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Petra Rechenberg-Winter, Renate Haußmann: Arbeitsbuch kreatives und biografisches Schreiben

Rezensiert von Ulrike Koch, 14.12.2015

Cover Petra Rechenberg-Winter, Renate Haußmann: Arbeitsbuch kreatives und biografisches Schreiben ISBN 978-3-525-40223-8

Petra Rechenberg-Winter, Renate Haußmann: Arbeitsbuch kreatives und biografisches Schreiben. Gruppen leiten ; [inklusive Downloadmaterial ; mit 7 Tabellen]. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2015. 373 Seiten. ISBN 978-3-525-40223-8. D: 39,99 EUR, A: 41,20 EUR, CH: 50,90 sFr.

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Thema

Mit ihrem Buch wollen die Autorinnen „[…] einen Lehr-Lern-Weg zur kreativen Schreibkompetenz […]“ (S.9) aufzeigen und zudem eine „[…] systematische Anleitung […]“ (Cover-Rückseite) für Personen, die selbst gerne Schreibgruppen leiten möchten.

Autorinnen

Petra Rechenberg-Winter hat Pädagogik (Diplom und M.A.) studiert, ist approbierte Psychotherapeutin, Supervisorin, Mediatorin, Psychoonkologin, Lehrende für Systemische Therapie und Supervision, Klinische Poesietherapeutin und Autorin. Zudem ist sie Mitglied des Leitungsteams Hamburgisches Institut für systemische Weiterbildung (HISW).

Renate Haußmann hat Sozialwissenschaft (Diplom, M.A.) studiert. Sie ist tätig als systemische Personalberaterin und Coach – Schwerpunkt: Entwicklung von Lösungen für sozial-ökonomisch Fragen -. Sie ist Autorin und sie leitet das Institut für kreativ-biografisches und kreativ-therapeutisches Schreiben „Schreibweise Hamburg“.

Entstehungshintergrund

Das Buch knüpft an das von den gleichen Autorinnen – in 2013 – erschienene Buch „Alles was in mir steckt: Kreatives Schreiben im systemischen Kontext“ an. Sie möchten mit diesem Buch über sonst übliche Inhalte zu diesem Thema hinaus „[…] das gesamte Basiswissen […]“ (Cover-Rückseite) vermitteln, das ein/e Schreibgruppenleiter/-in benötigt.

Zielgruppe

Das Buch ist für Personen geschrieben, die Interesse am kreativen (biografischen, therapeutischen) Schreiben haben und daran, Schreibgruppen zu leiten.

Aufbau und Inhalt

Nach einführenden Worten (S. 9ff.) beschreiben die Autorinnen in sieben Schritten die maßgeblichen Grundlagen zum Leiten einer kreativen Schreibgruppe. In jedem Kapitel findet sich Material für kreative (Schreib-)Übungen. Die Leser/-innen können mittels eines Codes (findet sich im Buch) auf der Homepage des Verlages 49 Arbeitsblätter kostenlos herunterladen. Die Kapitel sind ähnlich lang, beginnen mit einer strukturellen Übersicht und enden mit einer Literaturempfehlung zum jeweiligen Schritt: Allen gleich ist ebenfalls, dass die Autorinnen nach den jeweiligen inhaltlichen Schwerpunkten der Kapitel Möglichkeiten, sowie Sinn und Nutzen, von Feedback, Reflexion und Evaluation thematisieren.

  1. Schritt: Lehre des kreativen, biografischen und therapeutischen Schreibens (S. 13 – 76)
  2. Schritt: Systemische Schreibinterventionen in der Lyrik (S. 77 – 135)
  3. Schritt: Systemische Schreibinterventionen in der Prosa (S. 137 – 187)
  4. Schritt: Textbearbeitung (S. 189 – 243)
  5. Schritt: Schreibgruppendynamik (S. 245 . 285)
  6. Schritt: Schreibgruppenpädagogik (S. 287 – 330)
  7. Schritt: Entwicklung der Schreibpersönlichkeit (S. 331 – 363)

Erster Schritt: Lehre des kreativen, biografischen und therapeutischen Schreibens. Petra Rechenberg-Winter und Renate Haußmann gehen zunächst auf ihr Verständnis von einem systemischen Bildungskonzept ein, wobei sie gleichfalls die Bedeutung dessen herausarbeiten, was genau das Systemische an diesem Konzept ist (S. 18 – 27). Die Autorinnen sprechen hier von einer Lehre ohne Belehrung (S. 19) und von einem integrierten Lernen (S. 20 – 24). Im Weiteren stehen Sinn, Nutzen und Wirkung von kreativem Schreiben im Mittelpunkt (S. 28 – 24). Schwerpunkt dieses Kapitels bildet das Thema Gruppendynamik (S. 37 – 51). Die Autorinnen gehen ausführlich auf das von ihnen erarbeitete systemische Schreibwirkmodell ein. Inhaltlich geht es weiter mit organisatorischen Grundlagen (S. 55 – 58), wie Auftragsklärung (S. 55ff.) und methodische Zugänge (S. 57ff.).

