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Uta Klein (Hrsg.): Inklusive Hochschule

Cover Uta Klein (Hrsg.): Inklusive Hochschule. Neue Perspektiven für Praxis und Forschung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. 300 Seiten. ISBN 978-3-7799-3340-3. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Thema

Inklusion hat sich im Zusammenhang mit der Diskussion über die UN-Behindertenrechtsrechtskonvention zu einem wichtigen Thema an den bundesdeutschen Hochschulen, insbesondere in den pädagogischen Studiengängen, entwickelt. Die Hochschule selbst wird hingegen noch selten zum Gegenstand der Inklusionsdebatte. Der Begriff bezeichnet – anders als die zuvor durch die Soziologie geprägte Verwendung – den in den Menschenrechten begründeten Auftrag, alle gesellschaftlichen Systeme und Organisationen so zu gestalten, dass sie von allen Menschen auf der Basis der Gleichberechtigung genutzt werden können. In der Diskussion wird zwischen einem weiten Verständnis von Inklusion als Umgang mit Verschiedenheit und einem engeren, auf den Umgang mit Behinderungen fokussierten Ansatz unterschieden. Die Beiträge des Sammelbandes beziehen sich aus pragmatischen Gründen auf den Umgang mit Behinderungen, ohne damit die Dimension der Konstruktion von Differenz durch zugeschriebene Merkmale aus dem Blick zu verlieren.

Herausgeberin

Uta Klein, die Herausgeberin des Sammelbandes, ist Professorin an der Universität zu Kiel und leitet dort die Arbeitsstelle Gender- und Diversity Studies. Sie ist Mitherausgeberin der Reihe ‚Diversity und Hochschule‘ im Verlag Beltz/Juventa, in der der vorliegende Sammelband als vierte Veröffentlichung erscheint.

Entstehungshintergrund

Der Sammelband entstand in Zusammenarbeit mit der Informations- und Beratungsstelle ‚Studium und Behinderung‘ (IBS) des Deutschen Studentenwerks. Die Veröffentlichung wurde vorbereitet durch einen Call for Paper bis Ende 2014, mit dem zur Erarbeitung wissenschaftlicher und praxisorientierter Beiträge zum Thema aufgerufen wurde. Dem Aufruf sind in erster Linie Wissenschaftler*innen und Mitarbeiter*innen in Beratungsstellen für Studierende mit Beeinträchtigungen an Hochschulen gefolgt, während die ebenfalls eingeladenen Verantwortlichen für Bildungs- und Hochschulpolitik im Bund und in den Ländern, nicht durch Beiträge vertreten sind.

Aufbau

Der Sammelband umfasst 14 Beiträge, die nach einer Einführung drei Bereichen zugeordnet werden:

  1. Strategien und Instrumente für eine inklusive Hochschule
  2. (Empirische) Bestandsaufnahmen zu Studierenden mit Beeinträchtigungen
  3. Übergängen Studierender in den Beruf

Zu Themenfeld 1

Das Themenfeld „Strategien und Instrumente für eine inklusive Hochschule“ nimmt den breitesten Raum in der Publikation ein. Es wird eingeleitet durch einen Beitrag von Birgit Rothenberg, Barbara Welzel und Ute Zimmermann, die alle drei an der Universität Dortmund tätig sind. Die systematische Unterstützung von Studierenden mit Behinderungen reicht dort bis in das Jahr 1977 zurück. Mittlerweile fügt sich diese Unterstützung in ein umfassendes Diversitätsmanagement ein. Der vorgestellte ‚Dortmunder Arbeitsansatz‘ bietet Hochschulen, die ihre Unterstützungsstruktur neu entwickeln oder neu aufstellen wollen, eine Orientierung.

