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Daena Schlecht, Charis Förster u.a.: Wie gut ist unsere Kita?

Cover Daena Schlecht, Charis Förster, Beate Wellner, Ulrike Pohlmann, Stefan Sell: Wie gut ist unsere Kita? Skalen zur Einschätzung der pädagogischen Qualität. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2016. 144 Seiten. ISBN 978-3-451-34899-0. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 26,90 sFr.
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Thema

Ein wesentlicher Aspekt des Qualitätsmanagements ist die kontinuierliche Verbesserung. Der klassische PDCA-Zyklus beschreibt anschaulich dieses Vorgehen: Geplante Aktivitäten werden umgesetzt, die Zielerreichung überprüft und mögliche Korrektur- oder Verbesserungsmöglichkeiten abgeleitet. Die veröffentlichte Skala kann zur Überprüfung der vorliegenden Qualität in Kindertageseinrichtungen eingesetzt werden. Es ist, so die Autorinnen in ihrem Vorwort, „ein wissenschaftlich validiertes Verfahren, das Bildungsstandards entlang der Bildungspläne umfassend berücksichtigt.“ (S. 7) Mit Hilfe der vorliegenden Handreichung können Leiterinnen und Erzieherinnen ihre Qualität selbst messen und Felder bestimmen, in denen gegebenenfalls Veränderungen ratsam sind.

Autorinnen

  • Daena Schlecht, Diplom-Pädagogin, ist Gründerin und Geschäftsführerin von QUECC (Quality for Education and Child Care 2006). Arbeitet zu den Themen Qualitätsfeststellung, -sicherung und -entwicklung.
  • Dr. Charis Förster, Psychologin und Pädagogin, arbeitet an pädagogischen und gesundheitspsychologischen Themen. Seit 2007 Professorin für Theorie, Praxis und Empirie der Pädagogik der Kindheit an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes.
  • Dr. Beate Wellner, Diplom-Pädagogin, Studium der Sonderpädagogik und Erziehungswissenschaft. Sie ist in der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften tätig.

(lt. Autoreninformation auf www.herder.de)

Aufbau

Die Handreichung teilt sich grob in zwei Teile.

  1. Im ersten Teil (28 Seiten) finden sich Grundlageninformationen und Hinweise zum vorgestellten Verfahren.
  2. Der Hauptteil (94 Seiten) umfasst die notwendigen Materialien.

Ein Ausblick, Kontaktdaten, weitere Informationen zu Quecc, eine Danksagung an die Beteiligten sowie ein Literaturverzeichnis schließen die Publikation ab.

Inhalt

In ihrem Vorwort äußern die Autorinnen ihre Freude über die Neuauflage der Skala, zu der zwei Abschnitte hinzukamen: Eine kurze theoretische Einführung sowie die Messgüteeigenschaften. Die Publikation stelle sich der Herausforderung, die Bildungspläne aufzugreifen, sich an den Bedarfen aus der Praxis zu orientieren und eine praxisnahe Anleitung zu geben.

Die theoretische Einführung greift neben einer Begriffsbestimmung im Schwerpunkt die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität auf und geht auf die Qualitätsforschung im Bereich der frühkindlichen Bildung der letzten Jahre ein. Im Abschnitt „Grundlagen des Verfahrens“ beschreiben die Autorinnen die zwei Grundsäulen: Das neue Bild vom Kind und Entwicklung der Skala auf Basis der Bildungsinhalte der Bildungspläne. Hier findet der Leser auch eine tabellarische Übersicht über die Bildungsbereiche in den Bildungsplänen.

Das Einschätzungsverfahren sieht neben der Beobachtung und den Interviews mit der Erzieherin und Leitung auch die Analyse von Unterlagen und Materialien vor. Zunächst wird zwischen Bildungsbedingungen (Aufgaben von Träger, Leitung und Erzieherin) und Bildungsbereichen unterschieden. Insgesamt werden 68 unterschiedliche Kategorien geprüft und die erreichte Qualität mit einem bis fünf Sterne festgehalten. Einschätzungsbögen unterstützen die systematische Erfassung und Auswertung.

In ihrer Skalendokumentation beschreiben die Autorinnen neben der Stichprobe und der statistischen Auswertung die deskriptiven Kennwerte der Skalen und Unterskalen. Im Folgekapitel stellen sie die Messgüteeigenschaften (Objektivität, Reliabilität und Validität) dar.

Nach einem kurzem Blick auf die drei Bausteine des Verfahrens, geben die Verfasserinnen Hinweise zum Training zur optimalen Anwendung des Verfahrens, da nur so objektive und reliable Ergebnisse erzielt werden können. Das Verfahren eigne sich zur Selbst- und Fremdevaluation. Erstere bedarf einer Einarbeitung – im Idealfall durch ein Training. Anfragen zu Fremdevaluation und beziehungsweise zur Zertifizierung sind an „Quecc“ zu richten.

