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Gsub-Projektgesellschaft mbH (Hrsg.): Good Guidance Stories

Cover Gsub-Projektgesellschaft mbH (Hrsg.): Good Guidance Stories. Fallstudien in der Bildungsberatung. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2015. 124 Seiten. ISBN 978-3-7639-5582-4. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 26,98 sFr.
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Thema

Bildungsberatung verlangt ein hohes Maß an Selbstreflexion, Bereitschaft zur stetigen Aktualisierung des Wissens, sozialpädagogisch diagnostische Fähigkeiten und ein Gespür für die richtige Nähe-Distanz-Relation. In diesem Band werden sechs Fallstudien präsentiert, mithilfe derer die als wesentlich identifizierten sechs Kernkompetenzen von Bildungsberatern und Bildungsberaterinnen etabliert und gefördert werden können.

Herausgeber

Die Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung (gsub)-Projektgesellschaft mbH ist ein Bestandteil des gsub-Gesamtbetriebs. Das Unternehmen wurde 1991 zur Umsetzung von arbeitsmarktpolitischen Programmen im Auftrag des Landes Berlin gegründet. Die Geschäftsfelder des Dienstleisters im öffentlichen Auftrag erstrecken sich auf die Bereiche Arbeit, Bildung und Integration. Die gsub ist Gründungsmitglied der europäischen Gesellschaft MetropolistNet, ein europäisches und internationales Netzwerk mit dem Sitz bei der gsub in Berlin. Die gsub betätigt sich im Programm- und Fördermittelmanagement öffentlicher Geldgeber (http://www.gsub.de/).

Entstehungshintergrund

Das Buch ist das Resultat der Forschungsphase des Projekts „Good Guidance Stories – Guide“, das vom 01. Dezember 2011 bis 30. November 2013 im Rahmen des Leonardo-da-Vinci-Programms für lebenslanges Lernen finanziert und vom europäischen Netzwerk MetropolisNet, bestehend aus acht Partnern aus sieben Ländern, durchgeführt wurde. Die Fallstudien wurden nach einem vorgegebenen Raster von den am Projekt beteiligten Partnerländervertretern und -vertreterinnen verfasst, mit Teaching Notes versehen und erprobt. Die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen hat das Projekt kofinanziert.

Aufbau

Dieses „methodische Handbuch“ ist sehr übersichtlich gegliedert. Nach einer kurzen gemeinsamen Einleitung durch die Herausgeberin und die Autoren und Autorinnen schließen sich die sechs Fallstudien mit der jeweiligen Teaching Note an. Ein weiteres Kapitel beschreibt die Vorgehensweise bei der Entstehung der Fallstudien und der Teaching Notes. Ferner erläutert es die Zielsetzung und die methodische Verdichtung beim Arbeitsprozess durch das Projektkonsortium. Handlungsempfehlungen an die politischen Entscheidungsträger sind nach dem Literatur- und Abbildungsverzeichnis angefügt, um Inhalte einer Beratungsaus- und -weiterbildung aus pädagogisch-didaktischer Sicht von der Umsetzungsebene zu trennen.

Inhalt

Die Ausbildung und die Aufgaben von Bildungsberatern und -beraterinnen unterscheiden sich in den beteiligten Ländern Ungarn, Finnland, Irland, Spanien, Italien und Deutschland. Tiziana Piacentini und Jasmin Zouizi verfassten im Auftrag des Projektkonsortiums ein „Methodisches Handbuch“ (S. 97-116), in dem die Entwicklungsschritte dargestellt werden: Die in einer quantitativen Befragung im Rahmen des Projekts ermittelten sechs Kompetenzfelder erwiesen sich für die berufliche Weiterbildung der Beraterinnen und Berater als länderübergreifend erforderlich. Ausgehend von dieser Analyse wurde die Fallstudie in erzählender Form als Methode geprüft und in einem Fallstudienworkshop als passend für den Kompetenzerwerb der Berater und Beraterinnen ausgewählt. Ebenso wurde ein Rahmen für die Konstruktion und Strukturierung der Case Studies und der Teaching Notes etabliert. Jede Fallstudie wurde von einem Projektpartner entwickelt und alle von allen nach einem vorgegebenen Design erprobt und nachjustiert. Anmerkungen der beiden Autorinnen zur Umsetzung runden den Beitrag ab.

