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Lilo Schmitz: Artivismus. Kunst und Aktion im Alltag der Stadt

Cover Lilo Schmitz: Artivismus. Kunst und Aktion im Alltag der Stadt. transcript (Bielefeld) 2015. 275 Seiten. ISBN 978-3-8376-3035-0. 24,99 EUR.
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Thema

Der Sammelband stellt in sehr unterschiedlichen Beiträgen (Aufsätze, Projektskizzen, Interviews, Forschungsberichte, Künstlerporträts) Projekte und Akteure vor, die mit künstlerisch oder/und sozial motivierten Aktionen den Stadtraum erforschen. Das Motto aller vorgestellten Projekte und Hintergründe lässt sich mit DIY-Urbanismus umschreiben: Do-It-Yourself-Urbanismus.

Herausgeberin

Die Herausgeberin Lilo Schmitz ist als Kulturanthropologin und Sozialpädagogin Professorin an der Hochschule Düsseldorf, wo sie im Lehrgebiet Methoden der Sozialen Arbeit „Lösungsorientierte Beratung im Bereich ethnografische und transkulturelle Stadtforschung (Beheimatungsforschung)“ lehrt.

Entstehungshintergrund

Der vorliegende Sammelband ist im Rahmen von Lilo Schmitz´ Forschungsprojekt „Ethnografische Feldforschung in Verbindung mit künstlerischen Forschungsformen, szenischen Verfahren und Performance“ entstanden, bezieht aber auch Ergebnisse eines vorherigen Forschungsprojektes mit dem Titel „Die offenen Arme und geschlossenen Türen der Stadt – Beheimatungsstrategien in den (19)60er und 70er Jahren/Prävention von Lebens-Burnout“ deutlich mit ein. Darin wurden in Form von Stadtspaziergängen und Fotobüchern die Aufgaben der Erinnerungsarbeit nach dem Modell von Erik H. Erikson forschend durchlaufen und die Ergebnisse in Schrift und Bild festgehalten.

Aufbau

Nach einer inhaltlichen Begründung des Begriffs Artivismus gibt die Einleitung der Herausgeberin einen kompakten Überblick über die einzelnen Themenbereiche mit jeweils mehreren Beiträgen aus wissenschaftlich motivierter Feldforschung und künstlerischen Aktionen. Sie werden unterteilt in:

  1. Grundlegendes (Autoren: Alexander Flohé, Norbert Herriger),
  2. Soziale Aktion und Menschenrecht (Derya Firat, Erdem Gündüz, Banu Beyer, Jessica Reisner),
  3. Alt und Jung (Ulrich Deinet, Anne Mommertz, Lilo Schmitz, Nurdagül Özmen, Christian Bleck/Anne van Rießen),
  4. Arm und Reich (Gamze Toksoy/Altan Bal, Thomas Münch/Kai Hauprich),
  5. Bürger nehmen sich ihre Stadt (Jonny Bauer, Peter Bünder/Volker Schulz, Fabian Chyle/Volker Schulz, Harald Michels, Hubert Minkenberg),
  6. Kunst überall (Swantje Lichtenstein/Maria Schleiner, Hasucha, Johanna Schenkel),
  7. Lebenskunst (eine Art Porträt im Interview mit: Carsten Johannisbauer alias Jonny Bauer, Jans-Jörg Blondiau und Monika Bremen, Jessica Reisner, Pascal Blondiau, Pero).

Zum 1. Teil: Grundlegendes

In „Stadt selber machen“ beschreibt Alexander Flohé, dass Städte schon immer Orte der sozialen Bewegungen und Proteste waren. Lernorte der Demokratie, die im Zeitalter der Globalisierung auf lokaler Ebene Partizipation ermöglichen und niedrigschwellige Aktionsräume eröffnen. Dabei geht es nicht nur um Protestkultur, sondern ebenso um kreative Lösungen der Aneignung des öffentlichen Raumes durch z.B. Flashmobs oder kleinere Aktionen, wie die Umhäkelung von Laternenmasten, die Aufstellung von Bänken, die Umwidmung von Straßen in Fußballfelder, die Bepflanzung von Brachflächen.

