Thomas Müller: Einrichtungen der stationären Altenpflege im Wandel
Rezensiert von Prof. Dr. Gabriele Moos, 16.02.2016
Thomas Müller: Einrichtungen der stationären Altenpflege im Wandel. Veränderungs- und betriebswirtschaftliche Anpassungsprozesse und ihre Auswirkungen auf die Personalbeschaffung von Leitungskräften. Duncker & Humblot GmbH (Berlin) 2015. 266 Seiten. ISBN 978-3-428-14686-4. D: 89,90 EUR, A: 92,50 EUR, CH: 119,00 sFr.
Thema und Enstehungshintergrund
Die stationäre Altenpflege ist seit Einführung der Pflegeversicherung vor mehr als 20 Jahren mit erheblichen Veränderungen konfrontiert. Wesentliche Einflussfaktoren ergeben sich aus veränderten sozialpolitischen, soziodemografischen, ökonomischen und personellen Rahmenbedingungen. Das Ziel der vorliegenden Untersuchung, die der Verfasser im Jahr 2014 an der Universität Duisburg-Essen als Dissertationsschrift vorgelegt hat, besteht darin, die Erkenntnislücken zu Veränderungsprozessen und deren Auswirkungen auf die Personalbeschaffung von Leitungskräften in Einrichtungen der stationären Altenpflege aufzuzeigen. Betrachtet wird diese Fragestellung insbesondere aus der Perspektive von Leitungskräften. Im Rahmen einer empirischen Untersuchung wird der Frage nachgegangen, welche Veränderungen im Bereich der stationären Altenpflege von den befragten Experten wahrgenommen werden, wie darauf reagiert wird und wie externes Leitungspersonal rekrutiert wird.
Autor
Dr. Thomas Müller, M.A., Dipl. Sozialwirt (BA) ist Geschäftsführer der contec GmbH und Leiter der Personalberatung conQuaesso®. Schwerpunkte seiner Arbeit bilden die Unterstützung von Unternehmen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft bei der Abdeckung von Vakanzen, bei der Gewinnung von Fach- und Führungskräften sowie bei der Etablierung als attraktiver Arbeitgeber.
Aufbau und Inhalte
Nach einer Einleitung in die Thematik werden im zweiten Kapitel die veränderten Rahmenbedingungen aus sozialpolitischer, soziodemografischer, ökonomischer und personeller Sicht dargestellt.
Im Zentrum des dritten Kapitels stehen die theoretischen Grundlagen der Personalbeschaffung.
Im vierten Kapitel erfolgt die Darstellung des methodischen Vorgehens.
Auf Basis von Experteninterviews werden im fünften Kapitel relevante Veränderungsprozesse aufgezeigt.
Im sechsten Kapitel wird die Frage beleuchtet, welche betriebswirtschaftlichen Anpassungsprozesse die untersuchten Einrichtungen vor dem Hintergrund der aufgezeigten Veränderungsprozesse vorgenommen haben.
Im siebten Kapitel wird die Personalbeschaffung vor dem Hintergrund der veränderten Anforderungen beleuchtet.
Am Ende fasst der Autor die Forschungsergebnisse zusammen. Es wird deutlich, dass alle interviewten Personen deutliche Veränderungen sehen, die Anpassungsprozesse erfordern. Beispielsweise haben sich die Anforderungen an die Position der Pflegedienstleitung von der „Fachlichkeit“ zum „Management“ (S. 163) entwickelt.
Diskussion
Die Untersuchung zeigt klar, dass die aktuelle Rekrutierung von Leitungskräften den vielfältigen Anforderungen nicht gerecht wird. Die Rekrutierungspraxis bleibt weit hinter dem zurück was nötig wäre, so die Kernaussage von Müller. Weder werden klare Anforderungen für Leitungspositionen formuliert, noch zielführende Wege zur Rekrutierung systematisch genutzt, Müller fordert eine stärkere Fokussierung auf betriebswirtschaftliche Kompetenzen in den Anforderungsprofilen, eine neue Form der Vernetzung, eine klare Abgrenzung von Verantwortungsbereichen, eine Weiterentwicklung der Unternehmenskultur und den verstärkten Einsatz von Marketinginstrumenten. Es werden insbesondere solche Maßnahmen als sinnvoll erachtet, die unter die Themenfelder „Kooperationen“ und „Arbeitgeberattraktivität“ in der aktuellen Diskussion subsumiert werden. Die zielführende Gestaltung von Attraktivitätsfaktoren wird vom Autor als dringend notwendig erachtet, damit Leitungskräfte in stationären Einrichtungen auch in Zukunft gewonnen werden können.
Zielgruppen
Das Werk richtet sich an Studierende, Wissenschaftler, Berater und Entscheider im Feld der Altenpflege.
Fazit
Bisher liegen zur Frage der externen Rekrutierung von Leitungskräften in der stationären Altenpflege kaum Untersuchungen vor. Das vorliegende Buch schließt diese Lücke und gibt auch dem Praktiker hilfreiche Anregungen zur erfolgreichen Rekrutierung von Leitungskräften in der stationären Altenpflege.
Rezension von
Prof. Dr. Gabriele Moos
RheinAhrCampus Remagen, Fachbereich: Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Lehrgebiet Sozialmanagement
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