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Edna B. Foa, Kelly R. Chrestman u.a.: Verlängerte Konfrontationstherapie für Jugendliche ... (posttraumatische Belastungsstörung)

Cover Edna B. Foa, Kelly R. Chrestman, Eva Gilboa-Schechtmann: Verlängerte Konfrontationstherapie für Jugendliche mit einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die emotionale Verarbeitung traumatischer Erfahrungen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2016. 141 Seiten. ISBN 978-3-8017-2630-0. D: 44,95 EUR, A: 46,30 EUR, CH: 55,90 sFr.
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Thema

Basierend auf der kognitiven Verhaltenstherapie enthält das Therapiemanual alle konkreten Behandlungsschritte für die Therapie von posttraumatischen Belastungsstörungen bei Jugendlichen.

Autorinnen

Die drei Autorinnen forschen und lehren im Bereich von Angststörungen und Störungen nach Traumata.

Aufbau

Nach der theoretischen Einführung und Erklärung des zugrundeliegenden Störungsmodells werden die verschiedenen Phasen der Therapie mit Jugendlichen bei Posttraumatischen Belastungsstörungen in allen konkreten Behandlungsschritten erläutert. Eine beiliegende CD enthält ein Arbeitsbuch für Jugendliche und Arbeitsmaterialien für die Therapie.

Inhalt

Die ersten beiden Kapitel erläutern die theoretischen Grundlagen der kognitiven Verhaltenstherapie und die diagnostischen Erfordernisse für die Durchführung einer Therapie. Dabei wird auf alle im Programm enthaltenen Module eingegangen und über die Besonderheiten der Therapie bei Jugendlichen informiert.

Die weiteren Kapitel orientieren sich an den konkreten Phasen der Therapie in seinem zeitlichen Ablauf. Hier ist jeweils die konkrete Durchführung einer Stunde mit Beispielfragen, Arbeitsblättern und Übungen enthalten.

  1. Die erste Phase ist die Vorbereitung der Therapie mit einem motivationalem Interview und Hinweisen zum Fallmanagement.
  2. Dem schließt sich die Phase der Psychoedukation und Behandlungsplanung an, mit einer Erläuterung zum Behandlungsmodell, der möglichen Informationserfassung mit dem Trauma-Interview und Informationen zu häufigen Reaktionen auf ein Trauma.
  3. Die dritte Phase beschreibt die verschiedenen Möglichkeiten der Durchführung von Konfrontationen (Experimente im richtigen Leben, Nacherzählen der Erinnerungen und das Modul „schlimmste Momente“).
  4. Abgeschlossen wird das Therapie-programm durch die Phase der Rückfallprophylaxe und der Beendigung der Therapie.

Abschließend wird im letzten Kapitel auf die besonderen Herausforderungen bei der Therapie mit Jugendlichen eingegangen, in welcher Form sich beispielsweise ein Therapeut auf den unterschiedlichen Entwicklungsstand von Jugendlichen einstellen kann und welche möglichen Methoden hier hilfreich sein könnten.

Ergänzend sind sowohl im Anhang wie auch auf der beigelegten CD verschiedene Informations- und Arbeitsblätter, Protokollbögen und Zusatzmaterialien enthalten, die der jeweilige Jugendliche und der Therapeut nutzen können.

Diskussion

Das Handbuch ist ausdrücklich für erfahrene Therapeuten konzipiert und basiert auf einer Behandlungsmethode für Erwachsene, die nach einem Trauma die spezifischen, emotionalen Symptome verarbeiten möchten. In den einleitenden Informationen wird sich explizit auf die langjährigen Erfahrungen mit der Konfrontationstherapie bei Angststörungen bezogen. Das zugrundeliegende Therapieprogramm wurde methodisch für die Arbeit mit Jugendlichen angepasst, folgt aber in seinen einzelnen Schritten dem üblichen Ablauf einer kognitiven Verhaltenstherapie. Bei den theoretischen Einführungen fällt auf, dass die verschiedenen Formen traumatischer Erfahrungen nicht unterschieden werden, so wird beispielsweise die Erfahrung von sexuellem Missbrauch ähnlich kategorisiert wie die Erfahrung, bei einem Autounfall dabei gewesen zu sein. Diese Vermischung von komplexer, chronischer Traumatisierung und zeitlich eingegrenzten, traumatischen Erfahrungen ist ärgerlich und ignoriert die Forschung der letzten Jahrzehnte zur komplexen Traumatisierung bei Kindern und Jugendlichen, die entsprechend auch andere Folgerungen für die Therapie ziehen.

Unabhängig von dieser Kritik ist das Manual für Therapeuten, die eine eindeutige Posttraumatische Belastungsstörung bei Jugendlichen behandeln, durchaus ein Gewinn, da das Buch eine Fülle konkreter Übungen und Arbeitsmaterialien bietet, Beispielfragen und klare Durchführungshinweise für die einzelnen Therapiesitzungen enthält. Der Fokus des Programms liegt auf der therapeutischen Unterstützung von Jugendlichen bei ihrer emotionalen Verarbeitung von verschiedenen Ängsten. Besonders betont wird in den Informationen für die Therapeuten, dass der Einbezug der Eltern oder anderer Bezugspersonen wichtig ist. Folgerichtig werden hier auch Hinweise gegeben, wie diese motiviert werden können.

Fazit

Für Therapeuten, die mit der kognitiven Verhaltenstherapie vertraut sind, liegt der Nutzen dieses Buches ist dem spezifischen Zuschnitt der Therapie auf Jugendliche mit Traumafolgestörungen und den vielfältigen Anregungen und Arbeitsmaterialien für die praktische Arbeit.


Rezensent
Prof. Ulrich Paetzold
Professor für Psychologie an der Hochschule Lausitz, Fachbereich Sozialwesen in Cottbus. Neben interkulturellen Fragen sind Schwerpunkte in der Lehre: sexueller Missbrauch, Klinische Psychologie, Beratung. Zusatzqualifikationen: Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten sowie verschiedene kognitive Therapieverfahren.
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Zitiervorschlag
Ulrich Paetzold. Rezension vom 29.02.2016 zu: Edna B. Foa, Kelly R. Chrestman, Eva Gilboa-Schechtmann: Verlängerte Konfrontationstherapie für Jugendliche mit einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die emotionale Verarbeitung traumatischer Erfahrungen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2016. ISBN 978-3-8017-2630-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20119.php, Datum des Zugriffs 12.12.2019.


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