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Christoph Steinhauser: Patientengewinnung im Krankenhaus

Cover Christoph Steinhauser: Patientengewinnung im Krankenhaus. Determinanten der Krankenhauswahl und ihre Beeinflussung ; eine theoretische und empirische Analyse. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2015. 317 Seiten. ISBN 978-3-8300-8293-4. D: 99,80 EUR, A: 102,60 EUR, CH: 135,00 sFr.
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Thema

Drei zentrale Trends im Gesundheitswesen führen dazu, dass sich Krankenhäuser stärker als in der Vergangenheit aktiv um die Gewinnung von Patienten kümmern müssen. Erstens ermöglichte der Gesetzgeber vermehrt den Wettbewerb innerhalb und zwischen den Sektoren, zweitens entscheiden souveräne Patienten zunehmend selbst über die Auswahl der Leistungserbringer und drittens nimmt die Qualitätstransparenz im deutschen Gesundheitssystem zu. Das Wissen um die Determinanten der Krankenhauswahl wird für Krankenhäuser zukünftig überlebenswichtig werden.

Entstehungshintergrund

Patienten sollen sich im Krankheitsfall frei und möglichst aktiv für ein bestimmtes Krankenhauses entscheiden können und Krankenhäuser sollen in der Lage sein mit ihren differenzierten Leistungsangeboten Patienten durch Marketing über ihre Leistungsqualität zu informieren. So beschreibt der Autor die Motivation für das Dissertationsvorhaben bei Prof. Dr. Dr. h.c Peter Oberender an der Universität Bayreuth. Im Zentrum der Arbeit stehen drei zentrale Forschungsfragen.

  1. Welche Determinanten liegen der Krankenhauswahl zu Grunde?
  2. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede prägen die Krankenhauswahl durch Patienten und durch zuweisende Ärzte?
  3. Wie tragen das Krankenhausmarketing und die Qualitätsmessung und -transparenz zur Patientengewinnung bei?

Aufbau

Die Arbeit gliedert sich in sieben Kapitel.

Aufbauend auf der Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit analysiert der Autor in Kapitel 2 Marketingmaßnahmen und Qualitätstransparenz als Einflussfaktoren der Krankenhauswahl, bevor er in Kapitel 3 den aktuellen Forschungsstand zur Krankenhauswahl darstellt. Kapitel 4 widmet sich den methodischen Grundlagen der empirischen Untersuchung. In Kapitel 5 leistet der Autor konzeptionelle und empirische Vorarbeit, um in Kapitel 6 die empirischen Befunde zur Krankenhauswahl darzustellen. Das Werk endet mit einem Fazit und Ausblick in Kapitel 7.

Inhalt

Die Einführung in das Buch beschäftigt sich mit der Problemstellung, der Zielsetzung sowie dem Aufbau der Arbeit und dem Gang der empirischen Untersuchung.

In Kapitel 2 werden Überlegungen zum Entscheidungskalkül zuweisender Ärzte und Patienten zur Krankenhauswahl analysiert und Möglichkeiten ihrer Beeinflussung durch Krankenhausmarketing und Qualitätstransparenz angestellt. Der Autor arbeitet heraus, dass zukünftig Marketingmaßnahmen und Qualitätstransparenz zunehmend gemeinsam gedacht werden müssen. Marketingmaßnahmen kommen nicht mehr ohne die Bereitstellung von Qualitätsdaten aus und die Qualitätstransparenz ist auf Hinweise insbesondere aus der Marktforschung angewiesen ist.

In Kapitel 3 gibt der Autor einen Überblick zu Studien zur Krankenhauswahl, die ein grundlegendes Verständnis der Präferenzen von Patienten und zuweisenden Ärzten ermöglichen und zeigt gleichzeitig, im Hinblick auf die eigene Arbeit Kritik an ihnen.