Die Verankerung der Entwicklung inklusiver Strukturen in der Hochschulsteuerung der Länder ist Gegenstand des Beitrages von Susanne In der Smitten und Marco Miguel Valero Sanchez, die beide wissenschaftlich am ‚Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung‘ (DZHW) in Hannover tätig sind. Im Mittelpunkt stehen die Steuerungsmechanismen der leistungsorientierten Mittelvergabe und vertragliche Vereinbarungen zwischen dem Land und einzelnen Hochschulen. Zunächst wird festgestellt, dass in den meisten Aktionsplänen der Länder zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention Aussagen zur Hochschulentwicklung enthalten sind, die sich häufig an dem Positionspapier der Hochschulrektorenkonferenz ‚Eine Hochschule für Alle‘ aus dem Jahre 2009 orientieren. In keinem Bundesland ist nach dem Beitrag die Berücksichtigung der Belange von Studierenden mit Behinderungen in einer Kennzahl zur leistungsorientierten Mittelvergabe verankert. Dies wird darauf zurückgeführt, dass das Merkmal einer anerkannten Schwerbehinderung bei Studierenden aus guten Gründen nicht erfasst wird. Die Recherche, die dem Beitrag zugrunde liegt, zeigt hingegen eine Berücksichtigung der Belange von Studierenden mit Behinderungen in Vereinbarungen zwischen sieben Bundesländern und einzelnen Hochschulen. Dies bleiben teilweise ‚Bemühenszusagen‘ oder sie werden nicht hinreichend operationalisiert. Über diese Leistungsvereinbarungen hinaus werden in dem Beitrag Vereinbarungen zwischen der Hochschulleitung und hochschulinternen Akteuren empfohlen. Der Beitrag bietet durch seine fundierte Recherche hochschulpolitischen Akteuren geeignete Ansätze zur Förderung einer inklusiven Hochschulentwicklung.

Der an der Universität Kassel Sozialrecht der Rehabilitation und Recht der behinderten Menschen lehrende Jurist Felix Welti erläutert in seinem Beitrag die Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention für Hochschulen. Er führt in die Konvention, ihre Geltung und Umsetzung ein. Im Mittelpunkt der Diskussion um eine inklusive Hochschule steht Artikel 24, Abs. 5, nach dem die Vertragsstaaten sicherstellen, „dass Menschen mit Behinderungen ohne Diskriminierung und gleichberechtigt mit anderen Zugang zu allgemeiner Hochschulbildung, Berufsausbildung, Erwachsenenbildung und lebenslangem Lernen haben“. Welti erläutert wie zur Sicherstellung dieses – auch im Grundgesetz und im Hochschulrahmengesetz verankerten – Rechts angemessene Vorkehrungen im Bereich der Zugänglichkeit, der Zulassung zum Studium, der Organisation von Prüfungen und im Bereich von Hilfsmitteln sowie sozialrechtlich geregelten Unterstützungsleistungen getroffen werden müssen. Er plädiert dafür, dass die mit der Konvention konkretisierten Prinzipien der Chancengleichheit „ihren Weg in die Steuerungsmechanismen der Hochschulverwaltung der Länder und an den Hochschulen selbst finden“ (S. 78).

Das Instrument der Erarbeitung eines Aktionsplanes zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention an Hochschulen erläutert die Herausgeberin Uta Klein am Beispiel der Universität Kiel. Die Erarbeitung steht vor der Herausforderung, dass die Wirkung – des aus der angelsächsischen Literatur bekannten – W.H.A.M.-Ideals (white heterosexual able-bodies male) an Hochschulen zwar empirisch nachweisbar ist. Weniger erforscht ist hingegen, wie es in den Hochschulbetrieb eingewoben ist. Wissenschaftliches Wissen trägt zur „symbolischen Produktion von Behinderung bei“ (S. 84), im Wissenschaftsbetrieb selbst, bleibt das Thema hingegen weitgehend tabuisiert. Die Erfahrungen der partizipativen Erarbeitung eines Aktionsplans an der Uni Kiel werden sodann im Vergleich mit Erarbeitungsprozessen an anderen Hochschulen dargestellt.

Einen kritischen Blick auf das Instrumentarium der Nachteilsausgleiche im Lichte der UN-Behindertenrechtskonvention wirft Maike Gattermann-Kasper. Sie ist Koordinatorin für die Belange von Studierenden mit Behinderung oder chronischer Krankheit an der Universität Hamburg. Nachteilsausgleiche haben in der Behindertenpolitik eine lange und unterschiedliche Tradition. Sie begründen sich – so die Autorin – ‚leistungsbasiert-soziaalrechtlich‘ oder ‚gleichheitsbasiert-bürgerrechtlich‘. Die Entwicklung einer inklusiven Hochschule stärkt den gleichheitsbasierten Ansatz, muss jedoch Individuums bezogene, reaktive Konzepte mit proaktiven Ansätzen zur Verbesserung der Zugänglichkeit verknüpfen. In diesem Sinne profiliert die Autorin die etablierten Maßnahmen des Nachteilsausgleichs als „Teilaspekt des für den Hochschulbereich zentralen UN-BRK-Konzepts ‚Angemessener Vorkehrungen‘“ (S. 120).

