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Jutta Helm: Die Kindheitspädagogik an deutschen Hochschulen

Cover Jutta Helm: Die Kindheitspädagogik an deutschen Hochschulen. Eine empirische Studie zur Akademisierung einer pädagogischen Profession. Budrich UniPress (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. 340 Seiten. ISBN 978-3-86388-037-8. D: 39,90 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Thema

In der vorliegenden überarbeiteten und gekürzten Fassung der im Jahr 2013 an der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock angenommenen Dissertation thematisiert Jutta Helm neben der Entwicklung und Konstituierung kindheitspädagogischer Bachelorstudiengänge in Deutschland auch die Konzepte hochschulischer Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte sowie deren Umsetzung. Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutsamkeit und der hohen Erwartungen an den Elementarbereich, die mit vollzogenem Perspektivwechsel der Frühpädagogik von der Betreuungs- zur Bildungsaufgabe einhergehen, verfolgt die Autorin mit ihrer empirischen Studie das Ziel, einen Beitrag zur Diskussion über ein passables Curriculum für angehende Kindheitspädagogen zu leisten. Hierzu geht sie zur Rekonstruktion der Entwicklung von kindheitspädagogischen Studiengängen folgenden Leitfragen nach (vgl. S.15):

  • Wie erfolgte die Entwicklung und Verankerung der kindheitspädagogischen Studiengänge an den Hochschulen?
  • Was zeichnet nach deren Etablierung das Studienfeld aus?
  • Welche inhaltlichen und didaktischen Studienkonzepte wurden für angehende Kindheitspädagogen entwickelt und angeboten?
  • Mit welchen Zielen und Interessen wählen die Studierenden kindheitspädagogische Studiengänge?
  • Wie bewerten die Studierenden das Studienangebot und ihre Lernprozesse?
  • Inwiefern spiegeln sich in der Bildung neuer Studiengänge grundlegende Strukturveränderungen im Bildungswesen wider?

Zur Beantwortung dieser Fragestellungen werden qualitative und quantitative Forschungsmethoden herangezogen, in denen sowohl Experteninterviews mit Professoren als auch schriftliche Befragungen von Studierenden zur Analyse, Perspektive und Bewertung eingesetzt werden.

Autorin

Dr. phil. Jutta Helm, Referentin für Promotionsförderung der Heinrich-Böll-Stiftung, Lehrbeauftragte an der Universität Rostock

Aufbau und Inhalt

Beginnend mit einem Vorwort skizziert Jutta Helm anschließend im Rahmen der Einleitung als erstes Kapitel den Themenbereich, das Forschungsdesign und die Fragestellungen, die Zielsetzung der empirischen Studie und die einzelnen Kapitel ihrer Dissertation.

Zur Beantwortung der Fragestellungen und zur Abbildung des relevanten Forschungsstandes wird im zweiten Kapitel bezugnehmend auf Kindheits-, Hochschul- und Bildungsforschung die Ausbildungsgeschichte für frühpädagogische Tätigkeiten unter Beachtung der Entwicklung wesentlicher Strukturen bis zur Akademisierung der Frühpädagogik hergeleitet. Beginnend mit der Entwicklung und dem Etablierungsprozess der frühpädagogischen Ausbildungsstrukturen werden diese mithilfe von organisatorischen Traditionen und Umbrüchen historisch skizziert. Weiterhin wird die Pädagogische Ausbildung an Hochschulen unter der Beachtung von institutionellen Entwicklungen innerhalb des Hochschulwesens, des Bologna-Prozesses, strukturellen Aspekten bezgl. Niveau und Institutionen, das Theorie-Praxis-Verhältnis und die in der Erziehungswissenschaft problematisierten Aspekte der Disziplinentwicklung und Akademisierung aufgefächert. Aufbauend auf den im nächsten Schritt dargestellten Ergebnissen der Kindheits- und Bildungsforschung als erziehungswissenschaftliche Bezüge zur Akademisierung wird abschließend anhand der Forschungszugänge die theoretische Rahmung der Arbeit vorgestellt.

Das dritte Kapitel erläutert die methodischen Zugänge der Studie, in dem einerseits das qualitative und quantitative Forschungsdesign, die Stichprobenziehung, der Zugang, die Experteninterviews (n=38), die Befragung der Studierenden (n=1000), deren unterschiedliche Erhebungsverfahren und Auswertungsstrategien vorgestellt werden. Ein weiterer Bestandteil des Methodenkapitels ist die vorgenommene Dokumentenanalyse von Studiengangsinformationen hinsichtlich der individuellen Ausrichtung und Gestaltung.

