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Rafael Ball: Die pausenlose Gesellschaft

Rezensiert von Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke, 30.03.2016

Cover Rafael Ball: Die pausenlose Gesellschaft ISBN 978-3-7945-3080-9

Rafael Ball: Die pausenlose Gesellschaft. Fluch und Segen der digitalen Permanenz. Schattauer (Stuttgart) 2014. 12 Seiten. ISBN 978-3-7945-3080-9. D: 16,99 EUR, A: 17,50 EUR, CH: 24,50 sFr.

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Thema und Zielsetzung

Dr. Rafael Ball schreibt in seinem Buch über die Bedingungen, die das digitale Zeitalter mit sich bringt und wie es die Gesellschaft und damit die in ihr lebenden Individuen beeinflusst. Dies tut Ball für Jedermann verständlich, deskriptiv ohne zu klagen.

Autor

Dr. rer. nat. Rafael Ball wurde 1964 geboren. Er ist promovierter Biologe und Wissenschaftshistoriker und studierte Biologie, Slawistik und Philosophie an den Universitäten Mainz, Warschau und Moskau. Mitte der 1990-er absolvierte er eine postgraduale Ausbildung zum wissenschaftlichen Bibliothekar und war im Anschluss im Forschungszentrum Jülich Leiter der Zentralbibliothek. 2008 bis 2015 war Ball Direktor der Universitätsbibliothek Regensburg.

Seit 2015 ist Rafael Ball Direktor der Bibliothek der ETH Zürich. Darüber hinaus ist er Autor und Herausgeber zahlreicher verschiedener Publikationen.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist im Rahmen der Reihe „Wissen & Leben“ im Schattauer Verlag erschienen; die Reihe wird seit 2009 von Dr. med. Dipl.-Psych. Wulf Bertram herausgegeben und widmet auf humorvolle Weise wissenschaftlich anspruchsvollen Themen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch stellt auf insgesamt 127 Seiten die Facetten der modernen, mutmaßlich „pausenlosen“ Gesellschaft dar. Der Autor fasst unter dem Untertitel „Fluch und Segen der digitalen Permanenz“ gleich einen wichtigen Aspekte, nämlich den Aspekt des „Andauernden“ durch den digitalen Charakter der heutigen Welt.

Nach einem kurzen Vorwort, berichtet der Autor gleich in der Einleitung über Aspekte der digitalen Revolution unserer Lebens- und Arbeitswelt und stellt bereits zu Beginn die Entwicklung vom Stift zum Computer dar, der zum einen die schier endlose Reproduzierbarkeit ermöglicht aber gleichzeitig auch die allzeitige Erreichbarkeit des Individuums ermöglicht und bedeutet.

Das zweite Kapitel widmet sich nach dem ersten Kapitel der Einleitung der „Zeit und Beschleunigung“. Hier fragt Rafael Ball im ersten Unterkapitel: „Was ist Zeit?“ zunächst nach dem Zeitbegriff und beginnt mit einem Zitat des römischen Staatsmannes Seneca. Hier stellt er sich zunächst die Frage nach Subjektivität und Objektivität der Zeit bzw. des Zeiterlebens und dem Aspekt der Pünktlichkeit, um dann auf die „Taktung“ von Produktions- und Fertigungsprozessen einzugehen. Als zweites Unterkapitel führt er hier gleich die „Beschleunigung und digitale Permanenz“ und ist damit bereits im Kern der Thematik. Er stellt in diesem Zusammenhang versch. theoretische Konzepte für Akzeleration und anderen Begriffen vor und führt mehrfach den Autor Hartmut Rosa aber auch andere namhaftere Autoren an. Nach den eher physikalischen Konzepten der Herangehendweise an Beschleunigung und andere Begriffe, widmet er sich der biologischen Perspektive und fokussiert hier v.a. auf das Zeitempfinden mit seinen versch. Studien aus dem Bereich der Chronobiologie. Das Eingehen auf Begriffe wie Reaktion/ Reaktionszeit, Aufmerksamkeit und weitere hoch relevante Begriffe im Bezug zu modernen Kommunikationsmedien wird hierbei kritisch beleuchtet.

Das dritte Kapitel, „Das Zeitalter der digitalen Permanenz in Beispielen“, füllt die bisher eher theoretischen Ausführungen lebhaft mit Inhalt. Rafael Ball beginnt mit kleinen Hinweisen auf das Lesen von Zeitungen früher in gedruckter Form mit zunehmend geringer Druckauflagen zugunsten von digitalen Zeitungsformen/ -formaten, was bereits zu einer Beschleunigung der Informationslage geführt hat.

