegen, ungebildet und unterentwickelt“.

„Das… das… das ist demütigend“, mit dieser Aussage informiert Elina Marmer über eine Untersuchung, bei der sie Hamburger und Münchner Schülerinnen und Schüler afrikanischer Herkunft über Rassismus in Schulbüchern und im Klassenraum befragte. Mit der Methode des „Modells der dualen Einstellungen“ zeigt sie auf, wie implizite und explizite Einstellungen und Erfahrungen wirksam werden, „die, obwohl verschieden und widersprüchlich, trotzdem bei derselben Person gleichzeitig bestehen können“.

„Nee, nee, also hier bei uns nicht“; mit dieser Reaktion kennzeichnet die Hamburger Erziehungswissenschaftlerin Catrin Ehlen ihre Forschungsergebnisse über das Rassismusverständnis weißer Lehrender. Es wird deutlich, dass Rassismus von den Lehrkräften in der Wahrnehmung überwiegend mit rechtsradikalen Einstellungen gleichgesetzt wird. Damit wird ein wesentlicher Teil von bewussten und unbewussten rassistischen Verhaltensweisen ausgeklammert und Rassismen in seinen multikulturellen Formen ausgeblendet: „Die Schule … erscheint wie eine rassismusfreie Insel“. Sie zeigt auf, „dass die Lehrenden in ihrem pädagogischen Alltag Formen weißer Dominanz und Rassismus (re-)produzieren“.

Elina Marmer vermittelt mit ihrem Beitrag „Rassismuskritische Bildung im Lehramtsstudium“ Erwartungshaltungen, Aspekte, Zugangsweisen und Erkenntnisse über rassistisches Verhalten, indem sie Passagen aus den Lerntagebüchern von Hamburger Lehramtsstudierenden zitiert und analysiert, die an einem Seminar über rassismuskritische Bildung teilgenommen haben. An mehreren Beispielen, wie etwa der Hamburger Kolonialgeschichte, Auseinandersetzungen mit Postkolonialer Theorie, postkolonialen Kontinuitäten, Critical Whiteness-Studien, Islamophobie, Antisemitismus und Antiziganismus, sowie rassistischen, schulischen und Alltagsformen, weist die Autorin auf, dass Rassismen bewusst und unbewusst sich im Alltagsdenken und -handeln bemerkbar machen; gleichzeitig aber auch, „dass Rassismuskritik bereits Einzug in den Alltag der allermeisten Studierenden genommen hat“.

Eline Marmer führt mit ihrem Beitrag „Chancen der Lehrer_innenbildung“ in den dritten Teil des Sammelbandes ein, indem sie sich mit den Strukturen und Defiziten in der Lehramts-,Referendariatsausbildung und Lehrerfortbildung auseinandersetzt und Forderungen formuliert, wie „eine rasche und nachhaltige Einführung von Rassismuskritik in der Lehrer_innenbildung auf den Weg“ gebracht werden kann.

Das Autor_innenKollektiv „Arbeitsgruppe Rassismuskritischer Leitfaden“ legt didaktische und methodische „Grundsätze des herrschafts- und rassismuskritischen Lernens“ an Beispielen der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit zu Schwarzsein, Afrika und afrikanischer Diaspora vor. Mit einem inhaltlichen Themenkatalog fragen die Autorinnen und Autoren danach, „welches Wissen (und aus wessen Perspektive), welches theoretische und praktische ‚Gegen‘ – Wissen zur weißen Wissenschaft und Bildung muss thematisiert werden?“. Die vorgestellten Themengebiete – „Schwarzer Atlantik und Europäischer Kolonialismus“, „Schwarze Perspektiven in ihrer Komplexität“, „Sprache“, „Afrika-Bilder“, „Migration“ und „Rassismus und Rassismuskritik“ – werden Anregungen vermittelt, wie mit Bildern, Quellenmaterialien und Sprache im Kontext eines gleichberechtigten, kulturellen, inter-, transkulturellen, anthropologischen und globalen Bewusstseins umgegangen werden kann.

Die Berliner Lehrerin und Doktorandin Regina Richter stellt mit ihrem Beitrag „Rassismuskritisches Geschichtslernen“ die Frage danach, wie historisch-politische Bildung dekolonialisiert werden kann. Anhand von konkreten Geschichten und Beispielen von historischem (Gegen-)Wissen zeigt sie auf, wie eingeschliffene und gewohnte Sichtweisen in Frage gestellt und verändert werden können.

