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Richard Hammer, Thomas Hermsen u.a.: Hilfen zur Erziehung

Cover Richard Hammer, Thomas Hermsen, Michael Macsenaere: Hilfen zur Erziehung. Lehrbuch für sozialpädagogische Berufe. Bildungsverlag EINS GmbH (Köln) 2015. 308 Seiten. ISBN 978-3-427-12730-7. D: 19,50 EUR, A: 20,10 EUR, CH: 27,90 sFr.
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Thema

Das vorliegende Buch will einen „Überblick (geben) über die wichtigsten Themenfelder in den Hilfen zur Erziehung“ (Klappentext). Es richtet sich, dem Untertitel und Verlagsmarketing nach, als „Lehrbuch an Schülerinnen und Schüler, sowie Studierende der Sozialpädagogik und Sozialen Arbeit“ (Klappentext). Dass Fachschüler_innen im Erzieher_innenberuf und ihre Lehrkräfte die Zielgruppen dieses Buches sind (nicht aber: Studierende und Lehrende im Fach Soziale Arbeit), erschließt sich dann aus dem Vorwort und der Einführung der Autoren (S. 7ff.; s.u.).

Entstehungshintergrund und Anspruch

Das Buch verfolgt den Anspruch, durch seine spezifische Struktur „das sehr heterogene und komplexe Aufgabenfeld der Hilfen zur Erziehung anschaulich und praxisorientiert zu erschließen“ (S.8) und durch Hinweise auf weiterführende Literatur eine Anregung zu liefern, „das erworbene Wissen zu vertiefen“ (ebd.). Ausgangspunkt der Autoren ist die „Vielschichtigkeit der infrage kommenden Leistungen und Maßnahmen“ (S. 7), das nötige „umfangreiche Fachwissen“ (ebd.) und „besondere fachliche Anforderungen“ (ebd.), die sich „an die Erzieherinnen [sic!] und sonstigen pädagogischen Fachkräfte in den Jugendämtern, Kindertagesstätten, Erziehungsberatungsstellen und Einrichtungen“ (ebd.) stellen.

Als Grundlage des Buches seien, so Verlag und Autoren, „die Lehrpläne der einzelnen Bundesländer“ und „länderübergreifende Entwicklungen berücksichtigt“ (Klappentext; S. 7) worden; man orientiere sich „am kompetenzorientierten Qualifikationsprofil für die Ausbildung von Erzieherinnen an Fachschulen/Fachakademien der Kultusministerkonferenz“ (ebd.) und folge einem „handlungsorientierten Ansatz“, der sich in sieben unterschiedlichen „Lernfeldern“ und vier kompetenzbezogenen „Aufgaben“ (S. 8) konkretisiere. Ergänzend zum Buch stellt der Verlag online Materialien für ein Planspiel, Literatur, Beispiele und Vorlagen zur Verfügung.

Autoren

Die Autoren werden im Buch nicht näher vorgestellt.

  • Mitautor Michael Macsenaere ist im Fach als promovierter Psychologe und geschäftsführender Leiter des privaten Instituts für Kinder- und Jugendhilfe in Mainz v.a. durch seine Beiträge zur Wirkungsmessung bekannt. Seit 2005 ist er Honorarprofessor für Sportpsychologie an der Johannes Guttenberg Universität Mainz.
  • Mitautor Thomas Hermsen ist promovierter Soziologe, diplomierter Verwaltungswirt und Sozialarbeiter. Seit dem Jahr 2000 ist er Professor für Soziologie und Sozialmanagement an der Katholischen Hochschule Mainz.
  • Mitautor Dr. Richard Hammer hat, dies ist dem Literaturverzeichnis zu entnehmen, zur Bewegungserziehung in der Heimerziehung promoviert und veröffentlicht.

Aufbau und Inhalt

Das Buch beginnt mit einem Vorwort der Autoren, das den o.g. Hintergrund aufzeigt und in dem am Schluss sechs „Lernfelder“ und vier „Formen von Aufgaben“ benannt werden, aus denen heraus sich die Kapitel des Buches benennen und erschließen. Denn jedem Kapitel (= „Lernfeld“) sind thematische Abhandlungen und Fallbeispiele zugeordnet, die zusammenfassend mit Fragen und Aufgaben versehen sind, die kompetenzbezogen das „Verstehen“, „Analysieren“, „Planen“ und „Reflektieren“ (S. 8) befördern wollen.

