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Martin Haussmann: bikablo 1. Das Trainerwörterbuch der Bildersprache

Cover Martin Haussmann: bikablo 1. Das Trainerwörterbuch der Bildersprache. Neuland Verlag (Geesthacht) 2015. 2. Auflage. ISBN 978-3-940315-21-2. 33,64 EUR.
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Thema

Zeichnerisches Visualisieren wird wieder als Kulturtechnik entdeckt. Einsatzgebiete für die sog. „visual facilitation“ und die sog. „graphic recording“, also die visuelle Begleitung (Moderation und simultane Dokumentation in Wort und Bild) sind überall dort, wo sich Menschen treffen, um miteinander Dinge zu planen, zu erarbeiten und zu besprechen wie z.B. bei Konferenzen, Trainings, Seminare etc, aber auch in der Schule oder im Studium. Mithilfe von Bildern werden Inhalte abstrahiert und pointiert notiert, Wissen wird aufbereitet und organisiert, Kommunikation wird strukturiert.

Entstehungshintergrund

Diese Methode der visuellen Begleitung von Gruppenprozessen wurde in den 1950er Jahren in den USA entwickelt und kam in den 1990er Jahren nach Deutschland. Das hier vorgelegte Material stammt von Martin Haussmann und Holger Scholz, Partner der „Kommunikationslotsen“. Vertrieben wird die Marke bikablo® sowie dazugehörige Materialien über die neuland GmbH &Co KG.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist die 6. überarbeitete Neuauflage aus dem Jahr 2015. Es ist im Querformat (Maße 21 x 10,5 cm) in Spiralbindung erschienen und umfasst 133 Seiten. Jede Seite ist zweigeteilt. Links steht die deutsche, rechts die englische Erklärung. Der obere Rand ist farblich markiert, oben rechts findet man die Seitenzahl, oben links die Überschrift (auch in zwei Sprachen). Unter jeder Zeichnung findet man -ebenfalls zweisprachig – eine Bezeichnung (manchmal bestehend aus mehreren Begriffen). bikablo® ist eine eingetragene Marke. Alles begann mit einem Bild-Karten-Block, eine Art visuellem Wörterbuch. Aus dem Wort „Bild-Karten-Block“ wurde die Marke bikablo®, die für mehr als eine neue Art des Zeichnens steht. Sie versteht sich als eine visuelle Sprache, die man wie jede andere Sprache auch, erlernen kann. Dazu gehören visuelle Vokabeln wie grafische Elemente, Container, Figuren oder Piktogramme. Hinter der Methode des visuellen Zeichnens liegt eine systematische Technik, auch die kann man Schritt für Schritt erlernen. Die Bildvokabeln können zu ganzen Bildwelten kombiniert werden. Das Buch umfasst neben dem Vorwort, einem Schlagwortverzeichnis und elf Erfolgstipps sechs Kapitel. Die Kapitel haben unterschiedliche Farben, sodass man sich einfach zu Recht finden kann.

  1. Schrift/Grafik
  2. Gegenstände
  3. Symbole
  4. Figuren
  5. Situationen
  6. Bilderwelten

Bilder haben eine eigene Kraft. Sie machen abstraktes greifbar. Sie transportieren Inhalte besser als manche Worte. Die Zeichnungen sind einfach gehalten, sodass sie problemlos verwendet werden können. Diese Methode lässt Unnötiges weg, bis dahin, dass nur noch Striche als reines Bildformat da sind. Durch den Einsatz von Farben können Inhalte geordnet und hervorgehoben werden und durch die Kombination von Symbolen lassen sich neue Bedeutungen herstellen. So kann eine eigene Bilderbibliothek entstehen, in der die gelernten Bilder wie Vokabeln erfasst werden.

Regulär werden Inhalte von links nach rechts oder von oben nach unten (unsere Schreib- und Leserichtung) strukturiert. Die Autoren regen an, eine zur Verfügung stehende Fläche frei zu nutzen. Bilder lassen sich vor allem dort gut nutzen, wo Wortsprache versagt. Bilder helfen Inhalte kompakt, bildhaft und erzählerisch zu vermitteln. Ein weiterer Vorteil der Methode ist, dass dafür keine Folien bw. Andere technische Gerätschaften wie z.B. ein Beamer gebraucht werden.

Diskussion

Die Methode der „Visual Facilitation“, also der visuellen Begleitung von Gruppenprozessen wurde in den 1950er Jahren in den USA entwickelt und kam in den 1990er Jahren nach Deutschland. Sie wird hauptsächlich zur visuellen Begleitung (Moderation und Dokumentation) von Gruppenprozessen eingesetzt z.B. bei Besprechungen, Trainings, Seminaren etc, aber auch in der Schule oder im Studium.

Diese eingesetzten Techniken haben sich darüber hinaus auch als Mnemotechnik bewährt. Mit den simultan (parallel neben den Wortbeiträgen) hergestellten Einzelzeichnungen oder großen Wandbildern erhalten die Anwesenden zudem die Möglichkeit, gemeinsam weiterzudenken und zu reflektieren. Diese Notizen dienen auch zur Sicherung wichtiger Erkenntnisse.

Ich habe die Technik des visuellen Zeichnens und Dokumentierens auf einer Bundestagung für unterstützte Beschäftigung (von Menschen mit Lernschwierigkeiten) kennengelernt. Sie wurde dort im Zusammenhang mit der Persönlichen Zukunftsplanung (PZP) eingesetzt. Anhand einer großen Wandzeitung (statt eines schriftlichen Verlaufsprotokolls) wurden die Ergebnisse vorgestellt und darüber hinaus wurde die Entwicklung der Themen und der Verlauf des Prozesses festgehalten. Diese Methode ist in vielen Bereichen einsetzbar, aber auch – und das ist für meinen beruflichen Kontext interessant – für die Arbeit mit Menschen, die nicht lesen und schreiben können oder für diejenigen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, denn die Sprache der Bilder ist universell und damit vielfältig nutzbar.

Fazit

Zeichnerisches Visualisieren wird mittlerweile wieder als Kulturtechnik entdeckt. Dabei geht es darum, Inhalte auf einfache Symbole herunter zu brechen. Die Methode bikablo® hilft dabei, eigene visuellen Fähigkeiten zu erkunden, zu entwickeln und anzuwenden. Einsatzgebiet für die sog. „visual facilitation“ und „graphic recording“, also die visuelle Begleitung (Moderation und Dokumentation) von Gruppenprozessen sind dort, wo sich Menschen treffen, um miteinander Dinge zu planen, zu erarbeiten und zu besprechen wie z.B. Konferenzen, Trainings, Seminare etc, aber auch in der Schule oder im Studium. Mithilfe von Bildern werden komplexe Inhalte abstrahiert und pointiert notiert, Wissen wird aufbereitet und organisiert, Kommunikation wird strukturiert und das Erinnern nachhaltig unterstützt. Eine interessante Methode in vielerlei Handlungsfeldern Mithilfe des hier vorgelegten Buches erhält man einen Einblick, wie es funktioniert und bekommt viele Anregungen, die man direkt in die Praxis umsetzen kann.


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Heilpraktikerin für Psychotherapie. Einrichtungsleitung in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn und freiberuflich in eigener Praxis ABC Autismus tätig. Schwerpunkte: Herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation, Autismus, TEACCH, Erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 16.02.2016 zu: Martin Haussmann: bikablo 1. Das Trainerwörterbuch der Bildersprache. Neuland Verlag (Geesthacht) 2015. 2. Auflage. ISBN 978-3-940315-21-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20026.php, Datum des Zugriffs 20.09.2019.


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