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Uwe Bettig, Kirsten Aner u.a. (Hrsg.): Personalentwicklung in der Pflege

Cover Uwe Bettig, Kirsten Aner, Mona Frommelt, Martina Roes, Roland Schmidt u.a. (Hrsg.): Personalentwicklung in der Pflege. Analysen – Herausforderungen – Lösungsansätze ; Jahrbuch Pflegemanagement. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2015. 195 Seiten. ISBN 978-3-86216-227-7. 39,99 EUR.
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Herausgeber

Da es sich um das Jahrbuch Pflegemanagement handelt, gibt es gleich fünf Herausgeber. Uwe Bettig ist Professor an der Alice Salomon Hochschule Berlin, Mona Frommelt ist Ärztin und Direktorin der Hans-Weinberger-Akademie der AWO, Martina Roes ist Professorin für Nursing Science and Health Care Research an der Universität Witten/Herdecke, Roland Schmidt ist Professor an der FH Erfurt und Günther Thiele ist ebenfalls Professor an der Alice Salomon Hochschule Berlin.

Entstehungshintergrund

Ziel von Pflegeeinrichtungen muss es, insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels sein, ein attraktiver Arbeitgeber zu werden. In dem Jahrbuch Pflegemanagement werden statistische Gegebenheiten und Ergebnisse relevanter Forschungsprojekte ausgewertet, um Hinweise hierfür zu bekommen. In der Personalentwicklung wird ein Instrument gesehen, dieses Ziel zu erreichen. Vor allem, da Kompetenzmanagement in der Gesundheitswirtschaft bisher kaum verbreitet ist. Der effiziente Einsatz der Mitarbeiter, die gezielte Rekrutierung und die Weiterentwicklung der personalen Ressourcen soll durch ein kompetenzbasiertes Personalmanagement ermöglicht werden.

Aufbau

Das Buch ist in acht Beiträge sowie einige Verzeichnisse untergliedert. Jeder Beitrag wird von anderen Autoren verantwortet, weshalb sich die Texte unterscheiden. Wie bei juristischen Fachbüchern sind die einzelnen Kapitel durchnummeriert, was die Zitiermöglichkeit deutlich verbessert. Alle Beiträge sind professionell lektoriert und layoutet; neben dem Inhaltsverzeichnis finden sich jeweils eine Schlagwortübersicht und ein Abstract am Beginn jedes Beitrages.

Inhalte

„1 Demografischer Wandel und Pflegearbeitsmarkt“ von Dieter Bogai & Franziska Hirschenauer beschäftigt sich zunächst mit der Bevölkerungsentwicklung. Hierzu werden Fakten und Prognosen zusammengetragen und dann nochmals die Effekte am Beispiel Brandenburg aufgezeigt. Der zweite Strang ist die Pflegebedürftigkeit. Beide Stränge werden im Kapitel Perspektiven des deutschen Pflegemarkts zusammengefasst.

„2 Personalentwicklung und -akquise in der Pflege“ stammt von der bekannten Arbeitsmarktpolitikerin Ursula Engelen-Kefer & Kirsten Aner. Eine sehr kurze Darstellung der demographischen Rahmenbedingungen, Ausführungen zu Belastungen und Fluktuation führen zu einem Forschungsbedarf, der durch ein Forschungsprojekt der Alice Salomon Hochschule Berlin gedeckt wird. Die Ergebnisse werden im Kapitel Age-Management im Gesundheits- und Sozialwesen – ein Lehrforschungsprojekt referiert.

„3 Lohntheoretische und methodische Positionen gewerkschaftlicher Arbeit im Wandel“ stammt von Oliver Dilcher von der ver.di Bundesverwaltung. Er setzt sich mit der Theorie und Methodik der Lohnfindung aus gewerkschaftlicher Sicht auseinander. Es folgen zwei kurze Kapitel zu den Konsequenzen für das Gesundheitswesen und ein Ausblick.

„4 Die Berufsbindung im Gesundheitswesen in Berlin und Brandenburg“ von Dieter Bogai & Doris Wiethölter stellt die Hauptergebnisse einer Studie des IAB Berlin Brandenburg vor. Anhand der vier Berufe Krankenschwester/-pfleger, Helfer in der Krankenpflege, Sprechstundenhelfer und Altenpfleger/-pflegehelfer werden die Berufswechsel und Berufsverbleibe sowie der Verbleib nach Verlassen des erlernten Berufs untersucht. Letztlich geht es also um die Berufstreue, wie sich auch an der Definition der Übergänge zeigt.

