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Florian Fischbock: Cockpit Bildungsmanagement

Cover Florian Fischbock: Cockpit Bildungsmanagement. Ein Instrument zur qualitativen Koordination von Bildungseinrichtungen. Tectum-Verlag (Marburg) 2015. 154 Seiten. ISBN 978-3-8288-3607-5. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,90 sFr.
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Thema

Der Autor stellt sein „Cockpit Bildungsmanagement“ vor, das als systematisches und praxistaugliches Instrument zur Evaluation und zur qualitativen Koordination von Bildungseinrichtungen dienen soll. Er will damit aufzeigen, was eine „gute Lehre“ ausmacht, wie Unterricht optimal gestaltet werden kann, was konkret die gewünschten Lerneffekte bei den Lernenden auslöst und wie es Pädagogen und Personalverantwortliche selbst gelingen kann, effektiv zu handeln. Weiterhin will er die Impulse dafür geben, dass eine strategische Steuerung durch geeignete Führung und bewusst gestaltete Teamentwicklung erfolgt, so dass die Bildungseinrichtungen selbst zu lernenden Organisationen werden.

Autor

Florian Fischbock ist Pflegepädagoge und Bildungsmanager sowie als Schulleiter an der Medizinischen Hochschule Hannover tätig. Sein Masterstudium absolvierte er im Schwerpunktbereich Organization Studies, Bildungsmanagement an der Universität Hildesheim.

Im Rahmen seiner akademischen Laufbahn untersuchte Fischbock die Einflussfaktoren, denen Lehrende im Zuge der Unterrichtsplanung und -durchführung ausgesetzt sind. Seit 2014 lehrt er als Lehrbeauftragter an der Medical School Hamburg GmbH im Fachbereich Medizinpädagogik.

Entstehungshintergrund

Der Entstehungshintergrund wird zunächst sehr plakativ beschrieben. Bildungseinrichtungen müssen zunehmend mit knapper werdenden Ressourcen, insbesondere im Mitarbeiterbereich, „hochqualitativ“ wirtschaften. Es wird eine Führung notwendig, die durch gegenseitige Unterstützung, Beteiligung der Lehrkräfte, gemeinsame Verantwortung und Zielvereinbarungen geprägt ist. Die Teamarbeit wird deshalb als eine „kardinale Führungskompetenz“ angesehen. Das Ziel ist, ein gemeinsames strategisches Handeln zu ermöglichen.

Der Autor sieht als Kernprozesse des organisationsbezogenen Handelns das professionelle Lehrerhandeln im Unterricht sowie die Unterrichtsorganisation. Als Führungsgrundsätze postuliert er, ohne die Auswahl zu begründen, die hinlänglich bekannten Management by… Konzepte. Anhand eines Orientierungsrahmens für Schulqualität sollen ausgewählte Qualitätsbereiche in Bildungsinstitutionen dargestellt und analysiert werden.

Die Zielsetzung, die daraus abgeleitet wird, ist sehr umfassend. Mit dem „Cockpit Bildungsmanagement“ sollen Ansatzpunkte geschaffen werden, um den Lehrenden und der Schulleitung einen Überblick darüber zu verschaffen, inwieweit Qualität erreicht wurde. Weiterhin soll ein Instrumentarium geschaffen werden, das die Effektivität und die Qualität des „Bildungskernprozesses Unterricht“ regelmäßig überprüft und Kriterien für die Qualität des Unterrichts abfragt. Darüberhinaus soll das Instrument ein gemeinsames mentales Modell entwickeln, das die Grundlage für „synergetisches Denken“ bietet. Letztendlich soll das System dem Bildungsmanagement Ansatzpunkte liefern, um die Kompetenzen der Lehrenden optimal einsetzen zu können.

Aufbau und Inhalt

Zunächst wird der theoretische Bezugsrahmen des „Cockpit Bildungsmangements“ erläutert. Der Bogen wird betont übersichtsartig vom Begriff des Bildungsmanagements, der Lernenden Organisation und das Bildungscontrolling über die Steuerungsparameter im Bildungsprozess, den Orientierungsrahmen für Schulqualität sowie die Qualitätsmerkmale von Unterricht gespannt. Weiterhin werden die Lehrenden als Determinanten des Unterrichtserfolges, von der Unterrichtsplanung, über den Umgang mit der Klasse, das Unterrichten, die innere Einstellung, die Lehrerprofessionalität, die effektive Disziplin sowie das Motivieren und Inspirieren erörtert. Auf weiteren 1 ½ Seiten wird in entsprechend plakativer Form die effektive Unterrichtsführung behandelt.

Im zweiten Hauptabschnitt wird zunächst begründet, warum ein Messinstrument notwendig ist. Danach wird dessen Design beschrieben, die Konstruktion des Fragebogens skizziert und der Aspekt der Gütekriterien behandelt. Den größten Teil des Buches machen die Beschreibungen und die Integration der Fragebögen zur Effektivitätsbeschreibung der Lernenden sowie der Lehrenden aus, die eingesetzt werden. Dabei wird jede einzelne Frage erörtert. Danach erörtert der Autor die Auswertung und grafische Darstellung der Ergebnisse sowie beispielhaft deren Interpretation. Zum Abschluss erfolgt eine Wertung der Erfahrungen durch den Autor.

Fazit

Das Buch lässt den Leser ratlos zurück, weil das Gefühl vermittelt wird, dass der Autor wie selbstverständlich davon ausgeht, dass das professionelle Lehrerhandeln im Unterricht sowie die Unterrichtsorganisation die Kernprozesse des organisationalen Handelns in der Schule sind. Es stellt sich zwangsläufig die Frage, wie die eingangs dargestellten, sehr breiten und anspruchsvollen Ziele über Fragen, wie z.B. „Der Lehrende war pünktlich anwesend“, unterstützt werden können.

