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Michael T. Wurster, Maria von Sachsen-Altenburg u.a.: Helden gesucht. Projektmanagement im Ehrenamt

Cover Michael T. Wurster, Maria von Sachsen-Altenburg, Werner Tiki Küstenmacher: Helden gesucht. Projektmanagement im Ehrenamt. Springer Gabler (Wiesbaden) 2015. 298 Seiten. ISBN 978-3-662-43922-7. D: 29,99 EUR, A: 30,83 EUR, CH: 37,50 sFr.
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Thema

das Buch soll zeigen, mit welchen Methoden und Instrumenten ehrenamtliche Projekte auch von in der Projektarbeit wenig erfahrenen Akteuren zum Erfolg geführt werden können.

Autor und Autorin

Michael T. Wurster, seit 2015 Master im Internationalen Projektmanagement, Networkingexperte, er ist vielfältig ehrenamtlich engagiert.

Maria Prinzessin von Sachsen-Altenburgist Diplom-Betriebswirtin, Expertin für Businessetikette, sie engagiert sich in einem nach ihr benannten gemeinnützigen Verein.

Entstehungshintergrund

Die Autoren wollen mit diesem Buch „einen Beitrag zur Schaffung von professionellen Standards für das Projektmanagement im Ehrenamt leisten“. Mit diesem Buch soll das Ehrenamt in Deutschland darüber hinaus ein „komplettes Instrumentarium zur Steuerung“ erhalten und es sollen gewöhnliche Menschen befähigt werden Außergewöhnliches zu leisten.

Aufbau

Das Buch beinhaltet die fünf Themenblöcke:

  1. Was treibt Helden an? Motive für das Ehrenamt
  2. Die Grundlagen des Projektmanagements
  3. Tipps für Fundraising, Projekt-Präsentationen und Presse-Arbeit
  4. Die besten Tram-Mitglieder finden und halten
  5. Gespräche mit Helden und Mentoren

Die Themenblöcke sind in einzelne Kapitel unterteilt.

Inhalt

Im Teil 1 gibt es eine Einführung in das Projektmanagement im Ehrenamt. Zunächst werden sehr kurz die Projektphasen dargestellt: Planung und Vorbereitung, Projekt-Realisierung sowie die letzte Phase Abschluss/Nacharbeitung. Daneben werden Aspekte wie die unterschiedliche Typen von Ehrenamtlichen sowie Kommentare von Stars (wie z.B. Joachim Gauck oder Rainer Calmund) zum Ehrenamt zitiert.

Ein Abschnitt über das Scheitern von Projekten, als Beispiel wird „Stuttgart 21“ genannt, schließt das Kapitel ab. In diesem Abschnitt werde auch neun „Kräfte“ genannt, die für den Projekterfolg wichtig sind: Leistung, Zeit, Kosten, Umfeld, Team, Kommunikation, Risiken, Netzwerk und Wirksamkeit. Daraus werden drei „Fitness-Stufen“ im Ehrenamt abgeleitet: 1.Management von Projekten, 2.Management durch Projekte und 3.Projektorientierte Organisation (höchste Stufe).

Der Teil 2 befasst sich mit den Managementgrundlagen einzelner Projekte. Hier werden die im ersten Teil erwähnten relevanten Projekt-„Kräfte“ näher ausgeführt.

Beispielweise wird beim Kapitel „Zeit“ ein Ablaufplan und das Prinzip des Balkendiagramms erklärt sowie verschiedene Tipps zur Prioritätensetzung und des Zeitmanagements gegeben.

Das Kapitel zum Thema „Umfeld“, beschäftigt sich in erster Linie mit dem Thema Macht (Projektförderer, -behinderer) und wie dies für das Projekt genutzt werden kann.

Im „Team“-Kapitel werden Team-Mitglieder in 3 Kategorien eingeteilt: „Helden, Durchschnittstypen und Eine Gefahr für alles und jeden“. Darauf folgt ein kurzer Abriss zu den typischen Gruppenphasen und wie die besten Teammitglieder gefunden und gehalten werden können.

Im Abschnitt zum „Netzwerk“ wird sowohl die Bedeutung des Networking für die Projektarbeit analysiert als auch unterschiedliche Umsetzungs- und Einsatzmöglichkeiten diskutiert.

Abgeschlossen wird der Teil 2 durch eine auf ca. 4 Seiten beschriebene Universal-Methode zur Projektsteuerung, die sich an die „simplyfy“-Konzepte anlehnt.

Teil 3 führt über in die „Steuerung von Organisationen durch mehrere Projekte“. Das erste Kapitel ist der Bedeutung und der Entwicklung einer Vision gewidmet. Diese besteht aus den Komponenten: Mission-Statement, Werte, Strategie, Masterplan und der emotionalen Visualisierung. Die beschriebene Methode der Balanced Scorcard soll zur nachhaltigen Projektentwicklung beitragen.

