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Maike Rönnau-Böse, Klaus Fröhlich-Gildhoff: Resilienz und Resilienzförderung über die Lebensspanne

Cover Maike Rönnau-Böse, Klaus Fröhlich-Gildhoff: Resilienz und Resilienzförderung über die Lebensspanne. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. 230 Seiten. ISBN 978-3-17-026056-6. 32,99 EUR.
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Autorin

Maike Rönnau-Böse ist Professorin für Pädagogik der Kindheit und Klaus Fröhlich-Gildhoff ist Professor für Entwicklungspsychologie und Klinische Psychologie. Beide lehren und forschen an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Die Autoren zeichnen sich durch einschlägig erworbene Expertisen in ihren jeweiligen Fachgebieten und insbesondere im Bereich der Resilienzforschung/-förderung aus.

Thema und Zielsetzung

In der Monografie wird ein umfassender Überblick über Resilienz und ihre Förderung über die gesamte Lebensspanne gegeben, womit die bisher dominierende Beschränkung dieser Thematik auf das Kindesalter aufgehoben wird. Anhand der interdisziplinär vereinten Studienergebnisse, Praxiserfahrungen und Fachdiskurse wird Resilienz folglich nicht nur in Altersabschnitten der frühen und späten Kindheit, sondern auch der Adoleszenz, des mittleren und hohen Lebensalters mitsamt den jeweils geltenden Grundprinzipien ihrer Steigerung beschrieben.

Mit einer solchen Fokussierung erhalten interessierte Studierende sowie Fachpraktiker, so die Zielformulierung des Autorenduos im Vorwort (S. 7-8), zahlreiche Impulse zur Resilienzgestaltung in professionell verstandenen alltäglichen Settings, welche sich keineswegs bloß in der Empfehlung zur „Umsetzung einzelner Programme“ (S. 7) erschöpfen.

Aufbau und Inhalt

Die schier 200-seitige Veröffentlichung liefert theoretische wie praktische Ausführungen zu Resilienz und ihrer Förderung vor dem Hintergrund der spezifisch differenzierten Themen der menschlichen Entwicklung im Lebensverlauf. Ergänzend beschrieben werden ebenfalls die im Resilienzdiskurs stark unterrepräsentierten Anwendungsfelder, zu welchen Maike Rönnau-Böse und Klaus Fröhlich-Gildhoff die Psychotherapie, „Gemeindearbeit“ oder Erziehungs- und Jugendhilfe zählen.

Das Werk gliedert sich (ausgenommen des Literatur- und Stichwortverzeichnisses (S. 200-227)) in vier Teile, deren Überschriften folgendermaßen lauten:

  1. Resilienzdefinitionen und -konzepte (S. 9-30)
  2. Resilienz über die Lebensspanne. Allgemeine Betrachtungen (S. 31-45)
  3. Resilienz und Resilienzförderung im Lebenslauf (S. 46-155)
  4. Resilienz und Resilienzförderung in spezifischen Bereichen (S. 156-172).

Im Teil 1 werden in einer übergreifenden Perspektive Einblicke in den bestehenden wissenschaftlichen Diskurs gegeben. Diese fokussieren auf Erörterungen bezüglich der Geschichte, Begrifflichkeiten sowie Problematiken der gegenwärtigen Resilienzforschung sowie auf Betrachtungen der konzeptionellen Resilienzbestandteile und anwendungsgebundenen Wirkungsfelder. Ein Exkurs zur Varianz von persönlichen Sinnstrukturen im Verlauf des Lebens rundet das Kapitel auf.

Im Teil 2 werden entwicklungspsychologischeGrundlagen vorgestellt, die sich z.B. via Meisterung von Entwicklungsaufgaben oder via Durchschreiten der transitiven, oft kritischen, Entwicklungsfenster als konzeptionelle Zugänge zur Resilienz verstehen und allesamt auf ein sich in der Interaktion mit dynamischen Umwelten jeweils befindliches Individuum abzielen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie stets kulturell, alters- und geschlechtsbezogen sowie „zeit-situativ“ zu deuten und daher keiner universellen Lesart unterzuordnen sind.

Im Teil 3, dem Kern der Publikation, werden konkrete Entwicklungsthemen sowie deren Spezifika und Bedeutungen im Kontext des jeweiligen Altersabschnitts systematisch und umfassend dargelegt. Anhand der neuesten interdisziplinären und -nationalen Forschungserkenntnisse gilt deren Bewältigung grundsätzlich als Ausdruck einer resilienten Handlungsweise. So wird Resilienz im Hinblick auf ihre Theorie und vor allem Anwendung in der Kindheit, im Jugend- und Erwachsenenalter sowie hohen Alter im Einklang mit den Grundprinzipien des eigenen empirisch erfassten Konzeptionsverständnisses anschaulich aufgezeigt und kritisch begründet. Im Lichte einer solchen wissenschaftlichen Unterlegung ist sie grundsätzlichals ein Querschnittsthema über die gesamte menschliche Lebensspanne zu bewerten.