Ein kurzes erstes Kapitel unter dem Titel „Handreichungen“ – (vermutlich) gerichtet an Lehrkräfte und Ausbildungsstätten – verortet das Konzept des Buches im Kontext des kompetenzorientierten Qualifikationsprofils der Kultusministerkonferenz für die Ausbildung von Erzieher_innen und übergreifender Lehrplankonzeptionen (S. 9-12). Nach Verweis auf die Bedeutung der Aneignung von Wissen und Fertigkeiten, wird die Relevanz einer „professionellen Haltung“ (S. 11) besonders herausgestellt und als „personale Kompetenz in den Kategorien Sozialkompetenz und Selbständigkeit“ verortet (ebd.).

Das zweite Kapitel – es soll folgend exemplarisch für die folgenden fünf Kapitel etwas näher unter die Lupe genommen werden – behandelt als erstes „Lernfeld“ die „berufliche Identität und Professionalität in den Hilfen zur Erziehung“ (S. 13ff.). Dazu wird zunächst als Kapitel 2.1 kompakt wie differenziert illustriert in die Geschichte des Feldes eingeführt (S. 14-24; allein: Quellenverweise fehlen). Dabei wird (nur) auf die westdeutsche Heimerziehung in den 1950er/1960er Jahren eingegangen (S.23) und von „Zucht und Ordnung als Erziehungsprinzip“ gesprochen, nicht aber von Strafe und Gewalt als Mittel der Erziehung und des Machtmissbrauchs – ein didaktisches Tool in Form der „Reflexion“ wäre hier geradezu zwingend anzubringen, bleibt aber zunächst aus (S. 24), um dann, als es um „Körperkontakte“ (S. 113) geht, als Rechercheaufgabe zu Beziehungsgestaltung, Alter und Geschlecht umgedeutet (nicht aber: als Machtambivalenz, Gewaltphänomen etc. ausgeleuchtet) zu werden. Die westdeutsche Heimkampagne wird in ihren Folgen mit ökonomischen Kalkülen verquickt (S. 23f.); das Dezentralisierung der Heime beinhaltende Konzept der Alltags- und Lebensweltorientierung bleibt hier (und eklatant: S.188ff.) ebenso unerwähnt, wie die Aufdeckung von Gewalt durch ehemalige Heimkinder ab Anfang der 2000er Jahre – sie findet erst im (recht gelungenen und ausführlichen) Materialienteil (S. 24f.) Erwähnung.

Anschließend wird in Kapitel 2.2 das grundgesetzliche Verständnis von Ehe, Familie, Staat und Individuum vorgestellt und unter (recht eingriffslastigem) Verweis auf den Geltungsbereich des SGB VIII (incl. seiner Vorläuferhistorie) näher verdeutlicht, woran in einem Fallbeispiel heutige professionelle sozialpädagogische Familienhilfe ansetzen könnte (S. 32; die Arbeit am „System“, die sie auszeichnet, kann durch die sich anschließende didaktische Aufgabe u.U. erschlossen werden). Die Schlusspunkte des Kapitels bildet (1.) eine knappe wie treffliche Zusammenfassung, was man aufgrund des aktuellen (14.) Kinder- und Jugendberichtes der unabhängigen Sachverständigenkommission (verkürzt als „Bericht des Bundesministeriums“ bezeichnet) über die Lage von Kindern und Jugendlichen in Deutschland weiß (S. 33f.; hierbei, wie auch sonst, werden Geschlechterfragen nicht näher diskutiert; auch sonst fehlt eine gendergerechte Sprache!). Statt dann spezifisch auch der Veränderung typischer Arbeitsfelder und Aufgaben des Erzieher_innen-Berufs (Stichwort: Krippe/Bildungsauftrag, Kita/Familienzentrum) nachzugehen, wird – das Profil der Autoren ließ dies erwarten – (2.) auf die Kostenentwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe und die fachlich wie politisch gewollte (!) Erweiterung des Leistungsspektrums insgesamt (S. 34f) hingewiesen. Dabei bleiben maßgebliche Effekte des Kinderschutzdiskurses der 2000er Jahre auf den Anstieg der Hilfezahlen außer Acht. Im nächsten Schritt wird (3.) unter Anschluss an das genannte Fallbeispiel der SPFH näher skizziert, was Hilfen zur Erziehung im Rahmen der Hilfegewährung ausmachen, welche Formen es gibt und welche Prämissen gelten (S. 35f.). Schließlich wird auf quantitative und auch auf qualitative Entwicklungstrends in den Hilfen, den Angebotsformen und in der Personalsituation hingewiesen (S. 37-39; auf bestehende Probleme wie Kostendruck, Fluktuation und Burnout-Problematik findet sich allerdings kein Hinweis).