Die Möglichkeit der Arbeit mit einem Index für Inklusion wird in dem abschließenden Beitrag zum ersten Themenfeld von Andrea Platte, Stefanie Vogt und Melanie Werner beleuchtet. Dazu werden die Fragen aus den Indices für andere Bildungseinrichtungen und Organisationen allgemein an den Hochschulkontext angepasst. Die Autorinnen sind an der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Fachhochschule Köln tätig und haben für ihre Fakultät die Arbeit mit dem Instrument in einer Arbeitsgemeinschaft Inklusion erprobt. Zugrunde liegt ein Fakultätsentwicklungsplan, der ausgehend von einem weiten Verständnis von Inklusion mit Hilfe eines Aktionsleitfadens für eine inklusive Fakultät umgesetzt werden soll.

Zu Themenfeld 2

„(Empirische) Bestandsaufnahmen zu Studierenden mit Beeinträchtigungen“ ist das zweite Themenfeld, dem sich der Sammelband mit insgesamt vier Beiträgen widmet.

Der erste Beitrag von Christian Kerst, Mitarbeiter im Arbeitsbereich Absolventenforschung am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), wertet Daten aus dem zwölften Konstanzer Studierendensurvey (KSS) aus, der im Wintersemester 2012/13 durchgeführt wurde und erstmalig Fragen zu Behinderung und chronischen Erkrankung enthält. Der Beitrag geht sehr ausführlich auf die Unterschiede zur Frage nach Beeinträchtigungen in der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) aus dem Jahre 2013 und der 2011 durchgeführten Datenerhebung zur Situation Studierender mit Behinderung und chronischer Erkrankung, die ebenfalls im Auftrag des DSW durchgeführt wurde. Ein über diese Studien hinausgehender Erkenntnisgewinn liegt darin, dass beeinträchtigte Studierende auf größere Schwierigkeiten stoßen, soziale Bezüge in der Hochschule zu aufzubauen und zu pflegen. Der Beitrag schließt mit Vorschlägen zur Verbesserung der Datenlage und empfiehlt insbesondere ein Panel-Design sowie qualitative Erhebungen.

In der Tradition der Studienerfolgsforschung wertet Björn Fissler empirische Studien vor allem aus dem englischsprachigen Raum aus, die sich mit Fragen eines erfolgreichen Studiums von Studierenden mit Beeinträchtigungen auseinandersetzen. Die Auswertung macht deutlich, dass der sozialen Integration eine zentrale Bedeutung zukommt, die in dem Beitrag von Christian Kerst gerade als problematisch herausgestellt wurde. Die Art der Beeinträchtigung, insbesondere die Sichtbarkeit und der Status sind wichtige Indikatoren für den Studienerfolg, jedoch eher im Hinblick auf die Haltung anderer und die Ausgestaltung von Unterstützungsangeboten. Überraschend ist das Ergebnis, dass keine Studien vorliegen, die Barrierefreiheit als möglichen Erfolgsfaktor untersuchen. Insgesamt spricht sich Fissler dafür aus, in der Studienerfolgsforschung nicht nur das Individuum zum Gegenstand der Forschung zu machen, sondern „die Institution Hochschule, die dort tätigen Akteure, ihre Einstellungen und Haltungen sowie die Beziehung zwischen Hochschule und Studierenden“ (S. 174). Es wundert etwas, dass das von CHE Consult entwickelte und angewandte Instrument QUEST (vgl. www.che-consult.de/services/quest/diversity-report/) nicht in die Auswertung einbezogen wurde, obwohl es in die Tradition der Studienerfolgsforschung einzuordnen ist.

Die Anforderungen an ein inklusives Studienangebot aus der Perspektive von Menschen mit Asperger-Syndrom oder Hochfunktionalem Autismus versuchen Andreas Eckert und Niels Niederegg zu erfassen. Die Autoren gehen von den Diagnosekriterien und daraus resultierenden Vermutungen über Auswirkungen auf ein Studium aus. Dem gegenüber stellen sie Ergebnisse einer nicht-repräsentativen Online Befragung und die Auswertung eines qualitativen Interviews durch ‚Anekdoten‘ der Lernbiografie. Deutlich wird, dass eine inklusive Hochschule auf „das Interesse am Gegenüber, das Interesse an der anderen Person“ (S. 187) angewiesen ist. Sie empfehlen ein individuelles Coaching Angebot, mit dem zwischen der Besonderheit der Studierenden und den für sie problematischen Bedingungen im universitären Alltag vermittelt werden kann.

