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Jutta Wergen: Promotionsplanung und Exposee

Cover Jutta Wergen: Promotionsplanung und Exposee. Die ersten Schritte auf dem Weg zur Dissertation. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. 2. Auflage. 169 Seiten. ISBN 978-3-8252-4452-1. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,00 sFr.
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Thema und Hintergrund

„Im Jahr 2013 promovierten in Deutschland ca. 200.000 Menschen.“ So zitiert die Autorin Jutta Wergen in der Einleitung ihres Ratgebers für Promovierende und solche, die es werden wollen, den Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs des BMBF. Jährlich werden über 20.000 Promotionen abgeschlossen. Allerdings wird auch eine große Zahl von Promotionen abgebrochen.

Vor diesem Hintergrund legt Wergen eine Übersicht über die Voraussetzungen, die formalen Bedingungen und Möglichkeiten der Finanzierung von Promotionen vor und gibt Ratschläge zur Planung der Promotionsphase. Zudem gibt sie Hinweise zum Erstellen eines Exposees für die geplante Promotion.

Autorin

Dr. Jutta Wergen ist Sozialwissenschaftlerin. Auf ihrer Webseite stellt sie sich als Coach, Trainerin und Expertin für das Thema „Erfolgreich promovieren“ vor. (http://coachingzonen-wissenschaft.de/; Zugriff am 25.2.2016)

Aufbau

Der Promotionsratgeber ist in vier Teile gegliedert.

  • Die ersten beiden, sehr umfangreichen Abschnitte beschäftigen sich mit allgemeinen Fragen zur Promotion bzw. der Erstellung eines Exposees. Diese Teile 1 und 2 sind nach unterschiedlichen Themen weiter untergliedert. An mehreren Stellen sind sogenannte FAQs, also häufig gestellte Fragen mit den Antworten der Autorin eingefügt.
  • Es folgt als Teil 3 ein kurzer Abschnitt über Zeitmanagement, Software und Literaturempfehlungen.
  • Ein Anhang (Teil 4) mit einem Glossar und den Quellenangaben schließt das Werk ab.

Inhalt

Wergen beginnt ihre Ausführungen mit Überlegungen zur Planung einer Promotion, mit der Frage, was eine Promotion überhaupt ist und wie sie abläuft. In diesem Zusammenhang beschäftigt sie sich auch mit Gründen für oder gegen eine Promotion und unterschiedlichen Motivationen zur Promotion.

Es folgen Informationen zu den formalen Voraussetzungen einer Promotion, also zu den unterschiedlichen Promotionsordnungen und den Sachverhalten, die sie regeln. In diesem Abschnitt geht Wergen auch auf besondere Situationen und Verfahren ein, u. a. die fachfremde Promotion, die Promotion mit Fachhochschulabschluss, die Fast-Track-Promotion und die kumulierte Promotion.

Der Promotionsbetreuung widmet Wergen ein weiteres Kapitel. Hier führt sie aus, wie eine geeignete Betreuung gefunden werden kann und welche Schwierigkeiten typischer Weise auftreten können.

Ausführlich beschäftigt sich Wergen mit der Finanzierung der Promotionsphase. Hier werden unterschiedliche Möglichkeiten berücksichtigt: die Promotion als wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in, das Stipendium sowie die externe Finanzierung.

Ein weiteres Kapitel befasst sich mit strukturierten Promotionsprogrammen, den Zielen, die mit ihnen verfolgt werden, sowie ihren Vor- und Nachteilen. Der allgemeine Teil zur Promotion schließt mit einem kurzen Abschnitt zur allgemeinen Karriereplanung.

Im zweiten Teil beginnt Wergen mit allgemeinen Überlegungen dazu, was ein Exposee ist und wozu es dient. Sie beschäftigt sich danach mit der Frage, wie ein Thema für die Promotion gefunden und eingegrenzt werden kann. Sehr ausführlich stellt sie dann den inhaltlichen Aufbau eines Exposees dar. In einem kurzen, abschließenden Kapitel erläutert die Autorin Exposee-Varianten, die bei der Vorbereitung einer Promotion erforderlich sein können.

Das folgende Kapitel gibt in knapper Form Auskunft über verschiedenen Methoden des Zeitmanagements. Danach werden Literaturverwaltungsprogramme und andere nützliche Software und Literatur vorgestellt. Im Anhang ist neben dem Quellenverzeichnis vor allem das Glossar interessant, das einige wichtige Begriffe noch einmal in wenigen Sätzen erläutert.

