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Petra Büker (Hrsg.): Kinderstärken - Kinder stärken Teil 1

Cover Petra Büker (Hrsg.): Kinderstärken - Kinder stärken Teil 1: Erziehung und Bildung ressourcenorientiert gestalten. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. 178 Seiten. ISBN 978-3-17-025240-0. 29,99 EUR.
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Herausgeberin und Autor

Professor Dr. Petra Büker lehrt und forscht im Arbeitsbereich Grundschulpädagogik und Frühe Bildung am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Paderborn.

Die weiteren Autorinnen und Autoren sind die Verfasserinnen und Verfasser der weiteren neun Bände der Reihe „KinderStärken“.

Thema

Das Buch – und auch die zehnbändige Reihe „KinderStärken“ - verfolgt die Grundidee, dass Kinder für die Gestaltung ihrer Lebenswelten über enorme Stärken verfügen, die Familie und pädagogische Fachkräfte erkennen und stärken sollen. Die Beiträge greifen einen ressourcenorientierten pädagogischen Ansatz für Familie, KiTa und Grundschule auf.

Aufbau und Inhalt

Die Herausgeberin greift in ihrem umfangreichen einführenden Aufsatz grundlegende Fragen an die Leitidee „Kinderstärken – Kinder stärken“ auf und stellt dazu soziologische, psychologische und pädagogische Ansätze vor. Sie formuliert „Kinder stärken“ als ein Grundanliegen der Pädagogik und geht auch auf die Forschung über Sichtweisen der Kinder ein, die helfen, die Frage kindgerechter und differenzierter zu beantworten. Die Autorin sieht auch problematische Entwicklungen; so braucht es u.a. strukturelle Veränderungen und Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte, damit „Kinder stärken“ nicht bloße Programmatik bleibt. Sie definiert Aufgabenfelder, z.B. die Interaktionsgestaltung mit Erwachsenem und mit Peers, Differenzierung, individuelle Förderung, Leistungserziehung. Kinder stärken ist aber auch Aufgabe der Eltern.

In den folgenden neun Kapiteln im Umfang von jeweils ca. zehn Seiten greifen die jeweiligen Autorinnen und Autoren ausgewählte Fragestellungen auf, die sie jeweils in einem eigenen Themenband vertiefen. Die Reihenfolge der Beiträge ist gemäß dem Lebensalter geordnet; es gibt auch drei Querschnittsthemen.

  1. Es beginnt Petra Völkel, die ein ganzheitliches Verständnis der frühkindlichen Entwicklung für die ersten drei Lebensjahre vermittelt.
  2. Renate Niesel und Wilfried Griebel thematisieren den Übergang von der Familie in die Kindertageseinrichtung, stellen ein Transitionsmodell vor, das am Bayerischen Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) entwickelt wurde und betonen die Rolle der Fachkraft.
  3. Die Verlagerung der Kindheit in großem zeitlichen Umfang in Institutionen (KiTa) und die stärkere Formalisierung des Bildungsauftrags beschäftigen Dagmar Kasüschke.
  4. Der Übergang in die Grundschule stellt wiederum eine zentrale Entwicklungsaufgabe dar mit vielfältigen Schutz- und Risikofaktoren (Melanie Eckerth / Petra Hanke).
  5. Eine wichtige Rolle als Ressource des Kindes in der Grundschule spielt die Selbstwirksamkeit, dies arbeiten Susanne Miller und Katrin Velten heraus.
  6. Beobachten und Dokumentieren ist das Thema von Agnes Kordulla und Petra Büker. Sie verstehen ihren Beitrag als Problemanzeige der Schieflage, der Kluft zwischen (politischen und fachlichen) Vorgaben und der Praxis. Sie stellen fest, dass es keine entsprechenden Rahmenbedingungen gibt: „Wunsch und Wirklichkeit liegen im Bereich der Bildungsdokumentation offenbar weit auseinander“ (S. 143).
  7. Eine herausfordernde Aufgabe ist es, Kinder zu stärken, die in multikulturellen Lebenswelten aufwachsen (Birgit Hüpping / Petra Büker). Diese Kinder (aber auch andere) wachsen mehrsprachig auf.
  8. Charlotte Röhner und Kathrin König stellen das Sprachförderverhalten der pädagogischen Fachkräfte heraus und fordern, dass jeder Europäer mindestens Landessprache und zwei weitere Sprachen, bei Migrationshintergrund eine davon die Herkunfts- und Familiensprache, erlernen sollten und dies auch schulisch unterstützt werden sollte.
  9. Katja Kochs Beitrag über die Bedeutung des Übergangs von der Grundschule in weiterführende Schulen schließt das Buch ab.

Diskussion

Das Buch ist der Auftaktband einer zehnbändigen Reihe. In dieser Reihe geht es darum, wie Kinder ab Geburt bis zum Ende des Grundschulalters in wichtigen Lebensabschnitten gestärkt werden können, besonders bei normativen Übergängen, die zu kritischen Lebensereignissen werden können.

Im einführenden Kapitel wird die Thematik aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, die „Kinderstärken“ verdeutlicht und „Kinder stärken“ als Grundanliegen der Pädagogik herausgestellt. Damit dies nicht nur Programmatik bleibt, werden Problemfelder diskutiert. Es wird dabei Theorie, Forschungsergebnisse und Praxis verbunden.

Die verbleibenden Kapitel greifen zu jedem der Themen Aspekte auf. Dies geschieht jeweils nur kurz. Man darf gespannt sein, wie die Ausweitung der Thematik jeweils in einem eigenen Buch gelingt.

Zielgruppen

Fachkräfte aus Frühpädagogik sowie Elementar-, Grundschul- und Förderschulpädagogik

Fazit

Der Auftakt der Reihe zum Thema „Kinderstärken – Kinder stärken“ führt in beide Begrifflichkeiten ein. Theoretische, empirische und praxisorientierte Belange werden dabei berücksichtigt. Die weiteren kurzen Kapitel greifen wichtige Lebensalter und wichtige Übergänge von der Säuglingszeit bis zum Ende der Grundschulzeit auf.

Summary

The book is the first volume of a series of ten books. Its topic is the excellence, the potency and the power of children on one side, and the encouraging of children on the other side. Theoretical, empirical and practical issues were elaborated, especially in the introductory chapter. Nine following short chapters discuss important phases of age and important transitions of life, beginning with the infancy up to the end of the transition to the secondary school.


Rezension von
Dr. Dipl.-Psych. Lothar Unzner
Leiter der Interdisziplinären Frühförderstellen im Landkreis Erding im Einrichtungsverbund Steinhöring
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Zitiervorschlag
Lothar Unzner. Rezension vom 21.03.2016 zu: Petra Büker (Hrsg.): Kinderstärken - Kinder stärken Teil 1: Erziehung und Bildung ressourcenorientiert gestalten. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2015. ISBN 978-3-17-025240-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20020.php, Datum des Zugriffs 24.07.2021.


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