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Peter Bofinger: Grundzüge der Volkswirtschafts­lehre

Cover Peter Bofinger: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. Eine Einführung in die Wissenschaft von Märkten : [Extras online]. Pearson Education Deutschland (Hallbergmoos) 2015. 4., aktualisierte Auflage. 642 Seiten. ISBN 978-3-86894-229-3. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 53,20 sFr.
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Thema

Volkswirtschaftslehre im Studium an Universitäten und an Hochschulen ist abstrakt, theoretisch und modellhaft – zumindest wird es so häufig kolportiert und im Empfinden von Studierenden auch so wahrgenommen. Im der deutschen ‚VWL-Lehrbuch-Landschaft‘ fand sich in den letzten Dekaden kaum ein Buch, das den Lesern die VWL auf verständliche Weise näher bringen konnte. Überwiegend wurde auf Werke von amerikanischen Ökonomen zurückgegriffen, die zumindest in der Lehre einen Anwendungsbezug fernab von ökonomischen Modellen sahen und Lehrbücher verständlich schrieben.

Das Lehrbuch ‚Grundzüge der Volkswirtschaftslehre‘ von Peter Bofinger bietet nun eine ‚Volkswirtschaftslehre zum Anfassen‘, und dies endlich von einem deutschen Universitätsprofessor. Anhand von lebensnahen Beispielen wird gezeigt, wie Märkte im Großen und Kleinen funktionieren. Die jeweiligen Simulationen auf einer begleitenden Webseite ermöglichen es dem Leser, Marktprozesse aktiv nachzuvollziehen. In 30 Kapiteln wird ein umfassender Überblick über die moderne Volkswirtschaftslehre geboten.

Das Buch ist als 4. Auflage erschienen. Es bietet neben einer umfassenden inhaltlichen Aktualisierung eine intensive Auseinandersetzung mit der Finanzkrise. In zwei neuen Kapiteln wird die Rolle der Banken als intermediäre, aber auch als Orginatoren von Geld- und Kreditzyklen beschrieben. Neben der globalen Finanzkrise wird die Eurokrise intensiv erörtert. Die unkonventionelle Geldpolitik der großen Notenbanken wird ebenfalls in der Neuauflage diskutiert. Die wachsende Kritik vieler Studenten an den Standardmodellen der VWL wird mit einer kritischen Analyse des AS/AD-Modells, des Standardmodells der Banken und des Geldschöpfungsmultitplikators Rechnung getragen. Die Diskussion über Mindestlöhne wird in der Neuauflage ebenfalls intensiver dargestellt.

Autor

Peter Bofinger ist Professor für Volkswirtschaftslehre, Geld und internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Würzburg und Mitglied im Sachverständigenrat ‚Die 5 Wirtschaftsweisen‘ zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem wichtigsten wirtschaftspolitischen Beratungsgremium der Bundesregierung.

Entstehungshintergrund, Ziele und Zielgruppe

Das Buch ist ein Lehrbuch. Nach eigenen Angaben ist es als ‚Führer durch das weite und nicht immer ganz übersichtliche Gebiet der Volkswirtschaft konzipiert‘. Dabei soll der Leser – mit einem gegebenen Zeitbudget – möglichst viele Einsichten in diese spannende Wissenschaft gewinnen. Das in diesem Buch vermittelte volkswirtschaftliche Denken ist nach eigenen Angaben nicht nur für Studenten der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre von Bedeutung. Es hilft Manager und Menschen, die allgemein an der Wirtschaftspolitik interessiert sind, die täglichen Diskussionen über wirtschaftspolitische Fragen besser zu verstehen und sich dabei ein eigenes Urteil zu bilden.