Der abschließende Beitrag zum zweiten Themenfeld von Nicole Viktoria Przytulla passt zwar nicht ganz hier hin, bietet jedoch einen sehr originellen und weiterführenden theoretischen Ansatz zum Verständnis der Benachteiligung von Studierenden mit Behinderungen an Hochschulen. Im Rahmen eines Promotionsvorhabens geht die Autorin dem Widerspruch zwischen einer erfolgreichen Implementierung von Nachteilsausgleichen für Studierende mit Behinderungen und ihren sehr begrenzten Wirkungen nach. Sie greift dabei auf den Ansatz des portugiesischen Soziologen Boaventura De Sousa Santos auf. An den auf Focault und Bourdieu zurückgehenden Analysen von Benachteiligung, kritisiert sie, dass sie die Alternativen im System und ihr konkret utopisches Potential nicht sichtbar machen können. Santos bezeichnet demgegenüber die jeweils hegemonialen Strukturen als ‚Monokulturen‘ und stellt diesen eine ‚Ökologie‘ gegenüber, die die „Idee der Vielfalt und die nicht-hegemoniale Beziehung der Erfahrungen und Praktiken zum Ausdruck bringen“ (S. 207). In ihrer noch nicht vollständigen Analyse kommt sie zu dem Zwischenfazit, dass „einige der gängigen Instrumente des inklusiven Studiums eher die monokulturelle Ausrichtung der Hochschulen stärken, aber auch ‚ökologisches‘ Potential enthalten“ (S. 217).

Zu Themenfeld 3

Der abschließende Teil des Sammelbandes ist mit drei Beiträgen den „Übergängen Studierender in den Beruf“ gewidmet. Jana Bauer, Susanne Groth, Mathilde Niehaus und Thomas Kaul beschäftigen sich mit dem Weg zur Promotion, der für interessierte Studierende mit Behinderungen durch Barrieren beim Zugang zu Promotionsstellen oder anderen Finanzierungsquellen und durch die Schwierigkeit gekennzeichnet ist, einen behinderungsbedingten zusätzlichen Bedarf zu finanzieren. Sie stellen das im Jahre 2013 gestartete Projekt ‚PROMI – Promotion inklusive‘ (http://promi.uni-koeln.de) vor, mit dem 45 schwerbehinderten Akademiker*innen der Weg zu Promotion durch eine auf drei Jahre befriste Stelle eröffnet werden soll. Das Projekt wird an der Universität zu Köln begleitet und ausgewertet und soll zur Sichtbarmachung des akademischen Nachwuchses mit Behinderungen an Hochschule beitragen.

Durch den sprachlichen Duktus als persönliche Lebensgeschichte und durch einen besonderen Satz des Textes von den anderen Beiträgen abgesetzt, thematisiert Inga Scharf da Silva in einer ethnografischen Selbststudie den Umgang mit Hörbehinderungen in der Gesellschaft und im Bildungswesen. Ihr Werdegang ist durch die Zuschreibung der Behinderung und damit einhergehende Annahmen geprägt. „Erst bei dem Projekt PROMI [s. oben], wo meine Behinderung eine Voraussetzung war, gab es dieses Problem nicht. Ich durfte einfach über mein Forschungsthema reden und wurde nicht auf das Wesen der behinderten Frau reduziert“ (S. 241).

Ein weiterer und den Sammelband abschließender Beitrag stammt ebenfalls aus dem Kontext des Departments Heilpädagogik und Rehabilitation der Universität zu Köln. Jana Bauer, Susanne Groth und Mathilde Niehaus, gehen auf die Herausforderungen der Hochschulen an der Schnittstelle zum Arbeitsmarkt ein. Die Auswertung von Daten der Bundesagentur und des Bildungsberichtes aus dem Jahre 2014 zeigt ein sehr hohes und steigendes Risiko der Arbeitslosigkeit dieser Gruppe. Die Hochschulen – so das Fazit – verfehlen „das Ziel der ‚employability mit disability‘ also der chancengerechten beruflichen Qualifizierung“ (S. 256). Sie fordern, der Finanzierung behinderungsspezifischer Mehrbedarfe insbesondere bei der Absolvierung von Praktika und bei Auslandsaufenthalten sowie individualisierten und inklusionsorientierten Beratungsangeboten im Rahmen der Career Services eine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken.