Das dritte Unterkapitel (2.3) setzt sich kurz mit der Struktur des SGB VIII auseinander, in dem zunächst die Gliederung des SGB VIII referiert (S. 41f.) und sodann (erneut) die Kostensituation (S. 42f.) visualisiert wird. Auch hier wird der in den letzten Jahren umfänglich diskutierte und (in §8a) reformierte Kontroll- und Schutzcharakter des Wächteramtes und der „Anderen Aufgaben“ im Kinderschutz ausgeblendet; auch im langen Kapitel zum Jugendamt (S. 72ff.) findet der umfängliche Kinderschutzauftrag keine Erwähnung. Dahin stehen muss außerdem das nur gelistete Hilfeplanverfahren und die Jugendhilfeplanung, die auch später sehr knapp abgehandelt (S. 160-166) bzw. nur in einem indirekten Hinweis (S. 186, 227ff.) einbezogen werden – und das, obwohl gerade das Hilfeplanverfahren in einer kompetenzbezogenen Betrachtung der Arbeit von Erzieher_innen und in der Kooperation mit Nachbarberufen in den Hilfen zur Erziehung einen großen Stellenwert hat – ist doch dessen partizipative Vorbereitung, die Berücksichtigung der Perspektive der jungen Menschen, die Aushandlung der Ziele und deren Umsetzung etc. wesentlicher Gegenstand ihres alltäglichen beruflichen Handelns.

Im vierten Unterkapitel (2.4) werden dann die einzelnen Hilfen zur Erziehung näher vorgestellt; hier werden Zielgruppen, Ziele, methodische Aspekte, Wirkungen und Inanspruchnahme skizziert (S. 43-70; z.T. fehlen Quellenangaben, womit die Angaben zu Effekten sozialer Gruppenarbeit, Erziehungsbeistandschaft und Tagesgruppenerziehung hätten nachvollzogen werden könnten). Etwas explizitere Hinweise auf die konkreten Inhalte der mit einem Icon-Symbol visualisierten „BuchPlusWeb“-Materialien wären (hier) hilfreich.

Das fünfte Unterkapitel (2.5) stellt ausführlich die Trägerformen der Kinder- und Jugendhilfe vor: Das Jugendamt wird ausführlich in seinen gesetzlichen Aufgaben und Strukturen beschrieben (S. 71ff.) Zum Zusammenwirken der Fachkräfte im Alltagsgeschäft geht die Anmerkung zur zentralen Kinderschutzaufgabe nicht über einen kurzen Satz hinaus (S. 73). Dabei stellt die Mitwirkung in der Risikoeinschätzung in der ambulanten Erziehungshilfe wie in der Heimerziehung ein alltägliches Tätigkeitsfeld von Erzieher_innen dar, die deren Kompetenz u.a. im Team, in der Diagnostik, in der Dokumentation und in der Kooperation mit Jugendamt, externen Beratungsstellen und Herkunftsfamilie herausfordert. Nur kurz findet das Landesjugendamt Erwähnung (S. 77f.), bevor die Grundstruktur der Pluralität, partnerschaftlicher Zusammenarbeit und des sozialrechtlichen Subsidiaritätsprinzips vorgestellt (S. 78ff.) und ein Überblick über die freie Wohlfahrtspflege und gewerbliche Träger (S. 80-84) gegeben wird.

Das dritte Kapitel widmet sich im „Lernfeld“ dem „pädagogischen Handeln in den Hilfen zur Erziehung“ (S. 85ff.). Hier geht es um die Frage des (heutigen) Stellenwerts von Entwicklung, Menschenbildern und Erwartungen gesellschaftlicher Akteure an die eigene Rolle (hilfreiche Reflexionsfragen: S. 94), dann kurz um Erziehungsstile und (ausführlich) um gruppenpädagogische Grundlagen (S. 97-105). Anschließend werden mit Blick auf historische Ansätze des sog. therapeutischen und sog. heilpädagogischen Milieus Aspekte der Gestaltung von Beziehungsarbeit unter Auseinandersetzung mit Räumen, Zeit, Material und Themen beschrieben (S. 106-125).