Zweiter Schritt: Systemische Schreibinterventionen in der Lyrik (S. 77 – 135). Ausgehend von der Frage, was literaturtheoretische Ansätze leisten (S. 76 – 82), verdichten die Autorinnen ihre Ausführungen hin zur Kulturgeschichte von Literalität (S. 84 – 101). Hiernach werden die Techniken, Methoden und Impulse des kreativen Schreibens (S. 101 – 115) in den Blick genommen. Beachtung finden hier vor allem literarische Stilmittel. Petra Rechenberg-Winter und Renate Haußmann gehen anschließend auf den Stellenwert von Lyrik „[…] als kreatives Ausdrucksmittel […]“ (S. 115) ein (S. 115 – 125).

Dritter Schritt: Systemische Schreibinterventionen in der Prosa (S. 137 – 187). Zunächst stehen narrative Ansätze zur Rekonstruktion biografischer Inhalte im Zentrum der Betrachtung (S. 149 – 144)l. Hier gehen die Autorinnen vor allem auf sozialkonstruktivistische Betrachtungsweisen über Fiktion und Realität (S. 141f.) ein und zentrieren ihre Ausführungen anschließend um narrative Konzepte (S. 142ff.). Bei den Grundlagen der Prosa (S. 146 – 151) werden die Möglichkeiten, in die Rolle eines allwissenden Erzählers (S. 146ff.) und/oder in die Rolle des schreibenden Autobiografen (S. 149) zu schlüpfen, thematisiert. Darüber hinaus finden auch Essay, Fabel, Legende, Märchen und Sage Beachtung (S. 150f.). Mit den nachfolgenden Ausführungen stellen die beiden Autorinnen den Prozess einer (auto-)biografischen Arbeit dar (S. 153 – 162) und knüpfen hiermit an ihre Ausführungen zu Lyrik und Prosa an. Es folgt ein Exkurs über die Schreibtypologie nach Christian Kaiser (S. 164 – 174).

Vierter Schritt: Textbearbeitung (S. 189 – 243). Das Kapitel beginnt mit einem Blick auf die Kunst des Erzählens (S. 196 – 208). Maßgeblich geht es um den Aspekt der Weiterentwicklung literarischer Ausdrucksfähigkeiten. Die Autorinnen betonen, der Fokus liege hier und in den Folgekapiteln auf der Verknüpfung von Handwerk und Technik des Erzählens mit den Erkenntnissen und Methoden des kreativen Schreibens (vgl. S. 196). Neben Formen der Prosa (S. 197f.), Inspiration durch Lesen (S. 198ff.) und Figuren (S. 204f.) gehen die Autorinnen auch kurz auf die Frage nach der Gestaltung anschaulicher Texte (S. 207f.) ein. Weitere Unterpunkte sind die Erzählperspektive (S. 210 – 214) und der Themenbereich Komposition und Handlungsmuster (S. 214 – 221). Auch in diesem Kapitel gibt es einen Exkurs. Hier zur Frage, wie aus einem Erstentwurf eine überarbeitete Endfassung wird (nach Andrea Katzenberger, S. 222 – 235). Im Zentrum steht die Frage: Wie entsteht ein Drehbuch.

Fünfter Schritt: Schreibgruppendynamik (S. 245 – 285). Neben der systemischen Grundhaltung kommt auch die Methode der Themenzentrierten Interaktion (TZI) nach Ruth Cohn (1975) zur Sprache. In den Ausführungen geht es um das System Schreibgruppe und es geht um die hier zugehörenden dynamischen Prozesse (S. 248 – 254). Im Weiteren skizzieren die Autorinnen ihr Verständnis eines idealtypischen Gruppenverlaufs (S. 256f.). Auch Gruppenerfahrung (S. 258 – 262) und Prozesssteuerung (S. 264 – 270) finden in diesem Kapitel Beachtung. Gleiches gilt für den Blick auf Momente der Herausforderung im Schreibprozess (S.272 – 276). Die Autorinnen gehen zu dem der Frage nach der Wirkung des Einzelnen auf seine Umgebung nach.