Im Beitrag „Empowerment. Schatzsuche in urbanen Räumen“ stellt Norbert Herriger das Konzept Empowerment vor und sucht Anschlussstellen für eine kreative Pädagogik der „Ressourcen-Schatzsuche“. Beim Empowerment in Bezug auf die Stadt geht es in erster Linie um die kollektiven Möglichkeiten, die vor Ort vorhanden sind, um die Förderung nachbarschaftlichen Engagements, um die Entdeckung von Talenten und Fähigkeiten der Quartiersbewohner und Hausgemeinschaften, die als Aktivposten abgerufen werden können. Erstaunliches tritt da oft zutage. Wie auch bei der produktiven sozialräumlichen Archäologie drei Zugänge zur Schatzsuche beschrieben werden: Historische Schätze ausgraben (welche Geschichte hat meine Straße, mein Haus etc.), verfügbare Ressourcen in der Nachbarschaft erkunden und neue kollektive Ressourcen entwickeln, wie zum Beispiel Stadtteilmanager oder generationen-übergreifende Erinnerungsarbeit aufbauen.

Zum 2. Teil: Die Straße – ein Erinnerungsort

Derya Firat (Hochschullehrerin für Angewandte Soziologie in Istanbul) fragt danach, welche speziellen Erinnerungsorte die Militärdiktatur für eine Aufarbeitung nach 30 Jahren hinterlassen hat und welche Verbindungen aus dieser Zeit zu den heutigen Orten der Proteste, wie dem Gezi-Park zu ziehen sind. Ein Credo ihrer Untersuchung ist nach dem Soziologen Henry Lefebre, dass „…soziale Bewegungen und politische Kämpfe immer untrennbarer Bestandteil der Beziehung zwischen Raum und Gesellschaft (waren).“ (S. 33)

Es folgt ein Gespräch mit dem Künstler Erdem Gündüz, der mit seiner Performance „Standing Man“ während der Proteste im Gezi-Park und auf dem Taksim-Platz weltweite Aufmerksamkeit fand. Kunst ist sein Ausdrucksmittel und darin ist er, wie er sagt, „…immer in einem Forschungsprozess“. (S. 39) Zwei wichtige Gründe für Kunst im öffentlichen Raum sind seiner Ansicht nach bedeutsam: Sie kostet kaum Geld und man erreicht damit auf einfache Weise viele Menschen.

In dem Beitrag „15 Minuten“ vertieft Banu Beyer, eine türkischstämmige Mitarbeiterin des ZKM Karlsruhe, diese Idee des Standing Man mit eigenen Erfahrungen, die sie in jener Zeit der Proteste in Istanbul vor allem über das Internet gesammelt hat. Sie lebte, wie sie sagt, zu der Zeit nahezu ausschließlich im Internet und konnte virtuell aktiv werden, indem sie Ärzte oder Anwälte für Demonstranten organisierte, für Informationsaustausch sorgte und „überall sein (konnte)“. (S. 48) Als Erdem Gündüz mit seinem „Duran Adam (Standing Man)“ über die medialen Netzwerke international berühmt wurde, organisierte Banu Beyer eine ähnliche Aktion in Karlsruhe als künstlerische Solidaritätsaktion.

Der Beitrag von Jessica Reisner stellt „Die Initiative aktion ./. arbeitsunrecht e.V.“ als Zusammenschluss von ArbeiterInnen und Angestellten, von Gewerkschaften und Bürgern vor, die sich für Union Busting engagieren, was im Englischen für professionelle Gewerkschaftsbekämpfung oder Verhinderung von Betriebsräten etc. steht. „Die aktion ./. arbeitsunrecht e.V. sammelt Wissen und praktische Erfahrungen über aggressive Arbeitgeber und ihre professionellen Helfer, deren Strategien und Netzwerke…“ (S. 53) und prangert diese öffentlich an.

Zum 3. Teil: Alt und Jung

Im Beitrag „Subjektive Schulkarte, Nadelmethode, Autofotografie“ von Ulrich Deinet werden Methoden vorgestellt, mit denen Kinder animiert werden, als Experten der eigenen Lebenswelt ihre Schule nicht nur als Lernort, sondern auch als Lebensort (Stichwort Ganztagsschule) zu definieren. Im Rahmen eines Seminars „Bildungslandschaften“ haben 30 Studierende innerhalb eines Projektes zwischen der Fachhochschule Düsseldorf und einer Grundschule Kinder und deren Eltern zur Gestaltung des Sozialraums Schule befragt, wobei die verschiedenen Methoden angewandt wurden, wie zum Beispiel die Schulkarte oder die Nadelmethode, wo verschiedenfarbige Nadeln auf einem Umrissplan problematische oder schöne Bereiche kennzeichnen.