Das vierte Kapitel widmet die Autorin der Darstellung von Analyse und Ergebnissen. Beginnend mit den Ergebnissen aus den Experteninterviews werden die unterschiedlichen Entwicklungsprozesse und Studienprofile der kindheitspädagogischen Studiengänge aus der Perspektive der Studiengangsleitungen dargestellt. Hierzu beleuchtet Jutta Helm vor allem im Bereich der Strukturen der Studiengänge aus Sicht der Studiengangsleitungen folgende Themen:

  • die unterschiedliche fachliche und interdisziplinäre Ausrichtung,
  • die selten zur sozialwissenschaftlichen Kindheitsforschung bezugnehmenden Ausführungen zu Kindheitskonzepten und elementarer Bildung und den Einsatz aktueller Fachliteratur zur Kinder- und Kindheitsforschung,
  • den Theorie-Praxis-Transfer,
  • die akademisierte Theorie- und Forschungsorientierung und den Lehr-Lern-Arrangements im Vergleich zur Erzieherausbildung,
  • die Prüfungsordnungen, die Modularisierung und der damit einhergehenden hohen Prüfungsdichte von Qualifikationszielen
  • die beruflichen Profile und Zukunftsperspektiven der angehenden Kindheitspädagogen.

Das Kapitel schließt mit der Ergebnisdarstellung der quantitativ erhobenen Daten. Zuerst wird ein Einblick über die Studierenden der ersten Studiengeneration unter Beachtung von Geschlechter- und Altersverteilung, Studienzugangsberechtigung, Bildungshintergrund der Eltern, Elternschaft und Studium, Studienmotivation, Finanzierung und Erwerbstätigkeit während des Studiums, gegeben. Folgend präsentiert die Autorin aus Sicht der Studierenden die Studienqualität der Lehrveranstaltungen, die Studienleistungen und Erwerb von Kompetenzen, mögliche Weiterentwicklungen im Rahmen der Studienangebote, die beruflichen und akademischen Ambitionen unter Beachtung von Wünschen und möglich auftretenden Problemen.

Im abschließenden fünften Kapitel werden zur Analyse und Ergebnisdarstellung Entwicklungen und erkennbare Veränderungen, u.a. Relationen und Positionierungen im Feld, der Wandel hochschulischer Ordnungen von Lehr-Lern-Prozessen, Lehr-, Studien- und Prüfungspraxis (vgl. Kapitel 5, S. 275-282), innerhalb der Hochschullandschaft kindheitspädagogischer Studiengänge und deren Weiterentwicklung bezugnehmend aufgezeigt und diskutiert.

Diskussion

Aufgrund des in der Untersuchung weit gespannten Bogens und des Forschungsdesigns wünschte man sich als Leserin, dass die Autorin noch besser durch ihren Text führt. Das Inhaltsverzeichnis bildet in den Kapiteln 2,3 und 4 die Inhalte in Unterpunkten ab; die inhaltliche Ausgestaltung, welche in vielen Fällen im Fließtext nochmals in bis zu 5 weiteren inhaltlichen Unterteilungen vorzufinden ist, bleibt im Verzeichnis unerwähnt. Exemplarisch Kapitel 5, im Inhaltsverzeichnis nur als „Die kindheitspädagogischen Studiengänge – Ein akademischer Funke“ (vgl. S. 8) benannt, erstreckt sich jedoch über insgesamt 23 Seiten und 15 inhaltlichen Unterteilungen. Hier wäre zur Nachvollziehbarkeit eine konkretere Abbildung und Auflistung der Inhalte wünschenswert.

Es sei an dieser Stelle betont, dass Jutta Helm mit dem vorliegendem Werk einen gelungenen Überblick über den Weg „von der Ausbildung zur frühpädagogischen Fachkraft bis hin zum Bachelor in Kindheitspädagogik“ und über die Vielfalt der kindheitspädagogischen Studiengänge und deren Akteure bietet. Das Forschungsdesign und die daraus resultierenden unterschiedlichen Perspektiven des Samplings runden die Publikation ab.

Fazit

Die Autorin spannt in der vorliegenden Arbeit einen weiten Bogen, indem sie nicht nur die Entwicklung der Ausbildung frühpädagogischer Tätigkeiten bis hin zur Akademisierung erörtert, sondern ebenfalls einen Überblick über die zum Zeitpunkt der Dissertation aktuellen Hochschullandschaft und deren unterschiedliche Studiengänge im Rahmen der Kindheitspädagogik präsentiert. Weiter ermöglicht sie mithilfe ihres qualitativen und quantitativen Forschungsdesigns einen Einblick in die Perspektiven der Studiengangsleitungen und Studierenden und liefert ebenfalls eine Fülle an Inhalten zur fachwissenschaftlichen Diskussion.

Zu empfehlen ist das vorliegende Buch für all diejenigen, die nicht nur an der Entwicklung, und an der Diversität kindheitspädagogischer Studiengänge Interesse bekunden, sondern ebenfalls an Interessierte, die die Perspektive und Bewertungen der Studierenden zu der dargestellten Hochschullandschaft näher in den Blick nehmen wollen.


Rezensentin
Daniela Lambrecht
M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bachelorstudiengang Erziehung, Bildung und Gesundheit im Kindesalter-Dual, Evangelische Hochschule Nürnberg, Doktorandin im Promotionskolleg „Bildung als Landschaft“
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Zitiervorschlag
Daniela Lambrecht. Rezension vom 26.02.2016 zu: Jutta Helm: Die Kindheitspädagogik an deutschen Hochschulen. Eine empirische Studie zur Akademisierung einer pädagogischen Profession. Budrich UniPress (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. ISBN 978-3-86388-037-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19964.php, Datum des Zugriffs 18.11.2018.


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