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Christine Preißmann: Glück und Lebenszufriedenheit für Menschen mit Autismus

Cover Christine Preißmann: Glück und Lebenszufriedenheit für Menschen mit Autismus. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. 184 Seiten. ISBN 978-3-17-026868-5. D: 25,00 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 28,70 sFr.
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Thema

Glück und Lebenszufriedenheit sind wichtige Themen für jedes Menschen, also auch von Menschen mit Autismus. Darüber kann man bisher wenig lesen. Im Zentrum des Buchs stehen 38 Berichte von Menschen mit Autismus, die von ihren individuellen Lebensentwürfen- und wegen berichten. Am Ende steht die Erkenntnis, dass die Themen Glück und Zufriedenheit so vielfältig sind, wie das Leben selbst. Für die Definition von Glück gibt es keine feststehenden Kriterien. Es gibt förderliche und weniger förderliche Bedingungen wie z.B. Stress oder unpassende Unterstützungsangebote.

Autorin

Dr. Christine Preißmann ist Ärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie und selbst von Autismus betroffen. Sie hat mehrere Bücher geschrieben und hält regelmäßig Vorträge.

Aufbau und Inhalt

Das Buch umfasst 184 Seiten, die sich in sechs Kapitel und zahlreiche Unterkapitel gliedern. Diese sind nicht durchnummeriert. Am oberen Seitenrand findet man links den Titel des Buches und rechts die Überschriften des jeweiligen Abschnitts. Das Stichwortverzeichnis am Ende des Buches erleichtert die Suche nach bestimmten Begriffen.

  • Vorwort
  • Eine persönliche Betrachtung: Was bedeutet Glück für mich?
  • Einführung: Glück und Zufriedenheit
  • Berichte von Betroffenen: Was bedeutet Glück für Menschen mit Autismus?
  • Glück und Zufriedenheit für Menschen  mit Autismus
  • Lässt sich das Glück messen? - und der Versuch einer Zusammenfassung

Hinzu kommen ein Literatur- und ein Stichwortverzeichnis.  

Nach einem allgemeinen Vorwort und der persönliche Betrachtung der Autorin, was Glück bedeutet, beginnt das Buch mit dem ersten Kapitel Einführung: Glück und Lebenszufriedenheit mit einer kurzen Definition der Begrifflichkeiten. Glück kann man in vielen Lebensbereichen finden. Glücklich sein hat eine Verbindung zu Stabilität, aber auch Offenheit für Neues und zu der Möglichkeit eigene Entscheidungen zu treffen. Glück hat immer auch mit den eigenen Erfahrungen, Erwartungen und Erlebnisse zu tun. Das Thema Glück hat aber auch eine Verbindung zu Gesundheit und Inklusion. Wenn man über Glück nachdenkt, kommt man auch zu Fragen zum Sinn des Lebens und was man selbst tun kann, um glücklich zu werden und wie das eigene Glück mit dem der anderen in Zusammenhang steht. Oft zeigt sich das Glücklich sein an Kleinigkeiten.

Neben dieser allgemeingültigen Betrachtung von Glück und Zufriedenheit stellt die Autorin im nächsten Kapitel Berichte von Betroffenen: Was bedeutet Glück für Menschen mit Autismus in den Mittelpunkt. In den 38 Berichten wird über Glück und Lebenszufriedenheit reflektiert und besonders darüber, was der Person selber wichtig ist. Dabei geht es nicht nur um das Glück an sich, sondern auch um hinderliche Bedingungen, die dem Glück im Weg stehen können wie z.B. Stress. Es gibt Stress durch Unerwartetes, Veränderungen und fehlende Selbstbestimmung, Stress durch Sinneswahrnehmungen, Stress durch ungünstige gesellschaftliche Entwicklungen, Stress in der Schule, Stress durch eine ungünstige Arbeitssituation, Stress durch fehlende psychosoziale Unterstützung oder Stress aufgrund der eigenen Persönlichkeitsfaktoren. Hier gilt es besonders, den Fokus auf förderliche Bedingungen zu richten und zu schauen, wie es gelingt, zu entspannen. Genauso wichtig sind sozialen Kontakte, Freundschaft und Partnerschaft. Viele Menschen mit Autismus benötigen Hilfen beim Umgang mit Emotionen, müssen lernen, Unterschiede zu anderen Menschen zu erkennen und Möglichkeiten kennen, sich mit anderen Menschen beschäftigen. Es folgen praktische Alltagshilfen in Hinblick auf Psychoedukation, Kompetenztraining und Bewältigungsstrategien im Alltag bzw. in Bezug auf die Wohnsituation. Es bedarf an Unterstützung bei psychischen Begleiterscheinungen und körperliche Erkrankungen. An dieser Stelle geht die Autorin kurz auf die Betrachtung der ambulanten ärztlichen Versorgung, auf die Behandlung in Kliniken und auf gesundheitspolitische Aspekte ein. Neben diesen Unterstützungssystemen bedarf es auch der Unterstützung im Hinblick auf die eigene Identität und den Möglichkeiten, sich mitzuteilen, der Betrachtung der individuellen Wünsche und Erwartungen und vor allem der Frage, wie Lebensziele zu realisieren sind. Dabei bewegt man sich in einem Spannungsfeldsfeld von Individualität versus Anpassung.

