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Silke Hubrig: Spiele für Jungs – Spiele für Mädchen

Cover Silke Hubrig: Spiele für Jungs – Spiele für Mädchen. Praxisangebote für bewusste Mädchen- und Jungenförderung in der Kita ; [mit Elternarbeits-Tipps]. Ökotopia Verlag (Münster) 2015. 95 Seiten. ISBN 978-3-86702-337-5. D: 14,99 EUR, A: 15,50 EUR, CH: 19,40 sFr.

Illustrationen: Anne Rieken.
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Thema

Die Autorin beschäftigt sich mit der geschlechtertypischen Rollenverteilung. Sie geht darauf ein, dass dieses Ordnungsprinzip unserer Gesellschaft in Geschlechterkategorien Konsequenzen mit sich bringt. Die geschlechtsbezogenen Erwartungshaltungen der Mitmenschen beeinflussen den Lebensweg jedes Einzelnen.

In diesem Buch schildert Silke Hubrig die tatsächlichen Unterschiede von Mädchen und Jungen und unterstützt die Umsetzung der geschlechtersensiblen Pädagogik in der Praxis mit einem umfangreichen Praxisanteil. Durch die vielfältigen Anregungen kann eine Öffnung in den Bereichen ermöglicht werden, die im Alltag von Mädchen und Jungen durch geschlechtstypisches Verhalten geprägt sind. Silke Hubrig thematisiert auch die Zusammenarbeit mit Eltern, um auch die Eltern zu sensibilisieren, ihre eventuell „eigenen Geschlechterfallen“ zu reflektieren.

Autorin

Silke Hubrig ist Lehrerin an einer Berufsschule für Sozialpädagogik. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind „Geschlechtsbewusste Pädagogik“ und „Sport“. Sie hat bereits zahlreiche Bücher und Aufsätze zu diesen Themen veröffentlicht. Die Illustratorin Anne Rieken studierte an der Hochschule für Künste in Bremen Kommunikations-Design. Sie ist freischaffende Diplom-Grafikerin mit Schwerpunkt Illustration. Sie veröffentlicht auch in Zeitungen und Zeitschriften, gestaltet, illustriert und animiert interaktive Spiele.

Entstehungshintergrund

Silke Hubrig möchte mit diesem Buch Raum geben für geschlechtssensible Pädagogik, um geschlechtsbezogene Zuschreibungen weitestgehend auszugleichen und eine Vielfalt von geschlechtlichen Rollenbildern zu fördern. Um Jungen einen Einblick zu ermöglichen in frauentypische Bereiche wie „Pflegen und Versorgen“ und Mädchen Erfahrungen in Männer zugeordnete Bereiche wie „Konstruieren und Bauen von Dingen“ zu ermöglichen.

Aufbau

Dieses Buch umfasst drei Bereiche

  1. Jungen und Mädchen – was brauchen sie im Kindergarten?
  2. Aktionen und Spiele für Jungen und Mädchen
  3. Zusammenarbeit mit Eltern

Inhalt

Im ersten Kapitel geht Silke Hubrig darauf ein, dass nur minimale kognitive Unterschiede zwischen den Geschlechtern vermutet werden. Hierzu gebe es keine brauchbaren Studien, die aus neurobiologischer Sicht, geschlechtsspezifische Fähigkeiten erklären könnten. Es wird eher davon ausgegangen, dass diese auf eine unterschiedliche Sozialisation und Erziehung zurückzuführen sind. Geschlechtsspezifische Vorurteile und Klischeedenken beeinflussen die Leistungen der Kinder, sie können sowohl Minderwertigkeitsgefühle auslösen als auch das Selbstvertrauen stärken.

Die Autorin erwähnt, dass die Entwicklung der Geschlechtsidentität die Hauptentwicklungsaufgabe im Vorschulalter ist und verweist hier auf das Stufenmodel des Psychologen Lawrence Kohlberg. Ein wichtiger Aspekt für die Pädagogik ist das Wissen darum, dass durch geschlechtsspezifische Vorurteile die tatsächlichen Fähigkeiten der Mädchen und Jungen stark beeinflusst werden. „Ausgleichende, geschlechterbewusste Pädagogik heißt, Jungen- und Mädchen. Erfahrungsbereiche zu eröffnen, die ihnen aufgrund ihrer traditionellen Rollenzuweisungen erschwerter zugänglich sind als dem anderen Geschlecht.“

Die Reflexion eigenen Verhaltens und die Auseinandersetzung im Bereich der geschlechtersensiblen Arbeit ist entscheidend, um eine grundlegende innere Haltung gegenüber einem geschlechterbewussten Umgang mit Jungen und Mädchen dauerhaft umzusetzen. Die Auswahl an Spielen und Angeboten, im Praxisanteil, ermöglicht den Kindern einen Zugang zu rollenuntypischen Erfahrungen, ohne ihr geschlechtstypisches Selbstbild in Frage zu stellen. Eine Hilfestellung könnte schon eine geschlechtersensible Gestaltung der Funktionsecken bieten, z.B. indem die Spielräume neu interpretiert werden, sodass sich beide Geschlechter damit identifizieren können. Eine Puppenecke wird zum Restaurant ausgebaut oder die Tobeecke wird zur Zirkusmanege.

