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Franz Knieps, Holger Pfaff (Hrsg.): BKK Gesundheitsreport 2015. Langzeit­erkrankungen

Rezensiert von Prof. Dr. phil. Stephan Dettmers, 20.09.2016

Cover Franz Knieps, Holger Pfaff (Hrsg.): BKK Gesundheitsreport 2015. Langzeit­erkrankungen ISBN 978-3-95466-231-9

Franz Knieps, Holger Pfaff (Hrsg.): BKK Gesundheitsreport 2015. Langzeiterkrankungen. Zahlen, Daten, Fakten – mit Gastbeiträgen aus Wissenschaft, Politik und Praxis. BKK Gesundheitsreport 2015. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2015. 454 Seiten. ISBN 978-3-95466-231-9. D: 39,95 EUR, A: 41,15 EUR, CH: 48,00 sFr.

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Thema

Der BKK Gesundheitsreport beinhaltet die datenbasierte Beschäftigung mit Langzeiterkrankungen aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Herausgeber Franz Knieps und Holger Pfaff integrieren Erkenntnisse und Einschätzungen zu dem aktuellen epidemiologischen Stand und Folgen aus den Bereichen Wissenschaft, Politik und Praxis. An dem Gesundheitsreport wirken ingesamt 42 Autorinnen und Autoren mit.

Aufbau und Inhalt

Der Sammelband gliedert sich in sechs Teile.

  1. Krankheitsgeschehen im Überblick
  2. Häufigste Einzeldiagnosen und Diagnosegruppen
  3. Alter, Geschlecht und soziale Lage
  4. Krankheitsgeschehen und Arbeitswelt
  5. Krankheitsgeschehen in Regionen
  6. Der Wandel des Krankheitspanoramas und seine Auswirkungen auf die Gesundheitspolitik

Der Report schließt in Methodik und Datengewinnung unterschiedliche Leistungs- und Versicherungsdaten eines Großteils der BKK-Versicherten ein (S.9). Überzeugend gelingt es, den Versorgungskontext und Definitionen von Langzeiterkrankungen zu integrieren, um mögliche gesellschaftlich relevante Folgen zu diskutieren.

Im ersten Kapitel werden neben aktuellen Zahlen (Jahr 2014) zur Arbeitsunfähigkeit dargestellt. Dazu gehören neben Trends und Entwicklungen auch die häufigsten Diagnosen und weitere Aspekte bei Langzeiterkrankungen. Danach erfolgt eine Aufbereitung von Daten zur ambulanten und stationären Versorgung wie auch zu erfolgten Arzneimittelverordnungen. Sehr gelungen ist hier die Einbindung von zahlreichen Grafiken und Tabellen zur schnellen Orientierung in der komplexen Gesundheitsversorgung. Neben der Darstellung von Fakten werden Bewertungen zur Versorgungsperspektive durch politische Akteure in Landes- und Bundespolitik eingepflegt und es fällt auf, dass eine gesellschaftspolitische Debatte zu den Folgen sozialer Ungleichheit für die gesundheitliche Ungleichheit kaum erfolgt.

Das zweite Kapitel beinhaltet die epidemiologische Aufbereitung häufigster Diagnosen und Diagnosegruppen (S.77ff.). Dabei werden Krankheiten des Muskel-Skelettsystems, psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen, Krankheiten der Atmungsorgane ebenso fokussiert wie auch Daten zur ambulanten und stationären Versorgung im Zusammenhang zu den genannten Diagnosen. Exemplarisch finden sich dann über den „Schwerpunkt Wissenschaft“ (S.125) Beiträge zur Epidemiologie ausgesuchter Erkrankungen. Auch hier findet sich ein hervorragendes Layout unter Verwendung nachvollziehbarer und grafisch ansprechender Abbildungen.

Der Zusammenhang von Langzeiterkrankungen und Alter, Geschlecht sowie sozialer Lage erfolgt im dritten Kapitel. Die erforderlichen Kennzahlen für die Interpretation von Arbeitsunfähigkeitszeiten ergeben sich aus den Mitgliedsdaten der BKK. Deutlich wird, dass die genannten unterschiedlichen Determinanten auf die Entstehung von Krankheiten eine höchst relevante Einflussgröße darstellen. Es zeigt sich auch hier, dass insbesondere Frauen und Menschen ohne Erwerbsarbeit einem deutlich höheren Erkrankungsrisiko ausgesetzt sind. Sehr hilfreich beim Lesen sind die kurzen Zusammenfassungen, die es ermöglichen, die umfangreichen Abbildungen und Tabellen besser einzuordnen. Anschließend werden gesundheitspolitische Aspekte und Strategien zu Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Belastungen im Arbeitsleben und Lohnersatzleistungsdebatten thematisiert.

