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Anja von Kanitz, Walter Lotz u.a. (Hrsg.): Elemente der Themenzentrierten Interaktion (TZI)

Cover Anja von Kanitz, Walter Lotz, Birgit Menzel, Elfi Stollberg, Walter Zitterbarth (Hrsg.): Elemente der Themenzentrierten Interaktion (TZI). Texte zur Aus- und Weiterbildung ; [mit 1 Tabelle]. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2015. 223 Seiten. ISBN 978-3-525-40249-8. D: 24,99 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 33,90 sFr.
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Thema

Themenzentrierte Interaktion (TZI) ist ein Konzept, wie LeiterInnen von Gruppen verschiedener Ausrichtungen und in unterschiedlichen Kontexten lebendige Lernprozesse fördern können.

Entstehungshintergrund

Medium der Reflexion und Diskussion von TZI ist die Zeitschrift „Themenzentrierte Interaktion“. Für den vorliegenden Band wurden – auch ältere – Texte zu jeweils einem grundlegenden Element der TZI neu veröffentlicht, um sie einer breiteren Leserschaft zugänglich zu machen.

Herausgeberinnen und Herausgeber

Herausgegeben wird das Buch von RedakteurInnen der Zeitschrift „Themenzentrierte Interaktion“. Sie verfügen ebenso wie die AutorInnen über eine Ausbildung in TZI. Einige sind Lehrbeauftragte am Ruth Cohn Institut for TCI-International. Ein Artikel stammt von Ruth Cohn selbst, welche die Grundlagen der TZI entwickelt hat.

Aufbau

Nach dem Vorwort und einem Einführungstext folgen in den drei Abschnitten „Zugänge zu TZI finden“, „Gruppenprozesse verstehen“ und „Mit TZI arbeiten“ insgesamt 17 Textbeiträge. Im Anhang finden sich Information über HerausgeberInnen und AutorInnen, sowie ein Stichwortverzeichnis.

Jedem Textbeitrag haben die HerausgeberInnen eine kurze Orientierung über Diskurszusammenhang und Argumentationslinie vorangestellt.

Inhalt

Im Vorwort legen die HerausgeberInnen Ziele, Auswahlkriterien und Aufbau des Buches dar, wie sie oben bereits beschrieben wurden.

Die Vorstellung der einzelnen Aufsätze verbinden sie mit einer kurzen Einführung in die TZI („Themenzentrierte Interaktion (TZI) – eine kurze Einführung“): zur Entstehungsgeschichte, Spezifika des TZI-Konzepts, seiner Verortung in der humanistischen Psychologie, die drei basalen Annahmen („Axiome“) und zwei Folgerungen für die Praxis („Postulate“) und das Vier-Faktoren-Modell.

Im ersten Abschnitt „Zugänge zu TZI finden“ gibt Hartmut Grün (1997: „9 relevante Aspekte der TZI. Ein TZI-Kompass für ‚Ortsfremde‘“) neun Antworten auf die Frage, was TZI ist.

Es folgt eine1994 veröffentlichte Antwort Ruth Cohns an Günter Hoppe, der neben Chairman- und Störungspostulat als drittes Postulat die Forderung vorgeschlagen hat, die Welt im Sinne der Humanisierung zu verändern: „Verantworte dein Tun und dein Lassen – persönlich und gesellschaftlich – Offener Brief an Günter Hoppe“.

Dietrich Stollberg (2006: „Wer den Globe nicht kennt, den frisst er. Zur Bedeutung des Umfelds in der themenzentriert-interaktionellen Arbeit“) und Hermann Kügler (1997: „ES oder Thema? Plädoyer für eine präzise Begrifflichkeit“) nehmen jeweils ein Element des Vier-Faktoren-Modells vertiefend in den Blick. Beiden Autoren geht es um begriffliche Differenzierung mit praktischen Konsequenzen.

Drei Texte befassen sich mit dem Leitungsverständnis. Mit Blick auf das Chairperson-Postulat und auf das Vier-Faktoren-Modell erkunden Helga Modesto (1990, „Demokratisches Verhalten in der TZI-Gruppe: Eine Herausforderung für die Chairperson“) und Dietrich Stollberg (1998, „Ich leite, du leitest – wer leitet?“) die Herausforderungen von LeiterInnen, die demokratisches und emanzipiertes Verhalten fördern wollen. „Gruppe und Gruppenleitung aus Sicht der Themenzentrierten Interaktion und des Systemisch-konstruktivistischen Ansatzes“ vergleicht Helmut Reiser (2004). Er sieht einige, allerdings durch unterschiedliche „Sprachspiele“ (S.84) verdeckte, Anschlusspunkte und empfiehlt die „partielle Verwendung systemisch-konstruktivistischer Vorgehensweisen“ (S. 89).

