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Gunter Groen, Franz Petermann: Therapie-Tools Depression im Kindes- und Jugendalter

Cover Gunter Groen, Franz Petermann: Therapie-Tools Depression im Kindes- und Jugendalter. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. 282 Seiten. ISBN 978-3-621-28267-3. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Thema und Entstehungshintergrund

In der Reihe „Therapie-Tools“ des Beltz-Verlages erschienen bereits diverse Bände zu unterschiedlichsten Themen. Ziel dieser Reihe ist, das Arbeitsspektrum für Psychotherapeuten zu erweitern. Die Bände enthalten jeweils Fragebögen, Übungen, Hausaufgaben und Arbeitsblätter für Klient und Therapeut zu dem jeweiligen therapeutischen Ansatz oder einen bestimmten Setting. Alle Arbeitsblätter sind auch online verfügbar.

Autoren

Prof. Dr. Gunter Groen ist Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut. Er lehrt als Professor für Psychologie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg (Schwerpunkt Klinische Psychologie, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie).

Prof. Dr. Franz Petermann ist Diplom-Psychologe und lehrt als Professor für Klinische Psychologie und Diagnostik an der Universität Bremen. Er leitet dort als Direktor seit 1996 das Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ordnet, wie alle Bücher dieser Reihe, die Arbeitsblätter analog zum groben Ablauf einer Psychotherapie – in diesem Fall einer verhaltenstherapeutischen Prägung. Folgende Inhalte werden mit insgesamt 143 Arbeitsblättern abgedeckt:

  • Diagnostik, Anamnese und Biografie
  • Ressourcen, Beziehungsaufbau, Motivation und Ziele
  • Psychoedukation, Aufklärung und Störungsmodell
  • Suizidalität / Krisen
  • Aktivierung, Genuss und Entspannung
  • Gefühle, Stimmungen, Gedanken und Bewertungen
  • Ich, Du Wir: Beziehungen und soziale Kompetenzen
  • Eltern und Familie
  • Abschluss der Behandlung

Jeder der genannten Abschnitte wird mit einem kurzen theoretischen Text eingeleitet, in dem Hintergrund und Ziele, Anwendungshinweise und Instruktionen zu den jeweiligen Arbeitsmaterialien geliefert werden. Den jeweiligen Arbeitsblättern sind zudem auch noch spezifische Instruktionen beigefügt. Anhand von Icons wird erläutert, wie mit den Arbeitsblättern umgegangen werden soll. Hier wird zwischen folgenden Anweisungen unterschieden:

  • „Ran an den Stift“ – Mit einem Stift soll das jeweilige Arbeitsblatt ausgearbeitet werden.
  • „Hier passiert was“ – Das Arbeitsblatt liefert Handlungsanweisungen.
  • „Ganz Ohr“ – das Arbeitsblatt soll vorgelesen werden und die Antworten werden jeweils notiert.
  • „Input fürs Köpfchen“ – liefert Anregungen zum Weiter- und Ums-Eck-Denken.
  • „Wie sag ich´s?“ – Diese Arbeitsblätter geben Anleitungen, die ich als Therapeut dem Patienten vorgeben kann.

Zudem wird mit den Kürzeln „T“, „K“, „J“ und „E“ spezifiziert, an wen sich die Arbeitsblätter jeweils richten (an Kinder, an Jugendliche, die Eltern oder Therapeuten).

Diskussion

Das vorliegende Buch dürfte die umfassendste Sammlung an Arbeitsmaterialien zum Thema Depressionen des Kindes- und Jugendalters sein, die es derzeit gibt. Es würde den Rahmen der Rezension sprengen, hier auf die Fülle der Materialien komplett einzugehen, dennoch sollen besonders hervorzuhebende Inhalte hier kurz kritisch gewürdigt werden:

Im Diagnostikkapitel werden Fragebögen und Checklisten zur Erfassung der depressiven Symptomatik aus Sicht der Patienten und der Angehörigen geliefert. Hierzu sollte erwähnt werden, dass es sich hierbei nicht um normierte Testverfahren, wie beispielsweise den DIKJ (Stiensmeyer-Pelster et. al, 2014) handelt, sondern vielmehr um Bögen, die rein qualitativ Informationen zur aktuellen Symptomatik liefern. Hier muss man als Therapeut entscheiden, auf welches Verfahren man zurückgreifen möchte, um eine Überforderung der Klienten zu vermeiden.