Das vierte Kapitel umreißt als drittes „Lernfeld“ die Aufgabenstellung „Lebenswelten wahrnehmen und Inklusion fördern“ zu wollen/ zu sollen. Dabei werden sehr unterschiedliche Aspekte verhandelt: Es geht allgemein um Sozialisation von Kindern und Jugendlichen in Familien. Es geht um Kita und Schule als institutionalisierte Orte der Sozialisation. Auf relativ wenigen Zeilen geht es um die (bedeutsame!) Sozialisation in der Peergroup (S. 143f., 147f.). Dann geht es um „riskante Lebenslagen“, die – wenn u.a. von Sucht, Armut die Rede ist – als „herkunftsindiziert“ (S. 151) bzw. zu Identität und Störungsbild als „entwicklungsbezogen“ (S. 153) bezeichnet werden. Immerhin: auf fünf Seiten wird der Inklusionsbegriff in Bezug auf junge Menschen mit Handicap und Migrationshintergrund hin betrachtet (S. 154ff.). Hier leider unverbunden folgt dann ein Abschnitt zum Hilfeplanverfahren, in dem neben den Inhalten eines Hilfeplanes für die berufliche Praxis von Erzieher_innen sehr entscheidende Standards nur kurz referiert werden: Partizipation (1/2 Seite), Fallverstehen (sieben Zeilen), Ressourcenorientierung (sieben Zeilen), Zielorientierung (1/2 Seite). Davon, wie dies in der Alltagspraxis beruflichen Handelns von Erzieher_innen aussieht, kündet leider keines der zwei Fallmaterialien – es werden Handlungspraxen von Sozialarbeiter_innen des Jugendamtes als „Fachkraft“ (S. 163) geschildert (S. 160-166; so wird auch hier ausgeblendet, dass Erzieher_innen primär in wenigen, aber in vielen Feldern der Erziehungshilfen überhaupt kaum beruflich tätig sind). Den Schluss des Kapitels bilden Darstellungen zur „Sozialpädagogischen Diagnose“ in der Rezeption der Eingangsdiagnostik im Jugendamt und zu dessen Nutzen (S. 167ff.) incl. auch der Dokumentation und Fallbesprechung, die der Autor Macsenaere in einer Studie gemeinsam mit Kollegen untersuchte und veröffentlichte.

Das fünfte Kapitel skizziert als viertes „Lernfeld“ unterschiedliche sozialpädagogische Ansätze, derer sich mehr oder minder stark auch Erzieher_innen bedienen (S. 181ff.): Von der Sozialraumorientierung und dem Quartiersmanagement, über (nicht näher konzeptionell bestimmte) „Alltagspädagogik“ (S. 188ff.), Erlebnispädagogik, Sport/Psychomotorik, tiergestützte Pädagogik/Zirkuspädagogik bis hin zur Traumapädagogik.

Das sechste Kapitel hebt als fünftes „Lernfeld“ den Aspekt der Elternarbeit heraus (S. 213ff.). Dabei wird (naheliegend) auf unterschiedliche Phasen, wie auf (nicht nur in der Arbeit mit Eltern relevante, daher etwas zufällig erscheinende) Techniken der Beratung eingegangen. Dass hier ein systemischer Blick entfaltet wird, wird nur Eingeweihten deutlich; neben dem Hinweis auf die Nützlichkeit („Sammeln von Informationen“, S. 220) hätte ein Verweis auf das dahinter stehende Menschenbild und Theoriekonstrukt gegeben werden müssen.

Das siebte und abschließende Kapitel geht auf unterschiedliche Ebenen der managerialen Steuerung und überinstitutionellen Vernetzung ein (S. 227ff.). Hier geht es um Sozialmanagement, Qualität und Qualitätssicherung, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing, Teamarbeit und Teamentwicklung und Schnittstellen der Zusammenarbeit hin zu Schule, Jugendsozialarbeit und Justiz.

Ein Stichwortverzeichnis und ein Verzeichnis der verwendeten Literatur schließt den Band ab.