Aufbau und Inhalt

Schon bei der Gliederung sieht merkt man, dass das Buch sich an den Studierenden direkt richtet. Es sind kein allgemeinen Begriff, abstrakt, sondern Bofinger benutzt direkte Themen, die auch darauf hinweisen, um was e im Buch geht. Dabei ist für jeden was dabei:

Es gibt fünf Pfade durch die Volkswirtschaftslehre:

  • A: Der Fast-Track
  • B: Die Normal-Route
  • C: Spezialpfad „Mikroökonomie und Ordnungspolitik“
  • D: Spezialpfad „Makroökonomie“
  • E: VWL-Marathon

Je nach Interesse und Aufwand kann man den jeweiligen Kapiteln folgen.

Im folgenden sind die Themen der jeweiligen Kapitel dargestellt.

Kapitel 1: Volkswirtschaftslehre zeigt, wie Märkte funktionieren und warum sie auch immer wider nicht funktionieren

  • Warum muss man sich eigentlich mit Volkswirtschafslehre befassen.
  • Volkswirtschaftslehre als Markt-Wissenschaft
  • Die VWL befasst sich mit ganz unterschiedlichen Themen und ist in zweitgroße Hauptgebiete unterteilt.

Teil I: Mikroökonomie

Kapitel 2: Die unsichtbar Hand des Markts: Wie kommt der Aktienkurs für die Hyper Tec Aktie zustande?

  • Die Koordinationsfunktion des Marktes
  • Wir ermitteln den Aktienkurs für die Hyper-Tec AG.
  • Unsere ersten Einsichten in den Marktprozess
  • Zur Vertiefung: warum schwanken die Aktienkurse so stark?

Kapitel 3: Die Arbeitsteilung ist die Mutter des Wohlstandes

  • Märkte sind heute so wichtig, weil die Arbeitsteilung weltweit sehr hoch ist
  • Adam Smith und die Nadelproduktion
  • Die Theorie der Arbeitsteilung und das Prinzip der komparativen Kosten
  • Wie können sich Länder mit geringerem wirtschaftlichen Entwicklungsstand in der weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung behaupten?
  • Schattenseiten der Globalisierung

Kapitel 4: Wie kann man eine arbeitsteilige Wirtschaft am effizientesten organisieren

  • Die Informations- und Koordinationsproblem einer arbeitsteiligen Wirtschaft
  • Die grundlegenden Lösungsansätze „Markt und Hierarchie“
  • Vor- und Nachteile beider Verfahren
  • Warum Planwirtschaften gescheitert sind

Kapitel 5: Der Markt in Aktion

  • Die Koordinationsfunktion des Marktes
  • Die Nachfrage und sie Angebotskurve für Bier
  • Das Prinzip der Konsumentensouveränität: Die Produktion wird durch die Nachfrage gesteuert
  • Wie die Verbraucher über die Änderungen auf der Angebotsseite informiert werden
  • Was gerne verwechselt wird, was wir aber nicht verwechseln dürfen.
  • Konsumenten- und Produzentenrente zeigen, wie die Vorteile des Marktes auf Nachfrager und Anbieter aufgeteilt werden.

Kapitel 6: Wie alle Informationen über die Nachfrageseite in der Nachfragekurve verdichtet werden.

  • Ein schwieriges Entscheidungsproblem: Wie oft soll man ins Kino gehen und wie viel Gläser Bier in der Stammkneipe trinken.
  • Die Budgetrestriktion zeigt, was wir uns leisten können
  • Die Nutzenfunktion zeigt, was uns bestimmte Güter wert sind.
  • Die optimale Konsumentscheidung von Heike, Xaver, Benjamin, und Jens
  • Bier wird teurer
  • Die Marktnachfrage nach Bier
  • In der Nachfragekurve sind alle relevanten Informationen enthalten

Kapitel 7: Wie alle Informationen über die Angebotsseite in der Angebotskurve zusammengefasst werden

  • Die Personalplanung im Brauereikeller
  • Wie viel Bier soll der Wirt anbieten, und macht er dabei Gewinn?
  • Von der individuellen Angebotskurve zur Angebotskurve für den Biermarkt in der kleinen Universitätsstadt
  • Der Markt für Bier in der Universitätsstadt
  • Die langfristige Angebotskurve