Zu dem Thema Krankheitsgeschehen und Arbeitswelt werden im vierten Kapitel Wirtschaftsgruppen in Kontext zu Arbeitsunfähigkeitstagen betrachtet. Hier zeigt sich insbesondere die Versichertenstruktur der BKK u.a. aus den Bereichen Metallverarbeitung, Dienstleistungen, Handel. Es lassen sich Ansatzpunkte für mögliche Handlungsstrategien in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen ableiten und entwickeln. Bei der Betrachtung der Langzeiterkrankungen im Zusammenhang zu den Wirtschaftsgruppen sind grundsätzlich psychische Störungen im Vergleich zu Muskel- und Skeletterkrankungen besonders herausragend (S.250). Die Koppelung Wirtschaftsgruppen, Erkrankungen und Versorgungsstruktur im ambulanten und vollstationären Bereich macht deutlich, dass deutlich mehr Frauen im Erwerbsleben hoch belastet sind. Die Vorstellung mehrerer Praxisprojekte zu den Themen Gesundheitsförderung, Prävention und Nachsorge rundet diese Kapitel sinnvollerweise ab. Hier finden sich Beispiele aus der „Initiative Diabetes@Work“ (S.277ff.), „Selbsthilfeförderung für Menschen mit einer Krebserkrankung“ (S.281ff.), ein Modell zur beruflichen Eingliederung nach Muskel-Skelett-Erkrankungen (S.287ff.) sowie betriebliche Gesundheitsförderung zur Stärkung psychischer Gesundheit (S.294ff.).

Das Krankheitsgeschehen in Regionen ist Gegenstand der Betrachtung im fünften Kapitel. Hier werden Daten zur Arbeitsunfähigkeit einschließlich ambulanter und vollstationärer Versorgung bezogen auf die Bundesländer und auch Kreise vorgestellt und bewertet. Damit wird es möglich, unterschiedliche Regionen miteinander zu vergleichen und Rückschlüsse zur jeweiligen Krankheitslast einzuordnen. Damit gelingt es, die schon vorher darstellten Variablen auch auf regionaler Ebene einzubinden und die unterschiedlichen gesundheitlichen Belastungen bundesweit örtlich zu bestimmen. Die hervorragenden Diagramme und Abbildungen geben Interpretationshilfe.

Im sechsten Kapitel gibt es eine abschließende Kommentierung des Vorstands der BKK (Franz Knieps) zum Wandel des Krankheitspanoramas und seine Auswirkungen auf die Gesundheitspolitik.

Diskussion

Der BKK Gesundheitsreport 2015 mit Schwerpunkt Langzeiterkrankungen bereitet in sehr anschaulicher Art und Weise epidemiologische Daten aus dem Datenreservoire der BKK auf. Dies geschieht eben nicht nur durch die reine deskriptive Darstellung, sondern es werden ebenso kurze Memos und Abbildungen angeboten, um komplexe Sachverhalte aufgrund vielfältiger Einflussdeterminanten nachvollziehbar zu veröffentlichen. Das ist den beteiligten Personen überzeugend geglückt. Gleichzeitig ist die Einbindung von Statements aus Politik und Wissenschaft eine gute Möglichkeit, die vorstellten Daten in einen gesundheitspolitischen Kontext zu stellen. Hauptsächlich fokussieren viele Beiträge die epidemiologische Makroebene mit Ausnahme der Projektvorstellungen im Praxisteil. Die gute Qualität der Beiträge ist durchgängig.

Fazit

Der Gesundheitsreport bietet eine sehr gute Möglichkeit, sich mit aktueller Krankheitslast bei Langzeiterkrankungen neben den üblichen Gesundheitsberichten aus Bund und Land zu informieren und den fachlichen Fokus dahingehend zu schärfen. Für Lehrende in gesundheitsbezogener Soziale Arbeit und anderen Gesundheitsberufen sowie auch für ambitionierte Studierende und Praktiker empfiehlt sich die Lektüre uneingeschränkt. Dieses Buch trägt zur besseren Einschätzung der Entwicklung von Langzeiterkrankungen in unserer Gesellschaft bei und zeigt, dass in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung multiprofessionell noch viel zu tun bleibt.

Rezension von
Prof. Dr. phil. Stephan Dettmers
M.A. Klinische Sozialarbeit, Dipl. Sozialarbeiter
Fachhochschule Kiel
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Es gibt 20 Rezensionen von Stephan Dettmers.

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Zitiervorschlag
Stephan Dettmers. Rezension vom 20.09.2016 zu: Franz Knieps, Holger Pfaff (Hrsg.): BKK Gesundheitsreport 2015. Langzeiterkrankungen. Zahlen, Daten, Fakten – mit Gastbeiträgen aus Wissenschaft, Politik und Praxis. BKK Gesundheitsreport 2015. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2015. ISBN 978-3-95466-231-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20024.php, Datum des Zugriffs 30.01.2023.


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