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Anke König, Tina Friederich (Hrsg.): Qualität durch Weiterbildung

Cover Anke König, Tina Friederich (Hrsg.): Qualität durch Weiterbildung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. 182 Seiten. ISBN 978-3-7799-3332-8. D: 26,95 EUR, A: 27,70 EUR, CH: 37,10 sFr.

Perspektive Frühe Bildung, Band 3.
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Thema

Welchen Beitrag können Weiterbildungseinrichtungen und deren Angebote für die Qualitätssteigerung in der Frühpädagogik leisten? Dieser Frage geht die vorliegende Veröffentlichung nach und verknüpft damit die aktuelle Qualitätsdiskussion im Kita-Bereich mit der allgemeineren Frage nach lebenslangem Lernen in einer wissensorientierten Gesellschaft. Dreh- und Angelpunkt der Qualitätsdiskussion ist die Qualifikation des Kita-Personals. Üblicherweise wird Professionalisierung nur verkürzt als Folge einer Akademisierung der Frühpädagogik gesehen. Der große Bereich der Weiterbildung, und damit auch die heutigen Potentiale wie Defizite der Weiterbildungsangebote sind zu selten Thema. Zum einen besuchen Erzieherinnen und Erzieher sehr häufig Weiterbildungen. Vom Deutschen Jugendinstitut wurden sie vor Jahren sogar zur fortbildungsbereitesten Berufsgruppe erklärt. Zum anderen handelt es sich aber zumeist um zeitlich und inhaltlich beschränkte Formate, die sich für Teilnehmer/innen selten in Karriereperspektiven und Einkommen übersetzen lassen. Die Weiterbildungslandschaft der sozialen und pädagogischen Berufe ist zudem noch wenig entwickelt und vergleichsweise leistungsschwach. Neue Impulse kommen aus der europäischen Bildungspolitik und daraus abgeleitet vom Deutschen Qualifikationsrahmen für die Weiterbildung von 2011.

Autorinnen und Herausgeberinnen

Dieses Spannungsfeld greifen Anke König und Tina Friederich mit dem vorliegenden Band auf und versammeln hierin acht Beiträge von insgesamt 12 Wissenschaftlerinnen der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF).

  • Anke König ist Professorin für Allgemeine Pädagogik mit Schwerpunkt Frühpädagogik an der Universität Vechta und Leiterin der WiFF.
  • Tina Friederich arbeitet als wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut (DJI).

Entstehungshintergrund

Die WiFF versammelt als Plattform Akteure der Frühpädagogik aus den Bereichen (Bildungs-) Politik, Fachpraxis, Ausbildung und Wissenschaft und ist ein zentraler inhaltlicher und institutioneller Motor für die Professionalisierung der Kindertagesstätten in Deutschland. Der Sammelband ist als dritter Band der WiFF-eigenen Reihe „Perspektiven Frühe Bildung“ erschienen.

Aufbau

Die acht Beiträge des Bandes gruppieren sich in vier Teile:

  • Teil A widmet sich in zwei Texten den konzeptionellen Herausforderungen,
  • Teil B den bildungspolitischen Herausforderungen,
  • Teil C den strukturellen Herausforderungen und
  • Teil D den Zukunftsperspektiven.

Inhalt

Zu den konzeptionellen Herausforderungen (Teil A) gehören im Band erstens die Qualität und damit die Frage nach Indikatoren und Standards hierfür in der Weiterbildung. Hier stellt Anita Meyer die von der WiFF entwickelten vier Qualitätsdimensionen Orientierungs-, Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität vor und diskutiert deren Nutzen für Teilnehmer von Weiterbildungen, für die Träger sozialer Einrichtungen und für die Weiterbildungsanbieter.

Zweitens führen Tina Friederich und Regine Schelle in das neue Paradigma der Kompetenzorientierung ein und fragen nach dessen Auswirkungen auf die Lernorte der Frühpädagogik. Sie stellen fest, dass die Ideen einer Kompetenzorientierung hier erst langsam Einzug halten, der starke Bezug zu Praxisanforderungen dabei aber helfen wird.

In Teil B (bildungspolitische Herausforderungen) ziehen Carola Nürnberg, Joanna Kratz und Jelena Kovacevic eine Zwischenbilanz zur Frage der Durchlässigkeit, also der Öffnung der Hochschulen für beruflich Qualifizierte und der Anerkennung beruflicher und außerhochschulischer Inhalte. Hier können die Autorinnen zumindest mit Blick auf die Anrechnungsverfahren in den (neuen) Studiengängen positive Ergebnisse vermelden, während die Diskussion im Kontext des beruflichen Aufstiegs noch am Anfang steht.

