Elsbeth Krieg (Hrsg.): Lernen von Reggio (Reggio-Pädagogik im Kindergarten)
Rezensiert von Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy, 15.02.2005
Elsbeth Krieg (Hrsg.): Lernen von Reggio. Theorie und Praxis der Reggio-Pädagogik im Kindergarten. Verlag Hans Jacobs (Lage) 2004. 2. Auflage. 156 Seiten. ISBN 978-3-932136-89-4. 14,90 EUR.
Autorinnen und Autoren
- Dr. Elsbeth Krieg (Hrsg.) ist Diplom-Pädagogin, Erzieherin und Fortbildnerin. Sie war Leiterin des STEP-Projekts 2000-2002 am Comenius Institut, Münster und ist Professorin an der Ev. Fachhochschule Hannover.
- Dr. Helmut Krieg, Buchwissenschaftler, Diplom-Designer und Fortbildner war wissenschaftlicher Mitarbeiter im STEP-Projekts 2000-2002 am Comenius Institut, Münster.
- u.a.
Einführung ins Thema
Die Reggio Pädagogik wird seit über dreißig Jahren in den kommunalen Kindertagesstätten der norditalienischen Stadt Reggio Emilia praktiziert und wurde 1991 von der UNESCO als weltweit beste Pädagogik für die Erziehung von Kindern im vorschulischen Alter ausgezeichnet. In "Lernen von Reggio" werden Wege einer Anwendung dieser Pädagogik in deutschen Kindertageseinrichtungen dargestellt. Dazu berichten deutsche Erzieherinnen aus verschiedenen Kindertageseinrichtungen und eine ehemalige Fachberaterin über ihre ersten Erfahrungen mit der Reggio-Pädagogik und reflektieren diese.
Aufbau und Inhalt
Die Veröffentlichung gliedert sich in zwei Teile, wobei der erste Teil in sechs und der zweite Teil in sieben Themenblöcke unterteilt ist.
Im ersten Teil erfolgt die Beschreibung der Reggio-Pädagogik basierend auf ihrer anthropologischen Grundlage. Im Mittelpunkt der Pädagogik steht das wahrnehmende, forschende und lernende Kind, dessen Erfahrungen und Ausdrucksvielfalt sich in 'hundert Sprachen' äußert. Ausgehend vom Bild des Kindes wird seine Entwicklung als Prozess der aktiven Auseinandersetzung mit seiner Umwelt dargestellt und an Hand von Beispielen aus den kommunalen Kindertagesstätten aus Reggio Emilia transparent gemacht. Es wird die 'Pädagogik der Veränderung' dargestellt, die das gesamte Konzept und die pädagogische Arbeit erfasst, die Kindern Raum schafft und Zeit lässt zum Entdecken, Forschen, Diskutieren etc.. Dadurch wird selbstbestimmtes Handeln möglich, das dazu beiträgt neue Erfahrungen zu machen und Fähigkeiten zu entwickeln. Erziehung wird dabei als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden, in einem Netz vielfältiger Beziehungen und Kooperationen.
Zur Begleitung des Kindes wird der Interaktion und dem Dialog zwischen Erzieherinnen und Kindern eine große Bedeutung zugewiesen. Um einerseits kindliches Handeln zu verstehen und begleiten zu können und dieses andererseits analysieren zu können und somit aus den Prozessen als Erzieherin selbst zu lernen, ist die Beobachtung und Dokumentation kindlicher Eigenaktivität ein tragendes Element der pädagogischen Arbeit. Als weiteres grundlegendes Merkmal wird die Arbeit der Kinder an unterschiedlichen Projekten oder einer Thematik mit unterschiedlichen Schwerpunkten hervorgehoben, die den Kindern die Auseinandersetzung mit ihren individuellen Interessen und Begabungen ermöglicht. Die Entwicklung der Projekte basiert dabei nicht auf engen Zielvorgaben der Erzieherinnen, sondern an der Orientierung kindlicher Interessen. Diese wertschätzende und kindorientierte Grundorientierung bildet das Fundament aller pädagogischen Handlungen findet weiter Berücksichtigung bei der Raumgestaltung, Elternarbeit und Teamarbeit.
Der zweite Teil des Buches befasst sich mit der Möglichkeit des Lernens von Reggio. Erzieherinnen aus unterschiedlichen Kindertageseinrichtungen und eine ehemalige Fachberaterin berichten von ihren Erfahrungen mit der Reggio-Pädagogik. Dabei geht es nicht um eine Übertagung auf Deutschland im Sinne einer Nachahmung, sondern um eine Übertragung in Form einer Transformation auf die speziellen örtlichen Bedingungen unter Berücksichtigung der deutschen Kultur, Tradition und gesellschaftspolitischer Entwicklungen. Ausgangspunkt dazu ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Menschenbild und dem Bild vom Kind hinsichtlich des eigenen Rollenverständnisses als Erzieherin, der pädagogischen Konzeption und eigener pädagogischer Handlungen allein und im Team. Die Selbstreflexion und das Lernen aus eigenen Fehlern wird dabei als Voraussetzung gesehen, die kann helfen, das eigene pädagogische Verhalten Schritt für Schritt zu verändern.
Im weiteren Verlauf des zweiten Teils der Veröffentlichung wird die Umsetzung der Elemente 'Beobachtung und Dokumentation', 'Projektarbeit', 'Raumgestaltung', 'Elternarbeit und Teamarbeit' diskutiert und mit Beispielen und Erfahrungen aus der Praxis belegt. Überschriften sind:
- Prozesse festhalten
- Die Eltern sind mit uns ins Gespräch gekommen
- Von kleinen und großen Projekten
- Erfahrungsraum-Raumerfahrung
- Stützende Strukturen
Unter der Überschrift "Ein Schiff, das in die Zukunft fährt" ziehen Elsbeth Krieg und Helmuth Krieg Bilanz. Kurz werden unterschiedliche Herangehensweisen aufgezeigt und Mut gemacht sich in kleinen Schritten auf den Weg zu einem anderen pädagogischen Verhalten zu begeben. "Bei kleineren und größeren Schritten gilt zu bedenken, dass Zeit ein Schlüsselbegriff der Pädagogik ist. Dies trifft nicht nur für Kinder zu, sondern ebenso für uns. Auch wir brauchen Zeit für unsere eigenen Prozesse, machen dabei Umwege und Wiederholungen, müssen manchmal pausieren und uns manchmal auch in Sprüngen bewegen. Es ist wichtig, dass man dies bei sich zulassen kann". (S.150)
Fazit
"Lernen von Reggio" ist eine praxisnahe Veröffentlichung, die beim Lesen Spaß bereitet. Kompetent und mit vielen Beispielen versehen werden im ersten Teil das Lern- und Entwicklungskonzept der Reggio-Pädagogik gut strukturiert vorstellt und im zweiten Teil Beispiele und umsetzbarer Praxishilfen für die deutsche Praxis vorstellt. An vielen Stellen wird dabei die große Erfahrung von Elsbeth Krieg und Helmuth Krieg mit diesem pädagogischen Ansatz deutlich.
Für Erzieherinnen, die ihr eigenes pädagogisches Handeln hinterfragen möchten oder solche, die sich näher mit dem Ansatz und der Umsetzung der Reggio-Pädagogik auseinander setzen möchten, kann dieses Buch nur empfohlen werden.
Rezension von
Dipl.-Päd. Elke Katharina Klaudy
Es gibt 42 Rezensionen von Elke Katharina Klaudy.





