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Joachim König (Hrsg.): Praxisforschung in der Sozialen Arbeit

Cover Joachim König (Hrsg.): Praxisforschung in der Sozialen Arbeit. Ein Lehr- und Arbeitsbuch. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2016. 284 Seiten. ISBN 978-3-17-024195-4. D: 36,00 EUR, A: 29,90 EUR, CH: 39,90 sFr.

Grundwissen soziale Arbeit, Band 18.
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Thema

Nicht nur im Studium oder der akademischen Sozialen Arbeit, sondern auch in der Praxis wird Forschung ein sich steigernder Stellenwert zugeordnet. Die Autor*innen greifen diese Thematik in zwölf Arbeitsschritten und anhand von Praxisbeispielen aus den Berufsfeldern der Sozialen Arbeit auf. Somit wird Sozialarbeiter*innen ein konkreter Leitfaden für eigene Praxisforschungsprojekte zur Seite gestellt.

Herausgeber und Autor*innen

Joachim König ist Professor für Allgemeine Pädagogik und Empirische Sozialforschung an der Evangelischen Hochschule Nürnberg. Er ist zudem Vizepräsident für Forschung und Leiter des Instituts für Praxisforschung und Evaluation.

Die Mitautor*innen sind Mitarbeiter*innen am selbigen Institut.

Entstehungshintergrund

Mit der Reihe „Grundwissen Soziale Arbeit“ geht die Intention einher, den neuen Anforderungen im Zuge der veränderten bildungspolitischen Rahmenbedingungen gerecht zu werden. Sie richten sich vorrangig an Studierende der Sozialen Arbeit/Sozialarbeitswissenschaft. Primäres Ziel dabei ist, besonders für das Selbststudium adäquate Publikationen zu liefern, die vorderhand kompaktes Wissen vermitteln. Dabei sollen sowohl eine überschaubare Stoffmenge und eine verständliche Sprache als auch gezielte Verknüpfungen von Theorie und Praxis sowie Anschaulichkeit im Vordergrund stehen.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in nach einem Vorwort, einem kurzen Beitrag zu dem Buch sowie einer Danksagung in folgende Kapitel:

  1. Argumente und Beispiele für den Nutzen von Praxisforschung
  2. Wissenschaftstheoretische Überlegungen
  3. Praxisforschung in zwölf Arbeitsschritten: Handlungswissen im Überblick
  4. Methoden der Datenerhebung
  5. Quantitative Datenauswertung
  6. Qualitative Datenauswertung

Sowohl ein Litertatur- als auch ein Stichwortverzeichnis schließen das Buch ab.

Inhalt

Nach einer von Joachim König ausformulierten kurzen Einführung in den Stellenwert von Praxisforschung in bzw. für die Soziale Arbeit folgt das zweite Kapitel Wissenschaftstheoretische Überlegungen, welches von Karl-Hermann Rechberg geschrieben wurde. Das Kapitel führt in die systematische Gestaltung des Forschungsvorhabens, die Gütekriterien empirischer Sozialforschung sowie in ethische Richtlinien und den Datenschutz ein.

Joachim König stellt anschließend in Kapitel 3 Praxisforschung in zwölf Handlungsschritten: Handlungswissen im Überblick vor, aus welchen einzelnen Schritten ein Forschungsprojekt in der Praxis idealtypisch besteht. Sie stellen die Grundpfeiler eines jeden Forschungsprojekts dar und sollen als Handlungsanleitung dienen. Die Schritte, die weitere Unterpunkte beinhalten, sind wie folgt untergliedert:

  1. Ziele festlegen
  2. Klärung von Bedingungen und Schaffung von Voraussetzungen
  3. Bestimmung des Gegenstands und der Fragestellung
  4. Klärung des Vorgehens und des Designs der Untersuchung
  5. Operationalisierung des Forschungsgegenstands
  6. Messen-
  7. formations- und Datenquellen bestimmen
  8. Methoden zur Datenerhebung entwickeln
  9. Datenerhebung
  10. Aufbereitung und Analyse der Daten
  11. Qualität des Prozesses beurteilen
  12. Verwertung der Ergebnisse

Im vierten Kapitel Methoden der Datenerhebung: Anwendungswissen stellt Monika Chilla zunächst die standardisierte Befragung vor. Darauf folgen Zeitbudgetanalysen (Dietmar Maschke) sowie ein Unterkapitel zu Sekundärdatenanalyse von Sebastian Ottmann. Über narrative Interviews und Leitfadeninterviews referiert Karl-Hermann Rechberg und erneut Dietmar Maschke über die Dokumentenanalyse. Joachim König schreibt im danach folgenden Abschnitt über die Untersuchung von Einzelfällen. Während Anne-Sophie Köhler dem*der Leser*in Aspekte der Exploration näherbringt, gehen Joachim König und Karl-Hermann Rechberg auf Erkärende quantitative Verfahren und Dietmar Maschke auf die Analyse von Netzwerken ein.

