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Eberhard Straub: Das Drama der Stadt

Cover Eberhard Straub: Das Drama der Stadt. Die Krise der urbanen Lebensformen. Nicolaische Verlagsbuchhandlung GmbH (Berlin) 2015. 207 Seiten. ISBN 978-3-89479-915-1. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,50 sFr.
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Thema

Was war die Stadt in ihrer Geschichte und schon immer – und was ist von ihr übrig geblieben? Was bleibt von der europäischen Stadt, ihren Verheißungen und Hoffnungen, aber auch ihren Widersprüchlichkeiten, ihren Konflikten, ihren Ambivalenzen und ihren Gefahren und Gefährdungen?

Sie war schon immer eine besondere Form der Organisation des Politischen und der Ökonomie, sie hatte schon immer eine besondere städtebauliche Gestaltung mit ihren öffentlichen Bauten und ihren zentralen öffentlichen Plätzen und sie hat als europäische Stadt schon sehr früh eine besondere Sozialstaatlichkeit entwickelt, die sie als europäische Stadt auch zu etwas Besonderen werden ließ. Und sie beherbergte von jeher jeweils sehr unterschiedliche soziale Gruppen, Ethnien; kulturelle Diversität war ihr noch nie fremd.

Aber all diese Faktoren haben sich im Laufe der Geschichte verändert, je spezifisch ausgeprägt und die Stadt und ihren Wandel geprägt. Die Polis und die römische Civitas waren Städte, die sich mit der mittelalterlichen Bürgerstadt einerseits noch vergleichen ließen, andererseits aber auch nichts mehr mit ihr gemein hatten. Die industrie-kapitalistische Entwicklung hat die Städte wiederum verändert und bis heute – bis zur postmodernen Stadt – hat sie eine weitere rasante Entwicklung zurückgelegt.

Autor

Eberhard Strauch ist Historiker, freier Journalist und Buchautor.

Aufbau

Das Buch – eine Streitschrift - gliedert sich in acht Kapitel:

  1. Die sterbliche Stadt. Katastrophen und Metamorphosen urbaner Lebensformen
  2. Athen und Rom. Die überschaubare Gemeinde und die unübersichtlichen Metropolen
  3. Alles Neue gefällt. Der Aufbruch in ein neues Europa der Städte
  4. Das große Welttheater. Madrid als die Mutter aller Völker
  5. Urbanität und Höflichkeit. Lebensformen in den Haupt und Residenzstädten
  6. Auf der Suche nach dem verlorenen Stil. Stadtverschönerung in den Verwaltungs- und Industriezentren
  7. Die ungesunde Großstadt. Das bürgerliche Unbehagen am unnatürlichen Asphalt
  8. Die ganze Stadt ist eine Party. Organisierte Lebensfreude aus Angst vor der Unordnung

Zu 1. Die sterbliche Stadt. Katastrophen und Metamorphosen urbaner Lebensformen

Dass die europäische Stadt ihre Wurzeln in der griechischen Polis hat, gehört sicher zu den Binsenweisheiten des Geschichtsunterrichts. Und Europas Wurzeln hat man auch bislang in Griechenland vermutet. Dass es aber dann doch nicht Griechenland war, sondern der Hellenismus, der Orient und Okzident symbiotisch verband und der den Römern diente, um ihre Völker zu hellenisieren, kann man jetzt erst erfahren. Nicht Athen war der Inbegriff der Freiheitsgeschichte, sondern Alexandria. Der Mythos Athen war ein Produkt einer liberalen Denkweise im 19. Jahrhundert. Athen hatte bereits Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. seine Rolle als freie Polis eingebüßt.

Dass die Polis nicht der Inbegriff von Rationalität war und ist, hat Max Weber so nicht behauptet und sicher könnte sich M. Weber auch zu dem Argument zugeneigt fühlen, dass die europäische Rationalität komplexer ist als das, was die Stadt als rationale Organisationsweise des Sozialen, Kulturellen und Politischen seinerzeit war.

Kenntnisreich setzt sich der Autor in diesem Kapitel mit den Entwicklungen, Veränderungen und Krisen der alten Städte auseinander, was hier nur beispielhaft deutlich gemacht werden konnte.

