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Gerhard Regel, Sonja Ahrens: Offene Arbeit in der Kita

Cover Gerhard Regel, Sonja Ahrens: Offene Arbeit in der Kita. Pädagogische Ansätze auf einen Blick. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2016. 80 Seiten. ISBN 978-3-451-34840-2. D: 14,99 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 19,90 sFr.
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Thema

„Jeder Offene Kindergarten hat seine eigene Geschichte. Es gibt viele Wege – die Richtung, in die diese Wege führen, ist jedoch stets dieselbe, nämlich die konsequente Kindzentrierung.“ (S. 7) Das vorliegende Buch stellt den pädagogischen Ansatz der Offenen Arbeit in der Kindertagesbetreuung dar. Dabei geht es in erster Linie um Haltungen und Einstellungen von Erwachsenen. Diese wirken sich nach und nach auf die Begleitung der Entwicklungs- und Bildungsprozesse, also auf die Öffnung der Gruppen und die Gestaltung der Räume wie auch des pädagogischen Alltags aus. (Vgl. S. 19)

Autor_innen

  • Gerhard Regel, Diplom-Sozialpädagoge und analytischer Kinder- und Jungendpsychotherapeut, war viele Jahre in der Fachberatung für Kindertagesstätten beschäftigt und ist heute freiberuflich in der Fortbildung tätig.
  • Sonja Ahrens ist Erzieherin und leitet eine Kindertagesstätte. Sie hat Zusatzqualifikationen im Bereich Psychomotorik und Naturpädagogik sowie der Erwachsenenbildung. Studium der sozialen Arbeit.

(lt. Autoreninformation auf www.herder.de)

Aufbau

Nach Inhaltsverzeichnis und Vorwort gliedert sich das Buch in vier Kapitel:

  1. Zur Geschichte des Offenen Kindergartens (9 Seiten)
  2. Grundlagen und pädagogische Umsetzung (26 Seiten)
  3. Offene Arbeit in der Praxis (17 Seiten)
  4. Basisarbeit und Tagesstruktur (15 Seiten)

Anmerkungen (Fußnoten) und ein dreiseitiges Literaturverzeichnis schließen das Buch ab.

Inhalt

In ihrem Vorwort gehen die Autor_innen zunächst auf die Ursprünge des Ansatzes ein. Dass man damit auf dem „richtigen Weg“ sei, sehen sie in der NUBBEK-Studie belegt. Inzwischen trete die Empfehlung zur Öffnung auch von außen an die Kitas heran – sei es durch Wünsche oder Anordnung des Trägers oder durch konkrete Nennung in Bildungsplänen. Den Verfasser_innen geht es um „das Wesentliche“, dieses sollte zur Maxime der pädagogischen Gestaltung werden und geht so in einer differenzierten Ausgestaltung auf.

Das erste Kapitel beschreibt die historische Entwicklung der Basisbewegung „Offener Kindergarten“ und seine theoretische Verortung. Dabei geht es beispielsweise um Lebensbindungen von Kindern, offene Kommunikation und gemeinsame Verantwortung im Team und die Entwicklung zum eigenständigen Ansatz. Der Prozess beginnt mit der Öffnung der Türen und gruppenübergreifendem Arbeiten. Neben der Umgestaltung der Gruppen- und Nebenräume stellt sich auch die Frage, in wie weit Innen- und Außenbereiche gleichberechtigt sind.

Die Autor_innen betrachten im zweiten Kapitel erst die Grundannahmen einer konsequenten kindzentrierten Ausrichtung und gehen dabei beispielsweise auf die Bedeutung von Kindheit, die Freiheit von Kindern oder auf die Lebens- und Lernform „Spiel“ ein. Die Rolle der Erzieherinnen wird im zweiten Teil diskutiert. Dabei greifen sie Aspekte wie „Das Team als Herz“ mit gemeinsamer Verantwortung, Herzlichkeit, Achtsamkeit und Resonanz oder auch die Atmosphäre auf. Kapitelabschließend gehen sie auf die Raumgestaltung ein und fassen wesentliche Punkte des pädagogischen Alltags zusammen.

Mit dem dritten Kapitel beginnt der Praxisteil der Publikation. Sonja Ahrens stellt im ersten Abschnitt die Einrichtung Corvinus-Kindergarten vor, dessen Leitung sie aktuell inne hat. Zentrale Bedeutung schreibt sie der Leistung der Mitarbeiterschaft der Einrichtung zu. Ein multiprofessionelles Team, eine geplante Einarbeitung, festgelegte Zuständigkeitsbereiche unterstütze diese ebenso wie die „Schlüsselfigur Leiterin“, eine gelebte Erziehungspartnerschaft oder auch die Unterstützung durch Dritte. Im weiteren Verlauf geht die Autorin beispielsweise auch auf das Leitbild des Kirchenkreis Leine-Solling ein oder auf die Gestaltung der Übergänge.

Kapitel vier beschreibt die Elemente des Tagesablaufs, das Raumkonzept und die Besonderheiten des Corvinus-Kindergartens. Zu den Merkmalen zählen beispielsweise das Bewegungskonzept, die alltagsintegrierte Sprachförderung oder die Marte-Meo-Methode.

Diskussion

Die vorliegende Publikation konzentriert sich bei der Darstellung des pädagogischen Ansatzes der Offenen Arbeit tatsächlich auf das Wesentliche. Darauf weisen die Autor_innen bereits im Vorwort hin. Die Zusammenfassung der theoretischen Gedanken wird durch den Praxisteil ausgeglichen. Wird die Idee der Offen Arbeit zur grundlegenden Wertvorstellung der Einrichtung, so beginnt ein Weg, der mehr und mehr die individuellen Interessen des einzelnen Kindes in den Mittelpunkt stellt und darauf abzielt, ihm die Freiheit des eigenständiges Lernens zu ermöglichen. Dies führt, das stellen die Verfasser_innen dar, zu einer neuen Professionalität, die sich unter anderem dadurch auszeichnet, Kinder neu zu sehen beziehungsweise Kindsein neu zu bewerten.
Als Bedingung für eine Offene Arbeit sind gruppenübergreifende Angebote zu schaffen. Zudem sollte eine gute Zusammenarbeit und Kommunikation im Team vorherrschen, so dass der pädagogische Alltag und die konzeptionellen Gedanken reflektiert werden können.
In gruppenübergreifenden oder altershomogenen Angeboten kann man den verschiedenen Entwicklungsständen oder Interessen einzelner Kinder gerecht werden. Funktionsräume bieten den Raum, einen einzelnen Bildungsbereich umfassend abzubilden. Bei der Raumplanung sollten alle Bildungs- und Entwicklungsfelder gleichermaßen zum Zug kommen. Pädagogische Fachkräfte eines Teams werden hier über die persönlichen Interessen und Stärken hinaus gefordert, Kinder auch in anderen Bildungsbereichen zu begleiten und zu fördern.

Fazit

Das Buch eignet sich vor allem für Leser, der eine erste Information über das Offene Arbeiten suchen. Wer bereits Erfahrungen damit hat, ist besser beraten, nach Antworten auf konkrete Fragen zu recherchieren. Insgesamt gibt das Buch einen guten ersten Einblick in die Theorie und Praxis der Offenen Arbeit.


Rezensent
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH) Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Zitiervorschlag
Martin Walz. Rezension vom 23.03.2016 zu: Gerhard Regel, Sonja Ahrens: Offene Arbeit in der Kita. Pädagogische Ansätze auf einen Blick. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2016. ISBN 978-3-451-34840-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/20304.php, Datum des Zugriffs 21.10.2019.


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