Das fünfte Kapitel Quantitative Datenauswertung: Anwendungswisse wurde von Sebastian Ottmann verfasst und umfasst wie die vorangestellten Kapitel mehrere Unterpunkte: So werden zunächst Grundlagen beschrieben und dann einzelne Aspekte der beschreibenden Statistik. Nach einer kurzen Einführung in die Inferenzstatistik folgt ein Unterkapitel, das sich mit der Überprüfung von Zusammenhängen auf Signifikanz beschäftigt. Anschließend geht es in zwei separaten Punkten um die Untersuchung von Unterschieden und Veränderungen. Das Kapitel schließt mit den Themen Ergebnisdarstellung von Signifikanztests und einem Ausblick auf multivariate Analysemethoden.

Im letzten Kapitel Qualitative Datenauswertung: Anwendungswissen von Karl-Hermann Rechberg finden die Leser*innen neben einer Einführung in die Datenauswertung in der qualitativen Sozialforschung ebenso Aspekte der Datenaufbereitung. Ein größerer Unterpunkt beinhaltet sodann Ausführungen der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring. Darüber hinaus werden auch computerunterstützte Auswertungsformen genannt sowie Hinweise zur Vertiefung des Themas geliefert.

Das Buch endet mit einem Literatur- und Stichwortverzeichnis.

Diskussion

Joachim König und seine Mitautor*innen legen eine umfangreiche und detaillierte Einführung in die Praxisforschung vor. Das Lehr- und Arbeitsbuch folgt einem sinnvollen Aufbau, da es zunächst den Nutzen und wissenschaftstheoretische Grundlagen von Praxisforschung herausstellt, anschließend einen Leitfaden in zwölf Schritten und dann relevantes Anwendungswissen aufzeigt. Das Ergebnis der sechs Autor*innen wirkt aufeinander abgestimmt und sprachlich harmonisch. Dabei werden sowohl quantitative als auch qualitative Verfahren berücksichtigt, wobei die qualitative Datenauswertung gegenüber der quantitativen Auswertung zu kurz kommt. So wirkt das Buch mit Statistik überfrachtet. Gerade vor dem Hintergrund, dass qualitative Sozialforschung respektive hermeneutische Verfahren im Praxiskontext großes Anwendungspotenzial haben, wären weitere Auswertungsmethoden neben der Inhaltsanalyse wünschenswert. Dies gilt auch für andere offene Interviewformen und eine extensivere Behandlung narrativer Interviews. Didaktisch ist das Buch gekonnt konzipiert. Tabellen, Schaubilder sowie Checklisten bringen Übersichtlichkeit und Abwechslung in die behandelte Materie und dank zahlreicher Praxisbeispiele wird das Dargestellte sehr anschaulich.

Fazit

Mit Fokus auf die Forschung in der Praxis passt der Band sehr gut in die aktuelle Forschungsliteratur Sozialer Arbeit. Wie alle Bände der Reihe Soziale Arbeit Grundwissen ist das Buch als Einführung sehr gut geeignet und kann stellenweise auch zur Vertiefung genutzt werden. Sowohl Studierende als auch Praktiker*innen werden von der Lektüre auf jeden Fall profitieren.


Rezensent
Jens M. Schneider
Sozialarbeitswissenschaftler, M.A. (Hochschule Fresenius - Standort Frankfurt am Main)
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Zitiervorschlag
Jens M. Schneider. Rezension vom 12.02.2018 zu: Joachim König (Hrsg.): Praxisforschung in der Sozialen Arbeit. Ein Lehr- und Arbeitsbuch. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2016. ISBN 978-3-17-024195-4. Grundwissen soziale Arbeit, Band 18. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20083.php, Datum des Zugriffs 22.05.2018.


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