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Ulrich Tiber Egle, Peter Joraschky u.a. (Hrsg.): Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung

Cover Ulrich Tiber Egle, Peter Joraschky, Manfred Cierpka, Astrid Lampe, Inge Seiffge-Krenke (Hrsg.): Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung. Erkennung, Therapie und Prävention der Folgen früher Stresserfahrungen. Schattauer (Stuttgart) 2014. 4., erweiterte u. vollständig aktualisierte Auflage. 816 Seiten. ISBN 978-3-7945-2921-6. D: 99,99 EUR, A: 102,80 EUR, CH: 135,00 sFr.
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Thema

Frühe Stresserfahrungen und insbesondere mögliche Folgen im Erwachsenenalter, deren Therapie und vorstellbare Präventionsansätze bilden den inhaltlichen Kern dieses Standardwerkes in vierter Auflage.

Herausgeberkreis

Die Vielzahl der HerausgeberInnen und AutorInnen ist an Universitäten, an unterschiedlichen Kliniken oder Instituten tätig.

Aufbau

Die übergreifenden Themenfelder des Buches sind die Grundlagen früher Stresserfahrungen, diagnostische Aspekte, Folgen für Kinder und Jugendliche sowie Krankheitsbilder bei Erwachsenen, Therapie psychisch schwer traumatisierter Patienten und abschließend das Themenfeld der Begutachtung.

Inhalt

Die verschiedenen, übergreifenden Themenfelder werden durch ausgewählte Aspekte konkretisiert.

Im Grundlagenabschnitt werden u.a. nach den Begriffsklärungen und Erklärungsansätzen gesundheitliche Langzeitfolgen, psychobiologische Folgen, Risiko- und Schutzfaktoren, die Sicht der Bindungstheorie und neuer, psychodynamischer Theorien sowie die Auswirkungen auf Körperbild und Selbstgefühl in einzelnen Aufsätzen aufgegriffen. Im Rahmen der diagnostischen Aspekte werden standardisierte Verfahren zur retrospektiven Erfassung von Kindheitsbelastungen vorgestellt und deren Möglichkeiten reflektiert.

In dem daran anschließenden Abschnitt zu Folgen für Kinder und Jugendliche sind die Inhalte eher querschnittsmäßig angelegt, da Diagnostik und Therapie beschrieben werden, Kinder und Jugendliche als Täter und Opfer, Risiken bei zugewanderten Familien und stationäre Therapie mit transgenerationalen Aspekten verknüpft werden.

Unter dem Themenfeld Krankheitsbilder bei Erwachsenen wird eine Vielzahl von Krankheitsbildern unter dem Blickwinkel früher Stresserfahrungen betrachtet: u.a.

  • depressive Störungen,
  • Angsterkrankungen,
  • Posttraumatische Belastungsstörungen,
  • dissoziative Störungen,
  • stressinduzierte Hyperalgesie,
  • sexuelle Störungen,
  • Borderline-Persönlichkeitsstörungen oder Essstörungen.

Unter der Überschrift Therapie psychisch schwer traumatisierter Patienten wird in den einzelnen Artikeln auf ausgewählte Therapieformen eingegangen:

  • Übertragungsfokussierte Psychotherapie,
  • Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie,
  • EMDR,
  • Dialektisch-Behaviorale Therapie,
  • Körperpsychotherapie,
  • Familientherapeutische Interventionen oder auch
  • Aspekte von Folgetherapien (nach sexuellem Missbrauch).

Präventionsansätze werden anschließend im vorletzten Kapitel unter verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Ausgehend von einem Mehrebenansatz wird allgemein die Wirksamkeit von Präventionsprogrammen, Möglichkeiten in Institutionen, der Bereich der Frühen Hilfen und Grenzverletzungen im Rahmen der Psychotherapie dargestellt.

Abgeschlossen wird das Buch durch drei Aufsätze unter dem Stichwort Begutachtung. Hier wird auf die spezifischen Aspekte der Begutachtung von Kindern, von Tätern und der Schwierigkeit der retrospektiven Begutachtung eingegangen.

Diskussion

Eine Stärke dieses umfangreichen Standardwerkes liegt in der Vielzahl der Autorinnen und Autoren, die auch eine Vielzahl von Themenfeldern, Blickrichtungen und Betrachtungsweisen zum übergreifenden Bereich früher Stresserfahrungen und deren Folgen in sehr differenzierter Weise einbringen. Dabei gelingt es, Redundanz zu vermeiden, was bei dem Umfang dieses Buches sehr bemerkenswert ist. Eine weitere Stärke besteht in dem Anspruch, sexuellen Missbrauch, Misshandlung und Vernachlässigung als Kernbereiche früher Stresserfahrungen gemeinsam in den Blick zu nehmen, dabei werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede insbesondere bei den Folgen deutlich.

Schwerpunkte des Buches sind die Verknüpfungen von frühen Stresserfahrungen mit Störungsbildern im Erwachsenenalter. Hier wird gleichzeitig deutlich, dass noch erheblicher Forschungsbedarf und Bedarf in der Theoriebildung in spezifischen Themenfeldern besteht.

Die sachliche Bestandsaufnahme aus psychosomatischer und psychiatrischer Sicht bei frühen Traumatisierungen und den Folgen für die Entwicklung ist eindeutig die größte Stärke dieses Buches. Es gelingt nicht in allen Artikeln den Anspruch der Aktualität einzulösen, dies tut jedoch dem Wert dieses Buches keinen Abbruch.

Fazit

Im Vorwort zur vierten Auflage wird betont, dass dieses Buch eine wissenschaftliche Orientierung für sehr unterschiedliche Gruppen leisten soll, für Wissenschaftler, Psychotherapeuten, Ärzte, Sozialpädagogen oder auch Juristen. Dieser Anspruch wird eindeutig eingelöst und kann noch ergänzt werden. Es eignet sich auch als Arbeitsmittel in verschiedenen Studiengängen, die sich mit den Themenbereichen sexueller Missbrauch, Misshandlung und Vernachlässigung in irgendeiner Form beschäftigen, da zu sehr spezifischen Aspekten prägnante Artikel enthalten sind.


Rezension von
Prof. Ulrich Paetzold
Professor für Psychologie an der Hochschule Lausitz, Fachbereich Sozialwesen in Cottbus. Neben interkulturellen Fragen sind Schwerpunkte in der Lehre: sexueller Missbrauch, Klinische Psychologie, Beratung. Zusatzqualifikationen: Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten sowie verschiedene kognitive Therapieverfahren.
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Zitiervorschlag
Ulrich Paetzold. Rezension vom 30.03.2016 zu: Ulrich Tiber Egle, Peter Joraschky, Manfred Cierpka, Astrid Lampe, Inge Seiffge-Krenke (Hrsg.): Sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung. Erkennung, Therapie und Prävention der Folgen früher Stresserfahrungen. Schattauer (Stuttgart) 2014. 4., erweiterte u. vollständig aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-7945-2921-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19771.php, Datum des Zugriffs 25.02.2020.


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