Auf den Seiten 7 bis 96 werden die sechs Fallstudien sowie die Teaching Notes dargestellt. In der Regel besteht die Fallbeschreibung aus den Überschriften „Stichwörter“, „Zusammenfassung“, „Einleitung“ und „Fallbeschreibung“. Die Teaching Notes benennen ferner die Zielkompetenz, fassen die Fallstudie kurz zusammen, adressieren die Zielgruppe, listen die Lehr-/Lernziele auf, enthalten Fragen zur Diskussion, geben Hinweise für das didaktisch-methodische Vorgehen und erwähnen Erfahrungen aus der Erprobung. Jeder Fallbericht fokussiert eine der sechs Zielkompetenzen. Die Projektpartner konnten sich dabei frei entscheiden. Im Folgenden werden sie aufgelistet:

Die Kompetenz (1) Ethische Praxis wird in der ersten Fallstudie der irischen Partner vom Ballymun Job Centre Co-operative – Mick Creedon und Jennifer Hughes – in drei Szenarien eines fiktiven Dialogs umgesetzt. Die Teaching Note stellt das „Dilemma der Berufsberatenden“ (S. 11) in den Mittelpunkt.

Die Kompetenz (2) Ermittlung und konkrete Berücksichtigung der verschiedenen Klientenerfordernisse wird von Tea Erdélyi und Norbert Szalai-Komka vom Budapest Esely Nonprofit Kft bearbeitet. Es handelt sich um die umfangreichste sechs-teilige Geschichte der Romni Mária, für die Haupt- und Nebenhandlungsstränge und Lebensumstände separat und/oder in Gruppen behandelt werden können.

Die Fallstudie „Aminas Wahl“ bezieht sich auf ein marokkanisches junges Mädchen, das in Italien den Übergang von der Schule in den Beruf zu meistern hatte. Sie wurde von den Autorinnen des italienischen Projektpartners Ciofs-FP Valentina Teli, Tiziana Piacentini, Lauretta Valente und Silvana Rasello in 20 kurzen Absätzen konstruiert und fokussiert die Kompetenz (3) Entwicklung der eigenen Fähigkeiten und Erkennen von Schwachstellen. Für die Analyse des Falls werden die European Centre for the Development of Vocational Training (CEDEFOP)-Analysevorschläge herangezogen.

Die Kompetenz (4) Kommunikations- und Moderationsfähigkeiten wird von Carolina Pañeda vom Instituto Europeo des Estudios para la Formación y el Desarollo / Documenta (Spanien) mit der Situationsschilderung einer Agentur für lokale Entwicklung und dem wachsenden Falldruck für die dort tätigen Berufsberater und -beraterinnen verlebendigt. Der pädagogische Fokus ist auf die Entwicklung von Lösungsvorschlägen auch für weniger professionalisierte Bildungsberatende gerichtet.

Der deutsche Fallstudienbeitrag zielt auf die Kompetenz (5) Ermöglichung des Zugangs zu Informationen. Diana Peitel von der Gsub-Projektgesellschaft mbH greift eine Beratungssituation aus dem LernLaden in Berlin-Neukölln auf. Entwickelt wurde das Konzept der niedrigschwelligen Beratungsangebote LernLäden im Rahmen des Programms „Lernende Regionen – Förderung von Netzwerken“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Auch hier wird für die Analyse auf eine CEDEFOP-Veröffentlichung zurückgegriffen. Das Beispiel eignet sich, um die individuelle von der situativen und biografieorientierten Beratung abzugrenzen.

Die Kompetenz (6) Aktualisierung der eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse wird vom finnischen Projektpartner Employment Service Unit – City of Tampere adressiert. Ene Härkönen stellt exemplarisch an der Bildungsberaterin Liisa das Ringen um das „zeitliche Gleichgewicht zwischen täglicher Arbeit und der Notwendigkeit zur Aktualisierung eigener Kenntnisse“ (S. 87) dar. In der Teaching Note wird die Lehrmethode SWOT-Analyse favorisiert.