Sechster Schritt: Schreibgruppenpädagogik. Beginnend mit der Beantwortung der Fragen, was Wahrheit ist und wie sie entsteht, geht es um Grundannahmen der Kommunikationstheorie (S. 296f.) und es geht um die Individualität von Wahrheit (S. 293f.). Anschließend folgen Ausführungen zur Didaktik des kreativen therapeutischen Schreibens (S. 299 – 306). Im Mittelpunkt stehen Möglichkeiten und Methoden zur Förderung von Schreibprozessen (ab S. 299). Beachtungen finden auch die Phasen, Formen und Orte des Schreibens (S. 302ff.). Ebenso findet noch einmal der Faktor Wirksamkeit des Schreibens Beachtung (S. 304ff.). Hiernach zentrieren Petra Rechenberg-Winter und Renate Haußmann ihre Darstellung auf die Entwicklung eines konkreten Schreibprojektes (S. 309 – 320).

Siebter Schritt: Entwicklung der Schreibpersönlichkeit (331 – 363).Mit einem Blick auf die Aspekte Schreibidentität und Schreibverständnis (S. 333 – 342) werden die Leser/-innen an diese Stelle motiviert auf ihre Entwicklung zurück zu schauen und zu bilanzieren (vgl. S. 333). Der nächste Blick richtet sich auf den Abschluss von Schreibgruppenprozessen (S. 344 – 350). Neben der Didaktik des Abschiednehmens (S. 345ff.) richten Petra Rechenberg-Winter und Renate Haußmann die Aufmerksamkeit ihrer Leser/-innen auf mögliche Rituale für die Abschlussphase (S. 348ff.).

Diskussion

Das Buch von Petra Rechenberg-Winter und Renate Haußmann wird auf der Rückseite des Einbandes als eine systematische Anleitung für zukünftige Schreibgruppenleiter/-innen beschrieben. Die Autorinnen laden ihre Leser/-innen ein, neue Erfahrungen zu machen (vgl. S. 9), „[…] sich selbst neu zu begegnen und die eigene Schreibfähigkeit […] zu vervielfältigen.“ (S. 9) Es lässt sich kein Teil heraus ziehen und besonders hervorheben. Die sieben Schritte durch dieses Arbeitsbuch bilden inhaltlich eine systematische Kette, die nicht unterbrochen werden sollte. Das Besondere ist die Gestaltung als Arbeitsbuch. Alle theoretischen Inhalte haben eine wissenschaftliche Tiefe, welche aber erst über die kreativen (Schreib-)Übungen sinnhaft werden.

Fazit

Mir liegt hier ein Buch vor, das ich sehr gerne empfehle. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass interessierte Leser/-innen über ein Grundverständnis von der systemischen Lehre und Ideologie und außerdem über eine Affinität für kreatives Schreiben verfügen sollten. Der Aufbau des Buches führt immer wieder von der Theorie hin zur Praxis. Jede theoretische Einheit wird in Form kreativer Übungseinheiten nachvollziehbar gefestigt. Vor allem diejenigen, die Spaß daran haben, kreative (Schreib-)Gruppen zu leiten, erhalten mit dem Buch nicht allein einen Leitfaden für entsprechende Angebote, sondern auch viele Möglichkeiten für selbstreflexive und damit entwicklungsfördernde Momente.

Das Buch ist für jede/n ein Gewinn, die/der gerne eine Schreibgruppe leiten möchte und/oder die eigene kreative Schreibfähigkeit erweitern möchte.

Rezension von
Ulrike Koch
M.A., Zusatzqualifikationen als Systemische Beraterin und Kulturpädagogin. Zwischen 2009 und 2018 tätig in den Bereichen Jugendarbeit, Schulsozialarbeit, Beratung von Familien, vertiefende Berufsorientierung, Jobcoaching und zum Schluss als Sozialarbeiterin im Kinderschutz.
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Es gibt 14 Rezensionen von Ulrike Koch.

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Zitiervorschlag
Ulrike Koch. Rezension vom 14.12.2015 zu: Petra Rechenberg-Winter, Renate Haußmann: Arbeitsbuch kreatives und biografisches Schreiben. Gruppen leiten ; [inklusive Downloadmaterial ; mit 7 Tabellen]. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2015. ISBN 978-3-525-40223-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19897.php, Datum des Zugriffs 26.05.2024.


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