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Heinz Reinders: Service Learning – Theoretische Überlegungen und (...)

Cover Heinz Reinders: Service Learning – Theoretische Überlegungen und empirische Studien zu Lernen durch Engagement. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. 260 Seiten. ISBN 978-3-7799-3380-9. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,10 sFr.
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Thema

Die Publikation leistet einen Beitrag zur Frage nach der Wirksamkeit und Wirkungsbedingungen von Service Learning am Beispiel einer deutschen Universität. Der Autor geht in seiner Forschung der Frage nach, unter welchen Konstellationen Service Learning im Vergleich zu Nicht-Service Learning Seminaren zu Wirkungen bei den Lernenden führt.

Autor

Heinz Reinders ist Professor an der Universität Würzburg und Inhaber des Lehrstuhls Empirische Bildungsforschung mit den Arbeitsschwerpunkten Evaluation pädagogischer Maßnahmen wie Service Learning in MINT Fächern an Schulen und Universitäten sowie Kindheits-, Jugend- und Migrationsforschung.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist unter anderem als Expertise für die Freudenberg-Stiftung als Unterstützer für die Etablierung von Service Learning an Schulen und Hochschulen entstanden. Für die Qualitätsentwicklung und evidenzbasierte Begründung dieser Lehr-Lernform werden aktuelle theoretische Debatten und Forschungsergebnisse systematisch zusammengefasst.

Aufbau

Das Buch ist in zwei Teile unterteilt.

Zum ersten Teil

Der erste Teil behandelt die theoretischen Grundlagen und gibt einen Überblick über den Stand der Forschung.

In den einleitenden ersten beiden Abschnitten als Vorwort und Einleitung wird die Relevanz des Service Learning und die Rolle der Freudenberg Stiftung hervorgehoben. Einleitend wird die Entwicklung von Service Learning und der Verankerung dieser Lehr-Lernform an Schulen und Hochschulen skizziert.

Im dritten Abschnitt wird die Frage, was Service Learning ist, beantwortet und ein kurzer Blick in die Entstehungsgeschichte gerichtet. Qualitätskriterien bzw. Standards für Service Learning werden dargestellt, wie die K-12-Standards aus den USA. Aus dem deutschsprachigen Raum werden die zentralen sechs Kriterien nach Seifert, Zentner und Nagy (2012) dargestellt, welche unter anderem den realen Bedarf der Community, die inhaltliche Verknüpfung mit den Lehrplänen, die regelmäßige Reflexion der Erfahrung sowie das begleitende und abschließende konstruktive Feedback und Anerkennung (S. 25) umfassen. Eine Reihe unterschiedlicher Definitionen werden in diesem Abschnitt angeführt. Als wesentlich wird dabei herausgearbeitet, dass es nicht darum geht, „was durch Service Learning mit Studierenden passiert, sondern was Studierende und Lehrende bei Service Learning machen und welche Grundprinzipien zu beachten sind“ (S. 27).

Der vierte Abschnitt stellt die theoretischen Grundlagen hinsichtlich theoretischer Vorläufer wie dem Erfahrungslernen sowie Bestandteile auf struktureller Ebene und Prozessmerkmale des Service Learning dar. Darauf aufbauend wird Service Learning als konstruktivistische Lehr-Lernform sowie Reflexion von Theorie und Praxis betrachtet. Abrundend werden Praxiserfahrungen bei dieser Lehr-Lernform unter dem Grundgedanken der Theorie der gemeinnützigen Tätigkeit diskutiert.

Überblicksstudien zur Wirksamkeit des Service Learning bei Studierenden und SchülerInnen werden im fünften Abschnitt zusammengefasst. Aus quantitativ konzipierten Metaanalysen werden Merkmalsbereiche wie Persönlichkeitseigenschaften, Sozialverhalten, zivilgesellschaftliches Verhalten und akademische Merkmale untersucht. Als Haupteffekte des Service Learning „kann durchaus eine generelle Wirksamkeit von Service Learning abgeleitet werden“ (S. 55), welche aber für die einzelnen Merkmale zu differenzieren sind und nur für die internationale Forschung gilt. Als Moderatoren des Einflusses werden Variablen auf theoretisch-didaktischer und empirisch-methodischer Ebene betrachtet.

Der sechste Abschnitt befasst sich mit sozio-kulturellen Wirkungen von Service Learning, wie der Wertebildung mit Fokus auf sozialer Verantwortungsübernahme sowie zivilgesellschaftlichen Engagements, veränderte Stereotype im Kontext der Kontakthypothese und interkulturelle Kompetenz.

Der Zusammenhang von Service Learning und akademischer Entwicklung wird im siebten Abschnitt mit Blick auf den Lernerfolg sowie lernrelevanten Faktoren wie Selbstwirksamkeit, Problemlöse- und Reflexionsfähigkeit betrachtet. Die Bedingungen für den Einfluss von Service Learning auf der Ebene inhaltlicher Faktoren wie Reflexion Feedback, Einbindung in das Curriculum, Seminargröße & -klima sowie Inhalte werden untersucht. Weiterhin erfolgt eine Darstellung von Strukturmerkmalen wie Verpflichtungsgrad, Zeitdauer und Intensität der Kooperation. Unter spezifischen Bedingungen all dieser Faktoren wird ein förderlicher Lernerfolg von Service Learning konstatiert.