Zu 2. Athen und Rom. Die überschaubare Gemeinde und die unübersichtlichen Metropolen

Die Freiheit gehört in der europäischen Stadt zu Ordnungsdenken. Stadtluft macht frei und Landluft macht eigen. Dieses Rechtsprinzip hat die Stadt zum Zufluchtsort derer gemacht, die den feudalen Strukturen entrinnen wollten. Was dann eine Stadt ist, muss befragt werden. Denn die griechische Polis war ein Personenverband und keine Stadt in dem Sinne, wie wir es in der sozialwissenschaftlichen Stadtforschung verstehen. Es war eine Gemeinschaft derer, die zu ihr gehörten, andere nicht. Auch hier kennen wir die Logik von Integration und Ausgrenzung, die der Stadt immer schon eigen war. Freiheit war immer schon Freiheit der Freien. Und die Freien waren auch die, die sich auch um den Zustand der Gemeinschaft kümmerten. Insofern war die Polis der Inbegriff von guter Verfasstheit des Gemeinwesens und seinem guten Zustand gleichermaßen.

Und es entwickelten sich neue städtische Lebensformen. Der öffentliche Alltag des wehrhaften Bürgers und dessen, der sich um die Geschicke des Gemeinwesens sorgte, wurde quasi angereichert, wozu auch die Hetären beitrugen, aber auch Spiele sorgten für Abwechslung.

Und was wir bisher der Polis zugeschrieben haben: dass sie demokratisch verfasst war, muss korrigiert werden: es waren die hellenistischen Monarchen, die die städtische Lebensform und die mit ihr verbundene Höflichkeit prägten.

Aber auch die negativen Seiten der Großstadt wurden damals schon deutlich: Die Lebens- und Ausdrucksformen der Massengesellschaft homogenisierten, vereinheitlichten den Lebensstil. Dazu tragen auch die öffentlichen Einrichtungen, Bauten und Plätze bei: prächtige Schauplätze, Thermen, Foren und Tempel. Aber Rom war auch keine romantische Stadt, Hochhaussiedlungen prägten den Städtebau und die Wohnung war kein gesellschaftlicher Ort, wo man sich gern aufhielt und der der Repräsentation diente. Schließlich kam das öffentliche Leben zum Erliegen, die Bürger verließen die Stadt und allgemein kam es zum Verfall der Großstädte.Dies alles wird ausführlich erörtert.

Zu 3. Alles Neue gefällt. Der Aufbruch in ein neues Europa der Städte

Die Kirchen gehörten schon immer zur Stadt und zum Dorf und der Wetteifer um die schönste Kirche führte zu Um- und Neubauten.

Und in den Städten herrschten die Reichen und Mächtigen, die nicht mehr nur aus den alten Patriziern und Stadtgründern bestand. Im Zuge der Entwicklung des Handelskapitalismus entstand eine neue (bürgerliche) Schicht: die der Händler und Kaufleute. Geld wird zum Tausch- und damit auch zu einem Kommunikationsmittel und zum Symbol für Leistung. Der Markt wurde nicht nur zum Ort des Tausches, sondern auch zu einem Ort der Repräsentation und Darstellung, ja zur Schaubühne. Es entstand eine Form von Öffentlichkeit, die sich einmal in der Geselligkeit ausdrückte, andererseits aber auch in der Art wie Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft um einen Platz auf diesem Markt rangen.

Zu 4. Das große Welttheater. Madrid als die Mutter aller Völker

Madrid war die erste moderne Stadt - auch eine Stadt ohne Geschichte?

Es war keine Stadt, deren Mauern den Fremden abhielten und keine Stadt, die sich – wie damals Paris – in den engen und verwinkelten Gassen ergoss, sondern eine Stadt, deren Verkehrsführung großzügig angelegt war. Spanische Höflichkeit, das spanische Hofzeremoniell, spanische Etikette waren Anziehungspunkte für junge Kaufleute und Adlige. Die Dynamik dieser Stadt hat viele aus Europa angezogen.

Der Autor beschreibt dann noch das Nachtleben, das mit der Illuminierung der Nacht einherging und er geht auf den Gestaltungswillen des Königs in einer doch eher geschichtslosen Stadt ein – ein Muster, was dann auch die amerikanischen Städte ausmachte: europäische Städte, die als Neugründungen auf keine Geschichte zurückblickten.

