Corina Wustmann: Resilienz. Widerstandsfähigkeit von Kindern [...]
Rezensiert von Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy, 26.04.2005
Corina Wustmann: Resilienz. Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2004. 172 Seiten. ISBN 978-3-407-56243-2. 19,90 EUR.
Die Autorin
Corina Wustmann (Dipl.-Pädagogin) war Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München und ist seit 2002 Wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut e.V., München. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören Resilienz, Frühkindliche Bildung, Trennungs- und Scheidungskinder/Stieffamilien.
Einführung ins Thema
Eine große Anzahl von Kindern wächst heute unter Lebensbedingungen auf, die von Ängsten, Unsicherheiten und Belastungen geprägt sind. Dazu gehören die täglichen Meldungen von Katastrophen durch die Medien ebenso wie strukturelle Veränderungen des Familiensystems durch elterliche Trennung, Scheidung und erneute Heirat und Armut, Arbeitslosigkeit, Migration etc. Trotz der daraus resultierenden Entwicklungsrisiken verläuft jedoch die Entwicklung einer vergleichsweise großen Zahl dieser Kinder resilient und demnach eher unauffällig oder sogar positiv. Die Ursachen und pädagogischen Konsequenzen für dieses Phänomen beschäftigen in jüngerer Zeit zahlreiche Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen. In ihrer Monographie widmet sich Corinna Wustmann diesem Phänomen. Sie stellt den Stand der heutigen Resilenzforschung vor und beleuchtet deren Bedeutung für die Bildungs- und Erziehungspraxis. Die Publikation entstand im Rahmen des Projektes "Konzeptionelle Neubestimmung von Bildungsqualität in Tageseinrichtungen für Kinder mit Blick auf den Übergang in die Grundschule" unter der Leitung von Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis.
Aufbau und Inhalte
Gegliedert in neun Kapiteln setzt sich die Autorin mit dem Thema Resilienz in seiner Begriffsbestimmung und Entwicklung (Kapitel 2 und 3), der Vorstellung und Diskussion inhaltlicher und forschungstheoretischer Grundlagen und Besonderheiten (Kapitel 4 und 5), der Darlegung konkreter empirischer Befunde und der Konzeptionierung von Maßnahmen und Angeboten an Hand exemplarischer Beispiele in Bildungs- und Erziehungskontexten (Kapitel 8) auseinander. Aufgelockert werden die Ausführungen durch farbliche Heraushebung wichtiger Aspekte, Zusammenfassungen etc. und visualisiert durch graphische Darstellungen und Tabellen.
Grundlegend für die weiteren Ausführungen setzt sich die Autorin detailliert mit dem Resilienzbegriff und seiner Entstehung auseinander. Unter Resilienz wird die psychische Wiederstandsfähigkeit von Kindern gegenüber biologischen, psychischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken verstanden. Sie zielt insofern auf die psychische Gesundheit des Kindes trotz Risikobelastungen, auf seine Bewältigungskompetenz. Resilienz vermeidet den defizitären Blick auf das Kind und bezieht sich nicht nur auf die Abwehr von Störungen und den Erhalt von Fähigkeiten. Sie umfasst auch die Potentiale des Kindes, die zum fortlaufenden Erwerb neuer Fähigkeiten und Kompetenzen und zur erfolgreichen Bewältigung all seiner alters- und entwicklungsangemessener Entwicklungsaufgaben benötigt werden.
In den folgenden Kapiteln werden aktuelle theoretische und empirische Befunde beleuchtet, die zur Entwicklung eines Resilienzkonzeptes führen, um Kinder in ihren personalen Bewältigungsressourcen und die dazu nötigen schützenden Bedingungen in ihrer Lebensumwelt wirksam zu fördern.
Aufbauend auf weiteren wissenschaftlichen Erkenntnissen skizziert die Autorin die Bedeutung der Resilienzforschung für die Bildungs- und Erziehungspraxis, wobei sie zwischen Resilienzförderung auf der individuellen Ebene und der Beziehungsebene unterscheidet. Zur Verdeutlichung der Förderaspekte werden verschiedene allgemeine Programme und Beispiele zur pädagogischen Umsetzung vorgestellt und speziell auf den Stellenwert von Kindertageseinrichtungen bei der Förderung von Resilienz eingegangen.
Fazit
Die Monographie von Corinna Wustmann ist als fachlich fundiertes Grundlagenwerk zu betrachten, das den Stellenwert von Resilienz als ein Potenzial des Kindes für seine Lernprozesse darstellt und Möglichkeiten seiner Stärkung für die kindlichen Bildungs- und Erziehungsprozess aufzeigt. Bei der Veröffentlichung handelt es sich um eine anspruchvolle Arbeit, die neben den vordergründigen wissenschaftlichen Darlegungen auch Verweise auf und Anregungen zu konkreten pädagogischen Übertragungen bereitstellt.
Besonders für die sozialpädagogische Praxis in Tageseinrichtungen für Kinder ist diese Veröffentlichung von großer Bedeutung. Sie sollte Basis für die Ausbildung aller sozialpädagogischen Berufe sein und gehört zudem in die Fachbibliothek von Fachberaterinnen und Fachberatern, um den Wissenstransfer in die Praxis sicher zu stellen.
Rezension von
Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy
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