Kapitel 8: Anbieter sind am Wettbewerb nicht sehr interessiert: die Welt von Monopolen und Kartellen

  • Bei vollständigem Wettbewerb ist der Preis kein Handlungsparameter eines Unternehmens
  • Durch ein Kartell oder Monopol können die Gäste in einem Bierlokal geschröpft werden.
  • Bei der Wettbewerbspolitik ist der Staat gefragt

Kapitel 9: Die komplexen Welten des Duopols und des monopolistischen Wettbewerbs

  • Das Duopol
  • Das Gefangenendilemma (oder eine erste Einführung in Spieltheorie)
  • Das Stackelbergmodell
  • Das Modell der monopolistischen Konkurrenz

Kapitel 10: Auch auf dem Arbeitsmarkt gelten di Prinzipien von Angebot und Nachfrage

  • … aber man darf den Arbeitsmarkt nicht mit dem Kartoffelmarkt gleichsetzen.
  • Die Nachfrage nach Arbeit geht von den Unternehmen aus
  • Wie lange soll Heike in der Studentenkneipe jobben?
  • Der Arbeitsmarkt für Aushilfskräfte
  • Wie es durch zu hohe Löhne zu Arbeitslosigkeit kommen kann
  • Zur Bedeutung von Gewerkschaften und Tarifverträgen

Kapitel 11: Trotz der hohen Effizienz des Marktes geht es nicht ohne den Staat

  • Das Pareto-Kriterium zeigt, ob mikroökonomisch effiziente Lösungn vorleigen, interessiert sich aber nicht für die Verteilung
  • Weshalb Ökonomen vor Markteintritten durch Politiker eher abraten
  • Warum es aber ohne den Staat nicht geht
  • Wie viel Staat braucht die Wirtschaft
  • Zur Vertiefung: Ludwig Erhardt - der Vater des deutschen Wirtschaftswunders

Kapitel 12: Die Distributionsfunktion des Staates sorgt für den „sozialen Ausgleich“ in einer Marktwirtschaft

  • Für den Markt zählen die Leistungsfähigkeit und die Nachfrage dem mit der Arbeit erstellten Endprodukt
  • Ohne die Distributionsfunktion würden viele Menschen überhaupt kein Einkommen erzielen
  • Wie soll der Staat die Umverteilung vornehmen?
  • Direkte Eingriffe in den Preismechanismus
  • Ein konkretes Anwendungsbeispiel für Eingriffe in den Preismechanismus: der europäische Agrarmarkt
  • Eine Umverteilung durch Steuern ist sinnvoller, aber auch nicht ohne Nebenwirkungen

Kapitel 13: Sozialversicherungssystem und die Allokationsfunktion des Staats

  • Wozu braucht man Versicherungen?
  • Die gesetzliche Rentenversicherung
  • Die gesetzliche Krankenversicherung
  • Die Arbeitslosenversicherung

Kapitel 14: Umweltpolitik und die Allokationsfunktion des Staats

  • Öffentliche Güter
  • Warum haben manch Güter keine Preise
  • Negative und positive externe Effekte
  • Umweltpolitik

Teil II Makroökonomie

Kapitel 15: Ziel der Makroökonomie: magische Viereck und Dreiecke, Zielscheiben und Ziellinien

  • Von der Mikroökonomie zur Makroökonomie
  • Das Magische Viereck
  • Die Akteure der Makroökonomie
  • Zur Vertiefung der Geschichte der Mark als Währung für Deutschland (1871 – 2001)

Kapitel 16: Volkswirtschaftliche Daten und Rechenwerke

  • Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen
  • Die gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnungen
  • Die Zahlungsbilanz
  • Einige Besonderheiten bei der Analyse

Kapitel 17: Wie kommen das gesamtwirtschaftliche Angebot und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ins Gleichgewicht.