In „Tunnelkultur“ fächert Anne Mommertz ein breites Spektrum von Möglichkeiten auf, wie auch mit älteren Menschen unbekanntes oder beängstigendes Terrain umdefiniert werden kann. Unbekannte Gebiete des öffentlichen Stadtraumes werden am besten kennengelernt durch Besetzen. Klappstühle nehmen, sich hinsetzen und erst einmal die Umgebung auf sich wirken lassen. Beispielhaft wird in dem Beitrag eine Fußgängerunterführung (der Angsttunnel) mit kreativen Ideen besetzt, indem die Gruppe all ihre Ressourcen und Vernetzungen aktiviert. Von Tango im Tunnel über Stricken(lernen) im Tunnel über Live- und Mitmachmusik im Tunnel bis hin zu Fotoausstellungen wurde der Tunnel schließlich zu einem viel beachteten Ort der Begegnung und ist aus der inneren und äußeren Landkarte der Bürger nicht mehr wegzudenken. Statt Urin duftet es nun nach Kaffee.

Lilo Schmitz beschreibt in „Die offenen Arme und geschlossenen Türen einer Stadt“ ein Projekt zur Beheimatung und Retro-Beheimatung. „Dass Menschen von Natur aus sesshaft sind und eine einzige Heimat haben, ist eine Mär. Heirat und Familiengründung, Flucht und Vertreibung, (…) Arbeit und Freizeit – all das und mehr führt Menschen an neue Orte, an denen sie sich beheimaten müssen, soll es ihnen wohlergehen.“ (S. 81) Schmitz möchte gegen die übliche Meinung, dass Integration erst dann gelungen ist, wenn der Mensch nicht mehr weiter auffällt, den Satz von Beate Mitzscherlich setzen: „Eine Stadt, die sich durch meinen Zuzug nicht verändert, kann nicht meine Heimat sein.“ (S. 82) In ihrem Lehr- und Forschungsschwerpunkt „Beruf und Burnout-Prävention“ wurden zusammen mit älteren Zuwanderern aus den 1960er/70er Jahren in Stadtspaziergängen Orte der Erinnerung rekonstruiert, die damals bei der Wohnungs- oder Arbeitssuche wichtig waren. Dieser auch öffentlich sichtbare, flanierende Rückblick auf die eigenen Lebenswege ermöglicht einen positiven Blick auf das, was man schon erlebt und erreicht hat.

Im Beitrag „Biografiearbeit und Stadtspaziergang“ greift die Autorin Nurdagül Özmen weit zurück in die Zeit der Höhlenmalerei oder Pyramiden, durch die Menschen ihre Existenz dokumentieren wollten. Durch die Oral History werden heute neben den üblichen Biografien historisch prominenter Persönlichkeiten Alltagsgeschichten weitergegeben und Menschen in Form von strukturierter Biografiearbeit darin unterstützt, ihr Leben als ein sinnvolles Ganzes zu erleben. Auch bei dieser Projektbeschreibung handelt es sich um Teilergebnisse aus dem Forschungsprojekt zur Burnout-Prävention von Lilo Schmitz. Gegenstand dieser hier vorgestellten ressourcenorientierten Biografiearbeit war die Einwanderungswelle zur Zeit der 1960er und 70er Jahre.

Christian Bleck und Anne van Riessen geben im Aufsatz „Zwischen Analyse und Aktion. Methodologische Verortungen und praktische Einsichten sozialräumlicher Handlungsforschung mit Älteren“ Einblicke in das Forschungsprojekt SORAQ (Soziale Ressourcen für altersgerechte Quartiere), und welche Bedeutung der Stadtteil, der eigene Sozialraum in einer alternden Gesellschaft hat. Hintergrund ihrer Untersuchung ist das Prinzip der Handlungsforschung von Kurt Lewin (action research), die sie durch die Verbindung qualitativer und quantitativer Methoden erweitern. Auch geht es ähnlich wie bei den Kindern und Jugendlichen um Methoden der Sozialraumerforschung und -aneignung mittels Nadelmethode, Stadtteilbegehung, subjektive Landkarten, die individuelle Infrastrukturtabelle oder Sozialraumtagebücher – und am Ende um die Überführung der Ergebnisse in kommunalpolitische Entscheidungsgremien, wie zum Beispiel die Bezirksverordnetenversammlung.