Ein weiterer Text von Regine Schelle und Tina Friederich widmen sich dem Thema Inklusion und der Rolle der Weiterbildung bei ihrer Implementierung. Beide sehen hier einen wichtigen Beitrag der Weiterbildung, mahnen aber an, dass die Implementierung von Inklusion nur soweit vorankommt, wie ein gesamtgesellschaftlicher Konsens hierüber erreicht wird.

In den strukturellen Herausforderungen im Band (Teil C) werden erstens neue Anforderungen an die Weiterbildner (Christina Buschle und Anna Gaigl) und zweitens die Potentiale der Kita als Lernort vorgestellt. Die Autorinnen Katja Fläming und Nicole Spiekermann fordern hierzu v.a. die Etablierung eines funktionierenden Mentoring-Systems.

Im Schlussabschnitt zu Zukunftsperspektiven (Teil D) sind ebenfalls zwei Beiträge versammelt. Jelena Kovacevic fragt nach den Perspektiven einer neuen, kompetenzorientierten Didaktik und Carola Iller spannt zum Thema Lebenslanges Lernen den Bogen noch einmal weit über den Tellerrand der Frühpädagogik hinaus. Sie stellt fest, dass eine Koordination hierfür in Deutschland bislang existiert. Insbesondere das Verhältnis von Hochschulen zu Einrichtungen der Erwachsenen- und Weiterbildung sind unklar. Abschließend plädiert sie für einen Aushandlungsprozess zwischen den relevanten Akteursgruppen mit dem Ziel gemeinsamer Ziele und geklärter Zuständigkeiten.

Diskussion

Die einzelnen Themen werden in der Regel inhaltlich klar, auf dem aktuellen Stand und gut strukturiert vorgestellt. In allen Beiträgen wird deutlich, wie wichtig ein, den veränderten Bedingungen und Anforderungen in der Frühpädagogik angepasstes, Weiterbildungssystem ist. Gerade die Engführung des Weiterbildungsthemas an der Diskussion um lebenslanges Lernen und Kompetenzorientierung verdeutlicht, wo die Herausforderungen inhaltlich liegen und in welche Richtung die Entwicklung gehen muss. Alle beteiligten Akteure müssen aufeinander zugehen, um die notwendige Verzahnung von Theorie und Praxis noch stärker zu realisieren.

Einige Fragen bleiben aber weiterhin offen. Gerade beim Thema Durchlässigkeit ist sicherlich die Anerkennung informeller und lebensbiographisch erworbener Kompetenzen zu diskutieren. Hier fehlt es einerseits an praktikablen Modellen, andererseits überbetont dieser Ansatz die Kritik am bestehenden Hochschulsystem, dieses integriere die notwendige Kompetenz- und Praxisorientierung zu wenig. Zum einen stellt sich die Frage, welcher Typ Lernort eine Hochschule wirklich sein soll. Zum anderen wird übersehen, dass es mittlerweile sehr wohl berufs- und praxisorientierte Studienangebote gibt, die akademische Standards sehr gut mit Strukturen der Weiterbildung verbinden.

Fazit

Auch wenn noch einige Themen und Herausforderungen in der Zukunft warten, unbestritten befindet sich das Aus- und Weiterbildungssystem der Frühen Bildung im Wandel. Der vorliegende Band macht deutlich, dass der Aspekt Akademisierung nur ein Teil dieser Entwicklung sein kann. Ein großer, möglichst sogar wachsender Teil der Qualität beim frühpädagogischen Personal hängt von den Angeboten im Weiterbildungssegment ab. Dieses gilt es deshalb zu stärken und auszubauen. Ob dies gelingt, wird wesentlich davon abhängen, inwieweit Entscheidungsträger bei Trägern und in der Politik bereit sind, diesen Prozess mit Ressourcen und Karriereperspektiven für die Beteiligten zu unterlegen.


Rezensent
Dr. Armin Müller
Studiengangsleiter Institut für Pädagogikmanagement, Steinbeis-Hochschule Berlin
Homepage www.steinbeis-ifpm.de
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Zitiervorschlag
Armin Müller. Rezension vom 21.06.2016 zu: Anke König, Tina Friederich (Hrsg.): Qualität durch Weiterbildung. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. ISBN 978-3-7799-3332-8. Perspektive Frühe Bildung, Band 3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19917.php, Datum des Zugriffs 27.06.2019.


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