  • Ist die Gesamtwirtschaft nichts anders als ein Kartoffelacker
  • Die gesamtwirtschaftlichen Angebotspläne
  • Die gesamtwirtschaftlichen Nachfragepläne
  • Das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht

Kapitel 18: Konjunkturelle Arbeitslosigkeit

  • Theorie der konjunkturellen Arbeitslosigkeit
  • Die Kaufkrafttheorie der Löhne

Kapitel 19: Die Stabilisierungsaufgabe des Staates

  • Die Selbstheilungskräfte des Marktes können unzureichend sein
  • Wie man mit Staatsausgaben für Vollbeschäftigung sorgen kann
  • Auch mit Steuersenkungen kann man die Wirtschaft beleben
  • Antizyklische Fiskalpolitik und ihre Probleme
  • Die automatischen Stabilisatoren
  • Die fiskalpolitischen Regelungen für die Mitgliedsländer der Europäischen Währungsunion

Kapitel 20: Wie der Wirtschaftsprozess durch die Notenbank stabilisiert werden kann

  • Das Zinsniveau ist eine wichtige Determinante der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
  • Die Notenbank kann die gesamtwirtschaftliche Nachfrage mit ihrer Zinspolitik steuern
  • Die Praxis der Geldpolitik ist sehr viel komplexer als unser Modell

Kapitel 21: Das makroökonomische Zusammenspiel zwischen Geld- und Fiskalpolitik

  • Extreme Verläufe der IS-Kurve
  • Institutionelle und politökonomische Faktoren
  • Fallstudie: Makroökonomische Politik in Krisenphasen

Kapitel 22: Wie es zu Inflation kommt und was die Notenbank dagegen tun kann

  • Der Realzins als Steuerungsgröße der Notenbank
  • Die Phillipskurve
  • Wie die Notenbank die Inflationsrate steuern kann
  • Die Rolle der Geldpolitik
  • Angebotsschocks machen der Notenbank das Leben schwer

Kapitel 23: Die neu-keynesianische Makroökonomie

  • Die drei Grundbausteine des neu-keynesianischen Modells
  • Die optimale Geld Geldpolitik bei Angebots- und Nachfrageschocks
  • Die Taylor-Regeln: Geldpolitik anhand einer einfachen Regel
  • Warum die Taylor-Regel nicht so gut sein kann wie eine ‚Optimale Poöitik‘
  • Rationale Erwartungen

Kapitel 24: Makroökonomie, wie sie schon die Großväter lehrten

  • Die LM-Kurve beschreibt das Gleichgewicht am Geldmarkt
  • Theorie der Geldnachfrage
  • Eine sehr mechanistische Theorie des Geldangebots
  • Das IS-LM-Modell in Aktion
  • Vom IS-LM-Modell zum AS-AD-Modell
  • Das AS-AD-Modell gehört eigentlich ins Museum für ökonomische Modell

Kapitel 25: Finanzsystem I: Banken als Intermediäre zwischen Sparern und Investoren

  • Robinson entdeckt die Zukunft
  • Banken erleichtern Finanztransaktionen
  • Der Kapitalmarkt als Alternative zur Finanzierung über Banken
  • Derivate als Absicherungs- und Spekulationsinstrument

Kapitel 26: Finanzsystem II: Geld- und Kreditschöpfung durch Banken

  • Wie eine einzelne Bank mit ihrer Kreditvergabe Geld schöpfen kann
  • Zentralbankgeldbedarf des Bankensystems als Bremse für die Kreditvergabe
  • Preistheoretisches Modell des Kreditmarktes
  • Wie die Notenbank die Geldbasis und die Refinanzierungszinsen der Banken steuert
  • Wie die Notenbank indirekt die Zinsen am Geldmarkt steuert

Kapitel 27: Finanzsystem III: Die globale Finanzkrise und Eurokrise

  • Ursachen der globalen Finanzkrise
  • Eurokrise: Das Problem multipler Gleichgewichte
  • Geldpolitik in der Phase der Finanzkrise