Zum 4. Teil: Arm und Reich

Gamze Toksoy (Text) und Altan Bal (Fotos) werfen in ihrem Beitrag einen Blick aus soziologischer und fotografischer Perspektive auf die sogenannten „Junggesellen-Räume in Istanbul“, die den Männern dienen, die wegen fehlender Erwerbsarbeit auf dem Land in die Großstadt, fern von der Ursprungsfamilie oder eigens gegründeten Familie, gezogen sind. Eine Übergangslösung auf ungewollte Dauer, die ganz besondere Wohnformen entstehen lässt. An jedem Zimmer, das eine Welt für sich ist, lassen sich die Alltagsschwierigkeiten auf verschiedene Weise ablesen. „Ziel der Arbeit an den ‚Junggesellen-Zimmern‘ war von Anfang an die Sichtbarmachung dieser Menschen, die mit ihren Handkarren in der Stadt unterwegs sind, aber deren Geschichten und Erzählungen niemand kennt.“ (S. 121)

Im folgenden Beitrag von Thomas Münch und Kai Hauprich „Grounded Research“ wird Forschung mit dem Ziel der Intervention im Zusammenhang mit der Zuwanderung der Ostblockstaaten seit dem Beitritt von Rumänien und Bulgarien 2007 zur EU in verschiedenen Projekten organisiert. Auch hier ein Mixed-Methods-Approach aus quantitativen und qualitativen Fragestellungen in der Zusammenarbeit von Fachhochschule und kommunalen Trägern. Alle betroffenen Gruppen des Untersuchungsfeldes (Zuwanderer, Wohnungslose und Experten) wurden in ihren spezifischen Lebenswelten befragt und Handlungsempfehlungen für die politischen Entscheidungsträger gegeben. Die Autoren sagen am Ende mit Bourdieu, dass es nicht genügt, nur die Ergebnisse abzuliefern, sondern Kommunikationsstrukturen mit der Politik aufzubauen und zu festigen: „Wir Forscher können zumindest davon träumen, dass ein Teil unserer Forschung der sozialen Bewegung nützen könnte, anstatt verloren zu gehen…“ (S. 137)

Zum 5. Teil: Bürger nehmen sich ihre Stadt / zum 6. Teil: Kunst überall

Im fünften und sechsten Teil des Sammelbandes stellen Künstler (Jonny Bauer im Interview), Lehrende (Peter Bünder/Volker Schulz) sowie Experten und Wissenschaftler aus Sport/Erlebnispädagogik (Harald Michels), Musikpädagogik (Hubert Minkenberg), Performance (Swantje Lichtenstein/Maria Schleiner) Projekte vor, wie BürgerInnen aktiviert werden können, ihren Sozialraum nach ihren Bedürfnissen umzugestalten und einzelne Areale neu zu definieren.

Es wird deutlich, wie zum Beispiel die Jugendkultur durch ihre sportlichen Aktivitäten, wie das Parcouring oder Skaten, längst auf dem Weg ist, öffentliche Räume zu ihren privaten Räumen zu erobern, und wie das Urban-Gardening ebenfalls längst Teil einer Stadtkultur geworden ist. Auch öffentliches Singen hält immer mehr Einzug und als eindrückliches Beispiel wird der Berliner Weltkünstler von Johanna Schenkel vorgestellt, der radikal und ironisch Landschaftsveränderung betreibt, womit immer wieder für erheiternde Verblüffung und neue Sichtweisen sorgt.

