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Fabian Kessl, Walter Lorenz u.a. (Hrsg.): European Social Work – A Compendium

Cover Fabian Kessl, Walter Lorenz, Hans-Uwe Otto, Sue White (Hrsg.): European Social Work – A Compendium. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2019. 500 Seiten. ISBN 978-3-8474-0147-6. D: 89,00 EUR, A: 61,60 EUR, CH: 79,00 sFr.
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Thema

Das Thema „European Social Work“ gewinnt in Forschung und Lehre an Bedeutung. Dem Feld widmet sich bspw. die Zeitschrift „European Journal of Social Work“. Es hat auch seinen Platz in der Ausbildung der Sozialen Arbeit in Deutschland gefunden, bspw. im Schwerpunkt „European Social Work“ der Hochschule Koblenz.

AutorIn oder HerausgeberIn

Die HerausgeberInnen der Publikation sind im Feld ausgewiesene WissenschaftlerInnen:

  • Dr. Fabian Kessl ist Professor für Sozialpädagogik an der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften, Universität Wuppertal
  • Dr. Dr. h.c. Walter Lorenz war Professor für Angewandte Sozialwissenschaften an der Fakultät für Erziehungswissenschaften, Freie Universität Bozen, und ist derzeit Vertragsprofessor für Soziale Arbeit an der Karls-Universität Prag
  • Dr. Dr. h.c. Hans-Uwe Otto war Senior Research Professor an der Fakultät für Erziehungswissenschaft, Universität Bielefeld, und Adjunct Professor an der School of Social Policy and Practice an der University of Pennsylvania
  • Dr. Sue White ist Professorin für Soziale Arbeit in der Abteilung für soziologische Studien, Universität Sheffield

Aufbau

Die Publikation beginnt mit einer Einführung und widmet sich dann analytischen und professionellen Perspektiven, um schließlich Positionen und Zukunftsperspektiven der Sozialen Arbeit in Europa zu skizzieren. (European Social Work – an Introduction to the Compendium. Analytical Perspectives: Social Work in Europe and European, Social Work in Post-Welfarist Contexts. Professional Perspectives: Main Approaches of Social Work in Europe and European Social Work. Positions: New Theoretical and Methodological Discourses of Social Work in Europe and European Social Work. Future Perspectives of Social Work in Europe and European Social Work)

Inhalt

Im Einführungskapitel fragen die Herausgeber ‚Is there such a thing as „European Social Work“?‘ Zwar verweisen sie auf europäische Verbände im Bereich der Sozialen Arbeit und europäische Studienprogramme (und später auch auf wissenschaftliche Publikationsreihen und Zeitschriften), dennoch scheint es keine einheitliche Definition einer „European Social Work“ zu geben, sodass mit dem „Compendium“ ein breiteres Verständnis davon entwickelt werden soll, was „European“ für „Social Work“ bedeuten kann und eine positive Version einer „European Social Work“ als Paradigma für die Entwicklung kulturspezifischer, aber theoretisch fundierter und universell ausgerichteter Modelle zeitgemäßer „Social Work“ herausgebildet werden soll.

Im Kapitel „Analytical Perspectives: Social Work in Europe and European Social Work in Post-Welfarist Contexts“ soll der Entwicklungsstand des europäischen „Program of ‘Welfarism’“ skizziert werden. Die Herausgeber weisen in ihrer Einleitung zum Kapitel auf gesellschaftliche Entwicklungen und politische Kämpfe hin. Für sie ist „Social Work“ Teil eines umkämpften Beziehungsfeldes, auch wenn es bis heute keine etablierte europäische Sozialpolitik gibt. Sie fragen: Was sind die Konsequenzen unterschiedlicher Verständnisse für die Sozialpolitik und die Soziale Arbeit? Diese Frage wird in den verschiedenen Beiträgen des Kapitels in unterschiedlicher Art und Weise aufgegriffen. So untersucht John Clarke in seinem Beitrag „Globalisation, neo-liberalism and the European Union“ wie Prozesse der Globalisierung und das Projekt des Neoliberalismus „das Soziale“ in der Europäischen Union umgestaltet haben. Katja Thane widmet sich in ihrem Beitrag „Risk factors, vulnerability and anti-social behaviour: The issue of drug use“, spezifischen Risikofaktoren und ihren Auswirkungen auf die Praxis „des Sozialen”. Stephen A. Webb behandelt den Einfluss des europäischen Individualismus auf die Soziale Arbeit (European Individualism and Social Work) und Walter Lorenz und Susanne Maurer widmen sich dem Thema „Civil Society, Self-Organisation, and Resistance“. Das Kapitel endet mit einem Beitrag von Dirk Michel-Schertges zum Verhältnis von „Poverty, Social Inclusion and Egalitarianism“.

Im Kapitel „Professional Perspectives: Main Approaches of Social Work in Europe and European Social Work“ werden vielfältige Zugänge gewählt. So behandeln Ilse Julkunen und Andreas Walther das Thema „Social Work and Schooling“ und fragen, wie sozialarbeiterische Praxis in unterschiedlichen schulischen Kontexten konstruiert und durchgeführt wird. Bernd Dollinger und Andrea Kretschmann diskutieren zu „Social Work and Criminal Justice“ und weisen darauf hin, dass zwar nationale Kontextbedingungen für die Tätigkeit der Sozialen Arbeit im Bereich der Strafjustiz nach wie vor entscheidend sind, aber internationale Regeln immer mehr an Bedeutung gewinnen. Elisabeth Brodtkorb und Tony Evans betrachten in ihrem Beitrag „Social Work and Adults“, auf welche Weise die Sozialarbeit mit Erwachsenen in Norwegen und England angegangen wird. Griet Roets, Hartley Dean und Maria Bouverne-De Bie fragen in ihrem Beitrag „Disability Rights and Disability Studies in Social Work: uncovering different interpretations of rights and needs of people with learning disabilities in social work practice“ unter Bezugnahme auf Menschen mit „Lernbehinderungen“ denen immer wieder Anerkennung und Respekt verweigert werden, wie Potenziale einer inklusiven Bürgerschaft geweckt werden können.