Zuletzt berichtet Walter Zitterbarth (2001, „Ethik und TZI“) von den Ergebnissen einer Arbeitsgruppe, die sich mit den ethischen Grundlagen der TZI befasste.

Zu Beginn des zweiten Abschnitts „Gruppenprozesse verstehen“ stellen Angelika und Eike Rubner (1991, „Entwicklungsphasen einer Gruppe“) ein Phasenmodell des Gruppenprozesses vor, in der sich die Wechselbeziehung zwischen Einzelnen und Gruppe entwickelt. Sie beschreiben fünf Phasen und für sie jeweils typischen Verhaltensweisen, Gefühle und Interaktionen.

Den Umgang mit Herausforderungen der Leitungen durch Krisen und Störungen, die sich in der Gruppe Vorrang nehmen, thematisieren die nächsten drei Artikel. „Einige Gedanken über Krisen in TZI-Gruppen“ und entsprechend sinnvollem Leitungsverhalten in Krisen präsentiert Hartmut Raguse (1987). „Das sogenannte Störungspostulat: ‚Disturbances and passionate Involvement take precedence‘“, seine Entwicklung und den praktischen Umgang damit diskutiert Matthias Kroeger (2010, gekürzt). Angelika Rubner (1993) analysiert an einem Praxisbeispiel „Die Wechselwirkung zwischen der Rolle des Einzelnen, der Gegenübertragung des Leiters und dem Prozess der Gruppe“.

In ihrem Aufsatz „Über das Beenden von Gruppen“ geben Elfi Stollberg und Gerhard Härle (1989) Empfehlungen für die Abschlussphase zeitlich unterschiedlich gestalteter Gruppen.

Der dritte Abschnitt „Mit TZI arbeiten“ beinhaltet Beispiele unterschiedlicher praktischer Anwendungen. Matthias Kroeger (1989) schlägt ein „Modell der Selbstsupervision in TZI“ vor, das sich am Vier-Faktoren-Modell orientiert. An einem Beispiel aus seiner Praxis demonstriert Walter Lotz (2012), die von ihm entwickelte „Themenzentrierte Prozessanalyse als Reflexionsinstrument professioneller Praxis“. Wie deren Umsetzung als Instrument der Kompetenzentwicklung aussehen kann, beschreiben Walter Lotz und seine Studentin Gudrun Maierhof (2011, „TZI und Kompetenz-Orientierung im Studium der Sozialen Arbeit“). Die Frage „Themen finden, formulieren, einführen – welche Auswirkungen haben sie für das Unterrichtsgeschehen?“ bearbeitet Carolin Bücking (2011) am Beispiel von Unterrichtseinheiten zum Thema „Fremdwörter“, und macht deutlich, wie lebendiges Lernen, selbst bei scheinbar trockenen Inhalten möglich ist.

Diskussion

Die Texte bieten eine differenzierte Einführung in die TZI und zeigen die lebendige Diskussion innerhalb der TZI, im offenen Brief Ruth Cohns selbst auf basale Elemente bezogen. Elemente der TZI werden aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet

Das Buch besticht durch seinen transparenten Aufbau und eine Leserführung, die auch LeserInnen, die sich bislang nicht mit TZI befasst haben, eine gute Orientierung bietet. Neben der grundlegenden Einführung sind die Aufsätze so gereiht, dass zu Beginn der ersten beiden Abschnitte ein zum Gesamtthema orientierender Text platziert ist und die folgenden Texte einzelne Aspekte vertiefen.

Gelungen ist auch der ständige Wechselbezug zwischen theoretischer Reflexion und Praxis, zum Teil durch konkrete Beispiele aus der Praxis der TZI.

Fazit

Die Auswahl von Texten aus vier Jahrzehnten gibt einen Einblick in unterschiedliche Zugänge von Lehrenden und PraktikerInnen der TZI. Deutlich werden vielfältigen Facetten der TZI, gebündelt durch den Bezug auf zentrale Elemente.

Das vorliegende Buch ist sehr gut als Einstiegslektüre geeignet. Es kann aber auch bereits mit der TZI vertraute LeserInnen zu vertiefenden Gedanken anregen.


Rezensentin
Prof. Dr. Sabine Allwinn
Professorin für Psychologie an der Evang. Hochschule Freiburg
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Zitiervorschlag
Sabine Allwinn. Rezension vom 25.01.2016 zu: Anja von Kanitz, Walter Lotz, Birgit Menzel, Elfi Stollberg, Walter Zitterbarth (Hrsg.): Elemente der Themenzentrierten Interaktion (TZI). Texte zur Aus- und Weiterbildung ; [mit 1 Tabelle]. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2015. ISBN 978-3-525-40249-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19772.php, Datum des Zugriffs 17.10.2018.


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