Diskussion

Die vorliegende Handreichung ist in einem praktischen DIN A4 Format mit Ringbindung aufgelegt. Die einzelnen Seiten lassen sich somit komplett umschlagen. Neben dem vorliegenden Hauptwerk sind 24-seitige Einzelbeobachtungsbögen erhältlich.

Der theoretische beziehungsweise einleitende Teil ist, wenn man davon ausgeht, dass sich interessierte Leser bereits im Vorfeld mit dem Themenfeld „Qualität in der Kindertageseinrichtung“ auseinandergesetzt haben, nach meiner Einschätzung ausreichend. Grundlagen und Verfahren sind so beschrieben, dass eine eigenständige Anwendung erfolgen könnte. An verschiedenen Stellen wird darauf hingewiesen, dass zukünftige Anwenderinnen an Informationsveranstaltungen und Trainings des Institutes Quecc teilnehmen können. Autorin Danea Schlecht ist Geschäftsführerin des Institutes mit Sitz in Berlin.

Die Autoren zeigen, dass in der Vergangenheit ein Zusammenhang zwischen Struktur- und Orientierungsqualität und der Prozessqualität nachgewiesen wurde. Fortbildung und Reflexion der konzeptionellen Grundsätze sollen sich positiv ausgewirkt haben. (Vgl. S. 9). In ihrer Beschreibung der Weiterentwicklung des „Bildes vom Kind“ wird deutlich, dass sich besonders der Aspekt Bildungsbegleitung änderte. (Vgl. S. 13) „Beziehung und Geborgenheit“ benötigt gleichbleibende Bezugspersonen, ein breites Themenangebot lässt sich gut in Offenen Konzepten mit entsprechender Ausstattung umsetzen, und eine pädagogische Planung, die an den Interessen der Kinder ansetzt, benötigt entsprechende Zeit- und Personalressourcen. Bleibt zu hoffen, dass Träger diese Ressourcen zur Verfügung stellen oder eine politische Übereinkunft zu Strukturmerkmalen eine Veränderung bringt.

Die gesammelten Kriterien in den einzelnen Kategorien wurden mit Hilfe von Inhaltsanalysen aus den Bildungsplänen abgeleitet. Dies erklärt vermutlich den unterschiedlichen Umfang beziehungsweise die Zuordnungen. So umfasst beispielsweise die Kategorie „Sicherheitsmanagement“ (Aufgabe des Trägers) lediglich sechs Kriterien. Drei Kriterien beziehen sich dabei auf die telefonische Erreichbar- / Nutzungsmöglichkeit, drei auf Erste-Hilfe-Ausbildung. Allein in der „ersten“ Stufe liest man hier die Forderung, dass alle Mitarbeiterinnen eine Erste-Hilfe-Ausbildung haben sollten. Sicherheitsbeauftragte oder Aspekte der Brandschutzverordnung werden hingegen nicht genannt. Die Einarbeitung neuer Mitarbeiterinnen bis hin zum Vorhandensein einer „Patin“ findet sich in der Kategorie „Qualitätsmanagement“ und fällt dort etwas aus dem Gesamtbild. Hier wäre auch eine Zuordnung zum „Personalmanagement“ möglich gewesen. In den höheren Stufen der Kategorien zu den Bildungsfeldern wird mal von „plant regelmäßig“ oder „regt an“ gesprochen, an andere Stelle liest man „regt mehrmals täglich an“ oder „täglich mehrere“. Diese verdeutlicht bereits eine unterschiedliche Wertzuschreibung. Hier könnte am vorliegenden System nachgebessert werden. Alles in allem decken die Skalen das Feld der Kindertagesbetreuung dicht ab und können ein anschauliches Bild der Leistungserbringung erzeugen.

Die Einschätzungen erfolgen gruppenbezogen. Setzt man die notwendige offene Haltung und auch das Einverständnis voraus, so könnten die unterschiedlichen Qualitätsprofile – im Sinne des Benchmarking – auch verglichen werden. Im Austausch über die unterschiedlichen Zielerreichungsgrade wäre eine Orientierung an der „guten Praxis“ der anderen Gruppen möglich.

Fazit

Die Handreichung liefert ein Skalenwerk zur Selbsteinschätzung der Qualität. Neben einem theoretischen beziehungsweise erklärenden Teil beinhaltet die Publikation alle notwendigen Skalen, Auswertungs- und Ergebnistabellen. Das Instrument eignet sich für Leitungskräfte und pädagogische Fachkräfte, die bereits Erfahrung mit Qualitätsmanagement haben, oder sich im Rahmen von Trainingskursen auf den Einsatz der Skalen vorbereiten möchten.


Rezensent
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH) Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Zitiervorschlag
Martin Walz. Rezension vom 23.03.2016 zu: Daena Schlecht, Charis Förster, Beate Wellner, Ulrike Pohlmann, Stefan Sell: Wie gut ist unsere Kita? Skalen zur Einschätzung der pädagogischen Qualität. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2016. ISBN 978-3-451-34899-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20277.php, Datum des Zugriffs 24.08.2019.


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ISSN 2190-9245

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