Diskussion

Jutta Wergen schöpft bei ihren Ausführungen über die Planung einer Promotion und die Erstellung eines Exposees ganz offensichtlich aus der Fülle ihrer Erfahrung als Coach. Sie hat im ersten Teil des Buches umfassende Informationen zu den verschiedensten Fragestellungen rund um die Promotion zusammen getragen, dazu viele nützliche Literaturangaben und Links. Letztere sind meist in Kästen hervorgehoben und gut auffindbar.

Das Buch ist so konzipiert, dass es grundsätzlich für Promotionen in unterschiedlichen Fächern verwendbar sein soll. Das führt allerdings dazu, dass an zahlreichen Stellen auf unterschiedliche Fächerkulturen verwiesen werden muss und mögliche Fragen der Leser/innen letztlich offen bleiben. Wergens Expertise liegt ganz offensichtlich im sozialwissenschaftlichen Bereich. Ob vor allem Naturwissenschaftler/innen oder Mediziner/innen hier die für sie wesentlichen Informationen finden, ist fraglich. Eine klarere Fokussierung auf eine Zielgruppe wäre sinnvoll gewesen.

An vielen Stellen finden sich Wiederholungen, die aber womöglich beabsichtigt sind, um auch Leser/innen, die das Buch nicht von vorn bis hinten durchzulesen wollen, möglichst viele Informationen zur Verfügung zu stellen. Trotz einer gewissen Redundanz liegt aus der Sicht der Rezensentin die Stärke des Werks vor allem im Teil 1, der sich mit der Vorbereitung, Organisation und Finanzierung der Promotionsphase beschäftigt.

Im zweiten Teil (Exposee) sind die Ausführungen nicht immer systematisch. So folgt beispielsweise auf die Überschrift „Der Prozess des Eingrenzens eines Themas“ eine Tabelle, die sich mit Themenfindung beschäftigt und in der das Eingrenzen nur ein Unterpunkt ist.

Die Autorin hält die Logik ihrer Gliederung nicht an allen Stellen durch. Unter den FAQs finden sich, z. B. auf S. 100, auch allgemeine Ausführungen, die keine konkreten Fragen der Leserschaft beantworten. Die FAQs werden nicht in allen Fällen beantwortet. Beispielsweise gibt Wergen auf die Frage, wie lang die Recherche des Forschungsstandes dauert und woran man merkt, dass man aufhören kann, die Antwort, es gelte, „die Recherche zu einem bestimmten Zeitpunkt einzustellen“ (S.112).

Teilweise sind die Ausführungen sehr kleinschrittig, wie etwa zur Frage der Eingrenzung des Promotionsthemas. Hier werden zahlreiche Beispiele gebracht, die fast zwei Seiten (S. 96 und 97) füllen. Einige Hinweise sind schwer nachvollziehbar. So bleibt der Rezensentin unklar, warum die wissenschaftliche Relevanz einer Promotion nicht explizites Thema des Exposees sein sollte (S.103).

Besonders gelungen im Teil 2 sind die Ausführungen zur Erstellung eines Zeitplans in einem Exposee, zu dem auch verschiedene Varianten für unterschiedliche wissenschaftliche Projekte gezeigt werden (S. 126ff.). Hier zeigt sich, dass die Stärke der Autorin, mehr als im eigentlichen Schreibcoaching, besonders in der Unterstützung einer guten Planung der Dissertation liegt.

Dafür, dass es sich um eine Anleitung zu einem großen akademischen Schreibprojekt und zudem um eine 2. Auflage handelt, enthält das Werk überraschend viele Fehler, vor allem in der Interpunktion.

Fazit

„Promotionsplanung und Exposee“ von Jutta Wergen fasst im Hinblick auf die Planung und Organisation der Promotionsphase wichtige Informationen zusammen. Vor allem Sozial- Geistes- und Kulturwissenschaftler/innen finden zahlreiche nützliche Hinweise, Links und Literatur. Eine Beschränkung auf diese Zielgruppe wäre sinnvoll gewesen. Weniger informativ und systematisch als der erste Teil des Buches ist der zweite Abschnitt, der sich mit der Erstellung des Exposees beschäftigt. Insgesamt könnte das Werk eine kräftige Kürzung und ein sorgfältiges Lektorat vertragen.


Rezensentin
Prof. Dr. phil. Dorothea Tegethoff
Master of Health Administration, Diplom-Pädagogin, Hebamme, Ev. Hochschule Berlin, Dualer Bachelorstudiengang Hebammenkunde
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Zitiervorschlag
Dorothea Tegethoff. Rezension vom 17.03.2016 zu: Jutta Wergen: Promotionsplanung und Exposee. Die ersten Schritte auf dem Weg zur Dissertation. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. 2. Auflage. ISBN 978-3-8252-4452-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20213.php, Datum des Zugriffs 18.03.2019.


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