Zu 5. Urbanität und Höflichkeit. Lebensformen in den Haupt- und Residenzstädten

In den Haupt- und Residenzstädten konzentrierte sich die politische und wirtschaftliche Macht. Verwaltung und Handel hatten hier ihren Ort der Entfaltung. Und zugleich entwickelten diese Städte eine Dynamik, die sich aus dem Wechselspiel von ständischer Gebundenheit einerseits und individueller persönlicher Freiheit speiste. Dieses Spannungsverhältnis von Freisein im Suchen seines eigenen Glücks und der Abhängigkeit von ständischen Moden, Interessen und Beschränkungen war jetzt auch für die Großstadt typisch, ohne dass sie entmutigend wirkten. Dafür nennt der Autor einige prominente Beispiele wie das des Casanovas.

Weiter geht der Autor auf den Unterschied von Rom und Madrid als die Welt repräsentierende Weltstädte einerseits ein und Paris und London, die durch Bürgerkriege unattraktiv waren und erst später ihre Attraktivität gewannen.

Weiterhin beschäftigt sich Straub mit der Ästhetisierung des Schönen. Die bürgerliche Freiheit als Voraussetzung des Schönen in der Kunst wird auf den Preußen und Historiker Johann Joachim Winkelmann bezogen. Überhaupt wird die Kunst ein Attribut des Urbanen, was auch an die Pariser Salons festgemacht wird.

Deutsche Residenzstädte waren Musterbeispiele einer planenden Vernunft. Wo Großstädte von ihrer historischen Entwicklung und ihrer Struktur alleine schon nicht prädestiniert waren, sie planend weiter zu entwickeln, bildeten die Residenzstädte auch von ihrer Größe her die Möglichkeiten städtebaulich innovativer Entwicklungen. Und es entstand durch Plätze und Parks oder Schlossgärten ein neues Gefühl öffentlichen Präsentierens. Überhaupt hat sich der Öffentlichkeitsbegriff gewandelt; das politisch räsonierende Publikum diskutiert die öffentlichen Angelegenheiten auf der Straße. Es kommt zu einer Politisierung des öffentlichen Raums in der Stadt. Der Autor nennt Mannheim, Karlsruhe, Ludwigslust und Erlangen als Beispiele.

Zu 6. Auf der Suche nach dem verlorenen Stil. Stadtverschönerung in den Verwaltungs- und Industriezentren

Zunächst geht der Autor auf Jakob Burckhardt ein, der befürchtete, dass sich durch die Französische Revolution eine Geisteshaltung durchsetzt, die die europäische Vielfalt durch die Einheit gleichförmiger Sitten und Gewohnheiten zu ersetzen drohte.

Mit der Industriestadt entsteht sicher ein neuer Typus von Stadt, der auch den neuen Bewohnertypus kreierte: den Proletarier, später den Arbeiter. Dementsprechend waren es nicht mehr nur die öffentlichen Bauten, sondern die Fabriken, die das Stadtbild prägten. Und für die Monotonisierung des Stadtbildes waren vielleicht nicht nur die geistesgeschichtlichen Resultate der Französischen Revolution verantwortlich.

Aber auch die Stadtverschönerung sollte vorangetrieben werden und dafür war auch J. J. Burckhardt jeder Eingriff recht. Und die Funktionalität der Stadt machte es auch dem Ästheten schwer, sich mit der Realität abzufinden.

Die Stadt war durch die Logik der Arbeit geprägt. Auch sozialräumlich standen die Arbeitsstätten im Zentrum der Stadt, Zeit ist Geld und Ausbeutung fand auf jeder gesellschaftlichen Ebene statt. Arbeit und Funktionalität standen der Schönheit diametral gegenüber. Dies beschreibt der Autor ausführlich und verweist auf Protagonisten wie Karl Marx. Ebenso beschreibt er die Wohn- und Arbeitsverhältnisse als prekär; Arbeit und Wohnung waren keine gesellschaftlichen Orte der Präsentation und der Identitätssicherung. Und dann geht Straub noch auf das Laster und auf das Kokettieren mit dem Laster ein.

Zu 7. Die ungesunde Großstadt. Das bürgerliche Unbehagen am unnatürlichen Asphalt

Die Großstädter waren schon einmal Europäer, interessiert am Anderen in Europa; nicht abschotten, sondern austauschen, kennenlernen, neugierig sein war die Devise. Großstädte waren schon kulturell heterogen, bevor die sozialwissenschaftliche Diskussion über Fremdheit und Überfremdung ihren Anfang nahm.