Im Teil 4 wird die Praxis der Resilienzförderung auf spezifische Handlungsfelder übertragen. Es zählen hierzu: die Gemeinde – diskutiert primär unter dem Begriff der „community“ als einer Krisen bewältigenden sozialen Einheit -, die Jugend- und Erziehungshilfe, welche ein sehr umfassendes außerschulisches und daher nicht sofort sichtbares Unterstützungsnetz zum Zwecke der Resilienzausbildung anbietet, sowie die „schulenübergreifende“ (S.181f.) Kinderpsychotherapie, deren Bezüge zur Resilienzförderung sich derzeit vermehrt im Diskurs feststellen lassen und faktisch seit Längerem – teils anders tituliert – dort etabliert sind. Ein Exkurs zum Zusammenhang von Ermutigung und Resilienzförderung ergänzt das Kapitel sinnvoll.

Diskussion und Fazit

Das Werk vermittelt theoretische Grundlagen, empiriebezogenes Hintergrundwissen und stellt gesellschaftspraktische Fragen, ohne diese zu normieren, zur Diskussion. Bei der Bestimmung von möglichen Förderungsformen von Resilienz zentriert es sowohl institutionelle Ausgestaltungsmöglichkeiten, als auch die Bedarfe der jeweiligen in deren Sozialkontexte eingebetteten Anspruchsgruppen.

Ausgehend von der Prämisse, dass sich in jeder Lebensphase Anforderungen und Belastungen ergeben, deren Auflösung mit Resilienz gleichzusetzen ist, werden bezugnehmend auf diverse, ebenfalls altersphasenbezogene, Lebensbereiche zentrale Determinanten der Resilienzentstehung und -förderung profund erörtert. Die Zugänge zum Resilienzerwerb werden daher auf unterschiedlichen Ebenen in den Blick genommen und erfolgen nicht, wie bisher im Resilienzdiskurs eher üblichm monoperspektivisch, d.h. vorwiegend nur auf die KiTa-Kindheit begrenzt. Des Phänomen „Resilienz(förderung)“ wird mit einer solchen Einbettung multidimensional und interdependent betrachtet. Die sich dadurch ergebenden Zusammenhänge zwischen möglichen Zielgruppen und deren je entwicklungspsychologisch weitgehendst festgelegten Lebensthemen auf der einen Seite und institutionellen Akteuren mitsamt deren (sozial)pädagogisch ausgerichteten Unterstützungspalletten auf der anderen Seite lassen sich stets mit Blick auf die praktische, und ferner theoretische, Resilienzfrage neu fokussieren.

Die Monografie legt mehr als nur praxisrelevante Begrifflichkeiten empirisch fundiert dar, sondern nimmt auch zentrale Erkenntnisse hinsichtlich der „resilienzorientierten“ menschlichen Entwicklung zielgerichtet und begründend in den Blick. Neu ist, dass darin nicht nur alle Entwicklungsphasen des menschlichen Lebens, sondern auch die bisher eher vernachlässigten oder übersehenen Lebensbereiche Berücksichtigung finden und auf ihr Potenzial zur Resilienzentfaltung in gewisser Weise geprüft werden.

Die Veröffentlichung ist in sich schlüssig, gut strukturiert und könnte dem Aufbau eines Handbuches entsprechen, dessen Intention es wäre, dem Leserkreis eine möglichst große Bandbreite von wissenschaftlich aufgearbeiteten Themen darzubieten. Sie beherbergt insgesamt eine Fülle von Wissen und Daten zur nach wie vor in der Wissenschaft wie auch den Medien florierenden Thematik der Resilienzförderung, sodass sie für interessierte Studierende und Praktiker auf jeden Fall eine solide und beachtungswerte Überblickslektüre darstellt.


Rezensentin
Krystyna Reiter
M.A., Wissenschaftliche Angestellte
PH Karlsruhe
Fakultät I/Institut für Bildungswissenschaft
Abteilung Lebenslange Bildung
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Zitiervorschlag
Krystyna Reiter. Rezension vom 08.02.2016 zu: Maike Rönnau-Böse, Klaus Fröhlich-Gildhoff: Resilienz und Resilienzförderung über die Lebensspanne. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. ISBN 978-3-17-026056-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19835.php, Datum des Zugriffs 06.12.2019.


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