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Benjamin Godde, Bettina Olk u.a.: Einführung Gerontopsychologie

Cover Benjamin Godde, Bettina Olk, Claudia Voelcker-Rehage: Einführung Gerontopsychologie. UTB (Stuttgart) 2016. 270 Seiten. ISBN 978-3-8252-4567-2. D: 34,99 EUR, A: 36,00 EUR, CH: 42,70 sFr.
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Thema

Im Kontext des schon stattfindenden demographischen Wandels bekommt Alter und altern ein eigenes Gewicht. Zum einen ist das mit der steigenden Anzahl älterer (und langlebiger) Menschen begründet, zum anderen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, die sich aus jüngeren Forschungen und Erkenntnissen ergeben haben. Damit ist das Thema Alter kein Randthema mehr in sozialwissenschaftlichen Publikationen, sondern bedarf eigener und umfassender Darstellung.

Den Autoren ist dieses Themenfeld als Lücke aus dem Kontext von Lehre, wissenschaftlicher Tätigkeit und Beratung aufgefallen, was der Impuls für dieses Buch war. Es ist als Lehrbuch konzipiert, d. h. übersichtliche Kapitel, die wiederum in Abschnitte unterteilt sind, sowie verschiedenste Formen von Hervorhebungen und am Ende eines jeden Kapitels noch Kontrollfragen.

Autor und Autorinnen

  • Prof. Dr. Ben Godde lehrt Neurowissenschaften und neurobiologische Grundlagen der Psychologie an der Jacobs University Bremen.
  • Prof. Dr. Claudia Voelcker-Rehage lehrt Sportpsychologie (Prävention und Rehabilitation) und Neurokognition der Bewegung an der TU Chemnitz.
  • Prof. Dr. Bettina Olk lehrt Kognitive Psychologie und Neuropsychologie an der HSD Hochschule Döpfer in Köln und ist in der Gerontopsychiatrie im St. Augustinus Memory-Zentrum in Neuss tätig.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist als Lehrbuch konzipiert und hat schon von daher einen sehr systematischen Aufbau. Insgesamt sind es 10 Kapitel, die verschiedenste Themenbereiche des Alters thematisieren, so dass der Titel „Einführung Gerontopsychologie“ nicht ganz zutreffend ist, denn tatsächlich ist der Bogen weiter.

Kapitel 1 beginnt mit kurzer (6 Seiten) Definition von Alter und Altern. Dem Konzept eines Lehrbuches für ein breites Lesepublikum folgend ist das sehr übersichtlich und gut verständlich erfolgt. Selbst hier gibt es noch eine kurze Zusammenfassung des Kapitels, bevor die 9 Kontrollfragen das Kapitel abschließen.

Das 2. Kapitel beschäftigt sich mit Themen des Alterns, wobei hier die biologische Spannbreite der verschiedensten Ansätze bzw. Theorien aufgezeigt wird. Dabei favorisieren die Autoren nicht eine bestimmte Richtung, sondern beschreiben im 2. Abschnitt dieses Kapitels Altern als lebenslangen Entwicklungsprozess (S. 31 ff.), um dann in der Zusammenfassung (S. 37 f.) darauf hinzuweisen, dass es widersprüchliche Theorien gibt. Das heutige Verständnis von Altern wird als multidimensional und multidirektional verstanden und muss im Kontext betrachtet werden (vgl. S. 38).

Im dritten Kapitel geht es um die Methoden der Altersforschung. Das ist ein sehr komplexes Kapitel, weil es einerseits um die verschiedenen Untersuchungsdesigns und deren Vor- und Nachteile geht, andererseits um die Methoden der Datengewinnung auf der Verhaltensebene und schließlich auch noch um Methoden der Hirnforschung. Bei dieser Bündelung von unterschiedlichsten Methoden zur Erkenntnisgewinnung muss es zwangsläufig oberflächlich bleiben. Der Leser bekommt zwar erklärt, was die einzelnen Methoden sind und wie welche Erkenntnisse daraus gewonnen werden können und das reicht zur Ahnung, um was es geht, aber nicht zur Reproduktion als Wissensanwendung. Den Autoren ist das auch nicht zum Vorwurf zu machen, denn es geht hier um ein Lehrbuch mit spezifischer Thematik, aber dennoch mag das Kapitel manchen Leser (z. B. in einer Fachschulausbildung) etwas ratlos werden lassen, zumal auch die angegebene weiterführende Literatur (S. 62) inhaltlich auch komplex und anspruchsvoll ist.

Kapitel 4 hat die physiologischen Aspekte des Alters zum Inhalt. Dieses ist unterteilt in die sensorischen, die motorischen und die Herz-Kreislauf-Funktionen. Das ist als Überblick sehr schön gelungen, gut nachvollziehbar und leicht verständlich. Vor allen Dingen gelingt es den Autoren gut, die eher medizinischen Inhalte in allgemeinverständlicher Sprache abzubilden.

Das Gehirn und die Neuroplastizität sind Inhalt des 5. Kapitels. Es beginnt mit einer Einführung in den Aufbau des Gehirns, dem schließt sich ein Abschnitt über die Veränderungen des Gehirns über die Lebensspanne an, führt dann zu strukturellen und physiologischen Veränderungen des Gehirns und mündet schließlich in der Veränderung des Gehirns durch Alterungsprozesse. Dem schließen sich noch Ausführungen zur Plastizität des Gehirns an. Auch hier ist die gute Übersichtlichkeit, die sich einerseits durch die Abbildungen und Hervorhebungen und andererseits durch die klare Sprache und weitergehende Reduktion von Fachbegriffen auf das Nötigste ergibt, hervorzuheben. Wie schon an anderen Stellen ist es eine Diskussion verschiedener Befunde und Forschungsergebnisse, die die Autoren darstellen, ohne dass dem Leser etwas besonders vorgegeben wird.