Im zweiten Unterkapitel widmet sich Ball dem „Schluss mit dem Sendeschluss“ und verweist zunächst das Testbild des nächtlichen Fernsehprogramms, das dem Sendens rund um die Uhr gewichen ist. Nebenbei zeigt er dem Leser kleine Stichpunkte wie die Anzahl von Fernsehsendern, etc. um seine Inhalte eindrucksvoll zu verdeutlichen. Im Anschluss widmet er sich der „Die hochfrequente Zeitung“ und referiert hier erneut und tiefer gehend der Geschwindigkeit von Informationsverbreitung durch die veränderte Struktur der Zeitung gepaart mit den Veränderungen, die dies für das Personal bedeutet, das mit der Aufarbeitung der Information in Printmedien bedeutet – ebenso wie für die Leser. In diesem Zusammenhang spricht Rafael Ball von „Daueraktualisierung“ und der Schwierigkeit diesem Phänomen Schritt zu halten. Gefolgt wird dies von einem Unterkapitel über „Ticker Newsticker – Liveticker“, das die weitere Beschleunigung eindrücklich aufzeigt. Dabei wirft er auch einen Blick auf die Online-Möglichkeit der „Blog“ bzw. Kommentare zu Informationen aus den Medien und fragt schließlich „Hilfe, wo sind unsere Kinder?“, um hier u.a. darzustellen, dass „Verbindlichkeit“ (v.a. von Aufenthaltsorten) heutzutage vielmehr durch „Erreichbarkeit“ ersetzt wurde. Auch das Phänomen der „Helicopter-Eltern“ und die Möglichkeit, seine Kinder über GPS zu orten lässt Ball keineswegs unthematisiert. Schließlich wendet Ball sich Facebook zu und thematisiert versch. Aspekte in der digitalen Zeit, bevor er sich den Mitteln und Wegen des Verabredens von jüngeren Menschen zuwendet.

Ball macht aber im Verlauf zunächst einmal einen Schritt zurück und schreibt über „Das Buch und die digitale Permanenz“ und geht hier bis 2000 v. Chr. in der Zeitrechnung zurück, um die Entwicklung des gedruckten Wortes aufzuzeigen. Auf diesem Weg streift er die Entwicklung verschiedener Medien (Musikkassette, etc.) mit ihren Vor- und Nachteilen und weiteren charakteristischen Aspekten. Dabei fehlt auch ein genauerer Blick auf „Das Internet der Dinge“ nicht und zitiert einen unbekannten Autor mit den Worten „Die Menschen sind heute nicht mehr verwurzelt, sondern vernetzt“. Er schneidet auch in diesem Unterkapitel diverse Nomenklaturen an wie bspw. „Digital Natives“, etc.

Seine Ausarbeitungen finden ihren vorläufigen Höhepunkt in der Möglichkeit des „Big Data: Die permanente Überwachung“ und zeigt hier auch das Anwachsen bzw. Ausufern der auf der Erde verfügbaren Datenmengen.

Im vierten und letzten Kapitel findet Rafael Ball Raum und Zeit für „Raum und Zeit in der digitalen Permanenz“. Hier zieht er v.a. ein Resümee über die vorangegangenen Kapitelinhalte.

Am Ende jedes Kapitels findet sich ein m.o.w. kleiner Literaturüberblick.

Zielgruppe

Das Buch spricht ein breites Publikum an. Es ist für jedermann verständlich geschrieben.

Diskussion und Fazit

Das Buch „Die pausenlose Gesellschaft“ schildert „Fluch und Segen der digitalen Permanenz“ und hält uns die allgegenwärtigen Bestandteile und Gegebenheiten der modernen digitalen Welt vor Augen. Manchem Leser mag es nicht leicht fallen, den Spiegel vorgehalten zu bekommen, manch einen wird es umso mehr freuen. Zumindest aber macht Rafael Ball das mittlerweile Allgegenwärtige und Selbstverständlich bewusst.

Wenn auch auf recht begrenztem Platz (127 Seiten), so leistet der Autor dennoch einen munteren und sehr gut sowie schnell lesbaren Beitrag zu diesem höchst aktuellen Thema.

Rezension von
Prof. Dr. med. et Dr. disc. pol. Andreas G. Franke
M.A. Professur für Medizin in Sozialer Arbeit, Bildung und Erziehung. Hochschule der Bundesagentur für Arbeit Mannheim
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Es gibt 73 Rezensionen von Andreas G. Franke.

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Zitiervorschlag
Andreas G. Franke. Rezension vom 30.03.2016 zu: Rafael Ball: Die pausenlose Gesellschaft. Fluch und Segen der digitalen Permanenz. Schattauer (Stuttgart) 2014. ISBN 978-3-7945-3080-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19854.php, Datum des Zugriffs 20.05.2024.


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