„5 Zukunftsorientierte Steuerung von Pflegeunternehmen durch integriertes Qualitäts- und Personalmanagement“ wurden von Uwe Bettig, Sabine Nitsche, Veit Hannemann & Rüdiger Hoßfeld geschrieben. Auch hierbei handelt es sich wieder um das Referieren eines Forschungsprojekts; dieses Mal von der Alice Salomon Hochschule Berlin und Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin durchgeführt. Nach der Zieldefinition Mitarbeiterbindung werden die Argumente für ein integriertes Qualitäts- und Personalmanagement aufgeführt. Hierzu werden die verschiedenen Instrumente vorgestellt, der Status-Quo untersucht und Kennzahlen als Indikatoren für die nachhaltige Steuerung entwickelt, die in ein Controlling-System eingehen.

„6 Attraktive Arbeitgeber in der Pflege – Gewinnung und Bindung von Fachkräften und Förderung von Gesundheit und Engagement“ wurde von Lutz Schumacher geschrieben. Affektives und kalkulatives Commitment stehen im Mittelpunkt seiner Untersuchung, wobei die aktuelle Diskussion um Retention und Bonding nur teilweise wiedergegeben wird. Ab Kapitel 3 wird dann eine eigene Studie des Autors vorgestellt.

„7 Die Generation Y im Arbeitsleben“ stammt von Uwe Bettig, Günther Thiele & Theresa A. Göppert. Im Jahr 2009 veröffentlichte Anders Parment in Stockholm sein Buch „Die Generation Y – Mitarbeiter der Zukunft“. Jetzt ist diese doch eher kritisch zu betrachtende Klassifizierung und Zuordnung von Eigenschaften einer willkürlich abgegrenzten Generation auch im Gesundheitsbereich angekommen. Auch die Autoren sehen die „Etiketten-Inflation“ zu recht kritisch (20). Warum aber wird sie dann in einem Jahrbuch diskutiert?

„8 Kompetenzbasierte Steuerung des Personalmanagements – eine Chance für Pflegeunternehmen“ haben Uwe Bettig, Veit Hannemann, Rüdiger Hoßfeld, Sabine Nitsche, & Thomas Schneider geschrieben. Auch hierbei handelt es sich um die Wiedergabe eines Forschungsprojekts der Alice Salomon Hochschule Berlin und Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Die seit den 1990er Jahren diskutierte Abkehr von einer inputorientierten Qualifikationsorientierung hin zu einer outputorientierten Kompetenzorientierung wird hier relativ einfach wiedergegeben. Vor allem wird fast ausschließlich auf die Definitionen von Erpenbeck & Rosenstiel Bezug genommen; dies kann sicherlich umfänglicher diskutiert werden.

Diskussion

Ein „Jahrbuch“ oder „Almanach“ soll immer die wichtigen Themen eines Jahres, hier also die Pflegethemen des Jahres 2015 abbilden. Dies ist eine große Herausforderung für die Herausgeber: welche Themen sind besonders relevant, welche Herausforderungen besonders groß oder welche Beiträge besonders prägend? Daher ist es vermessen zu hoffen, dass eine sozusagen unantastbare Auswahl getroffen werden kann. Insofern ist es auch nicht zulässig, daran herumzukritisieren. Aber es sei schon gestattet darauf hinzuweisen, dass die Auswahl der Beiträge zumindest nicht plural ist: es ist nur die gewerkschaftliche Seite vertreten, viele Themen sind Forschungsprojekte der Alice Salomon Hochschule Berlin und viele Ausführungen beziehen sich auf Berlin und Brandenburg.

Fazit

Das Thema Personalentwicklung ist für Pflegeeinrichtung sicherlich relevant, auch ohne dass es dafür des Fachkräftemangels bedurfte. Denn gut ausgebildete, auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand qualifizierte Pflegekräfte können ihre anspruchsvollen Aufgaben zweifelsohne besser erfüllen. Leider wird das Jahrbuch der Komplexität der Thematik nur partiell gerecht. Dies ist vor allem der Auswahl der Beiträge geschuldet, die sich schwerpunktmäßig auf Forschungsprojekte einer Hochschule sowie einer bestimmten gesellschaftspolitischen Ausrichtung konzentrieren. In einem Jahrbuch hätte man durchaus differenzierte Positionen erwarten dürfen.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
Professor für Human Resource Management an der Fachhochschule Koblenz
RheinAhrCampus Remagen
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 07.03.2016 zu: Uwe Bettig, Kirsten Aner, Mona Frommelt, Martina Roes, Roland Schmidt u.a. (Hrsg.): Personalentwicklung in der Pflege. Analysen – Herausforderungen – Lösungsansätze ; Jahrbuch Pflegemanagement. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2015. ISBN 978-3-86216-227-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20144.php, Datum des Zugriffs 27.07.2017.


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