Nadine Golly informiert mit „Homestory Deutschland“ über Möglichkeiten, wie schwarze Biographien in der Geschichte und Gegenwart als Empowerment im Klassenraum der Grundschule dargestellt und bewusst gemacht werden können. Die Erarbeitung und Präsentation einer (Wander-)Ausstellung, in der 27 visuell aufbereitete Biographien Schwarzer Männer und Frauen aus drei Jahrhunderten vorgestellt werden, ermöglicht bei Lehrenden und Lernenden ein hohes Maß an Informations-, Reflexions-, Artikulations- und Interaktionskompetenz.

Die Berliner Studienrätin Saraya Gomis berichtet mit ihrem Text „Auf Spurensuche Martin Luther Kings 2013 – 2014 und der King-Code“ über ein einjähriges, schulübergreifendes Unterrichtsprojekt von Schüler_innen der Ernst-Reuter-Oberschule in Berlin-Wedding und des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Berlin-Pankow. In der mit Abbildungen und Unterrichtsdokumenten versehenen Dokumentation wird darauf hingewiesen, dass „die Institution Schule ( ) sich bisher zu wenig mit der veränderten Gesellschaft mitentwickelt (hat) und so hilft, Macht- und Herrschaftsverhältnisse fortzuschreiben und zu sichern“. Die Spurensuche nach Martin Luther Kings politischer Arbeit, insbesondere die Auseinandersetzungen mit seiner „I have a dream“ - Rede und seines Besuchs 1964 in Ost- und West-Berlin, regen an, solche in der Lehrbuchbenutzung und -rezeption vergessenen und vernachlässigten Bildungsinhalte für die antirassistische Bildung neu zu entdecken.

Die Münchner Philologin Modupe Laja beschließt den Sammelband mit ihrem Beitrag „Rassismus in Schulbüchern dekolonisieren!“, indem sie danach fragt, ob diese Herausforderung als „reines Kernanliegen zivilgesellschaftlicher Initiativen oder institutionelle Kernaufgabe deutscher Bildungspolitik“ verstanden werden solle. Sie mahnt an, dass in der Curriculumrevision und Schulbuchproduktion die Thematik allzu randständig und auf überholte, nationale und ethnische Positionen gesetzt, und die Entwicklung von globalen Menschenrechtspositionen nicht adäquat in den Blick genommen wird. Sie empfiehlt, die sich zunehmend vernetzenden und in den Bereichen der rassismuskritischen Bildung tätigen Akteur_innen aus der Theorie und Praxis des gesellschaftlichen und demokratischen Diskurses stärker einzubeziehen: „Menschenrechtsbildung von Kindern und Jugendlichen in der Schule legt die Grundlage für ein Menschenbild, dass das Verständnis von Gleichheit in den Schulalltag verankert und Differenz nicht als Problem, sondern als Bereicherung sieht“.

Fazit

Es ist die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte, die, wie es in der Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948, heißt, die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt bildet. Auf dem Fundament einer antirassistischen Bildung bauen somit Menschlichkeit und Humanität auf. Die kritische Auseinandersetzung mit Afrikabildern und Schwarz-Weiß-Konstruktionen ist also als eine allgemeinbildende Aufgabe in Bildung und Erziehung zu verstehen. Weil Rassismus eine Ideologie ist, die Ungleichheit befürwortet und setzt, kommt es darauf an aufzudecken und aufzuklären, dass „rassistisches Wissen ( ) rassistische Praxis (legitimiert)“ und „rassistische Botschaften ( ) in Schulbüchern und anderen Bildungsmedien reproduziert (werden)“. Eine rassismuskritische Bildung kann ein Bollwerk gegen Rassismen, Höherwertigkeitsvorstellungen und Ethnozentrismen in allen ihren Erscheinungsformen und Wirkungsweisen sein.


Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 05.11.2015 zu: Elina Marmer, Papa Sow (Hrsg.): Wie Rassismus aus Schulbüchern spricht. Kritische Auseinandersetzung mit »Afrika«-Bildern und Schwarz-Weiß-Konstruktionen in der Schule – Ursachen, Auswirkungen und Handlungsansätze für die pädagogische Praxis. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. ISBN 978-3-7799-3323-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19729.php, Datum des Zugriffs 24.09.2021.


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