Aber es entstand auch ein Unbehagen an der Großstadt. Die Großstadt als krankmachender Moloch, der alles verschlingt. Großstädter hatten keine Heimat, waren wurzellos und unbehaust. Der Autor referiert die Großstadtkritik des 19. Jahrhunderts, die bis ins 20.Jahrhundert hinein reicht. Heimat war Natur, ländliche Idylle, gesundes Leben, Frische und Sauberkeit, die Großstadt hingegen war Lärm, Dreck, Dichte, Verkehr. Bestenfalls war die Vorstadt noch ein Ort der Idylle, nicht richtig Stadt, auch kein Dorf, aber eben nicht die gleiche Hektik und Belastung der Großstadt mitten drin. Das wird von Straub schön beschrieben.

Weiter beschreibt er, wie sich das Verhältnis der Stadtbürger zu ihrer Stadt veränderte. Die Großstädter bedurften der Vergangenheit ihrer Stadt nicht mehr, um in ihr zu leben und sich wohl zu fühlen. Ein Städter zu sein, ein Stuttgarter, ein Münchner oder Hamburger gehörte nicht mehr unbedingt zur Identität der jeweiligen Stadtbewohner. Und nach dem zweiten Weltkrieg kam es zu einer Modernisierung der Gesellschaft, die hier vom Autor in ihren eher fragwürdigeren Facetten beschrieben und angezweifelt wird.

Sicher hat der zweite Weltkrieg mit seinen Folgen der zerstörten Städte einen Modernisierungsschub bewirkt, vielleicht sogar erzwungen. Die Städte wurden schließlich nicht mehr so aufgebaut wie sie vor der Zerstörung aussahen. Das ist das Paradoxon des Krieges. Und sicher hat dieser Modernisierungsschub Dinge hervorgebracht, die man später auch bereute.

Auch die Frage, wie sich Städter in ihrer Stadt verhielten, politisch agierten, den öffentlichen Raum als Schaubühne besetzten, um ihre Interessen zu artikulieren – auch diese Frage kann man differenziert betrachten – hier wurde auf einige eher schwierigere Aspekte verwiesen.

Zu 8. Die ganze Stadt ist eine Party. Organisierte Lebensfreude aus Angst vor der Unordnung

Der Städter ist keine Bürger mehr. Er ist Mensch und als solcher nicht mehr mit der Stadt verbunden. Und Städte wollen bürgerlich sein, aber ohne Bürgertum. Bürgerliche Öffentlichkeit ist keine Öffentlichkeit der Präsentation und des räsonierenden Diskurses mehr; sie ist dem Verfall preisgegeben. Der Straßenanzug ist dem Trainingsanzug gewichen, mit dem man am Samstagmorgen seine Brötchen beim Bäcker einkauft. So, wie der Rollkoffer und der Rucksack eine neue Form der Präsentation des rastlosen Weltstädters werden. Das Spannungsverhältnis von Öffentlichem und Privatem, das eigentlich das Urbane prägt, ist weitgehend aufgehoben. Man gibt sich privat im öffentlichen Raum.

Gleichzeitig ringen die Städte um die Gunst derer, die sich der Events erfreuen, die die Stadt in ihrem Stadtmarketing anbietet. Überhaupt ist Stadtmarketing zu einer entscheidenden Dimension von Stadtpolitik geworden. Und sozialstrukturelle Unterschiede – so der Autor – verschwinden, weil arm und reich fast das Gleiche tut oder Zugang zum Gleichen hat.

Die Citymeilen sind herausgeputzt und Städte entledigen sich mit ihren Gefahrenabwehrverordnungen unerwünschter Zeitgenossen. Der öffentliche Raum wird zunehmend privatisiert, gehört nicht mehr allen und ist sauber und beruhigt.

Und Handeln in der Stadt ist geprägt durch die Stadt. Dementsprechend handeln alle ähnlich in den Grenzen dessen, was die Stadt als Handlungsoptionen ermöglicht. Der Konformismus schafft auch Verhaltens- und Erwartungssicherheiten und gleichzeitig ist das verschwunden, was städtische Öffentlichkeit ausmacht: dass man nämlich mit Unerwartetem, Widersprüchlichem und Ambivalentem umgehen muss, auch wenn man es selbst nicht teilt. So die Diagnose des Autors.

Was muss man also alles fürchten, wenn man heute in der Stadt lebt und ist die Stadt noch das, was wir uns unter einer Stadt vorstellen?