Diskussion und Fazit

Der Sammelband wird seinem Anspruch, neue Perspektiven für Praxis und Forschung in Bezug auf die Entwicklung einer inklusiven Hochschule zu präsentieren, in vollem Umfang gerecht. Es handelt sich um eine sehr gelungene Mischung aus praxis- und forschungsorientierten Beiträgen, wobei viele Texte beide Perspektiven verbinden. Nicht nur hinsichtlich des Umfangs bildet die Auseinandersetzung mit Strategien und Instrumenten zur Entwicklung von inklusiven Strukturen an Hochschulen den Schwerpunkt des Bandes. Die Beiträge präsentieren in überzeugender Weise Handlungsansätze und -beispiele auf der Ebene der Hochschulpolitik und der inneruniversitären Steuerung. Im zweiten Teil des Sammelbandes hätte man sich eine stärker systematische Darstellung und Auseinandersetzung mit den verfügbaren empirischen Studien gewünscht. Die nicht wenigen vorliegenden empirischen Untersuchungen kommen an unterschiedlichen Stellen zur Sprache. Die Bezugnahmen bleiben jedoch für Leser*innen, die einen Überblick über die empirische Forschung in diesem Feld suchen oder sich mit methodischen Fragen der Untersuchung von Beeinträchtigungen hinsichtlich der Wirkung auf die Hochschulbildung beschäftigen wollen, eher unzusammenhängend.

Bei der Konzeption des Sammelbandes wurde entschieden, von einem auf Behinderungen bezogenen Ansatz der Inklusion auszugehen. Dies ist angesichts der Komplexität der Themenstellung gut nachvollziehbar. In vielen Beiträgen gelingt es jedoch sehr gut, zumindest einen Bezug auf die weitergehende Frage des Umgangs mit Verschiedenheit herzustellen. Eine weitere Einschränkung bezieht sich auf die Konzentration auf das Hochschulstudium. Lediglich in zwei Beiträgen wird mit Bezug auf den Zugang zu Promotionen der Wissenschaftsbetrieb in den Blick genommen. Die Auseinandersetzung mit diesem Bereich ist für die zukünftige Diskussion einer inklusiven Hochschulentwicklung unverzichtbar.

Die Lektüre des Sammelbandes kann allen, die sich mit Fragen der Hochschulentwicklung und Fragen eines inklusiven Bildungssystems beschäftigen uneingeschränkt empfohlen werden. Die Beiträge verdeutlichen, dass die Entwicklung einer inklusiven Hochschule noch ganz am Anfang steht.

Summary

The book "Inclusive University. New Perspectives for Practice and Research" was published as the fourth volume of the book series "Diversity and University" and is a collection of 14 independently developed contributions. The focus lays on improvements for students with impairments. The first and most extensive part of the collection is dedicated to strategies and tools for the development of an inclusive university. The contributions present convincing approaches and examples for inclusive higher education policy and internal university steering mechanisms. The second contribution deals with (empirical) research about students with disabilities. This part contains articles about different national and international studies and theoretical research approaches, but doesn‘t give a systematic overview. The third part of the anthology deals with the transition of students with disabilities from the university into an occupation.

The anthology fully meets its claim to present new perspectives for practice and research in relation to the development of an inclusive university. It is a very successful mix of practical and research-based contributions, which often connect these two perspectives. The reading can be recommended to all those who deal with the issues of higher education development and the issues of an inclusive education system. The contributions show that the development of an inclusive university is at its very beginning.


Rezensent
Prof. Dr. Albrecht Rohrmann
Professor für Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt soziale Rehabilitation und Inklusion an der Uni Siegen, Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste (ZPE)
Homepage www.bildung.uni-siegen.de/mitarbeiter/rohrmann/
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Zitiervorschlag
Albrecht Rohrmann. Rezension vom 07.01.2016 zu: Uta Klein (Hrsg.): Inklusive Hochschule. Neue Perspektiven für Praxis und Forschung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. ISBN 978-3-7799-3340-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19905.php, Datum des Zugriffs 15.11.2018.


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ISSN 2190-9245

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