Diskussion

Der vorliegende Band stellt eine umfängliche und zugleich auch für Laien und Einsteiger/innen ins Thema gut verständliche Einführung dar. Es besticht durch eine optisch ansprechende Darstellung, viele gut ausgearbeitete Fallmaterialien und liefert zahlreiche didaktische Optionen. Dass sich das Buch entgegen des Untertitels (und dort nur bedingt) auf ein Berufsfeld konzentriert, ist schade: Nicht nur, dass die Eigenheiten und Unterschiedlichkeiten sozialpädagogischer Berufe erst gar nicht zur Sprache kommen – der im Alltagsgeschäft der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wie zu außenstehenden Einrichtungen wie Jugendämtern, Jugendzentren, Schulsozialarbeit, Kliniken, Therapeuten etc. und damit unter unterschiedlichen helfenden Berufen so wichtige Aspekt der Kooperation wird hier nur institutionell-strategisch und im Kontext der Team- und Elternarbeit näher kompetenzbezogen aufgegriffen. Über Kinderschutz wird erst gar nicht geredet; auch andere, seit einigen Jahren in den Hilfen zur Erziehung in Deutschland geführte sozialpädagogische Debatten (integrierte Erziehungshilfen, geschlossene Unterbringung, Familienrat, Frühe Hilfen, Care-Leaver, Prävention von sexualisierter Gewalt u.a.m.) finden sich in dem Band nicht wieder. Eine Neuauflage wird hier nacharbeiten müssen, um tatsächlich „die wichtigsten Themenfelder“ abzugreifen, wie man darzustellen beansprucht – oder eben Sortierungen vorzunehmen und Argumente darzulegen, die andere Schwerpunktsetzungen als relevant für die Erzieher_innen-Ausbildung begründen. So jedenfalls nicht recht nachvollziehbar, werden Partizipation, dialogische Diagnostik, Beobachtung etc. als professionelles Handeln von Erzieher_innen selbst gar nicht oder eher implizit (als Ausdruck von Projektarbeit; S. 121f. u. hilfestellender Beziehungsarbeit, S. 123) betrachtet; als Vertreter_innen sozialpädagogischer Berufe ist ihre Expertise im System der Hilfen zur Erziehung z.B. in der Kommunikation mit dem Kind bei der Aufnahme, in der Bedarfsermittlung, in der Bezugsarbeit, im Schichtdienst, in der Kooperation nach innen und außen sowie in der Hilfeplanung mehr als nur szenische Randnotizen zu Beziehung (S. 112) oder dem Handeln Dritter (S.163f.) wert. Spannend und weiterführend, vielleicht notwendig, wäre es, professionale Grenzen, Grenzerfahrungen, Sexualität, Geschlecht, gesundheitliche Belastungsfaktoren und Aspekte beruflicher Ethik als „Themen“ bzw. „Lernfelder“ einzubeziehen – auch im Hinblick auf eine kritische Betrachtung der eigenen Biographie, Haltung und Ressourcen im pädagogischen Alltag „auf der Gruppe“, von Gewalt in pädagogischen Kontexten, hinsichtlich des neuen Berufsprofils der Kindheitspädagogik, der Arbeit in Familienzentren und gegenüber der in diesem Band, vom Fokus der Autoren nicht ganz unbeeinflusst, ausführlichst vorgetragenen Sozialraum- und Managementdebatte.

Fazit

Das Buch liefert eine gute, ansprechend aufbereitete Einführung in zahlreiche wichtige Aspekte und zentrale Grundstrukturen der Hilfen zur Erziehung. Nicht alle, vielleicht auch nicht „die wichtigsten“ Themenfelder „in“ den Hilfen zur Erziehung können – wie es der Anspruch des Buches ist – dargelegt werden. So kann es als eine Materialie in der Ausbildung eingesetzt werden und es braucht, um an neuere bildungswissenschaftliche Erkenntnisse anzuschließen, dann immer noch gute Pädagog_innen, die in der Ausbildung hilfreiche „Lernfelder“ schaffen. Das Buch kann ihnen dabei helfen.


Rezensent
Prof. Dr. phil Michael Böwer
Dipl. Päd., Dipl. Soz.arb./Soz.päd., Professor für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe/erzieherische Hilfen, Kath. Hochschule Nordrhein/Westfalen, Abteilung Paderborn, Fachbereich Sozialwesen
Homepage www.katho-nrw.de
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Zitiervorschlag
Michael Böwer. Rezension vom 30.08.2016 zu: Richard Hammer, Thomas Hermsen, Michael Macsenaere: Hilfen zur Erziehung. Lehrbuch für sozialpädagogische Berufe. Bildungsverlag EINS GmbH (Köln) 2015. ISBN 978-3-427-12730-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20067.php, Datum des Zugriffs 23.10.2018.


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