Kapitel 28: Wirtschaftspolitik in einer offenen Volkswirtschaft

  • Der internationale Nachfrageverbund
  • Der internationale Preisverbund (Kaufkraftparitätentheorie)
  • Der internationale Zinsverbund (Zinsparitätentheorie)
  • Makroökonomische Politik in der offenen Volkswirtschaft

Kapitel 29: Wie es zu Schwankungen des Wirtschaftsprozess kommt

  • Determinanten längerfristiger wirtschaftlicher Entwicklungen
  • Determinanten kurz- und mittelfristiger wirtschaftlicher Entwicklungen
  • Konjunkturschwankungen in Deutschland

Kapitel 30: Wirtschaftswachstum und Wohlstand

  • Determinanten von Wirtschaftswachstum: Arbeitsvolumen und Arbeitsproduktivität
  • Was bestimmt die Arbeitsproduktivität?

Diskussion

Bofinger stellt mit diesem Buch ein überragendes Werk zur Verfügung. Das Buch dient in jeglicher Sicht dem Verständnis der Volkswirtschaftslehre. Dabei ist für jeden Anspruch oder jeden Zugang etwas dabei. Mit 642 Seiten könnte das Lehrbuch ja jeden erschlagen, aber durch die Vorgehensweise über verschiedenen ‚Pfade‘ kann sich jeder damit auf seine Weise befassen. Wer einfach mal in die VWL reinschnuppern möchte, nimmt den ‚Fast-Track‘, mit dann knappen fünf Kapitel. Ein kompakter Überblick über die VWL. Wer sich ein ganzes Semester mit der ‚Einführung in die VWL‘ befassen will, kommt gut mit der Normal-Route zurecht (15 Kapitel). Schließlich gibt es noch für Mikroökonomie und Makroökonomie jeweils Spezielle Pfade, die dann diese beiden wirtschaftstheoretischen Fächer abbilden und eine hervorragende Grundlage dafür sind. Die verschiedenen Pfade ermöglichen, je nach Intensität, die VWL mit Ihren wirtschaftstheoretischen Grundlagen, Mikro- und Makroökonomie, zielgruppenorientiert zu lehren oder zu lernen.

Sätze wie: ‚Für Leserinnen und Leser, die es genauer wissen möchten‘ zeigen, dass sich das Buch nicht nur an VWL-Cracks‘ wendet, sondern dass der Autor bewusst an manchen Stellen aus Gründen der Übersichtlichkeit und Lesbarkeit auf zu tiefergehendes oder formal-mathematisches verzichtet, oder es zumindest des dem Leser überlässt, wenn er sich tiefer mit der Materie befassen möchte und in die ‚formalen Tiefen‘ der Ökonomie einsteigen will. Dazu stellt er ‚Info-Boxen‘ zur Verfügung, oder weist darauf hin, dass es nun formal wird.

Jedes Kapitel beginnt (lehrbuchgerecht) mit Lernzielen, die verständlich und ausführlich beschrieben sind. Weitere Info-Boxen werden zu vertiefenden Begrifflichkeiten explizit dargestellt (nur ein paar Beispiele: Modelle, Opportunitätskosten, Homo öconomicus, Coase-Theorem, Subsidiaritätsprinzip; Leverage-Effekt, Rentenanpassungsformel, Liquidität, Big-Mac-Index, aber auch ‚Behaviourel Economoics, ‚Neue Institutionenökonomie‘ etc.). Zum Abschluss jedes Kapitels dann jeweils eine Box mit ‚Schlagwörtern‘, die das Erlernte kurz und knapp in Stichworten zusammenfasst und eine Lernkontrolle ermöglicht. Zusätzlich werden ‚Info-Boxen‘ an geeigneter Stelle zu den bedeutendsten Ökonomen (Keynes, Hayek, Ricardo, Tobin, Friedmann, Stützel, Fisher, Cournot, Marshall, Pigou, etc.) ergänzt. Des weiteren gibt es Aufgaben und dazugehörige Musterlösungen, die auf der Verlagsseite (pearson-studium.de) für Studierende und Lehrende gleichermaßen zur Verfügung gestellt werden. Nach der Registrierung auf der Verlagsseite stehen dort umfangreiche Materialien zur Vertiefung zur Verfügung – eine hervorragendes Instrument, um das Erlernte zu Vertiefen. Für Lehrende gibt es – ebenfalls nach einem ausführlichen Registrierungsprozess – umfassende Materialien, Dozentenfolien zur freien Verwendung – ein unschätzbarer Wert für die Lehre. Ein 18 seitiges Glossarium ist allein schon ein kompakter Überblick zu relevanten VWL-Themen.