Der achte Abschnitt resümiert die zentralen Befunde aus den Studien, leitet die Notwendigkeit weiterer Studien ab und überführt die zentralen Befunde in einem Zwischenfazit als neunten Abschnitt.

Zum zweiten Teil

Der zweite Teil betrachtet empirische Befunde des Autors zu Service Learning aus dem deutschsprachigen Raum an der Universität Würzburg.

Im zehnten Abschnitt werden drei aufeinander aufbauende Längsschnittstudien zur Wirksamkeit von Service Learning in Deutschland zusammengefasst: die Pilotstudie, die Prokrastinationsstudie sowie die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderte Hauptstudie. Das anschließend dargestellte Würzburger Inventar zur Erfassung von Reflexionsprozessen bei Service Learning ist dadurch gekennzeichnet, den komplexen Vorgang der Reflexion in theoretisch identifizierte Teilphasen zu zergliedern und zu operationalisieren (S. 122).

Entwicklungsprozesse in Service Learning Seminaren werden im elften Abschnitt betrachtet. Der Fokus liegt dabei auf der Wahrnehmung der Lernumwelt, lernrelevanten Merkmale, Reflexionsprozesse, Lernerfolg, Berufsbezogenheit und Persönlichkeitsentwicklung. Ein Überblick über diese Prozesse aus den Daten der drei Studien rundet den Abschnitt ab.

Der zwölfte Abschnitt fasst Befunde zu Bedingungen akademischer Entwicklung durch Service Learning zusammen. Dabei werden reflexive, metakognitive und motivationale Personenmerkmale sowie spezifische Bedingungen des Service Learning im akademischen Umfeld wie die in der Praxis erworbenen Kompetenzen, die Einschätzung der Praxisqualität als auch der erlebte Nutzen des Praxistagebuches betrachtet und zusammengefasst.

Das Buch schließt mit einer Diskussion und Ausblick im dreizehnten Abschnitt. An dieser Stelle wird das bisher fehlende Wissen betont, „welche Merkmale in welchen Konstellationen einen günstigen Verlauf [für das Service Learning] erwarten lassen“ (S. 201). Im Ausblick wird auf die Relevanz der Forschung in unterschiedlichen Fächern an unterschiedlichen Hochschulen hingewiesen, um weitere Einblicke in Bedingungskonstellationen zu erlangen.

Diskussion

Die vorliegende Publikation zum Service Learning liefert insgesamt eine gute Grundlage zum Thema Service Learning. Im theoretischen Teil wird eine Fülle an internationalen Studienergebnissen zusammengetragen, die insgesamt gut aufbereitet und im Hinblick auf die Wirksamkeit von Service Learning zusammengefasst wird. Zudem ist die theoretische Kontextualisierung für den Leser hilfreich. Besonders wertvoll sind die zentralen Zusammenfassungen an den Abschnittsenden, die dem Leser die Quintessenz aufzeigen und Wesentliches betonen. Im empirischen Teil steht die Frage nach der messbaren Wirkung von Service Learning im Vordergrund, für welche Faktoren und Bedingungen Service Learning eine Wirkung zeigt. Die quasi-experimentellen Designs der drei Studien mit je angepassten Fragebögen zur Selbsteinschätzung der Studierenden liefern Daten zu unterschiedlichen Messzeitpunkten. Die Stichprobe wird hier zwar beschrieben, jedoch bleibt eine Darstellung des didaktischen Konzeptes bzw. der methodisch-didaktischen Gestaltung des Service Learning Seminars im Unterschied zur didaktischen Gestaltung der anderen Lehrveranstaltungen aus, um eine Vorstellung zu erhalten, wie die Lehr-Lernform didaktisch umgesetzt wurde.

Die erhobenen Daten gelten zwar nur für den Bachelor Pädagogik, jedoch wird die Frage der Übertragbarkeit vom Autor abschließend gut diskutiert und es werden hilfreiche Begründungszusammenhänge für die Einführung von Service Learning geliefert. Deutlich wird im empirischen Teil, dass „die Forschung zu Bedingungen für „gutes Service Learning“ noch ganz an ihren Anfängen steckt“ (S. 198). Mit der vorliegenden Publikation ist damit ein interessanter erster Aufschlag getan.

Fazit

Die Publikation behandelt die Frage, unter welchen Bedingungen Service Learning zu welchen Wirkungen bei Lernenden führt. Basierend auf der theoretischen Verortung von Service Learning erfolgt eine Darstellung des internationalen Forschungsstandes. Im empirischen Teil werden Ergebnisse aus drei Studien an der Universität Würzburg zur Beantwortung der Frage nach den Wirkungen aufgeführt. Der Autor leistet insgesamt einen interessanten Beitrag zu diesem jungen Forschungsfeld.


Rezensentin
Dr. phil. Daniela Schmitz
Dipl.-Päd., Wissenschaftliche Mitarbeiterin im multiprofessionellen Masterstudiengang Masterstudiengang „Multiprofessionelle Versorgung von Menschen mit Demenz und chronischen Einschränkungen“ an der Universität Witten/Herdecke
Homepage www.uni-wh.de/studium/studiengaenge/multiprofession ...
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Zitiervorschlag
Daniela Schmitz. Rezension vom 06.12.2017 zu: Heinz Reinders: Service Learning – Theoretische Überlegungen und empirische Studien zu Lernen durch Engagement. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2016. ISBN 978-3-7799-3380-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20275.php, Datum des Zugriffs 13.12.2017.


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