Am Ende des 3.Teils werden noch einige Tipps zum Thema „Führen im Ehrenamt“ gegeben, unter anderem zu einem nicht hierarchischen Führungsstil, zur Lebenssituation von Ehrenamtlichen und zu Legitimation und Delegation.

Teil 4 beschäftigt sich mit Öffentlichkeitsarbeit und Projekt-Marketing

In diesem Block werden verschiedene Werbekanäle in unterschiedlicher Tiefe dargestellt. Besondere Aufmerksamkeit widmen die Autoren dem Internetauftritt, der Presse, Social Media und dem Bereich des Fundraising und Sponsoring.

Zuletzt werden verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung erwähnt, wie zum Beispiel der Wettbewerb Start Social, Social Pioneer, Universitäten, Ecocrowd.

Teil 5, der ca. 1/3 des gesamten Buchinhalts ausmacht, ist eine Sammlung von Interviews mit „Helden und Mentoren“ d.h. mehr oder weniger bekannten Projektgründern, Schauspielern, Unternehmern. Ziel war damit ein „Plädoyer für das Ehrenamt“ zu verfassen.

Allen Teilen 1-5 schließen sich Quellen bzw. Vertiefungen in Literatur oder Web an.

Diskussion

Der Anspruch des Buches ist es, professionelle Standards für das Projektmanagement im Ehrenamt zu schaffen. Außerdem wird ein „komplettes Instrumentarium zur Steuerung“ angekündigt. Drei wesentliche Aspekte kommen meines Erachtens dabei zu kurz:

  1. die öffentliche Finanzierung und ihre Eigenheiten,
  2. die Bedeutung einer fundierten Projektevaluation und auch
  3. das Zusammenspiel Ehren- und Hauptamtlicher.

Insbesondere, wenn – meist Vereine – sich professionalisieren wollen und müssen, ist eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen diesen Akteuren vor allem im Projektmanagement unabdingbar. Dass Projekte ausschließlich durch Ehrenamtliche gestemmt werden, mag in einer Startphase zutreffen, ist aber selten ein Dauerzustand.

Im Bereich der Steuerung werden zwar einige Ansätze aufgezeigt, aber für ein angekündigtes „komplettes Instrumentarium zur Steuerung“ geht das Buch zu wenig in die Tiefe.

Teilweise wird vereinfacht, bspw. dass Manager das Verhalten/die Einstellung von Menschen in drei Kategorien einteilen (Helden, Durchschnittstypen, Eine Gefahr für alles und jeden), dies wird analog auf Projektmitarbeiter übertragen.

Auch kann man darüber streiten ob fünf Seiten Zitate von Stars über das Ehrenamt hilfreich sind oder nicht. Das gilt auch für das letzte Drittel des Buches bei dem die Autoren Interviews mit Helden und Mentoren zusammengestellt haben. Für das Projektmanagement scheint mir der Nutzen dieser Interviews marginal.

Hilfreich sind die Kapitel zur Netzwerkarbeit und der Kräftematrix bei Projekten, diese Aspekte werden in der Praxis gerne vernachlässigt.

Den Schreibstil mit Begriffen wie „Die finale Schlacht“, „Die dunkle Bedrohung“, „Die Entfesselung außergewöhnlicher Kräfte“ sowie verschiedenen Vergleichen/Vorbildern aus Filmen wie Herr der Ringe, Dark Knight oder Ironman ist gewöhnungsbedürftig und ist wahrscheinlich dem Marketinghintergrund der Autoren geschuldet.

Fazit

Das Buch gibt einen Überblick zu einigen relevanten Aspekten des Projektmanagements im ehrenamtlichen Bereich. Der Bereich Finanzierung ist sehr kurz dargestellt und beschränkt sich auf private Mittel, obwohl öffentliche Mittel, speziell wenn es um eine kontinuierliche Förderung geht, im ehrenamtlichen Bereich eine wesentlich größere Rolle spielen. Dadurch ist die Eignung eher bei privat finanzierten Projekten gegeben. Der Inhalt wird vielfach durch Zeichnungen illustriert und aufgelockert. Einen wesentlichen Teil des Buches nehmen Interviews mit Helden und Mentoren ein, der Bezug zum Thema ist dabei nicht immer nachzuvollziehen.


Rezensent
Dipl. Kfm. Dieter Harant
Unternehmensberater für soziale Einrichtungen
Geschäftsführer IBPro e.V.
Homepage www.ibpro.de
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Zitiervorschlag
Dieter Harant. Rezension vom 24.05.2016 zu: Michael T. Wurster, Maria von Sachsen-Altenburg, Werner Tiki Küstenmacher: Helden gesucht. Projektmanagement im Ehrenamt. Springer Gabler (Wiesbaden) 2015. ISBN 978-3-662-43922-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20002.php, Datum des Zugriffs 23.09.2019.


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ISSN 2190-9245

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