Magdalena Plöger-Werner: Epistemologische Überzeugungen von Erzieherinnen und Erziehern
Rezensiert von Dr. Lisa Jares, 08.03.2016
Magdalena Plöger-Werner: Epistemologische Überzeugungen von Erzieherinnen und Erziehern. Die Bedeutung für das pädagogische Handeln in Kindertageseinrichtungen. Springer Science+Business Media GmbH & Co. KG (Berlin) 2015. 282 Seiten. ISBN 978-3-658-09748-6. D: 59,99 EUR, A: 61,67 EUR, CH: 63,50 sFr.
Thema
In dem Buch „Epistemologische Überzeugungen von Erzieherinnen und Erziehern – Die Bedeutung für das pädagogische Handeln in Kindertageseinrichtungen“ wird eine Studie vorgestellt, welche die bereichsspezifischen (auf Naturwissenschaften und Frühpädagogik bezogenen) epistemologischen Überzeugungen von Erzieherinnen und Erziehern untersucht. Darüberhinaus werden in der Studie die Überzeugungen von Erzieherinnen und Erzieher zum Lernen von Kindern näher betrachtet und der Zusammenhang zur naturwissenschaftsbezogenen und bereichsübergreifenden Gestaltung von Lernsituationen aufgezeigt.
Im Ergebnis der Studie zeigt sich, dass sowohl den epistemologischen als auch den lernbezogenen Überzeugungen von Erzieherinnen und Erziehern eine Bedeutung für das pädagogische Handeln beigemessen wird. Insbesondere für den naturwissenschaftlichen Bereich besteht ein indirekter Einfluss, welcher über die lernbezogenen Überzeugungen vermittelt wird.
Autorin
Die Autorin Magdalena Plöger-Werner ist Wissenschaftlicher Mitarbeiterin an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg in der Abteilung für Entwicklungspsychologie und Diagnostik am Institut für Psychologie.
Entstehungshintergrund
Das Buch ist als Dissertation von Magdalena Plöger-Werner an der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Jahr 2015 entstanden.
Aufbau
Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil des Buches werden die theoretischen Grundlagen sowie der aktuelle Forschungsstand, in welchem die Studie sich bewegt dargelegt. Im zweiten Teil folgt die detaillierte Vorstellung der empirischen Untersuchung.
Zu Teil I – Theoretische Grundlagen und Stand der Forschung
Zunächst erfolgt in Kapitel 1 eine bildungspolitische Verortung der behandelten Thematik. Insbesondere wir der Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtung unter besonderem Fokus der naturwissenschaftlichen Bildung dargelegt.
Daran anschließend widmet sich das Kapitel 2 dem Thema der pädagogischen Qualität von Kindertageseinrichtungen.
Kapitel 3 thematisiert daran angelehnt Überzeugungen, wobei der Schwerpunkt auf epistemologischen Überzeugungen, als ein Aspekt von Orientierungsqualität, liegt. Der aktuelle Forschungsstand hinsichtlich der epistemologischen Überzeugungen wird dargelegt. Ebenso werden Ansätze und Befunde zu Lehr-Lern-Überzeugungen und das Modell des evidenzbasierten pädagogischen Handelns vorgestellt.
Kapitel 4 nimmt sich dem Thema der Prozessqualität von Kindertageseinrichtung an. Im fünften Kapitel wird ausgehend von der dargestellten theoretischen Grundlage das derzeit bestehende Forschungsdesiderat sowie die damit verbundene forschungsleitende Fragestellung der Studie skizziert
Zu Teil II – Empirische Untersuchung
Teil II stellt den Hauptteil des Buches dar.
In Kapitel 6 wird zunächst das Forschungsdesign der Interviewstudie zur Annäherung an die Überzeugungen von ErzieherInnen vorgestellt. Die durchgeführte Interviewstudie wird hinsichtlich Erhebung und Auswertung ausführlich dargelegt. Darüberhinaus werden die Ergebnisse der epistemologischen Überzeugungen sowie die Ergebnisse zu den Lehr-Lern-Überzeugungen die sich aus der Interviewstudie ergaben erläutert. Hier wird einerseits der Frage nachgegangen, ob „epistemologische Überzeugungen von ErzieherInnen frei artikulierbar sind und ob die Äußerungen zu den epistemologischen Überzeugungen in verschiedene Typen eingeteilt werden können, die den Ergebnissen anderer Studien ähneln“ (S. 19). Hinsichtlich der lernbezogenen Überzeugungen liegt der Schwerpunkt auf der Zuordnung zu verschiedenen Positionen zum Lernen von Kindern sowie auf dem Herauskristallisieren von Besonderheiten.
