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Hermann Brandenburg, Helen Güther (Hrsg.): Lehrbuch Gerontologische Pflege

Rezensiert von Dr. Maja Wiest, 30.12.2016

Cover Hermann Brandenburg, Helen Güther (Hrsg.): Lehrbuch Gerontologische Pflege ISBN 978-3-456-85471-7

Hermann Brandenburg, Helen Güther (Hrsg.): Lehrbuch Gerontologische Pflege. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2015. 336 Seiten. ISBN 978-3-456-85471-7. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 53,90 sFr.
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HerausgeberInnen

Prof. Dr. Hermann Brandenburg lehrt Gerontologische Pflege an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PHTV) und forscht u.a. zu Lebensqualität bei Menschen mit Demenz und Qualitätsentwicklung in der Pflege.

Dipl.-Heilpäd. Helen Güther, MPH ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Gerontologische Pflege an der PHTV. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen u.a. Personenzentrierte und beziehungsorientierte Pflege sowie Autonomie und Anerkennung.

Thema

Das „Lehrbuch Gerontologische Pflege“ orientiert sich an der Frage, wie ein gutes Leben im Alter auch bei Hilfs- und Pflegebedarf möglich ist und stellt strukturiert relevante theoretische Grundlagen, vielfältige Perspektiven und innovative Ansätze zur Bearbeitung der Frage vor.

Entstehungshintergrund

Die Gerontologische Pflege blickt auf eine kurze Entstehungsgeschichte in Deutschland zurück, deren Vorortung als interdisziplinäres Lehr- und Forschungsgebiet sowohl in der Gerontologie als auch in den Pflegewissenschaften liegt. Im Zuge der Akademisierung der Pflegeberufe lässt sich laut der HerausgeberInnen, vor allem die strukturelle Einbindung von Leitfragen der Gerontologischen Pflege in die wissenschaftliche Aus- und Weiterbildung erkennen, jedoch ist ein Mangel an theoretischer und methodischer Weiterentwicklung zu konstatieren der konträr zur Einbindung in Hochschulen und Studiengängen steht. Der Sammelband will diese Lücke aufzeigen, beschreiben und zu einem Dialog einladen.

Aufbau und Inhalt

Der Sammelband gliedert sich in vier Teile und wird gerahmt durch ein Vorwort von Frank Weidner, einen Prolog von Hermann Brandenburg, eine Einleitung von den Herausgebern (Hermann Brandenburg und Helen Güther) und einen Epilog verfasst von Michael Coors. Darüber hinaus beinhaltet das Buch ein HerausgeberInnen-, ein AutorenInnen- und ein Sachwortverzeichnis. Die Teile des Sammelbandes sind:

  1. Impulse aus den Leitwissenschaften
  2. Maßstäbe und Grundkonzepte der Gerontologischen Pflege
  3. Themenfelder der Gerontologischen Pflege
  4. Dialog und Diskurs

Im ersten Teil werden die Kernbezüge zur kritischen Pflegewissenschaft und zur kritischen Gerontologie dargestellt.

Der zweiteTeil gliedert sich in vier Unterkapitel:

  1. Das gute Leben;
  2. Menschenwürde, Autonomie, Selbstbestimmung und soziale Ehre;
  3. Anerkennung und Konfliktorientierung;
  4. Care und Sorgekultur.

Im dritten Teil des Sammelbandes werden drei Themenfelder bearbeitet:

  1. Professionalisierung der Pflege älterer Menschen;
  2. Veränderungen der Organisationssteuerung;
  3. Wege der Innovationen.

Dabei wird jedes Themenfeld jeweils in mindestens einem Kapitel

  1. aus kritischer Perspektive beleuchtet,
  2. Ansätze der Handlungs- und Interventionsebene vorgestellt sowie
  3. die Perspektive des berufs-, sozial- und gesellschaftspolitischen Sektors vorgestellt.

Diese innovative Besonderheit des Sammelbandes erlaubt ein tiefschichtiges Durchdringen der ausgewählten Themenfelder. Beispielsweise wird zum Themenfeld Veränderungen der Organisationssteuerung von Alfons Maurer eine kritische Perspektive auf die Ökonomisierung der Pflege geworfen. Bianca Berger und Uwe Tegtmeier stellen vor, wie interne Qualitätsentwicklung zu guter Pflege beitragen kann. Aus berufs-, sozial- und gesellschaftspolitischer Perspektive wird von Hidegard Theobald die Pluralität gesellschaftlicher Pflegearrangements in den Blick genommen. Von Ingo Bode werden Vernetzungen und Kooperationen in der Altenpflege besprochen. Insbesondere für LeserInnen in der Ausbildung und aus der Praxis stellt diese Aufarbeitung zentraler Themenfelder der Gerontologischen Pflege einen Gewinn dar. Didaktisch wichtig sind die farblich herausgehobenen Verweise auf weiterführende Literatur, Debatten und Kontroversen, die erlauben über die Ausführungen hinaus Themen zu vertiefen.

Im letzten Teil (Dialog und Diskurs) ist ein Gespräch zwischen Prof. Dr. Martina Hasseler und den Herausgebern zu den zentralen Fragen der Gerontologischen Pflege verschriftlicht. Ein Kapitel zum Thema Sterben schließt den vierten Teil des Sammelbandes ab.

Fazit

Mit dem Sammelband ist ein wichtiger Schritt zur Ausgestaltung der Frage, wie gute Pflege und Versorgung alter Menschen umgesetzt werden kann, gelegt. Die zusammengetragenen Inhalte der HerausgeberInnen lösen ihr hoch gestecktes Ziel ein und liefern einen umfassenden Blick auf das Spannungsfeld Pflege- und Hilfsbedarf im Alter. Dabei stehen vor allem die theoretische Einordnung und Weiterentwicklung der Gerontologischen Pflege im Vordergrund sowie die Herausforderungen professionellen Handels in diesem Feld. Dabei wird der ältere Mensch als Handelnder sowie organisationale und strukturelle Rahmenbedingungen der Pflege im Alter berücksichtigt.

Der Aufbau des Sammelbandes ermöglicht den LeserInnen einen breiten Einblick in die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen im Feld. Besonders lesenswert ist die Bearbeitung ausgewählte Themen in einer Trias von Perspektiven. Als Lehrbuch deklariert, bietet der Sammelband auch praktisch Tätigen der Pflegeprofession Einblick in relevante theoretische Bezüge, innovative Ansätze zum Umgang mit Herausforderungen sowie interessante Anregungen für den Diskurs von Leitfragen der gerontologischen Pflege.

Rezension von
Dr. Maja Wiest
Wissenschaftliche Mitarbeiterin Freie Universität Berlin Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie Arbeitsbereich Empirische Weiterbildungsforschung
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Es gibt 1 Rezension von Maja Wiest.

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Zitiervorschlag
Maja Wiest. Rezension vom 30.12.2016 zu: Hermann Brandenburg, Helen Güther (Hrsg.): Lehrbuch Gerontologische Pflege. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2015. ISBN 978-3-456-85471-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19858.php, Datum des Zugriffs 06.10.2022.


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