Im Kapitel „Positions: New Theoretical and Methodological Discourses of Social Work in Europe and European Social Work“ sollen relevante europäische Themen im Bereich „Social Work“ identifiziert werden. Holger Ziegler spricht in seinem Beitrag „Social Work and the Challenge of Evidence-Based Practice“, davon, dass evidenzbasierte Sozialarbeit eine besondere Konzeptualisierung von Praxis impliziert und Maria Bouverne-De Bie, Filip Coussée, Rudi Roose und Lieve Bradt entwickeln in ihrem Beitrag „Social Pedagogy and Social Wor“ eine Vision von Sozialpädagogik als Perspektive Sozialer Arbeit. Tove Soiland bezieht sich in ihrem Beitrag „New Modes of Enclosures: A Feminist Perspective on the Transformation of the Social“ auf Umstrukturierungsprozesse, die sowohl bezahlte als auch unbezahlte Care-Arbeit umfassen. Jo Moran-Ellis und Heinz Sünker weisen in ihrem Beitrag „Social Work and Childhood in Europe: children’s agency, state relations and realising possibilities through the sociology of childhood“ darauf hin, dass „social studies of childhood“ einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung eines europäischen Modells der Sozialen Arbeit leisten können und auch schon geleistet haben. Wolfgang Schröer und Cornelia Schweppe sprechen in ihrem Beitrag „Transnational Social Work“ von der Bedeutung, die Europa für die alltägliche Sozialpolitik und viele Bereiche der Sozialen Arbeit hat.

Im Kapitel „Future Perspectives of Social Work in Europe and European Social Work“ wird einleitend die Frage nach Gemeinschaftskonzepten für eine europäische Version der „Social Work“ aufgeworfen. Diese Fragestellung wird in zwei Beiträgen des Kapitels aufgegriffen. So behandeln Fabian Kessl, Melanie Oechler und Tina Schröder das Thema „Charity Economy and Social Work“ und verorten es in den Sektoren Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Staat. (Insbesondere die Zivilgesellschaft spielt hier eine wichtige Rolle.) Philipp Sandermann thematisiert in seinem Beitrag „‘Community’ as a Future Perspective of European Social Work“, die Relevanz von „Gemeinschaft“ für die institutionalisierte Sozialarbeit in Europa und welche Zukunftsperspektiven sich ergeben könnten. Er konzentriert sich dabei auf die Kommunitarismusdebatte und Erfahrungen aus Deutschland, Schweden und Großbritannien. Weiterhin wird von den Herausgebern in der Einleitung des Kapitels auf die mit dem Wandel der Tätigkeitsstrukturen einhergehenden Veränderungen der Ausbildungsstrukturen hingewiesen und gefragt, welche Art von Erfahrung und Vorbereitung Studierende als zukünftige Professionelle benötigen und erhalten? Diesen widmen sich zwei weitere Beiträge des Kapitels. Bernd Dewe, Hans-Uwe Otto und Catrin Heite diskutieren das Thema „Professionalization and Future Perspectives of Social Work“ und Annamaria Campanini zeigt in ihrem Beitrag „Social Work Education in Europe“ Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Ausbildung im Feld der Sozialen Arbeit in Europa auf.

Diskussion

Die Publikation „European Social Work – A Compendium“ bietet einen Beitrag zur theoretischen Analyse vorherrschender Trends in der europäischen Sozialpolitik. Auch werden Perspektiven zukünftiger Formen professioneller sozialarbeiterischer Praxis aufgezeigt. Doch erfolgt dies stark aus einer deutschen Perspektive (15 der AutorInnen sind Deutsche, die anderen AutorInnen stammen, bis auf eine Autorin aus Italien, aus West- und Nordeuropa.). Die Perspektive der Mittelmeerländer und der südosteuropäischen Länder und die Bedeutung familialer Strukturen und des informellen Sektors und Entwicklungen wie Migration, Brain- und Care-drain kommen vielleicht auch deshalb etwas zu kurz.

Fazit

Die Publikation hat Studierende und WissenschaftlerInnen der Sozialarbeit/​Sozialpädagogik, Sozialpolitik, Kriminologie, Erziehungswissenschaft und Soziologie auf Master- und Doktorandenebene in ganz Europa und politische Entscheidungsträger im Blick. Das Buch bietet ein Nachschlagewerk zu vielfältigen Themen im Kontext „European Social Work“. Die Beiträge sind vielgestaltig und von unterschiedlicher Qualität.


Rezension von
Prof. Dr. Ludger Kolhoff
Professor für Soziales Management und Leiter des Masterstudiengangs „Sozialmanagement“ an der Fakultät Soziale Arbeit der Ostfalia (Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel). Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmanagement/Sozialwirtschaft an Hochschulen e. V.
Homepage www.ostfalia.de/cms/de/pws/kolhoff/
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Zitiervorschlag
Ludger Kolhoff. Rezension vom 04.03.2021 zu: Fabian Kessl, Walter Lorenz, Hans-Uwe Otto, Sue White (Hrsg.): European Social Work – A Compendium. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2019. ISBN 978-3-8474-0147-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/19979.php, Datum des Zugriffs 12.04.2021.


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