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Johann-Christoph Student, Albert Mühlum et al.: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliative Care

Rezensiert von Dipl. Sozialpäd., Dipl. Theol. Jürgen Wälde, 14.09.2004

Cover Johann-Christoph Student, Albert Mühlum et al.: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliative Care ISBN 978-3-497-01690-7

Johann-Christoph Student, Albert Mühlum, Ute Student: Soziale Arbeit in Hospiz und Palliative Care. UTB (Stuttgart) 2004. 171 Seiten. ISBN 978-3-497-01690-7. 14,90 EUR. CH: 26,80 sFr.
Reihe: UTB - 2547.

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Zum Hintergrund

Wenn sich ausgewiesene Experten auf den Feldern von Hospizarbeit, Sozialarbeitswissenschaft , Sozialmedizin und Public Health zusammentun, dann verspricht dies ein spannendes Buchprojekt zu werden. Mit dem vorliegenden Band 4 der Buchreihe „Soziale Arbeit im Gesundheitswesen“ ist dem Autorenteam eine hervorragende systematische Einführung in das Konzept von Hospizarbeit und „Palliative Care“ wie auch in die spezifische Rolle der Sozialen Arbeit auf diesem Feld gelungen. Im deutschsprachigen Raum ist mir keine Publikation bekannt, die sich in dieser Ausführlichkeit und Systematik mit der Verknüpfung der sozialarbeiterischen und hospizlichen bzw. palliativen Perspektive befasst. Diese „Lücke“ zu schließen, war überfällig: Schließlich gehört die Soziale Arbeit im angelsächsischen Raum längst unverzichtbar zum multidisziplinären Betreuungskonzept von „Palliative Care“ hinzu und ist in Deutschland gegenwärtig dabei, diesen Bereich als Berufsfeld für sich zu entdecken.

Zum Inhalt

Die Autoren geben einen profunden Einblick in das Feld von Hospiz- und Palliativarbeit in Deutschland. Zentraler Ausgangspunkt ist das von der Hospizbewegung maßgeblich mitentwickelte Konzept von „Palliative Care“, welches die fachlich kompetente wie menschlich zugewandte Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen und ihres sozialen Umfeldes zum Ziel hat. Nicht mehr die Perspektive von Heilung oder Lebensverlängerung, sondern die der bestmöglichen Lebensqualität in der noch verbleibenden Zeit leitet das Handeln im Unterstützungsnetzwerk, das es aus Professionellen und Ehrenamtlichen zu knüpfen gilt (Kap.2). Auf die aktuelle Situation bezüglich ambulanter wie stationärer Organisationsformen (Kap.5), Qualitätsmerkmalen und Finanzierung dieser Arbeit wird dabei ebenso eingegangen wie auf die geschichtliche Entwicklung, die den Blick auch auf den angelsächsichen Raum und die europäischen Nachbarländer weitet (Kap.8). Was das Konfrontiertsein mit einer unheilbaren Erkrankung, mit Sterben, Tod und Trauer für die Beteiligten bedeuten kann, versucht Kap.3 aus der jeweiligen Perspektive von Patienten, Angehörigen, beruflichen Helfern und ehrenamtlich Tätigen zu differenzieren. Die Kap. 4 und 7 sind rechtlichen, politischen und ethischen Aspekten von Hospiz- und Palliativarbeit gewidmet. Stichwortartig seien hier benannt:

  • Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht,
  • Diskussion um Menschenwürde und Sterbehilfe,
  • Wertkonflikte und Entscheidungsnot,
  • Sterben und Tod als soziales Thema und gesellschaftspolitische Aufgabe.

Die das Buch von Anfang bis zum Schluss leitende Fragestellung ist diejenige nach der Rolle professioneller Sozialer Arbeit auf dem - wie oben beschrieben - ausgeleuchteten Feld von Palliative Care. Beim Versuch einer beruflichen Selbstvergewisserung sehen die Autoren eine große Nähe zwischen den zentralen Anliegen der Hospizidee und den Zielperspektiven Sozialer Arbeit (Kap.1). Hier wie da geht es um die Förderung von Integration und Teilhabe am Leben, um Unterstützung bei der Mobilisierung von Ressourcen und beim Lösen von Problemen unter erschwerten Bedingungen, um den Doppelfokus von Individual- und Sozialnatur, um die Qualität der Austauschbeziehungen zwischen dem Einzelnen und seiner Umwelt. Konkrete Strategien und Handlungskompetenzen versucht Kap.6 für die Soziale Arbeit daraus abzuleiten und unter Bezugnahme auf theoretische Konzepte (Empowerment, Case Management, Organisationsentwicklung) im Hinblick auf Hospiz- und Palliativarbeit zu konkretisieren. Das abschließende Kap.9 „Hospizliche Sozialarbeit - Anspruch und Wirklichkeit“ zieht ein Resümee im Sinne einer Standortbestimmung und benennt Aufgaben, denen sich die Soziale Arbeit stellen muss, will sie sich auf diesem Feld einbringen und verorten sowie als Profession wahr- und ernstgenommen werden: Schärfung des eigenen Berufs- und Kompetenzprofils, Verbesserung der Organisation nach innen und der Selbstdarstellung nach außen, Nachweis der „Unersetzlichkeit“ der eigenen berufsspezifischen Leistung innerhalb des multiprofessionellen Palliative Care Konzeptes.

Fazit

Dieses Buch kann allen empfohlen werden, die sich über die Hospiz- und Palliativlandschaft in Deutschland einen umfassenden, prägnanten Überblick verschaffen möchten. Für diejenigen, die sich näher für Aufgaben, Rolle und Profil Sozialer Arbeit auf diesem Feld interessieren, bietet es eine hervorragende Grundlage. Wer sich als Sozialarbeiter/in beruflich in Richtung Hospiz und Palliative Care orientieren möchte oder dort bereits tätig ist, kommt um dieses Buch als „Pflichtlektüre“ nicht herum. Aber Vorsicht: So inspirierend sich die vielen Anregungen und Anstöße lesen, so „schweißtreibend“ dürfte sich deren Umsetzung in der Praxis gestalten. Auf dem Weg zu einem ausgearbeiteten Konzept von Hospiz- bzw. Palliativsozialarbeit stehen wir noch ziemlich am Anfang …

Rezension von
Dipl. Sozialpäd., Dipl. Theol. Jürgen Wälde

Es gibt 1 Rezension von Jürgen Wälde.

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ISSN 2190-9245