Silke Hubrig füllt dieses Buch mit vielen Impulsen für pädagogische Fachkräfte, um eine geschlechtersensible Einrichtung zu gestalten. Im Bereich der kreativen Gestaltung, Rhythmus- Bewegungs- und Entspannungsspiele, sowie im Naturwissenschaftlichen und technischen Bereich. Sie geht auch auf soziales Lernen, Sprache und Medien ein. Bei jedem Spiel oder Angebot ist auf der Außenseite angegeben, für welches Geschlecht es hauptsächlich empfohlen wird, ab welchem Alter und was für Materialien benötigt werden.

Im Anschluss bietet Silke Hubrig Anregungen, für die Gestaltung eines Elternabends zum Thema „Spielzeug für Jungen und Spielzeug für Mädchen“ an. Hier geht sie auch darauf ein, wie wichtig die Rolle der Väter in der Kita ist. Kinder brauchen mehr männliche Rollenbilder in der Kita. Silke Hubrig bietet hier auch eine kleine Ideensammlung an, um Väter in der Kita besser zu integrieren.

Diskussion

Spiele für Jungs – Spiele für Mädchen von Silke Hubrig ist verständlich geschrieben, dadurch lässt es sich gut und zügig lesen. Die Inhalte regen zur eigenen Reflexion über Geschlechterklischees an. Hier habe ich mich selbst bei klischeehaltigem Denken ertappt, z.B. bei folgender Situationsbeschreibung, in der ein sechsjähriger Junge und einmal ein sechsjähriges Mädchen mit lackierten Fingernägeln in den Kindergarten kommen. Hier hätte ich bei dem Jungen schon eher gestutzt und etwas verhaltener reagiert.

Silke Hubrig geht praxisnah auf die sensible Pädagogik ein, einige ihrer Anregungen waren mir geläufig und ich hatte diese im Vorfeld auch schon mal umgesetzt. Zum Beispiel das Angebot „Achtung, Riesenschlange!“, die Kinder fanden es lustig und wollten es auch des Öfteren spielen. Wenn man anstatt eines Seiles eine Schwimmnudel nimmt, kann man auch ad hoc die Richtung ändern oder die Kinder dazu bringen, sich zu ducken. Dadurch wird die Konzentrationsfähigkeit gefördert. In dem Abschnitt über die Elternarbeit, sind die Inhalte praxisnah beschrieben mit wertvollen Anregungen und Tipps für einen gelungenen Elternabend, um Eltern in die geschlechtersensible Pädagogik miteinzubeziehen.

Die Illustrationen von Anne Rieken sind liebevoll und lebhaft gestaltet und berücksichtigen in vielen einzelnen Bildern die spezielle Thematik der Autorin. Sie zeigen beim Umgang der Kinder mit den Spielsachen auch gezielt die bisher eher rollenuntypische Handhabung. Zum Beispiel ein Mädchen mit Bohrmaschine oder Fußball oder einen Jungen mit Fürsorgeverhalten. Daher runden sie das Buch in anschaulicher Weise ab.

Silke Hubrig und Anne Rieken haben das Buch zusammen ansprechend gestaltet. Geeignet ist dieses Buch für pädagogische Fachkräfte in der Kita, einiges kann man auch noch im Offenen Bereich der Grundschule anwenden.

Fazit

Ein Buch, das zur eigenen Reflexion einlädt. Die Angebote geben einem Hilfestellung und animieren zur Durchführung. Ich halte die Ausführungen der Autorin für brauchbar und geeignet eine bessere Öffnung der bislang geschlechtstypischen Anwendungen für Jungen und Mädchen zu unterstützen und implizite Rollenzuweisungen selbst auch zu hinterfragen.


Rezensentin
Larissa Shaw
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Zitiervorschlag
Larissa Shaw. Rezension vom 11.04.2018 zu: Silke Hubrig: Spiele für Jungs – Spiele für Mädchen. Praxisangebote für bewusste Mädchen- und Jungenförderung in der Kita ; [mit Elternarbeits-Tipps]. Ökotopia Verlag (Münster) 2015. ISBN 978-3-86702-337-5. Illustrationen: Anne Rieken. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20081.php, Datum des Zugriffs 19.09.2018.


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