Rüdiger Hinsch, Ulrich Pfingsten: Gruppentraining sozialer Kompetenzen GSK
Rezensiert von Prof. Dr. Annemarie Jost, 19.11.2015
Rüdiger Hinsch, Ulrich Pfingsten: Gruppentraining sozialer Kompetenzen GSK. Grundlagen, Durchführung, Anwendungsbeispiele ; mit E-Book inside und Arbeitsmaterial. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 6., vollständig überarbeitete Auflage. 360 Seiten. ISBN 978-3-621-27954-3. D: 54,00 EUR, A: 55,60 EUR, CH: 69,50 sFr.
Thema und Zielgruppe
Das Buch vermittelt Fachkräften aus pädagogischen, medizinischen und psychologischen Tätigkeitsbereichen
- Kognitiv verhaltenstherapeutisches Wissen, das für die Trainingsarbeit mit Menschen von grundlegender Bedeutung ist, die unter sozialen Kompetenzproblemen leiden
- Eine Einführung in die Ziele, Vorgehensweisen und Evaluationsmöglichkeiten des Trainings
- Eine gut verständliche und genaue Anleitung für die praktische Durchführung des Gruppentrainings und
- Anwendungsbeispiele für spezielle Klientengruppen
Autoren
Dr. Rüdiger Hinsch ist Diplompsychologe und in Berlin u.a. als Ausbilder für Gruppentrainer tätig.
Dr. Ulrich Pfingsten ist Studienrat im Hochschuldienst an der Universität Bielefeld.
Aufbau
Das Buch gliedert sich in drei Teile
- Grundlagen: Erklärungsmodelle und Ursachen sozialer Kompetenzprobleme und Interventionen aus kognitiv verhaltenstherapeutischer und handlungstheoretischer Sicht
- Praktisches Vorgehen: Das Manual wird mit seinen 7 Sitzungen und ergänzenden Hinweisen, Materialien und Maßnahmen zur Erfolgskontrolle ausführlich dargestellt
- Anwendungsbeispiele mit klinischen und weiteren Anwendungen
Das Buch enthält einen Download-Code zur einmaligen Verwendung, mit dem die Begleitmaterialien und eine pdf Version des Buches heruntergeladen werden können.
Inhalt
Die 4. Auflage wurde bereits unter www.socialnet.de/rezensionen/488.php von mir rezensiert, so dass ich an dieser Stelle insbesondere die Änderungen in der jetzigen 6. Auflage thematisiere:
Das Grundlagenkapitel wurde aktualisiert, modernisiert und um einige Aspekte erweitert. Insbesondere wird jetzt den Hintergrundfaktoren kognitiver Prozesse mehr Aufmerksamkeit gewidmet, auch emotionale Kompetenzen und das Zusammenwirken verschiedener Einzelursachen sozialer Kompetenzprobleme rücken stärker ins Blickfeld. Weiterhin wird die Salienz von Misserfolgserwartungen thematisiert, d.h. die Frage, wie gegenwärtig und bewusst bestimmte Erwartungen in spezifischen Situationen sind, ob sie beispielsweise durch Bilder und visuelle Fantasien intensiviert werden. So entsteht eine noch differenziertere Zusammenschau; und Trainer werden darauf vorbereitet, dass die Suche von Klienten nach einer einzelnen Ursache für ihre Probleme zwar gut verständlich, aber meistens verfehlt ist.
Der zweite Teil - der sich um die drei Situationstypen „Recht durchsetzen“, „Beziehungen“ und „Um Sympathie werben“ dreht - weist nur geringfügige Änderungen und Ergänzungen gegenüber der 4. Auflage auf. So wird in der 1. Sitzung optional ein „Buddy System“ eingeführt, bei dem sich je zwei Klienten zusammentun und gegenseitig auch zwischen den Sitzungen unterstützen. Weiterhin wurden Arbeitsmaterialien überarbeitet und ergänzt: So beinhaltet die jetzige Auflage eine Bildserie „Zwölf Gefühle“ mit Cartoons eines Vogels, der die unterschiedlichen Gefühle zum Ausdruck bringt. Die Messinstrumente wurden mit einer ausführlichen Darstellung des Unsicherheitsfragebogens (Ullrich & de Muynck, 2001) erweitert.
Im dritten Teil wurden insbesondere die Anwendungen in nicht klinischen Bereichen überarbeitet und um einen allerdings sehr kurzen Abschnitt zu Erfahrungen mit Migrantinnen ergänzt.
Wenig aktualisiert wurde die Darstellung der Evaluationsstudien zur Wirksamkeit des Trainings. Zwar wird auf neuere Erkenntnisse bezüglich einzelner Interventionsarten verwiesen, auch wird eine kleinere Evaluationsstudie mit psychiatrischen Patienten zitiert; das Kapitel zur Wirksamkeit des Gesamtprogramms bezieht sich jedoch auf Evaluationen in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts.
Insgesamt hat sich die Seitenzahl zwischen der 4. Und der 6. Auflage von 314 auf 360 Seiten erhöht.
Diskussion
Das Gruppentraining sozialer Kompetenzen hat seit seiner Erstauflage 1983 großen Anklang gefunden, so dass es inzwischen in der 6. Auflage erschienen ist und immer noch regelmäßige Schulungen für In Beratung oder Therapie Tätige, die mit Gruppen arbeiten bzw. arbeiten wollen, im deutschsprachigen Raum durchgeführt werden. Das Training arbeitet auch mit Rollenspielen mit Videofeedback. Diese Methode wird ausführlich erläutert; sie ist allerdings auch aufwändig durchzuführen. Die Arbeitsmaterialien für das gesamte Gruppentraining sind ansprechend gestaltet und ihre Verwendung wird gut nachvollziehbar erklärt. Ergänzend steht das 2010 aktualisierte Buch von Rüdiger Hinsch und Simone Wittmann „Soziale Kompetenz kann man lernen“ für die Teilnehmer oder für interessierte Laien zur Verfügung. Im Rahmen der Thematisierung unterschiedlicher Situationstypen wird zwar angeschnitten, dass sozial kompetentes Verhalten auch kontextabhängig zu definieren ist, jedoch stehen die sozialen Bezugspunkte der Definition Sozialer Kompetenz und unterschiedliche Rollenerwartungen oder Zielkonflikte weniger stark im Vordergrund.
Fazit
Es handelt sich um ein ansprechendes, seit vielen Jahren erfolgreich umgesetztes kognitiv verhaltenstherapeutisches Manual für Gruppenleiter, das jetzt in seinem Theorieteil um neuere empirische Erkenntnisse über soziale Kompetenzprobleme und den Erfolg von vergleichbaren Interventionen erweitert wurde. Das Gruppentraining selber ist im Kern wenig verändert worden.
Rezension von
Prof. Dr. Annemarie Jost
Professorin für Sozialpsychiatrie an der Fakultät 4 der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg
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