Bofinger (als bekennender Keynesianer) hebt sich ab vom Mainstream der Ökonomen, in der Diskussion von Klassikern und Keynesianer wird hier auch eine ‚Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik‘ erläutert, als Gegenpol zur ‚Angebotsorientierten Wirtschaftspolitik‘. Dabei bleibt der Leser frei in seiner Entscheidung, welcher Theorie man nun mehr Glauben schenken könnte. Es gibt dabei genügend Fakten, auf Grundlage derer man sich seine eigene Meinung bilden kann.

Ein kleiner Wermutstropfen ist darin zu sehen, dass in Kapitel 13 die Informationen zur GKV (Gesetzliche Krankenversicherung), nicht mehr auf dem neusten Stand sind, diese aber sicherlich in den nächsten Auflagen (aktuell: 4. Auflage) aktualisiert werden.

In Ergänzung dazu gibt es ein Übungsbuch (siehe separate Rezension).

Fazit

Das Lehrbuch ist für alle geeignet, die sich auf Hochschulniveau mit der VWL befassen wollen. Es werden grundlegende Kenntnisse für Bachelorstudenten vermittelt, aber selbstverständlich auch Masterstudiengänge werden in gewohnter Weise bedient. Das Buch ist mit überzeugender Fachlichkeit, aber auch viel Witz und Ironie geschrieben. Es sprengt den Rahmen dieser Rezension, wenn man alle Highlights aufzählen möchte. Dazu gibt es einfach zu viele. Auch deutsche Besonderheiten (soziale Marktwirtschaft bzw. Themen zu Sozialversicherungssystemen) werden erfreulicherweise thematisiert. Einige aktuelle Themen werden explizit in der neusten Auflage ergänzt und können zur Versachlichung mancher Diskussionen und Wissenschaft und Politik dienen (Beispiele: Mindestlohn, globale Finanzkrise und Eurokrise, unkonventionelle Geldpolitik der großen Notenbanken, Rettungsprogramme). Somit ist es nicht nur für den Hochschulbereich geeignet, sondern für alle, die an Wirtschaftspolitik interessiert sind: Fazit: ein überragendes deutsches VWL-Lehrbuch auf hohem Niveau, zielgruppenorientiert geschrieben, klar und verständlich: sehr empfehlenswert.


Rezensent
Diplomökonom Univ. Uwe Huchler
Analyse und Beratung in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft, Lehrbeauftragter für Volkswirtschaftslehre, Informations- und Wissensmanagement, Informationstechnologie im Gesundheitswesen sowie Sozialinformatik an verschiedenen Hochschulen in Süddeutschland, seit 15 Jahren im Rahmen der Selbstverwaltung in der GKV aktiv (Hamburg Münchener Krankenkasse, DAK Gesundheit), Chefredakteur von www.social-software.de und www.Werkstaetten-im-Netz.de .
Homepage www.uwehuchler.de
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Zitiervorschlag
Uwe Huchler. Rezension vom 25.04.2016 zu: Peter Bofinger: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. Eine Einführung in die Wissenschaft von Märkten : [Extras online]. Pearson Education Deutschland (Hallbergmoos) 2015. 4., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-86894-229-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20045.php, Datum des Zugriffs 24.07.2017.


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