Diskussion

Es ist eine Streitschrift!

Was ist das Drama der Stadt? Ist es die Krise einer urbanen Lebensform oder haben wir es mit einem Drama der Gesellschaft zu tun, in der die Stadt eingebettet ist? Hat die Stadt nicht auch ihre Eigenlogik und ihre eigene Dynamik eingebüßt, mit der sie Integration und Ausgrenzung, Ruhe und Unruhe, Ordnung und Unordnung geregelt hat und haben wir es nicht auch mit gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen zu tun, die sich in der Stadt herauskristallisieren und die sich im Urbanen verdichten, die hier aber weitgehend ausgeblendet werden?

Warum wird diese Eigenlogik der Stadt heute in der sozialwissenschaftlichen Stadtforschung wieder diskutiert? Doch auch, um zu zeigen: seht auf diese oder jene Stadt mit ihren Alleinstellungsmerkmalen. Hamburg integriert seine Bürger anders und grenzt sie entsprechend anders aus als München oder Stuttgart.

Was ist also in diesem Zusammenhang gesellschaftlichem Wandel geschuldet und was ist wirklich Verfall und Defizit. Sind moderne Gesellschaften nicht dadurch geprägt, dass sie in ihrer Komplexität und Differenziertheit keine eindeutiges Werte- und Normensystem mehr anbieten, das einen z. B. einen bürgerlichen Lebensstil von einem nicht bürgerlichen Lebensstil trennt? Müssen wir nicht mit der Vielfalt von Lebensstilen leben, die in all ihrer Widersprüchlichkeit legitim neben einander stehen und ist – und war - die Stadt nicht immer schon Ausdruck dieser Art von Pluralismus?

Das Buch hinterlässt nach dem Lesen den Eindruck, dass man erst jetzt versteht, warum die Stadt in ihrer Geschichte diesen Weg gegangen ist, der auch so unglücklich endet. Ein unheimlich kenntnisreicher Kulturpessimismus kommt zum Vorschein, der dem Städter eigentlich nur signalisieren kann: Pass auf dich auf und möglichweise lebst du falsch, wenn du einige Dinge nicht so siehst wie sie wirklich sind.

Die Vielfalt der Ereignisse und der Geschichten, die die Geschichte der Stadt jeweils garnieren und die der Autor auch schön erzählt, erzeugt eine gewisse Unübersichtlichkeit über das, was jetzt wirklich wichtig ist und versperrt damit auch einen eher analytischen Zugang zum Thema.

Fazit

Wie gesagt: es ist eine kenntnisreiche Streitschrift und keine Analyse der Stadt und ihrer historischen Entwicklung im Kontext der jeweiligen gesellschaftlichen Wandlungsprozesse, in die sie immer auch eingebettet war und ist. In acht Kapiteln werden Formen der Krise der Stadt dargestellt, die von ihren Anfängen bis zur modernen Großstadt reichen. Was also eine Stadt ist, wie man sie als solche erlebt und wie man in ihr lebt, wird sehr kritisch unter die Lupe genommen; ihre Chancen werden dabei nicht weiter diskutiert.

Wer sich die im Buch vertretenen Positionen eh´ schon angeeignet hat, wird sich beim Lesen sehr bestätigt finden; andere werden sich damit kritisch auseinandersetzen (müssen).

Summery

It is no systematically analysis of the city, its history and structure in the context of social change of a whole society. But the city is as part of society involved in this development. In eight chapters the author discusses the crisis of the city from the very beginning of the city in the prehistorical times until the modern or post-modern city nowadays. The author asks what a city nowadays is, how we (must) live in the city and whether we can always still speak from the city. The chances of the city are not the focus of the discussion.

The criticizers of the city will be confirmed in their points of view; others are confronted with a position of pessimism concerning the cultural and social development of the modern city.


Rezensent
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor für Soziologie mit den Schwerpunkten Soziale Probleme, Kommunale Sozialpolitik, Stadtsoziologie, insbesondere Soziale Probleme der Stadtentwicklung, Segregationsprozesse, Stadtumbau
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 18.02.2016 zu: Eberhard Straub: Das Drama der Stadt. Die Krise der urbanen Lebensformen. Nicolaische Verlagsbuchhandlung GmbH (Berlin) 2015. ISBN 978-3-89479-915-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20033.php, Datum des Zugriffs 01.05.2017.


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