Die umfangreichen Materialien zur Psychoedukation sind besonders positiv hervorzuheben. Psychoedukation ist bei einer psychotherapeutischen Intervention im Allgemeinen wichtig, bei einer depressiven Erkrankung jedoch besonders wichtig, da die Betroffenen (und Angehörigen) diese nicht selten als Persönlichkeits- oder Willensschwäche fehlinterpretieren. Hier liefern die Tools großartige Unterlagen, die zum Teil allgemein über das Störungsbild informieren, zum Teil aber auch genutzt werden können, um ein individualisiertes gemeinsames Störungskonzept herauszuarbeiten.

Meines Wissens liefern die Materialien im Kapitel Suzidalität / Krisen die umfangreichste Materialsammlung, die zu diesem eminent wichtigen Thema derzeit existiert.

Das Kapitel „Gefühle, Stimmungen, Gedanken und Bewertungen“ liefert Unmengen an Materialien zur kognitiven Verhaltenstherapie. Hierbei ist insbesondere positiv hervorzuheben, dass auch modernere Ansätze (der Akzeptanz und Commitmenttherapie nach Hayes et al. 2014) integriert wurden. Ähnlich umfassend wären hier noch die „Techniken kognitiver Therapie“ von Leahy (2007) zu nennen, die sich jedoch mehr an Erwachsene richten.

Im Vergleich zu anderen Büchern der Reihe (z.B. Petermann & Petermann, 2013) ist hier positiv hervorzuheben, dass die Autoren nicht nur auf Paper-Pencil-Verfahren zurückgreifen, die in der therapeutischen Alltagspraxis von Patienten eher nicht angenommen werden. Vielmehr werden auch verstärkt erlebnisbasierte Übungen (z.B. „Last der Depression“, S.93 ff.) vorgestellt, die wunderbar in der Praxis umgesetzt werden können. Im Gegensatz zu anderen Publikationen (z.B. Görlitz, 2011) werden diese hier jedoch störungsspezifisch vorgestellt. Viele Arbeitsblätter kann und sollte man individuell mit dem Patienten entwerfen, da die Vorlagen teilweise recht lieblos gestaltet sind und schnell auch den Eindruck erwecken, dass hier seitens des Therapeuten lediglich ein Manual abgearbeitet wird. Die Vorlagen liefern hierfür jedoch einen Fundus an guten Ideen. Zudem kann es auch gut mit weiteren Materialien, zum Beispiel aus den allgemeinen Therapie-Tools Kinder- und Jugendpsychiatrie von Petermann und Petermann (s.o.) kombiniert werden.

Fazit

Die vorliegende Sammlung richtet sich an Kinder- und Jugendlichenverhaltenstherapeuten, die mit depressiven Jugendlichen arbeiten. Diesen ist es wärmstens ans Herz gelegt, da es ein Mehr an Materialien derzeit zu diesem Thema nicht gibt. Deren Gestaltung hätte teilweise etwas liebevoller ausgearbeitet werden können, allerdings werden die meisten Anwender diese sowieso wie oben beschrieben individuell mit den Klienten erarbeiten. Wie alle Bände dieser Reihe handelt es sich hierbei nicht um ein evidenzbasiertes Behandlungsmanual mit Materialien, sondern vielmehr um eine Materialiensammlung, die an den groben Ablauf einer Therapie angepasst wurde. Daher ist hier viel „künstlerische Freiheit“ seitens der Anwendenden zulässig.


Rezensent
Dr. Alexander Tewes
Leitender Dipl.-Psychologe, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) - Haus 4
Psychiatrische Klinik Lüneburg gemeinnützige GmbH im Verbund der Gesundheitsholding Lüneburg
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Zitiervorschlag
Alexander Tewes. Rezension vom 02.08.2016 zu: Gunter Groen, Franz Petermann: Therapie-Tools Depression im Kindes- und Jugendalter. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2015. ISBN 978-3-621-28267-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19834.php, Datum des Zugriffs 19.08.2019.


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ISSN 2190-9245

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