Zum 7. Teil Lebenskunst

In Form von kurzen Interviews werden den bereits aus vorhergegangenen Beiträgen bekannten Künstlern und Performern die gleichen Fragen zu ihrem Werdegang gestellt (Carsten Johannisbauer alias Jonny Bauer, Monika Bremen & Hans-Jörg Blondiau, Jessica Reisner, Pascal Blondiau, Pero). Was hat sie auf dem Weg zu ihrer wirksamen Lebenskunst, zu ihren speziellen Interessen und Fertigkeiten geführt. Fragen wie „Wann hat es bei dir angefangen mit politischen und kulturellen Aktivitäten außerhalb der Schule und Arbeit?“ oder „Was hat dich ganz am Anfang inspiriert?“ oder wer ihre Aktivitäten unterstützt hat, wer heute ihre Vorbilder sind und so weiter geben Aufschluss darüber, wie diese Akteure so kreativ und mutig geworden sind, warum sie sich in ihrem teils provozierenden Tun nicht haben beirren lassen, warum sie jenseits etablierter Institutionen effektiver arbeiten, und wie sie ihre eigenen Netzwerke aufbauen, pflegen und nutzen. Wichtige Hinweise möglicherweise auch für angehende Kultur- und Sozialpädagogen.

Diskussion

Erst wenn man auch als Leser sich nachforschend durch die einzelnen Beiträge gefurcht hat und am Ende das Buch als Ganzes betrachtet, gelingt es, die einzelnen Teile in ein (fast) sinnvolles Gesamtprojekt zu überführen. Bis dahin ist es ein etwas verschlungener Weg aus Einzelbetrachtungen, Charakteren, künstlerischen Zugängen und wiederum sehr strukturierten erhellenden Aufsätzen in einer gut lesbaren Form (Johanna Schenkel, Anne Mommertz, Lilo Schmitz u.a.), die leider nicht allen Beiträgen gegeben ist. Bei einigen Aufsätzen ist nicht ganz deutlich, wo, trotz aller Evidenz der Inhalte, der Bezug zum Thema ‚Artivismus‘ liegt (Jessica Reisner) oder warum der Performer neben dem Interview noch einen eigenen (eher schwer lesbaren) Aufsatz beisteuern muss. Ein gutes Lektorat hätte über manche Ungenauigkeiten hinweghelfen können.

Dem gegenüber steht eine Fülle von kreativen Zugängen zu öffentlichen Plätzen und Räumen, die in der heutigen Zeit (Köln, Istanbul, Pegida Dresden, Kairo, Russland, Polen usw.) prekär und daher umso mehr auf gemeinschaftlich wohlgesinnte Unterstützung angewiesen sind. Die hier beschriebenen Zugänge zur Aneignung des öffentlichen Raumes, zur Besetzung des Sozialraums mit den unterschiedlichsten Themen sind ein ergiebiges Feld für das Zusammenwirken von Sozial- und Kulturpädagogik mit Künstlern aller Sparten. Dass dies auch ein Gebiet für die handlungsorientierte Forschung (auch in Kooperation mit Künstlern und Pädagogen) ist, zeigen ausgewählte Beiträge dieser Publikation.

Fazit

Auch wenn der Sammelband nicht in allen Teilen das hält, was er verspricht, wird hier doch ein sehr facettenreicher und motivierender Einblick in die Möglichkeiten eines aktivierenden Mitmachurbanismus (DIY-Urbanismus) gegeben, der auch in der aktuellen Flüchtlingsthematik einiges an methodischen Beispielen – insbesondere was die Aktivitäten jenseits institutioneller Bürokratie angeht – transportieren könnte. Der Ideenreichtum einiger Projekte ist ansteckend und kann unter engagierter, gut vernetzter Anleitung Synergieeffekte in Gang setzen, wenn es gelingt, im unmittelbaren Sozialraum aktiv zu werden und im Sinne des Gemeinwesens Kompetenzen zusammenzuführen.


Rezensentin
Prof. Bettina Brandi
Theaterwissenschaftlerin mit Zusatzqualifikation Medienpädagogik, Lehrgebiet Theater- und Medienpädagogik an der Hochschule Merseburg im Fachbereich Soziale Arbeit.Medien.Kultur von 1994 - 2013
Homepage web.hs-merseburg.de/~brandi/
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Zitiervorschlag
Bettina Brandi. Rezension vom 15.02.2016 zu: Lilo Schmitz: Artivismus. Kunst und Aktion im Alltag der Stadt. transcript (Bielefeld) 2015. ISBN 978-3-8376-3035-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20118.php, Datum des Zugriffs 21.11.2019.


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