Aufbauend auf dieser Kritik legt der Autor in Kapitel 4 die methodischen Grundlagen für die spätere empirische Untersuchung. Die ökonomische Nutzentheorie wird als geeignetes Modell identifiziert, in der angenommen wird, dass die Entscheidungssubjekte (Patienten und Zuweiser) diejenige Alternative (Krankenhaus) wählen, die ihnen den höchsten Nutzen verspricht. Für die empirische Untersuchung muss deshalb die Haltung der Entscheidungssubjekte zu alternativen Produkten erfasst werden. Konkret entscheidet sich der Autor für die Durchführung einer Discrete Choice-Analyse, einem multiattributivem Bewertungsverfahren, das zunehmend in der Gesundheitsökonomik eingesetzt wird.

In Kapitel 5 werden in einem ersten Schritt 65 Merkmale mit jeweils mehreren Ausprägungen identifiziert. Zur Beantwortung der Forschungsfragen werden für die Ärzte 8 Attribute und für die Patienten 20 Attribute mit jeweils 2-4 Ausprägungen ausgewählt.

In Kapitel 6 werden die Ausgestaltung der Untersuchung, die Vorbereitung und Umsetzung der Befragung (677 Patienten und 727 zuweisende Ärzte), die Ergebnisse der Ärzte- und der Patientenbefragung dargestellt. Außerdem vergleicht der Autor in einem Kapitel die Präferenzen der Ärzte mit denen der Patienten.

In Kapitel 7 fasst der Autor die Arbeit zusammen und leitet Implikationen für die Marktforschung, ein zielgruppenspezifisches Marketing, die Weiterentwicklung des Marketing und Qualitätsmanagement sowie die Gesundheitspolitik ab. Die Arbeit schließt mit der Darstellung für weiteren Forschungsbedarf.

Diskussion

Der Aufbau der Arbeit ist sehr gut nachvollziehbar. Die Hinführung hilft dem Leser die Motivation, die Problemstellung und die Forschungsfrage sowie das Vorgehen des Dissertationsprojektes gut nachzuvollziehen.

Die ausführliche Darstellung der methodischen Grundlagen und der Konzeption der empirischen Untersuchung schaffen die Voraussetzung dafür, dass Leser unterschiedlicher Disziplinen das Werk verstehen können. Die Zwischenfazits nach jedem Kapitel erleichtern einen schnellen Überblick über die zentralen Ergebnisse des jeweiligen Kapitels.

Die Arbeit ist überwiegend explorativ und beruht hauptsächlich auf Daten aus einer Primärdatenerhebung. Der Autor geht zu jeder Zeit offen mit Limitationen der Methodik (z. B. Axiome der Präferenzmessung) und der eigenen wissenschaftlichen Arbeit um. Die Befragten wurden beispielsweise als convenience sample rekrutiert. Das bedeutet, dass eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den gesamten Krankenhausmarkt schwierig sein kann.

Die Publikation ist eine Dissertation und richtet sich in erster Linie an die Wissenschaft. Der starke Anwendungsbezug der Arbeit macht das Werk aber natürlich auch für Führungskräfte wie Geschäftsführer eines Krankenhauses sowie Fachkräften aus dem Qualitätsmanagement und dem Krankenhaus-Marketing interessant.

Fazit

Krankenhäuser stehen im Wettbewerb um Patienten. Um Patienten gewinnen zu können müssen in einem ersten Schritt die Determinanten der Krankenhauswahl aus Sicht der beiden relevanten Stakeholder, der Patienten und der einweisenden Ärzte bekannt sein. Die vorliegende Arbeit leistet einen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage.


Rezensent
Dr. Michael Schneider
Lehrbeauftragter und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth
Homepage www.wlh-fuerth.de
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Zitiervorschlag
Michael Schneider. Rezension vom 11.10.2016 zu: Christoph Steinhauser: Patientengewinnung im Krankenhaus. Determinanten der Krankenhauswahl und ihre Beeinflussung ; eine theoretische und empirische Analyse. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2015. ISBN 978-3-8300-8293-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20262.php, Datum des Zugriffs 20.07.2018.


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