Ohne fundierte Erörterung wird in dem Werk unterstellt, dass die tradierte Form des Unterrichts und die Rolle des Lehrenden die Leitlinie für das Handeln in der Schule bilden. Kooperative und kollaborative Lernformen, projektorientierte Lernformen oder das Lernen im Netz spielen in dem Konzept überhaupt keine Rolle. Damit dient dieses Instrument eher der Zementierung tradierter Unterrichtsformen. Wie sich daraus eine Lernende Organisation entwickeln soll, die allen Mitarbeitern einer Bildungsinstitution das gemeinsame Lernen in Hinblick auf die sich laufend verändernden Anforderungen im Bildungsbereich ermöglicht und diese Prozesse aktiv fördert, bleibt unklar.

Über weite Strecken hat das Buch den Charakter eines Handbuches, das die entwickelte Lösung beschreibt. Verwertbare Hinweise für die strategische Steuerung durch geeignete Führung und bewusst gestaltete Teamentwicklung in Bildungsinstitutionen wird der Leser jedoch kaum ableiten können.


Rezensent
Prof. Dr. Werner Sauter
Blended Solutions GmbH
Homepage www.blended-solutions.de
E-Mail Mailformular


Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die folgende Stellungnahme des Autors des rezensierten Buchs wurde am 9.Juni 2016 ergänzt.

Das Buch „Cockpit Bildungsmanagement“ geht nicht wie in der Rezension behauptet davon aus, dass das Lehrerhandeln im Unterricht der einzige Kernprozess organisationalen Handelns von Schulen ist. Vielmehr soll das Unterrichtshandeln als einer von unterschiedlichen Kernelementen verstanden werden. Der Orientierungsrahmen für Schulqualität liefert hierfür die konkreten Ansatzpunkte. Hier wurde ein Aspekt des Orientierungsrahmens für Schulqualität herausgegriffen. Auch wird die Frage diverser Unterrichtsmethoden, die grundsätzlich im Unterricht zum Einsatz kommen könnten nicht beschrieben, da sie nicht im Fokus des Buches stehen sollen. Das „Cockpit Bildungsmanagement“ ist ein spiegelbildliches Verfahren, welches unter einer zentralen, organisationalen Zielsetzung zwei Perspektiven miteinander vergleicht. Zu aus dem Orientierungsrahmen für Schulqualität beschriebenen Qualitätsaspekten sind Evaluationsfragen entwickelt und differenziert begründet worden, die an Lehrende und Lernende gerichtet werden. Da dies spiegelbildlich geschieht, ist eine höhere Validität und Reliabilität der Ergebnisse zu erzielen, als bei einer Einzelbefragung.

Das organisationale Handeln ist daraus ableitbar, dass Schulleitungen und Lehrende selbst ein systematisches Evaluationsinstrument haben, welches Kernelemente allgemeiner Unterrichtsaktivitäten erfasst. Da dies im allgemeinen Alltag von Schulen wenig untersucht und dargestellt wird, ist meine These, dass hierdurch eine Stärkung der Steuerungsmöglichkeiten erreicht werden kann. Das „Cockpit Bildungsmanagement“ soll demnach Ansatzpunkte für ein systematisches Evaluationsinstrument liefern, verfolgt jedoch nicht den Anspruch, wie der Rezensent kommentierte, bestimmte Unterrichtsformen zu befördern oder zu zementieren. Im Gegenteil, der Anspruch des Buches liegt darin, aufgrund der Transparenzherstellung von Unterrichtsqualität sensibel für Unterrichtsprozesse zu werden. Durch die Evaluation und Reflexion der Güte unterrichtlichen Geschehens, kann ein differenzierter Hinweis auch zu methodischen Veränderungserfordernissen ermittelt werden. Gerade hierdurch ist das Gegenteil einer Zementierung, nämlich die Anwendung moderner pädagogischer Prämissen, möglich. In meinem Buch wird ebenso vielfach besonderer Bezug zu John Hatties Studie genommen und daraus Empfehlungen für die Unterrichtspraxis abgeleitet. Der Beitrag soll also nicht ratlos zurück lassen, sondern erhebt nicht den Anspruch ein vollständiges Konzept zur Entwicklung Schule vorzulegen. Vielmehr soll das Buch als die Darstellung möglicher Herangehensweisen zur Erfassung und systematischen Entwicklung von Schulen verstanden werden.

Um zu „sich entwickelnden“, also „lernenden Organisationen“ zu werden, müssen unterrichtliche Kernprozesse definiert, evaluiert und letztlich an die sich verändernden Anforderungen der Umwelt angepasst werden. Aus diesem Grundgedanken heraus, ist ein sehr differenziertes Bildungsprozessmanagement aber auch Bildungsbetriebsmanagement erforderlich. Zum Zweck der Entwicklung hierfür geeigneter Strukturen ist das Instrument gedacht. Es soll also nicht ratlos zurück lassen, sondern Irritationen im positiven Sinne erzeugen. Schulen müssen sich aus meiner Sicht ständig neu erfinden und sich stetig weiterentwickeln. Dies ist nur dann möglich, wenn das Wesen der Dinge selbst gesehen wird- die Qualität der Güte des Unterrichts in der konkreten Lernsituation.


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Zitiervorschlag
Werner Sauter. Rezension vom 02.06.2016 zu: Florian Fischbock: Cockpit Bildungsmanagement. Ein Instrument zur qualitativen Koordination von Bildungseinrichtungen. Tectum-Verlag (Marburg) 2015. ISBN 978-3-8288-3607-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20074.php, Datum des Zugriffs 21.08.2019.


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