Die Handlungsempfehlungen für Politik und Verwaltung (S.119-124) von Diana Peitel (gsub-Projektgesellschaft mbH), die sie im Auftrag des Projektkonsortiums in acht appellativen Aussagen zusammenfasst, sind aus den Weiterbildungserfahrungen mit den Case Studies abgeleitet und fassen die zentrale Lotsenfunktion der Bildungsberatung zusammen, die ihr an den verschiedenen Übergängen, aber auch angesichts von diskontinuierlichen Bildungs- und Berufsverläufen und aufgrund von Mobilitätserfahrungen und einer unübersichtlichen Anbieter- und Leistungsträgersituation heute abverlangt wird.

Diskussion

Dieser Band offenbart dem Leser und der Leserin erst im Untertitel, worum es geht. Acht europäische Projektpartnerorganisationen kristallisieren sechs Kompetenzen von Bildungsberatern und -beraterinnen heraus und entwickeln mit Hilfe der als geeignet begründeten Fallstudienmethode ein Programm, wie die Kompetenzen zu erreichen sind. Die Fallstudien kommen aus sechs verschiedenen Ländern und beinhalten selbstverständlich nationale Besonderheiten des Bildungs- und Beratungssystems. Mithilfe der Erläuterungen kann man sich als Leser und Leserin einen recht guten Überblick verschaffen. Zudem zielt der Einsatz der Fallschilderungen nicht darauf ab, die nationalen Regeln und Systeme anzuwenden, sondern die Selbst-, Sozial-, Kommunikations- und Informationskompetenzen der Beratenden zu stärken. Das Projekt profitiert geradezu von den länderspezifischen Fallbeispielen, die sehr gut und spannend aufbereitet und nachvollziehbar sind. Die Teaching Notes enthalten Vorschläge für eine Umsetzung, einige bieten mehrere Varianten an und überlassen es dem Anwender und der Anwenderin, wie sie sich entscheiden wird. Dadurch, dass jede Fallstudie bereits in einem anderen als dem Herkunftsland getestet wurde, gibt es bereits dokumentierte Hinweise zum „Gebrauchswert“. Insgesamt geben diese Erfahrungen und auch die Evaluationen zu erkennen, dass sich die Case Studies für die Beratungsaus- und -weiterbildung eignen. Beratungstheoretische Hintergründe werden an der einen oder anderen Stelle in die Teaching Notes eingestreut, eine systematische Abhandlung ist nicht enthalten. Angesichts der eindeutig auf die Kompetenzentwicklung von Beratenden ausgerichteten Zielrichtung des Projekts wäre eine Fundierung zwar wünschenswert, sie ist in diesem „methodischen Handbuch“ aber nicht zwingend notwendig.

Fazit

Das vorliegende Fallstudienbuch für den Kompetenzerwerb und die Kompetenzsteigerung von Beraterinnen und Beratern in den verschiedenen Feldern von Aus- und Weiterbildung, aber auch für Sozialpädagogen und Sozialpädagoginnen, ist ein sehr gelungenes „methodisches Handbuch“. Das Projekt „Good Guidance Stories – Guide“ bot einen fruchtbaren Rahmen, innerhalb dessen die Projektpartner theoretisch fundiert, bedarfsorientiert, systematisch und interkulturell verständlich zu den Zielkompetenzen passende Fallberichte konstruieren und für den Lehr-Lernprozess aufbereiten konnten. Das Buch erschien genau zum richtigen Zeitpunkt, wird doch gerade die Bildungsberatung mit wachsender Aufmerksamkeit bedacht. Dieser Trend wird angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen anhalten und Politik und Verwaltung sind gut beraten, die Empfehlungen des Projektkonsortiums zu beherzigen.

Dieses insgesamt sehr ansprechend gestaltete Werk lässt sich auch in vielfachen anderen Kontexten innerhalb der hochschulischen Lehre einsetzen und dient dem Aufbau von Schlüsselkompetenzen auch in anderen sozial(pädagogischen) Gebieten.


Rezensentin
Prof. Dr. Irmgard Schroll-Decker
Lehrgebiete Sozialmanagement und Bildungsarbeit an der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg
Homepage www.oth-regensburg.de/professoren-profilseiten/prof ...
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Zitiervorschlag
Irmgard Schroll-Decker. Rezension vom 17.12.2015 zu: Gsub-Projektgesellschaft mbH (Hrsg.): Good Guidance Stories. Fallstudien in der Bildungsberatung. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2015. ISBN 978-3-7639-5582-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19777.php, Datum des Zugriffs 12.11.2019.


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