In Kapitel 7 folgt die Darlegung des methodischen Vorgehens der Fragebogenstudie. Diese stellt die Hauptstudie des vorliegenden Buches dar. Ausführlich wird die Entwicklung und Erprobung des Fragebogens als Erhebungsinstrument für die Erfassung der epistemologischen Überzeugungen und der Lehr-Lern Überzeugungen dargelegt. Abschließend wird die praktische Durchführung und die Auswertung der Fragebögen vorgestellt.
Kapitel 8 stellt das zentrale Kapitel des vorliegenden Buches dar. Hier werden die Ergebnisse der umfangreichen Studie vorgestellt. Die Beantwortung der Forschungsfrage hinsichtlich der „Vorhersagekraft der bereichsspezifischen Überzeugungen für die bereichsspezifische und bereichsübergreifende Prozessqualität von Kindergärten“ (S. 19).
Abschließend erfolgt in Kapitel 9 eine zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse, welche unter Bezugnahme aktueller fachwissenschaftlicher Erkenntnisse diskutiert werden. Darüber hinaus wird die Arbeit kritisch beleuchtet und ein Ausblick u.a. bezüglich des Nutzens der Studie gegeben.
Diskussion
In dem Werk „Epistemologische Überzeugungen von Erzieherinnen und Erziehern – Die Bedeutung für das pädagogische Handeln in Kindertageseinrichtungen“ wird eine durchgeführte Studie vorgestellt und vor dem Hintergrund bestehender Forschungsergebnisse kritisch diskutiert.
Die Studie nimmt sich einem komplexen und bis dato wenig erforschtem Untersuchungsfeld an. Mit einer ersten Interviewstudie erfolgte zunächst eine Annäherung an epistemologische Überzeugungen von Erzieherinnen und Erzieher. Diese Ergebnisse dienten, gemeinsam mit theoretischen und empirischen Bezügen, für die Fragebogenentwicklung der Hauptstudie. Zentrales Ziel der Studie war die Erfassung der Zusammenhängen, der epistemologischen Überzeugungen sowie der Lehr-Lern-Überzeugungen von ErzieherInnen mit der Prozessqualität in Kindergärten. Die Studie kommt u.a. zu der wesentlichen Erkenntnis, dass „den epistemologischen und auch den lernbezogenen Überzeugungen eine Bedeutung für die professionelle Gestaltung von Lernsituationen zukommt“ (S. 244). Sie konnte darlegen, dass der Einfluss von naturwissenschaftlichen und frühpädagogischen Überzeugungen förderlich für die Prozessqualität von ErzieherInnen ist. Im naturwissenschaftlichen Bereich waren epistemologische Überzeugungen, welche über ko-konstruktivistische Lehr-Lern-Überzeugungen vermittelt wurden, förderlich. Im Bereich der Frühpädagogik zeigte sich, dass „differenzierte epistemologische Überzeugungen eine bessere bereichsübergreifende Prozessqualität begünstigen“ (S. 249). Die Arbeit zeigt auf, dass grundsätzlich die Überzeugungen von frühpädagogischen Fachkräften verstärkt als ein Baustein von professioneller Kompetenz verstanden werden muss und dementsprechend eine Förderung erfolgen sollte.
Da in der Studie zu einem überwiegenden Teil Fachkräfte, welche eine Fachschulausbildung absolviert haben, Gegenstand der Untersuchung waren, wäre es hier insbesondere unter dem Blick der zunehmenden Akademisierung des Feldes interessant, ob sich Unterschiede in den epistemologischen sowie den Lehr-Lern-Überzeugungen hinsichtlich des Ausbildungsniveau zeigen. Das heißt, ob das Ausbildungsniveau einen Einfluss auf eben diese Fragestellung hat.
Fazit
Im Rahmen der Publikation „Epistemologische Überzeugungen von Erzieherinnen und Erziehern – Die Bedeutung für das pädagogische Handeln in Kindertageseinrichtungen“ wurden die auf Naturwissenschaften und Frühpädagogik bezogenen epistemologischen Überzeugungen von Erzieherinnen und Erziehern evaluiert. Die dargestellte Studie bietet eine profunde Grundlage für eine weitere Auseinandersetzung bezüglich der epistemologischen Überzeugungen von ErzieherInnen in Kindergärten im deutschsprachigen Raum. Die Autorin formuliert als Zielgruppe „Dozierende und Studierende der Psychologie mit Schwerpunkt Frühe Bildung und Professionalisierungsforschung“ sowie „Frühpädagogische Fachkräfte und AusbilderInnen“. Als Zielgruppen sollten noch mal explizit Dozierenden und Studierenden der Kindheitspädagogik benannt werden.
Rezension von
Dr. Lisa Jares
Pädagogische Fachberaterin für Kindertageseinrichtungen, Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen in kindheitspädagogischen Studiengängen und Redakteurin des frühpädagogischen Fachportals ErzieherIn.de.
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