Die Kapitel 6 und 7 tragen beide die Überschrift „Psychologisches Altern“, aber unterscheiden sich (entsprechend den vorherigen Kapiteln) in Kognition (Kapitel 6) und Persönlichkeit, Emotion und Motivation (Kapitel 7). Streng genommen kommt also erst in diesen beiden Kapiteln der Titel des Buches zum Klingen, wenngleich alle anderen Kapitel natürlich auch irgendwie mit Gerontopsychologie zu tun haben und die Autoren impliziert in den Texten auch hier und da darauf hinweisen. Kapitel 6 erklärt erst einmal, welche Prozesse in der Kognition im Allgemeinen im Alter(n) stattfinden und es gibt dort auch zahlreiche (gute) Hinweise, wie bestimmte Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen sind. Insofern geht das Buch über die rein darstellerische Ebene hinaus und kann hier als Anwendung im pädagogischen/ therapeutischen Alltag genutzt werden. Kapitel 7 umreißt den (schwierigen) Zusammenhang zwischen der Person (Persönlichkeit) und inneren Prozessen (Emotion, Motivation), was sich kaum allgemein darstellen lässt, sondern von der Person, ihrer Gestimmtheit und Befindlichkeit sowie ihrer subjektiven und objektiven Situation abhängig ist.

Kapitel 8 hat das pathologische Altern zum Inhalt, unterteilt in die körperlichen und die psychischen Erkrankungen. Bei den körperlichen Erkrankungen sind nicht alle denkbaren Varianten aufzählbar und darstellbar, sondern die Autoren beschränken sich auf die erhöhte Krankheitsanfälligkeit und Multimorbidität und gehen dann noch näher auf typische Herz-Kreislauf-Erkrankungen ein sowie Schlafstörungen. Bei den psychischen Erkrankungen werden Depressionen und Demenz ausführlicher dargestellt. Auch hier gelingt es den Autoren gut, komplexe Inhalte in übersichtlicher Form und verständlicher Sprache darzustellen.

In Kapitel 9 werden unter der Überschrift „Interventionen für erfolgreiches Altern“ viele bereits angesprochene Aspekte aufgegriffen und fortgeführt. Es geht um das Gesundheitsverhalten als präventiver Lebensstil und um körperliche Aktivitäten, ausgewogene Ernährung und kognitives Training als Bündel von Maßnahmen zur Förderung der Kognition. Hier werden zahlreiche Untersuchungsergebnisse und Forschungsbefunde zitiert als Beleg und Hinweis darauf, dass Altern und dessen Gestaltung auch und vor allen Dingen sehr stark vom Individuum abhängig ist und es selbst im höheren Lebensalter noch eine Reihe von Möglichkeiten gibt, den eigenen Alterungsprozess positiv zu gestalten und Altern als angenehm zu erleben.

Das 10. Kapitel thematisiert ältere Menschen in der Gesellschaft, einerseits in der Arbeitswelt und andererseits in sozialen Zusammenhängen wie Familie und ehrenamtliches Engagement. Im Kontext des demographischen Wandels und heutiger Erkenntnisse ist längst deutlich geworden, dass ältere Menschen nicht nur dazugehören, sondern in vielerlei Hinsicht unverzichtbar sind, was aber auch bedeutet, auf diese Lebensphase(n) und deren Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen.

Diskussion

Das Buch ist als Lehrbuch konzipiert und das ist in dem ganzen Buch sichtbar an abgesetzten Definitionen, hervorgehobene Textpassagen, Schlagworte am Rand und Zusammenfassungen. Es zeichnet sich durch eine gute Bandbreite, eine allgemein gute Verständlichkeit und eine gelungene Verdichtung von komplexen Inhalten für Laien und fachfremde Menschen aus. Die Autoren haben das Buch an einen breiten Lesekreis von Studierenden, Dozenten und Praktikern in den Fächern Psychologie, Neurowissenschaften, Gerontologie, Bewegungs- und Sportwissenschaft, Medizin oder auch Physiotherapie und Pflegewissenschaft gerichtet (S. 9). Zu ergänzen ist das mindestens um Sozialpädagogik, Ergotherapie und Logopädie und sicher auch andere Disziplinen. Es ist ohne Frage für die Lehre in Bachelor-Studiengängen und für die praxisnahe Ausbildung geeignet (vgl. eld.), in Master-Studiengängen kann es höchstens einen kurzen Überblick geben, das aber gut. Ein Glossar erklärt noch wichtige und relevante Fachbegriffe und erleichtert damit Menschen, die sich bisher mit dem Thema kaum befasst haben, das Lesen des Buches sehr. Irritierend finde ich den Titel, denn das Buch beschränkt sich keineswegs auf Gerontopsychologie, sondern es stellt eine Einführung in die Gerontologie dar.

Summary

This book is drafted as a learning book. You will find a lot of marks about definitions and important passages during this book. It is written in a clear and general language, so it is good to understand. It offers a wide and good range about gerontology so the title is not really correct. This book is a good introduction and can be used from students in universities, colleges of higher education and professional schools as also from lectures and different professionals.


Rezensent
Prof. Stefan Müller-Teusler
Homepage www.uelzen.paritaetischer.de
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Zitiervorschlag
Stefan Müller-Teusler. Rezension vom 31.08.2016 zu: Benjamin Godde, Bettina Olk, Claudia Voelcker-Rehage: Einführung Gerontopsychologie. UTB (Stuttgart) 2016. ISBN 978-3-8252-4567-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20231.php, Datum des Zugriffs 22.11.2019.


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ISSN 2190-9245

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