Das Buch endet mit einem Kapitel, dessen Titel in Form einer Frage formuliert ist: Lässt sich das Glück messen? Hier wird der Versuch einer Zusammenfassung dieses vielschichtigen Themas unternommen. Manche Menschen brauchen passende Unterstützungsangebote auf dem Weg zum Glück. Zufriedenheit ist eng verknüpft mit individuellen Lebensentwürfen, die so vielfältig sind, wie das Leben selbst.

Diskussion

Die vielfältigen Möglichkeiten, die das Leben bietet, sollen im Zuge der Inklusion ja auch Menschen mit Autismus offen stehen. Es gilt also, individuelle Lebensentwürfe zu entwickeln. Viele Betroffene benötigen professionelle Begleitung. Sie sind Experten in eigener Sache und sollten dabei im Mittelpunkt stehen. Es ist notwendig, die individuelle Wünsche, Ziele und Bedürfnisse herauszufinden, um pädagogische, therapeutische und lebenspraktische Maßnahmen in jedem Einzelfall anzupassen. Aus Sicht der Autorin sind auf dieser Grundlage Glück und Lebenszufriedenheit auch für Menschen mit Autismus möglich.

Kern des Buches bilden die persönlichen Erfahrungen der Autorin sowie die Berichte von 38 Menschen mit Autismus, die über ihr Verständnis von Glück reflektieren, von den eigenen Lebensentwürfen berichten und dabei definieren, was für sie Glück und Zufriedenheit bedeutet. Das Streben nach Glück ist so alt wie die Menschheit selbst, da Lebensqualität ein wichtiges Ziel des menschlichen Daseins darstellt.

Das Buch schließt eine Lücke. Bisher aber hat man sich kaum mit Glück und Lebenszufriedenheit bei Menschen mit Autismus beschäftigt. Das ist ohne Frage zu begrüßen! Für mein Empfinden ist das Buch an einigen Stellen etwas oberflächlich geblieben, von einem Fachbuch aus dem Kohlhammer Verlag habe ich bei der Bestimmung, was Glück, Zufriedenheit und Lebensqualität bedeuten, etwas mehr Tiefgang erwartet.

Fazit

Glück und Lebenszufriedenheit sind wichtige Themen jedes Menschen, also auch von Menschen mit Autismus. Darüber kann man bisher wenig lesen. Es gibt keine feststehenden Kriterien, die ins Glück führen, aber es gibt förderliche und weniger förderliche Bedingungen wie z.B. Stress. Wichtig ist, diese Bedingungen zu kennen. Genauso wichtig ist, gemeinsam mit dem jeweiligen Betroffenen die eigenen Wünsche, Ziele und Bedürfnisse zu erkennen und zum Einzelfall passende pädagogische, therapeutische und lebenspraktische Maßnahmen zu finden. Im Zentrum des Buchs stehen 38 Berichte von Menschen mit Autismus, die von ihren individuellen Lebensentwürfen berichten. Dabei stellt man fest: Wie Glück erlebt wird entscheidet jeder für sich und das spiegelt sich in den individuell unterschiedlichen Lebensentwürfen wider. Die Wege zu Glück und Zufriedenheit sind so vielfältig, wie das Leben auch – das gilt für alle Menschen!


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 02.03.2016 zu: Christine Preißmann: Glück und Lebenszufriedenheit für Menschen mit Autismus. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2016. ISBN 978-3-17-026868-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20025.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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